Entrevue ein hellere« Licht toeiftn und diese erfreulicherweise als eine sehr be. friedigende hinstellen, vor der officiellen Bekanntmachnuq des Termins, wozu auch die Sorge für ein Attentat gege»i den Kaiser Alexrnber mit beitragen mag. Die definitive Nachricht wird daher wohl erst unmittelbar tot der Begegnung selbst veröffentlicht werden. Nicht allzugünstig für dl« Türkei lauten di« Nachrichten aus dem Orient. Ueber die Vorgänge in Egypten lagert sich der Schleier tiefsten Geheimnisses, ui d von dem, was sich dort wirklich ereignet, erfährt man fast nichts, zu dem regt's sich in Albanien wieder einmal ganz gewaltig, und die noch nicht so recht durch den Gouverneur Derwisch Pascha gedemüthigten Bergvölker erheben von Neuem ihr Haupt, um sich zu einem selbstständigen Staate im Staate zu machen. Von der grt-chischen Grenze her sind einige kleine Streitereien zu melden, die aber hoffentlich nichts weiter zu bedeuten haben, umsoweniger, da König Georg von Griechenland eine Rundreise durch die neuerworbenen Landestheile unternimmt, um sich von seinen jüngsten LandrSkindern begrüßen zu laffcn.
Lokale-.
Gießen, 1. Oktober. (Sitzung der Stadtverordneten vom 29. v MtS.j Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneter Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst. Gail, Grüneberg, Han st ein, Hoch, Hom- berger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Äug. Noll, Petri, Pfannmüller Scheel, Schopbach, Vogt, Wenzel und Wortmann. — Behufs Reform der polizeillchtn Milchcontrole war s Z von Großher^ogl. Kreisamte Gießen Vorlage gemacht worden und wurden dl- von der Sladtverordnetcn-Vcrsammlung vorgeschlagenen Abänderungen verschiedener Großh. Ministerium vorgelegt. Letzteres hat hierauf von Großh. CentialNelle für Landwirih chaft ein Gutachten eil gefordirt, welches in bit gestrigen Sitzung verlesen wurde. Nach verschiedenen Seitens de8 Herrn Wort mann, welcher als Saäwerständiger Bericht erstattete, vorgebrachten Bedenken gegen einzelne §§ des Entwurf?, namentlich bezüglich des Gewichts und Gehalts be* Milch, stellt derselbe den Antrag, man möge aus den von ihm an« geführtcn Gründen von der E nfüb ung der polizeilichen Milchcontrole vorläufig obieüen. Es wird beschlossen, die von Herrn Wort mann gemachten Vorschläge Großh. Ministerium zu unterbreiten. — In einer früheren Sitzung wurde der Ausbau der Plockstrc,ße beschlossen und Kroßb. Kretsamt Vorlage gemacht Dasselbe rescribirt, daß Seitens der Stadt das Prosect der Durchführung der Plockftraße unter Zugrundelegung der neuen Bauordnung aufgelegt werden möge. Hierzu bat die Baudeputation den Antrag gestellt, auch gletchzettlg die Baulinie für frag!. Straße festzusetz-n, welchem Anträge die Versammlung sich anschlteßt. — (Sinern Gesuche ces Rechtsanwalts Dr Brtel gegenüber, welcher einen Austausch von Gelände, welches in der Flucht der Schotlstraße liegt, anstrebt, wird beschlossen, vorerst die Einführung der neuen Bau- ordnung abzuwarten. — Infolge einer Eingabe des Herrn Stadtverordneten Batst