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hochachtungsvoll J. Höss.

stk. 149, Mittwoch den 30. Juni 1889.

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AMgk- nni Amtsblatt fit in Kreis Gießt».

} Schulstr-ße B. 18.

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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Preussen und Hannover im Mai 1866.

Zur Beleuchtung der Controverse, welche zwischen den Abgg. v. Ben­nigsen und Windthorst über die Genesis des Bruches mit Hannover Ontstanden ist, ist dieNordd. Allg. Ztg." in den Stand gesetzt, die nachstehenden acten- mäßigen Angaben zu veröffentlichen:

I. Am 5. Mai 1866 berichtete der Prinz Isenburg, preußischer Ge­sandter in Hannover, zu seiner Uebrrraschung habe der Minister, Graf Platen, ihm gesagt, die Exercierzeit, die sonst in den Herbst falle, werde diesmal schon in dem lausenden Monat beginnen. Der König Georg habe diese Maßregel für nothwendtg erkannt, weil unter den gegenwärtigen Zettverhältntffen leicht einmal die Ruhe in seinem Lande gestört werden könne und er dafür doch etwas mehr Soldaten zur Disposition haben wolle. Der Gesandte berechnet, daß die hannöver'schen Bataillone durch die Einberufung zum Exercieren von 264 Mann auf 560 würden gebracht werden. Am folgenden Tage berichtete der Gesandte, die Maßregel sollte damit motivirt sein, daß in diesem Jahre eine frühzeitigere Ernte als gewöhnlich zu erwarten sein dürfte.

II. Am 7. Mai telegraphirte der Ministerpräsident v. Bismarck an Isenburg:Seine Majestät hat die Absicht gehabt, die Neutralität Hanno­vers zu respecttren, hat jetzt die Mobilmachuug des westphälischen Armee-Corps befohlen."

III. In Verfolg dieses Telegramms erging am 9. Mai folgender Erlaß: Berlin, den 9. Mai 1866. Mein gestriges Telegramm hat Eurer Durch­laucht schon den von Sr. Majestät dem Könige, unserem Aüergnädigsten Herrn, gefaßten Beschluß der Mobilmachung des 7. (westphälischen) Armee-Corps an­gekündigt und Ihnen zugleich mitgetheilt, daß das Motiv dazu in der Feind­seligkeit Hannovers liegt, welche die neueste Maßregel durchblicken läßt, und welche uns r.öthigt, auf unsere Sicherheit auch an einer Seite Bedacht zu nehmen, von welcher wir bisher hoffen durften, uns nicht für bedroht erachten zu müffen. Durch diese neueste Haltung Hannovers hat sich die Situation wesentlich verändert. Wir hatten, wie Ew. Durchlaucht bekannt ist, die Absicht, uns mit Hannover über die Bewahrung der Neutralität zu verständigen. Es würde sich daran die Aussicht auf eine befriedigende Gestaltung der Verhält- niffe zwischen uns und Hannover für alle Eventualitäten, welche die Zukunft bringen könnte, geknüpft haben. Aber es war dabei vorausgesetzt (wie ich auch dies Ew. Durchlaucht schon früher ausgesprochen), daß diese Neutralität keine bewaffnete sein, und daß die Haltung Hannovers uns die Bürgschaft dafür geben werde, daß wir Hannover nicht unter unseren Gegnern sehen könnten. Die friedliche Neutralität konnte uns genügen, die bewaffnete Neu­tralität ist bet der geographischen Lage Hannovers für uns eine Bedrohung, gegen die wir uns in Verfaffung setzen müffen.

Wir sehen eine Anzahl deutscher Regierungen, welche sonst gewohnt sind, kaum ihren Bundespflichten in militärischer Bereitschaft zu genügen, sobald es sich um die Möglichkeit einer Action gegen Preußen handelt, ihre Armeen ver­stärken und sich zu activer Theilnahme am Kriege rüsten, während daß der Art. 11 der Bundesacte eine hinreichende Schutzwehr gegen den Krieg dar­bietet. Sachsen hat sogar mitten in seinen Rüstungen, gegen welche wir selber uns defensiv zu verhalten erklärten, eine Intervention des Bundes angerufen. Alle diese Kriegsvorbereitungen geschehen im Anschluß an österreichische Rüstun­gen und sind gewiffermaßen die Ausführung der von Oesterreich in der Depesche vom 16. März, welche angeblich zuerst keinen Anklang gefunden, beantragten Maßregeln. Wir werden daher viel eher in der Lage sein, beruhigende Er­klärungen vom Bunde zu verlangen, als zu geben, aber wir müffen leider, wenn die in diesen übereinstimmenden Rüstungen sich unverhohlen kundgebende feind­selige Tendenz das Übergewicht erhält, zu der Ueberzeugung gelangen, daß der Bund keinen Schutz für Preußen bietet, sondern nur Gefahren.

