teil Grenzstrecken kommen, werden zurückgewiesen und falls sie sich widersetzen oder falls sie beim Fischen innerhalb der mehrgedachten Grenzstrecken betroffen werden, festgenommen und vor der nächsten zuständigen Behörde procedtrt. Wenn Mannschaften britischer Ftschereiböte bei ihrem Verweilen auf der deut, schen Küstenhöhe über die Taur deutscher Fischeretböte fortsegeln, diese durch, schneiden und das Geräthe solcher Böte beschädigen, so wird die britische Regierung die deutschen Behörden in der Unterdrückung aller solcher Ausschret- tungen unterstützen und die des Vergehens Schuldigen vor Gericht ziehen.
— Der Rechenschaftsbericht der Regierung über die Verwendung der Bewilligungen zur Linderung des Nothstandes in Oberschlesien dürfte zu den ersten Vorlagen gehören, welche dem Hause der Abgeordneten zugehen und dort zur Berathung gelangen sollen. Der Rechenschaftsbericht gibt einerseits einen Nachweis der stattzehabten Verwendungen, andererseits bespricht er die Mittel und Wege zu einer systematischen Linderung des Nothstandes. Es werden bet diesem Anlaß zweifellos alle Fragen bezüglich des Nothstandes erörtert werden, welcher nicht Oberschlesten allein, sondern auch west, und ost- preußische Dtstrtcte betroffen hat. Die Regierung soll damit umgehen, ihrerseits einen geordneten Plan zur Abhülfe vorzulegen. Wahrscheinlich werden sich die Vorlagen, sowie die daran zu knüpfenden Erörterungen auch über die Frage der Oderregultrung verbreiten und zu einem Bericht über die bishert- gen Verhandlungen darüber Anlaß geben.
Berlin, 26. October. Es wird immer klarer, daß Diejenigen gut unterrichtet waren, welche davon sprachen, daß innerhalb der conservativen Partei sich eine Spaltung vorberette. Die „Nordd. Allg. Ztg." gibt die Thatsache ohne Weiteres zu, ja, sie fordert sogar ganz direct eine Ausscheidung der Hochkirchlich-Conservativen, welche sie „hierarchisch, feudal" nennt. Da6 otsictöse Blatt sieht in der Verquickung der Conservativen mit den Hierarchisch. Feudalen eine Gefahr für die conservattve Sache, weil die (Partei) „Politik auch mit Vorurtheilen" rechnen müffe.
— Bet dem Banket deS volkSwirthschaftlichen Congreffes brachte Oberbürgermeister v. Forckenbeck einen Toast auf die dauernde Allianz Deutschlands und Oesterreichs aus und auf ein baldiges handelspolitisches Bündniß beider Staaten. Der erste Viceprästdent des Congreffes, Frhr. v. Knebeck (Wien), dankte unter lautem Beifall mit einem Hoch aus die Stadt Berlin: er führte auS, daß, wenn auch jetzt ein Proceß gegen das Deutschthum in Oesterreich im Werden begriffen sei, er die bestimmte Hoffnung hege, daß es gelingen werde, alle Nationalitäten Oesterreichs zu einem Einheitsstaate zu vereinigen, deffen oberste Maxime die innige Allianz mit Deutschland sein werde.
Hamburg, 23. Oct. Die „K. Z-" erfährt eben aus zuverlässiger Quelle, daß die Reichspostverwaltung nunmehr auch in Hamburg für eigene Rechnung mit der Anlage eines ganz Hamburg und seine Vororte umfassenden Telephon-Netzes zur Verbindung der Geschäftslocale, Comptoire, Fabrikanlagen u. s. w. untereinander vorgehen wird, wie ein solches unlängst zunächst für Berlin in Angriff genommen worden ist. Dieselben Bedingungen, welche für die Benutzung der Telephonlettungen in Berlin aufgestellt sind (200 JL jährliche Gebühr für Leitungen bis 2 Km. Länge, für jedes Kilometer mehr weitere 50^.) sollen auch für Hamburg maßgebend bleiben. Wenn die vorstehende Nachricht nur mit großer Freude zu begrüßen ist, weil Hamburg als die größte Handelsstadt gewiß in erster Linie nächst Berlin den Vorzug verdient, einer solchen Verkehrserleichterung thetlhafttg zu werden, so glauben wir andererseits, daß das neue Unternehmen besonders lebhaften Beifall bet dem kaufmännischen Publikum finden wird, weil die Trennung der Geschäftslocale von den Wohnungen der Geschäftsinhaber wohl nirgendwo in Deutschland so allgemein durchgeführt ist, wie hier in Hamburg, und weil deßhalb gerade hier ein besonderes großes Bedürfniß zur Anlage derartiger Telephonverbtndungen vorliegen dürfte. Im Uebrigen können wir bezüglich anderer deutschen Städte der Postverwaltung nur zurufen: Vivat sequens!