har d,e Finanzdepuiatton die Consolidirung der schwebenden Schuld beantragt. Die Versammlung tiitt dem Anträge bet und soll daS Wettere in dieser Angelegenheit der Finanzdeputation über wiesen werden. — In der Angelegenheit der Rcclamation des Fabrikanten Ad. Noll wegen Doppelbtsteuerung hat die vereinigte Finanz- und juristische Commis'-on beschlossen, auf das Gesuch nicht einzugehen, sondern den Reclamanten auf den Weg der Instanzen zu verweisen. Die Versammlung trat diesem Beschlüsse bet. — Der früher tn Folge erhobener Reclarnatton über die Entrichtung von Octrot für Spiritus, welcher von einigen hiesigen Agenten tn unverändertem Zustande wieder ausgeführt wird, gefaßte Beschluß, hierfür nur eine sg. Verwaltungsgebühr zu erheben, ist nach Ablauf der gestellten Frist außer Wirkung getreten. Nach dem dtesfallsigen Bericht des Octroicontroleurs Jost hat die Finanzdeputation beantragt, das probeweise eingedaltene Verfahren bis auf Weiteres gelten zu lassen. Wird genehmigt. — Die Klage gegen den Ortsarmenverband Wetzlos wird genehmigt; desgleichen die Vergebung der Kultur- und Holzhauerlöhne für die Arbeiten im Stadtwalde pro 1882/83. — In Betreff von Weganlagen und Pflanzungen auf dem Friedhöfe sind Pläne von Herrn Kunstgärtnrr Deines kingefoedert wv7dcn. Dieselbe werden genebnngt. — Das Gesuch des Geschtrrbändlers Ph. Wagner, welcher den vor seinem Hause tn der Marktstroße gelegenen Platz käuflich erwerben will, um darauf einen Vorbau zur Einrichtung eines Verkaufslocals anzulegen, wird insoweit genehmigt, als das betr. Gelände dem Gelucksteller nur pachtweise überlasten werden soll. — Die Bauveränderung an dem Gebäude der Kaiser!. Post (Errichtung eines Schalters) wird genehmigt, ebenso die Baurrlaubniß, resp. Bauveränderungs k. Gesuche von Schretnerm-ister Earl Hahn (Erbauung einer Remise in der Katharinengaste), Rechtsanwalt Dr. Dtt tmar (Herstellung einer provisorischen Einfriedig ung), Weißbinder Ehr. Petri V. (Anlage eineß Hofthors), Hermann Koch (Errichtung eines Hintergebäudes). Das^Gesuch des Kaufmanns B- Do ff lein um Trottoirpflasterung vor seinem Hause in der Wallthorstraße wird ebenfalls genehmigt, nachdem Gesuchstcllcr sich zur Tragung der Hälfte der Kosten bereit erklärt hat.
vermischte».
— (Immerwährender Braut und EhestandS-Kalender.) Ricterwochen. (Erste ritterliche Anwerbung.) — Gitterwochrn. (Die Geliebte wird von ihren Verwandten eingesperrt.) — Zitterwochen. (ObS etwaS wird?) — Flitterwochen. (In dulci jubilo). — SpltttersocheN. (Man sieht die Splitter im Auge des Anderen.) — Bitterwochen. (Wird öfter unangenehm). — Gewitierwochen. (Offener Kampf )