Entscheidend für die Frage, ob unser Verhältniß zum Bunde wirklich diesen Charakter anntmmt, ist die Stellung Hannovers. Wir können die Rüstungen der übrigen deutschen Staaten, selbst die des benachbartrn Sachsen, ertragen und eine, wenn auch vorsichtige und unsere Sicherheit im Auge be­haltende, doch abwartende Stellung dazu einnehmen, weil auch Sachsen noch außerhalb unserer nächsten militärischen Linie liegt. Anders ist es mit Han­nover. Es ist unnöthig, ein Wort weiter darüber zu verlieren, wie sich die Situation in militärischer und strategischer Hinsicht gestaltet, wenn wir Han­nover unter die Zahl unserer Gegner rechnen müffen. Ich will nur auf die politischen Folgen dieser Situation Hinweisen.

Ew. Durchlaucht kennen die Gesinnungen Sr. Majestät des Königs zu gut, als daß ich Ew. Durchlaucht nochmals zu versichern brauchte, daß Aller- höchstdieselbe niemals die Absicht gehabt, die Souveränetät der deutschen Für­sten anzutasten oder zu gefährden. Auch bet der gegenwärtig beabsichtigten Reform der Bundesversaffung war Se. Majestät von denselben Rücksichten geleitetet und die vertrauliche Aeußerung über unsere Zwecke und Ziele bei derselben, welche wir unseren Bundesgenossen schon im Voraus zukommen zu lasten keinen Anstand genommen haben würden, hätte sie überzeugen müsten, wie geneigt wir waren, die Vorschläge zu einer Reform auf das bescheidenste Maß zu beschränken, welches daS Bedürfniß der allgemeinen deutschen In­teressen in der Wehrhaftigkeit nach Außen und der Entwickelung der Wohl- sahrt und des Gedeihens nach Innen zu einer gebieterischen Nothwendtgkeit machten. Wenn wir aber jetzt auch bei denjenigen Regierungen, welche die

Natur der Dinge und das Verhältniß der geographischen Lage zu unseren natürlichen Bundesgenoffen ebenso sehr in ihrem eigenen, wie in unserem In- tereste machen sollten, einer feindseligen Tendenz begegnen, die unsere eigene Sicherheit gefährdet, so kann es nicht ausbleiben, daß wir jede andere Rücksicht dem gebieterischen Bedürfniß der Selbsterhaltung unterordnen.

Se. Majestät der König darf und wird alsdann keinen anderen Beweg­grund anerkennen, als die Pflichten gegen sein Land, und selbst die Rücksicht auf einen ihr so nahe stehenden Monarchen, wie den König von Hannover, wird dagegen zurücktreten. Es hätte in der Hand der hannöverschen Regie­rung gelegen, durch einen entschiedenen Anschluß an und oder wenigstens durch eine wirkliche und loyale Neutralität uns die Möglichkeit zu geben, seine Jn- tereffen mit den unserigen zu vereinigen. Wenn sie statt deffen vorzieht, durch ihre Haltung den letzten und entscheidenden Druck auf uns auszuüben und uns dadurch zu zwingen, nur noch unsere Sicherheit zu Rathe zu ziehen und auch auf dem Gebiete deutscher Reformbestrebungen jede Rücksicht auf bisher gemein­same Principien fallen zu lassen, so müffen wir ihr die ganze Verantwortlich­keit für die unausbleiblichen Folgen zuschieben. Der König Georg wird sich sagen müffen, daß es gerade die unerwarteten Entschließungen Hannovers sein werden, welche die deutsche Reformbewegung aus den bescheidenen Bahnen werfen, die sie nach den Intentionen des Königs innehaiten sollte, und die sie verlaffen muß, wenn Preußen sich ihrer als Verteidigungswaffe gegen drohende Vergewaltigung durch seine Bundesgenosten zu'bedienen gezwungen wird.