Irankreich.
Paris, 26. Octoder. Immer bester! Die „Corr. Havas" meldet: In Avignon haben sich die Jesuiten in ihr Colleg eingemauert und sich auf längere Zeit mit Lebensmitteln versehen! Es fehlt nur noch, daß die Jesuiten Kanonen zu ihrer Verthetdtgung auffahren und die Mönche als Artilleristen etnüben- Die Regierung scheint aber dem Lande zeigen zu wollen, wozu die Männer Gottes fähig sind, wenn es sich um Beobachtung der Gesetze handelt, die ihnen nicht gefallen. So viel erhellt auS der aufhetzenden Sprache der klerikalen Presse, daß die französische Regierung bei ihren bisherigen Schwan- kungen und Schwenkungen nichts im Vatikan gewonnen hat,.viel aber an An« sehen im Lande verliert. Wer mit dem Klerus anbindet, wer nicht mehr Amboß sein will, muß Hammer spielen und rasch zuschlagen. ZM $£ Mi
tzngtand.
London, 26. October. In Chtslehurst wird demnächst dem verstorbenen kaiserlichen Prinzen ein Denkmal errichtet werden. Dastelbe hat die Form eines Kreuzes, ist aus grauem Granit, 27 Fuß hoch und ruht auf einem mit Stufen versehenen soliden Granitsockel. Das reich verzierte Monument trägt vorn — in englischer Sprache — die Inschrift: „Napoleon Eugene Louis Jean Joseph, kaiserlicher Prinz, geboren in Parts am 16. März 1856, vom Feinde im Zululande getödtet am 1. Juni 1879." Auf der Rückseite des Denkmals werden folgende Worte aus dem letzten Willen und Testamente des Prinzen eingravirt werden: „Ich werde mit einem Gefühl der tiefsten Dankbarkeit gegen Ihre Majestät die Königin von England und die ganze königliche Familie, sowie gegen das Land, wo ich 8 Jahre lang solche herzliche Gastfreundschaft genoß, diese Welt verlasten." — In Folge der unruhigen Zustände im Westen von Irland sind 700 Polizisten nach Galway geschickt worden; desgleichen wurden Truppen dahin abgesandt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.
NeW'Nv^, 27. October. Am Sonnabend fanden in Folge eines heftigen Orkans an der Küste von Neu-Schottland zahlreiche Schiffsunglücks, fälle statt.
Loudon, 27. Octbr. Lord Salisbury wohnte gestern einem conferoa- ttven Banket in Taunton bei und hielt eine Rede, in welcher er betonte, die Orientpolitik der Regierung habe England in den Augen Europas lächerlich gemacht. Die Flottenkundgebung habe den Zweck verfehlt. Es sei Englands Pflicht, jedes diplomatische Mittel zur Durchführung der Vertragsbestimmun
gen bezüglich Montenegros zu gebrauchen, allein es sei eine unerhörte Doctrtn, daß eine Signatarmacht unter allen Umständen verpflichtet fein solle, die Durchführung des Vertrages in Dingen, an denen sie nicht interesstrt sei, zu erzwingen. Der Sultan sei verpflichtet, Dulctgno zu übergeben, allein Grie- chenland besitze keine legalen Ansprüche auf türkisches Gebiet und die Mächte hätten sich keineswegs verpflichtet, die Entscheidung der Berliner Canferenz durch Anwendung von Gewalt herbeizuführen. Die Uebertragung türkischen Gebiets an Griechenland Seitens der europäischen Mächte würde einer Tael- lung gleichkommen. England habe Griechenland niemals eine Gebtetsoer- größerung versprochen.
Wien, 27. Octbr. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel: Die Pforte wies Derwisch Pascha tu Salonichi an, sich unorrweilt mit 4 Baiaillonen regulärer Truppen nach Skutart etnzuschiffen, um die Action Riza Pascha's zu unterstützen. Die Pforte beauftragte Riza, die Uebergabe von Dulcigno acht Tage nach Unterzeichnung der Convention zu bewerkstelligen.