Frankfurt, 29. September s Amtsgericht) Eine überaus heitere GerichtSscene, gegen d<ren Komik selbst der offieielle Ernst der Richter und der Staatsanwalt nicht ganz sich verschließen mag, besch ießt dir heutige Sitzung. Auf der Änkiagibank nimmt an Mann aus Biedenkopf Platz, dem seine Frau alS Zeugin daS eheliche Geleite gibt: der Lchu macker Georg Wilhelm Schmidt, 55 Jahre, dessen graue Haare kein Symbol der gereisten Intelligenz und Lebenserfahrung sind. Der Mann, völlig urbefdiolten, ist ohne Zweifel eine angejehrne Persönlichkeit in seiner Hcimaih: er ist seit 8 Jahren Gemeinderath, Mitglied der evangeltschen Kreissynode und der Emichätzungs Commission. Sein Unglück ist, daß er mc tm Leben einen Operngucker erblickt Hai. Am 29. Juli machte er sich mit seiner Frau auf, um Frankfurt zu besuchen. Noch nie hatte er bisher sein Slädtlein verlasten, kaum die Nebengaste, wo er wohnt. Seine Reise nach der Großstadt zeigte einmal wieder, was einem bäuerlichen Ehepaar dort alle6 passtren kann, wie wir das aus Witzblättern kennen. Ein Biedenkopfer Freund hatte ibm den Besuch des Panoramas empfohlen. Sein erster Gang ist dorthin. Hier entsetzt er sich über den Preis von 4 JL Auch sucht er nach ein.m „Büchelche" für 20 H, wo Alles drin stellt, wie ihm sein Freund gesaut Er kauft aber leider nicht Jo ä Büchelchr", sondern nimmt an unbekanntes Etwas, einen Operngucker, der dort zum Verleihen an die Brsucher ausliegt. „Was kostet so ä Ding?" fragte er naiv. Antwort: 20^". Er nimmt’« und weder er noch die Ehehälfte kommen damit zurecht. Sie gucken durch's Objecnvglas und sehen nichts. „ES rr ar, als ob ein Nebel vor war.- Der Flau war überhaupt Alles so sonderbar", gerade so wie in einer anderen Welt". Er tauscht das Glas um und manövrirt an der Schraube ol ne Erfolg. Seine Frage, ob das Ding ebensoviel kostet, wie das andere, wird bejaht. Er beruhigte sich schließlich, denn gekauft ist gekauft und seine 20 H sind bezahlt. Sie haben sich „die B'.der" angesehen und denken an den Heimweg, denn sie sind die Nacht gefahren, ohne zu esten und der Appetit regt sich. Das „Ding" steckt et ein. weil er es eben gekauft hat, und geht weg. E^' stcckt es ganz unverhohlen ein vor den Augen des Beamten. Man eilt ibm nach und die Polizei nimmt ihn beim Kragen. H utc sitzt der biedere Gemelnderath, Kirchenvater und EiNichätzungs-Commissär von Biedenkopf wie versteinert auf dem Bänk.lchc. Beide Eheleute geben in naivster Weise ein Bild ihrer Erlebnisse um des vermaledeiten „Dings" willen. „Eigentlich ist es eine Dummheit", sagte der Gemeinderath. „Ja, ja, Dummheit kann man's nennen", bikräftigte die Oemelr.dcräthin, „aber nei ä böse Absicht." Der Meinung ist auch der StaaiSanwalt, der nicht einmal ein-n „Bauernknlff" annehmtn mag. Hier zeigt sich ein; mal der Segen der Mündlichkeit deS Gerichtsverfahrens. DaS schriftliche Verfahren wäre für den Angeklagten wohl ein moralischer Genickbruch geworden. Der persönliche Eindruck teß Mannes vernichtet jeden Zweifel an der Glaubhaftigkeit einet V.'rtheidigung, di< lonfl c.n Unverfiorenheit das Menschenmögliche leistet Man muß annehmen, baß er geglaubt bat, ein Instrument, das 32 JL Werth ist, für 20 H gekauft zu haben. Der Staatsanwalt beantragt Freisprechung, die Verthcidigung auch, welche die „grenzenlose Dummheit" ihreS Klienten in's Vordcrtreffen führt. Das Resultat ist denn auch dem cnispreckeno.______________
Handel und Äerkehr.
