„leichtert wird. Zu blefcr Grundursache de« Elmer Sturzes kam der Betrieb deS Bergwerke« alS offenen Tagbau«, d. h. alS g wohnlichen Stembruch«, der die über den verwendbaren Schiefer liegenden unbrauchbaren Partien abzusprengen und so eine sehr beständig gegen den Berg sich vorlegende Wand herzustellen nölhigte. Dieser Bergbau hat jedenfalls den Sturbegünstigt, einmal dadurch, daß er local eine künstliche für daS Gestein viel -u steile Böschung schuf, dann wohl auch durch die Erschütterung der Sprengarbeit.
— lWas ein Stammtisch ist ] DaS laßt sich leicht erklären. (5m Stammtisch ist ein bestimmter Lisch in einer icRimmttn Restauration, in einem bestimmten Winkel derselben, an dem zur bestimmten Stunde deS Tage« bestimmte Gäste Platz nehmen; diese« sind die Stamm aäste. WaS ist ein Stammgast? DaS wird von einem Dresdener Blatt also desinirt: Wenn in einem Restaurant ein Herr daS Bierglas in die Höhe hebt und einen prüfenden Blick durch- wirft und der Wirth springt hinzu und fragt ängstlich und devot: „Wohl trübe?" und der Herr antwortet: „Rein, nur ein kleines Stückchen Pech, eS hat sich schon gesetzt, thut nichts", der Wirth aber da« Glas ergreift, dam^t zur BierauSgabe stürzt, unterwegS zwei Kellnerjungen maulschelltrt und dem Herrn ein frischeS GlaS Bier mit der Bitte kredenzt, zu entschuldigen K„ fo ist der Herr ein seltener Gast. Wenn ein anderer Herr das BierglaS in die Höhe hebt, durchsieht und zum Wirth, der gerade vorübergeht, sogt: „Heute recht viel Pech im Bier", worauf der Wirth leichthin antwortet: „Ja, das kann Vorkommen", dabei aber dem Kellner ein Hetären gibt, das Bier umzutauschen, so ist der Herr ein regelmäßiger, aber kein täglicher Gast Wenn aber ein Herr tn'S Bierglas guckt und bald darauf mit einem Hölzchen eine Menge Pech auS demselben fischt, ganz bescheiden zum Wirth, der, die Hände in den Hosentaschen, ruhig zusieht, sagt: „Über daS muß das letzte vom Faß sein, das kann man vor Peck kaum trinken", und der Wirth wird feuerroth und schnauzt den Herrn an: „Na, Ihrem Schwetnemagen schadt's dock nicht, wenn er einmal ausgepicht toub!N — so ist das ein Stammgast vom Stammtisch nota bene!
Ober-Jngelhetm, 25. September. Eine hiesige Gerberei besitzt einen Brunnen der das Geoäude in allen Theilen mit Wasser versorgt. Vor einigen Tagen öffnete die Köchin in der Küche den Krahnen und nehe da, es entströmte der Leitung statt Wasser eine rotbe Flüssigkeit Als man dieselbe prüfte, fand fick, daß es rother Wein war- Die sämmtlichen Arbeiter kamen auf die seltene Botschaft so schnell als möglich herbei und machten sich über den Wein her. Es trank sich mancher einen regelrechten Zopf an, bis statt Wein wieder Wasser floß. Die Sache erhielt folgende Aufklärung: Oberhalb des Brunnenschachts befindet sich nämlich ein Weinkeller. In demselben war ein Stückfaß rothen Weines ausgelaufen, der sich durch das Senkloch des Kellers in den Brunnen ergoß und nachher den Weg wieder nach auswäcts durch die Leitung nahm. Der Wein war allerdings etwas gewässert, aber bei seinem billigen Preise soll er den Trinkern doch ganz gut gemundet haben.