London, 27. October, Abends. Eine Depesche des Viceköntgs von Indien vom 26. ds. meldet gleichfalls, daß in Peshawur seit einigen Tagen Gerüchte von Unruhen in Kabul, selbst von dem Tode des Emirs, umliefen; seit dem 21. ds. habe der Vicekönig weder eine Post noch sonstige Botschaft aus Kabul erhalten.
Dublin, 28. October. Healy, der Secretär Parnell's, wurde am Dienstag wegen Einschüchterung emes Pächters, welcher eine Pachtung übernehmen wollte, verhaftet, aber gegen Caution wieder in Freiheit gesetzt und von der Bevölkerung mit Ovationen begrüßt.
London, 28. October. Der Vicekönig von Indien telegraphirte vergangene Nacht, er könne die Nachricht von einem Aufstande in Kabul weder bestätigen noch dementiren.
Lokales.
Gießen, 28. October. Durch den anhaltenden intensiven Regen sind Lahn und Wieseck eben wieder hoch angeschwollen, z. B. die Lahn von gestern Mittag 11 Uhr bis beute früh über 1 Meter. Dadurch, daß die Ein- und Ausgerinnschleusen bei Hochwasser geschlossen bleiben müßen, kann das in der Stadt niederfallende Regenwasier, sowie auch das Abfallwaster durch den Stadtbach und Stadtringgraben nicht abgeführt werden, sondern letztere werden ebenfalls anschwellen und die anstoßenden Keller unter Master setzen. Eine rechtzeitige Räumung derselben dürfte wohl geboten sein, und verfehlen wir nicht, hierauf aufmerksam zu machen.
— In dieser Nacht ist der vorgestern stehen gebliebene Theil des Kerkerbaues im Landes- zuchtbause ebenfalls ringestürzt.
Verwischtes.
Darmstadt, 25. October. Aus den Verhandlungen der am 14. dss. dahier stattgehabten Ausschußsieung der Viehverstcherungs Anstalt für das Großherzogthum Hesien heben wir hervor, daß der Beitrag für das am 1. November l. I. beginnende 2. Semester des Versiehe rungssahres 1880/81 für Rindv.eh auf 2* i * * * * * */2^, für Pferde, außer den obligatorischen Zuschlägen nach den verschiedenen Beschäftigungsclasten, auf 3 (Normaltarif) von einer Mark Versicherungs-Capital bemesten wurde, und daß die nächste ordentliche Generalversammlung der Anstalt, in welcher u. A. auch der Ausschuß für die Provinz Oberbesten neu zu wählen, am 4. Novbr.
I. I. zu Gießen im Hotel Kühne stattfinden soll.
Stuttgart, 27. October. sEisenbahnunfälle.) Das sog. Millionenloch auf der Bahn zwischen Kißlegg und Wangen scheint sich nach und nach zum Milliardenloch ausbilden zu wollen. Ein bedeutender Dammrutsch daselbst hat stattgefunden und der ganze Eisenbahnverkehr zwischen Kißlegg und Wangen ist nach einer Bekanntmachung der hiesigen Bahnhofs- j tnspeckion auf „mindestens 10 Tage" eingestellt. — Der Nachtschnellzug von Frankfurt hierher ist heute früh vor 2 Uhr einer großen Gefahr noch ziemlich glücklich entronnen. Auf der Station Illingen wurde ein Güterwagen durch den schrecklichen Sturmwind von einem Neben- geletse bis hart an dessen Einmündung auf das Hauptgeletse getrieben. Der Schnellzug streifte scharf diesen Wagen, Fenster zerklirrten und die Wände krachten. Die schlafenden Pastagiere fuhren entsetzt empor. Doch geschah weiter kein Unglück. Der Güterwagen wurde auf die Seite geworfen und ein bayerischer Coupäwagen ist auf dcr einen Seite stark verletzt. Glücklicherweise wurde kein Mensch irgendwie verwundet Der Schnellzug fuhr langsam nach Bietigheim und kam mit einer Verspätung von circa 10 oder 15 Minuten hier an. Wäre der Güterwagen vollends auf das Hauptgeleise hineingerathen, so hätte es ein entsetzliches Unglück geben können.
Assenheim, 25. October. Heute verunglückte ein Arbeiter an der Bahnstrecke zwischen hier und Bönstadt wahrscheinlich durch eigene Schuld beim Ausladen der Erbwagen und blieb auf der Stelle tobt.
Mainz, 25. October. Nach kurzem Krankenlager starb in dem nahen Bodenheim der weitbekannte Historien- und Porträtmaler Franz Eduard v. Heuß in einem Alter von 72 Jahren, aus Oggersheim in der Rheinpfalz gebürtig.