— Neuerer Bestimmung des NeichspostumtS zufolge sind Ausschnitie aus Druckwerken, welche zum Zwecke der Neuauflage des Werkes mit Berichtigungen, Ergänzungen u. s- ii). versehen an ö;e Verlags: ober dergleichen Stelle zurückgesandt werden, nicht als Correcturbog.n anzusehen und demgemäß auch nicht gegen Die e - niäßigte Taxe zu befördern. Ferner ist Folgendes bestimmt: Unlerhallen Handel .- firmen an Orten außerhalb des Hauptniederlassungsortes Agenturen, so genügt es zu.n Nachweise der Berechtigung der Agenturen, die am Orte der Agentur unter der Adresse der Finna eingehenden Postsendungen in Empfang zu nehmen, wenn dir Firma bei der Postanstalt des WohreorteS des Agenten eine auf dessen Namen lautende Post- Vollmacht niederlegt. Bedingung hierbei ist jedoch, daß am Wobnortr des Agent-n sich keine mit der Firma des Auftraggebers gleichlautende Firma befindet. Demnächst ist darauf hinzuweisen, daß in solchen Orten, in welchen nach der Vereinbarung zwischen der Post- und Steuerbehörde zollpflichtige, vom Auslände mit der Post emget:offene Pakete auf Verlangen der Enipfänger durch einen Postbeamten bei der St- uerstelle verzollt werden können, die nach Maßgabe dieser Vereinbarung behandelten Pakete unter Einziehung des Zolles und einer zur Postkasse fließenden Verzollungsgebühr von 20 H für jedes Paket an bte Empfänger auf bein gewöhnlichen Weg bestellt werben können. Bei Paketen ohne Werthangabe bis zum Gewicht von 3 Kg ist i * ber Verzollungsgebühr von 20 H das Bestellgeld mit einbegriffen, bet allen übrigen Paketen treten zu der VerzollungSgebühr die gewöhnlichen Bestellg ldiäste.
Sltiö li scheHän8ek-8chilIe (Pensionat j in Marktbreit a. Main. — Die Neifezeugnisse berechtigen zum einjährig-freiwillig'n Dienste. — Beständige Aufsicht; mäßiges Honorar. (9/.H
Lieferung.
6403) Für daS (LroßherzogUche akademische Hospital zu Gießen sollen nachstehende Gegenstände im Wege der Submission beschafft werden und zwar:
Kohlrabi,
ctrca 350
Centner
Kartof
fein,
10
tt
gelbe
4
tt
weiße
Rüben,
1
n
rothe
6
tt
untererdige gelbe
8 „
Aepfel,
500 Stück
Weißkraut,
60 „
Rothkraut,
200 „
Wirsing.
Schriftliche Offerten mit der Auf- schrtst „Lieferung von Knchenbedürf- ntffen" sind bis zum 8. Oktober er. portofrei aus das Lerwaltungsbureau emzusenden, woselbst auch die näheren Bedingungen etnqesehen werden können.
Gießen, den 28. September 1881.
Großherzogltche Direktion des akademischen Hospitals. ____________Riegel.____________
Freitag den 7. Oktober,
Nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Orlsaericht die Hofraithe des Karl Lange dahier
Flur 1/522 65v Mtr. Hosraitbe auf dem Seltersweg,
Flur 1/523 3369 Mtr. Gradaarten daselbst zum vierten und letzten Mal versteigert werden und wird die Genehmigung sofort beantragt-
Gießen, den 23. September 1881.
Großh Ortsgericht. 9AAX Müller.
Allgemeiner Anzeiger.
VersteigcrunftS-Anzcige.
Mittwoch den S. und Donnerstag den 6. Oktober er. läßt der Unterzeichnete von Mittags 1 Uhr an im Saaie d s Gasthauses Bramm in der Neustadt hier die verfallenen Piä «der von Nr. 37303 bis incl. Nr. 39112, bestehend in Herren, und Damenkletdern, Weißzeug und Bettwerk jeder Art, goldenen und silbernen Herren- und Damenuhren, Goldschmuck, optisch, und medicin. Instrumenten, einer großen Partie neuer Herren- Winter-Ueberzieher und Kaisermuntei, sowie einer Partie wollener Pferde- und Bertteppiche, öffentlich an den Meistbietenden gegen Baarzahlung versteigern.
Obige Pfänder können noch bis zum 2. October ausgelöst oder pro- longirt werden. - (6224
ü. Grunebnum.
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: 1 . 2.50
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Sämmtliche Gegenstände können am Versteigerungstag, Morgens von 10 biS 12 Uhr angesehen werben.
Gießen, ben 29. September 1881.
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