— sEin Trauerspiel während der Eomödie.^ Das Fremdensest in den Tuilerien zu Paris war am 20. September der Schauplatz eines erschütternden Dramas. Ein Gymnastiker, Namens Delaplanche, producirte in einer Seitenallee seine Künste und ließ sich zum Schlüsse, auf einem Stuhle stehend, mit Stricken um die Füße, Brust und Hals an einen Baum binden, worauf er den Stuhl mit den Füßen von sich stieß, indem er dabei dem Publikum versprach, sich selbst losbmden zu wollen, wenn oei der Collecre 30 Sous für ihn eingehen. Seine Frau sammelte allein, aber das Geld wollte nicht eingehen. Nach einigen Minuten zog sich das Gesicht des Künstlers zusammen und er fragte, ob der Betrag noch nicht beisammen sei. „Es fehlen noch zwei Sous", sagte seine Frau. Ein mitleidiger Zuschauer warf endlich diese Kleinigkeit auf die Schüssel. Delaplanche begann jetzt sich loszubinden und hatte schon die Hände freigemacht, als sich auf einmal seine Augen weit öffneten und der Kopf langsam auf die Brust herabsank. Man stürzte auf ihn los, durchschnitt die Stricke — aber es war zu spät — der Unglückliche war tobt. Es folgte nun eine herzzerreißende Scene. Die Frau und seine sechs Kinder stürzten auf den armen Tobten los, riefen ihn verzweifelt und bedeckten ihn mit Küssen und Thränen. Eine Minute hatte genügt um eine Wittwe und sechs Waisen zu machen. Es wurde sogleich eine Sammlung veranstaltet, welche ihnen für einige Wochen den Lebensunterhalt sichern kann
— sSchutz gegen Ameisen.j Die Carbolsäure, selbst in hundertfältiger Verdünnung, wird mit Erfolg gegen manche Insekten, Erdflöhe, Blattläuse und nament- licb die Ameisen angewendet, indem die Blätter mit dieser Lösung besprengt werden Bäume werden dadurch aegen Ameisen geschützt, daß mit obiger Lösung getränkte Watte um den Stamm gebunden wird. Die Anfeuchtung mit Carbolsäure ist nach Bedarf zu wiederholen.
Monsieur Hochachtungsvoll ist, tote die Franzosen herauSgebracht haben, ein Bürger von Frankfurt a. M., besien Namen man allerbings in dem Adreßbuch vergeblich suchen wirb. Die Admintstration der „Franks. Preffe" sanbte vor einigen Tagen eine geschäftliche-Mittheilung an bte Adresse eine« in einer Stadt Frankreichs wohnenden Manne«, die dem Usus gemäß mit ben Worten „Hochachtungsvoll re." schloß. Die Sendung kam als unbestellbar zurück, und zwar von dem französsischen Postamt mit der Adresse versehen: „Monsieur Hochachtungsvoll a Francfort“.
— sDie vernünftigste Fraus. Eine arme Frau kommt in daß Sprechzimmer eineS berühmten Chirurgen, zieht einen Aermel zurück und sagt: »Verbrannt". Verordnung deS ArzteS: „Umscklag von geriebenen Kartoffeln". Damit war die Konsultation beendigt Folgenden Tag gestaltet sie sich noch kürzer. Wieder bloße Vorweisung mit: „Bester!" Verordnung : „Die Umschläge fortsetzen!" — AlS einige Tage später die Geheilte die Frage stellte. „Ihre Gebühren?" erwiderte der Arzt: „Nichts, Sie sind daS vernünftigste Weib, das mir je vorkam!"
— Woher kommt daS Wort Candidat? Die Gelehrten wisten recht gut, woher eS kommt, aber der holsteinische Bauer weiß es doch noch bester. „Alleweg gut deutsch!" meint bet Holsteiner, „wozu erst frembe Sprachen zu Hilfe nehmen!" und erklärt das Wort folgendermaßen: „Wenn da ein junger Mann hohe Schulen besuckt und viel gelernt hat, so geht er zum Examen. Und dann fragen ihn die Herren in weißen Binden hin und der und der junge Mann antwortet — wenn er kann. „Dor heit bat btnn", erklärt der Holsteiner weiter „kann de btt? und kan bc bat ? Unb kan be bat. so is bei en Candidat!"
Handel und Verkehr.
Gießen, 1. Oktbr. Auf dem heuttgen Wochenmarkte kostete • Butter per Pfb. JL 1.08, bis vH. 1.15, Hühnereier 1 Stück 6— 2 Stück 00 H, Enteneier per Stück 0 H,
2 Stück 00 H Rife per Stück 5—9 A Käsematte per Stück 3 0 A drhfm 1 22 3,, Linsen 1 Liter 24 Tnub.-n Mi jiacr X 0 50—0.70, Hübner p.
». ®L X 0.45 -0.60, Enten per Stück X 1.30-1.60, SLns?p«r Pf^nd 45—60 A 2ßelfd)e $er ©tütf Jt 0.—0, Ochsenfleisch 64—00 H per Pfd., Kuh» um Rindfleisch 46 bi« 50 H, Kalbfleisch 44 —48 Hammelfleisch 50—60 Schweinefleisch 64—00 A flnrtoffefn p» *00 Rilo X 3.00-4.00, -iw.eb.ln 7er Ctt X W-Mnut 1 St. 10-40 Z-.tschen per L-ntn.r 7 X
Lauben
alt 64
3 Mon.
Den 27. September. Johann Philipp Schlatter, Kaufmann, alt 62 Jahre 12 Tage, gestorben den 25. September.