Ravensburg. Als Curiosum erwähnt der „Oberschwäbische Anzeiger", daß ein hiesiger Rebenbesitzer den Ertrag von 3 Morgen Weinberg verhandelte — gegen einen — Regenschirm.
— Ein junger Bursche kam dieser Tage in Würzburg zu einem Geschäftsmanne und bat um abgelegte Frauenschuhe, er brauche sie dringend für seine Braut, die morgen auf'S Standesamt müffe und feine Sckuhe habe. — Der junge Bursche hatte kein Geschäft und keine Arbeit, die Braut hat nicht einmal Schuhe auf's Standesamt und in die Kirche, aber gehcirathet muß werden.
Heidelberg, 25. Oct. Der akademische Senat macht durch Anschlag am schwarzen Brett auf ein Erkennlniß der Strafkammer des Reichsgerichts aufmerfjam, wonach auch Schläger, mit welchen die gewöhnlichen Studentenmensuren stattfinden, unter Umständen als Waffen betrachtet werden können, welche einen tödtlichen Ausgang zur Folge haben.
Hachenburg, 21. October. (Raubmord.) Im April b. I. verschwand ein Aufseher der Eisenhütte zu Hamm, nachdem ihm von seinem Dienstherrn 200 JL zum Bezahlen einer Rechnung eingehändigt worden waren. Es war das Verschwinden um so räthselhofier, als der Aufseher, welcher den französischen Feldzug mitgemacht und dabei das eiserne K euz erhalten hatte, als ein solider und zuverlässiger Mann bekannt war, welchem der Fabrikherr schon manches mal Tausende von Mark anvertraut hatte. Da indeffen sein Ausschreiben in öffentlichen Blättern resultatlos blieb, so vermuthcte man schließlich, der Gesuchte sei nach Amerika ausgewandert. Vor einigen Tagen kam ein Lademeister der Hamm'schen Hütte zufällig nach Streithausen (hiesigen Amts), wo er in der Wohnung eines früher auf der Hütte beschäftigten Taglöhners den Rock des Vermißten an der Wand hängen sah. Auf die hierher gemachte Anzeige hin begab sich gestern Herr Amtsrichter Stahl in Begleitung der Gensdarmerie nach Streithausen und verhaftete den Taglöhner, welcher alsbald cingestand, daß er den vermißten Aufseher getödtet und die Leiche im Hüttenschutte verscharrt habe. Auch sonstige dem Ermordeten angehörige Gegenstände fanden sich in der Wohnung des Taglöhnrrs vor. Letzterer ist ein junger Mann von 27 Jahren, verheirathet und Vater eines Kindes.
— Einmal im Jahre sich gründlich satt zu effen und sich des Lebens zu freuen, ist Hunderten von Armen in Würzburg bescheert. Am 18. October finden sie eine lange Tafel im Schlosse gedeckt, an jedem Platze einen Teller, ein Gefäß mit Wein aus dem Hofkeller und ein Stück Brod. Löffel, Meffer und Gabel müssen die Gäste mitbringen. Diesmal waren es nahezu 300 Arme; sie bekamen eine Kraftsuppe mit einem großen Stück Rindfleisch und dann Schweinsbraten mit Sauerkraut. Die Militärmusik spielte dazu. Wir das schmeckte! Diese jährliche Speisung ist eine Stiftung des König« Ludwig I. zum Andenken an die Schlacht bei Leipzig.
I Mainz, 23. October. Im Corridor des Justizpalastes bewegten sich gestern Gatte und Gattin hin und her. Sie hatten nichts Geringeres vor, als sich Zwecks ihrer Ehescheidung zum Gerichte zu begeben. Beide betrachteten sich anfänglich mit scheelen Blicken. Endlich sagte Er: „Es ist nicht schön von Dir, daß Du mich verklagst." Sie -rwiederte: „Es ist auch nicht schön von Dir, daß Du Dich um Andere mehr kümmerst, wie um mich." Darauf Er: „Was Dir böse Zungen in die Ohren flüstern, ist ja Alles nicht wahr; wir wollen uns versöhnen; es ist bester " Die Frau senkte, wie zustimmend, das Haupt und reichte schweigend die Hand; der Gatte umarmte ebenso schweigend die Gattin und gleich darauf erfuhr der Herr Amtsrichter, daß die Versöhnung bereits im Corridor geschlosten worden sei. Der Herr Amtsrichter aber gab seiner Freude über diese Mittheilung dadurch Ausdruck, daß « bemerkte: „Wenn das nur in allen Fällen so geschähe." (N>)
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