Ich muß es im Interesse unserer gegenseitigen Bestehungen beklagen, daß die Haltung Hannovers uns genöthigt hat, gegen unsere ursprüngliche Absicht die ganze Armee mobil zu machen. Je ernster aber die Complicationen wer­den, um so weniger wird es noch in unserer Macht liegen, die weiteren Folgen zu verhindern. Ich habe Ew. Durchlaucht ergebenst zu ersuchen, sich im Sinne dieser Dcpesche mit aller Entschiedenheit gegen den Grafen Platen und, wenn Ihnen die Gelegenheit geboten werden sollte, auch gegen Se. Majestät den König von Hannover auszusprechen und über die Alternativen, zwischen denen die hannöverische Regierung vielleicht jetzt noch im letzten Augenblick zu wählen hat, keinen Zweifel zu lassen. Ew. Durchlaucht wollen dabei die Zurücknahme der angeorbneten Rüstungen ausdrücklich verlangen und an den Herrn Minister die Anfrage richten, ob die königlich hannöoer'sche Regierung bereit sei, mit uns einen Vertrag über eine zu bewahrende Neutralität abzuschlteßen? Wenn wir für dies billige und durch die Natur der Verhältnisse gebotene Anerbieten einer Weigerung begegnen, so müssen wir dadurch diejenige Stellung, welche wir bisher unseren Genossen im Bunde gegenüber bewahrt haben, als ferner­hin unhaltbar geworden ansehen. Wir können dann in dem Bundesverhältniß nicht mehr die Erfüllung seines ersten und eigentlichen Zweckes, nämlich des Schutzes für die Sicherheit der Bundesstaaten, sondern nur eine Bedrohung und Gefährdung der letzteren erkennen. Es fallen dann selbstverständlich mit den Zwecken des Bundes für uns auch alle daraus hervorgehcnden Verpflich­tungen weg, und wir werden unsere Stellung nur noch als europäische Macht nehmen und unsere Action danach abmessen dürfen, gez. v. Bismarck. An den königlichen Gesandten Prinzen zu Isenburg, Durchlaucht, tn Hannover."

IV. Unter dem 11. Mai berichtete Prinz Isenburg, die Artillerie würde früher exerctren und es schienen Vorbereitungen zu einem verschanzten Lager bei Stabe getroffen zu werden. Am 13. Mai antwortete er vorläufig tele­graphisch auf den Erlaß vom 9. Mai, Hannover sei bereit, über eine Neutra­lität zu verhandeln, der hannöverssche Gesandte v. Stockhausen werde die betr. Erklärung in Berlin überreichen. Darauf erging an demselben Tage die telegraphische Erwiderung, man sei auch hier bereit. Am 14. Mai übergab Stockhausen eine kurze Note, worauf gemäß dem Wunsche der hannöversschen Regierung, daß die Verhandlungen in Hannover geführt würden, Isenburg beauftragt wurde, dieselben zu beginnen. Derselbe berichtete am 18. Mai die vorläufige Aeußerung Platen^s über den beabsichtigten Vertrag: So lange der Bund bestehe, müsse ein Mobilisirungsbeschluß desselben ausgeführt werden, außerdem noch einige Punkte. Die diesseitige Antwort vom 20. Mai lautet dahin, eine Mobtlisirung auf Bundesbeschluß könne nicht zugestandeu werden, die übrigen Punkte seien annehmbar. Am 21. Mai, noch vor Empfang dieses Erlasses, berichtet Isenburg, der österreichische General Prinz Karl Solms sei Tags zuvor eingetroffen. Ein zweiter von demselben Tage, Abends, datirter Bericht meldet einen totalen Umschlag der Stimmung: die Parole sei jetzt volle Wahrung des Bundesstandpunktes. Daraus erhält der Prinz Isenburg unter dem 23. Mai den Auftrag, den Grafen Platen peremptorisch zu fragen, ob Hannover noch gesonnen, den Vertrag über Neutralität abzu­schlichen. Ueber Ausführung dieses Auftrags berichtet der Gesandte am 24. Mai: Gras Platen wolle jetzt nicht verhandeln und erst den Verlauf der Dinge in Frankfurt abwarten, wo Bayern am 9. Mat einen Antrag auf Ab­rüstung etngebracht hatte, der am 25. Mai zur Abstimmung kam. Der Be­richt gibt außerdem Citate aus einem Briefe des Kaisers von Oesterreich an den König Georg. Auf diesen Bericht ist eine Antwort nicht ergangen. Am 27. Mai endlich meldet Isenburg : Der Prinz Solms sei mit einer Ant­wort des Königs Georg nach Wien abgegangen; derselbe habe im Herrenhause die Mittheilung gemacht, daß Preußen mit Frankreich einen Vertrag über Ab- tretung des Rhetnufers und Entschädigung durch Hannover und Sachsen ab­geschlossen habe (11).