Den 28. September. Katharine Pbtlippine Therese Faß, geb. Kelkchebach Ehefrau de« Bäckermeister« Christian Faß, alt 31 Jahre 8 Mon. 3 Tage, gestorben den 26. September.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 25. September. Friedrich Andrea« Neye, Kammerdiener in Darmstadt unb Christine Keßler, bes Dienstmanns Johannes Keßler ehel. Tochter.
Getaufte.
Den 25. September. Dem Kutscher Jakob Ferber ein Sohn, Christian, geboren ben 13. September.
Denselben. Dem Schuhmach:r Johanne« Weisel eine Tochter, Karoline Marte Konradine Johanna, geboren ben 11. September.
Denselben. Dem Polizeiwachtmeister Heinrich Casper eine Tochter, Johanna Magbalene geboren ben 23. August.
Denselben. Dem Kutscher Heinrich Hardt ein Sohn, Karl, geboren ben 5. August. Denselben. Dem AbtheilungSbaumeister zu Krruzwald in Lothringen, Emil
Heimer ein Sohn, Wilhelm Julius August Heinrich, geboren ben 11. August.
Beerdigte.
Den 26. September. Friedrich Christian August Meister, Eisenbahnschloffer Jahre 1 Tag, gestorben Den 24. September.
bn Nachmittags 2 Uhr 10 Mir, (Idegr. GourSberidv.
Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.» Credit-
aclien 621s/b, Staatsb.-ictten 312'/«, Gali,ter 282-/«, Oest. Silberrenke 67</s, 4»/» Ungar. ®°nU 92. ^cnbenHeft880" SU|,<n 76, 2' Onem-Anle.be 61'»/,°, 5% Rumäntia,
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Vom 24. September bis 1. Oktober 1881.
Aufgebote.
- , Den 28 September. Schriftsetzer Ludwig Karl Jakob Kolbe mit Amalie Auguste Gieß, Tochter be« Meblhänblers Johannes Gieß von Marburg. 28. Bremser Hermann Joseph Pauli
mit Margarethe Rtebel, Tochter de« verst. Weichensteller« Johann Ph,- w" dkaffen-Beerfurth. 30. Sattler unb Tapezier Georg Wilhelm Karl Christian Fnebel mit Truste Karoline Schwalb, Tochter be« Dachdeckermeiste,« Hermann Schwalb von .‘em30- Michael Jakob Rühl von Seligenstadt mit Karoline Marie Weidig ged.
Ockel, Wittwe des Kaufmanns Heinrich Konrad Ernst Christian Weidig von Gießen.
.. Eheschließungen.
_ c, September. Kammerdiener Friedrich Andrea« Neye von Pleffow mit Christine
Keßler, Tochter des Dienstmanns Johannes Keßler zu Gießen.
_ Geborene.
__ _ Den 19. September. Dem Gendarm Heinrich Hau« ein Sohn, Friedrich. 20. Dem «chubmacher Heinrich Bender eine Tochter Karoline Wilhelmine Christiane. 21. Dem Arbeiter Karl Schmtdt em Sohn, Karl Ferdinand Friedrich 21. Eine Tochter von auswärr«, Fran ziska. 21. Ein Sohn von anSwärts. 22. Dem Schreiner Eduard Menn ein Sohn Karl P^l'pp. 22. Dem Schloffermeister Karl Pfaff ein Sohn, Philipp Christian. 23. D<m Schreiner Ludwig Koch eine Tochter, Auguste Franziska. 24. Dem Bremser Georg Heim eine Achter, Henriette Sophie Louise Eltsabethe. 25. Dem Maurer Martm Melcker eine Tochter
c??"' Müller Johanne« Hofmann eine Tochter, Katharine Georgine Elisabethe. 26. Dem Maschinenfabrlkanten Georg Renzel eine Tochter. 27. Dem Schreiner Karl Dickhardt nne Tochter. 28. Dem Major Otto Bertram eine Tochter, Pauline.
Gestorbene.
Den 24 September. Schlosser Christian Meister. 64 Jahre alt. 25. Kaufmann Johann Philipp Schlatter, 62 Jahre alt. 26. Katharine Philippine Tberese Faß, geb. Kelscdeback 31 Jahre alt, Ehefrau des Bäckermeisters Bernhard Heinrich Christian Faß. 27. Johanne« Karl 1 1 Monate alt, Sohn des Taglöhner« Johannes Balßer.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde suGießen. Der Confirmandenunterricht wird in dieser Woche feinen Anfang nehmen: Für die Gymnasiasten: Montag Nachmittaa« 2 Uhr.
Für die Realschüler: Montag Vormittag« 11 Ubr.
Für die Stadtschüler: Dienstag Vormittag« 11 Ubr.
Die Mädchen werden gebeten, za einer vorläufigen Besprechung sich Sonntag Nach' mittag nach dem Gottesdienst im Chor der Stabtkirche zu versammeln.
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