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Donnerstag den 26. August

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Erscheint täglich mit Ausnahme des M-ntsgS.

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UM Einführung der (KetrewezöUe handelte, fort und fort behauptet worden ist: daß wir uns mit den Zöllen eine Last aufgehalst haben, die dann erst in ihrer vollen Größe wuchtet, wenn wir sie zu tragen am wenigsten fähig sind- Deutschland ist nun einmal nicht das geeignete Land für Getreidezölle. Unsere Industrie und die Bevölkerung ist unserer Getreideproduction weit vorausge­schritten , so daß sich seit 1854 ein Mehrbedarf von 77 Mill. Centner Brod- früchten herausgestellt hat, von denen nur etwa 40 Mill, im besten Falle durch die deutsche Landwirthschaft erzeugt werden können. Es ist dies unseres Er­achtens kein Nachtheil für den Wohlstand. Rentirt der Bau von Futter und von Jndupriesrüchten gut und der von Brodfrüchten nicht, so ist es offenbar, daß man vortheilhafter den ersteren pflegt und das fehlende Getreide aus dem Auslande bezieht freilich muß man dann, um das höhere Einkommen des Volkes aus der Industrie nicht zu paralystren, alles thun und vermeiden, um den Brodimport billig zu erhalten.

Wenn, was uns sehr wahrscheinlich scheint, die unglückselige Gestaltung unserer Ernteverhältniffe und wir müssen leider bemerken, daß dieselben jetzt, wegen der durch die Ausrottung der Wälder herbeigeführten sehr unre­gelmäßigen Niederschläge häufiger, als früher wiederkehren muß, der Agitation auf Aufhebung der Getreidezöüe Erfolg schaffen sollte, so wird darüber kaum Jemand im Volke, einige Großlandwirihe vielleicht ausgenommen, einen ge­rechten Anlaß finden, Klage zu führen. Im Gegentheil wird man es selbst in normalen Zeiten als die Erleichterung von einer Last empfinden, die man bester gethan hätte, nicht erst zu schaffen._________________________________________

15. Äugust, Nach' 146) auß statt.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M

tn unb Bekannten

Schwieger« und

1880.

(4615 henu-Ualn-Neckar-Bahn. irm F. Nestler E 6,2.

mit Garte«.

schaftliche

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2 Grossherzogs

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Deutschland.

Darmstadt, 24. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht: ,

Am 14. August den provisorischen Reallehrer zu Gießen, Dr. Heinrich Blase aus Bedburg, im Königreich Preußen, zum Lehrer an dem Ludewig- Georgs-Gymnastum zu Darmstadt,

an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Joseph Hahn aus Eisenach, im Großherzogthum Sachsen-Weimar, zum Lehrer an dem Gym­nasium zu Gießen,

an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Friedrich Scholl aus Rüdesheim, im Königreich Preußen, zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms,

an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Dr. Waldemar Mohr aus Stendal, im Könige. Preußen, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim,

an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Robert Schäfer aus Michelstadt zum Lehrer an dem Ludewig - Georgs - Gymnasium zu Darmstadt, f ,

an demselben Tage den Reallehrer Dr. Karl Baltz zu Oppenheim zum Lehrer an der Realschule zu Gießen, .

an demselben Tage den Ghmnasial- und Realschul-Lehramts-Aspiranten Walther Stau ding er aus Wallerstädten, im Kreise Groß-Gerau, zum Lehrer an der Realschule zu Groß-Umstadt,

an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Wilh. Landmesser aus Worms zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld,

an demselben Tage den Gymnasial- und Realschul-Lehramts-Asprranten Dr. Ernst Scheuermann aus Birkenau, im Kreise Heppenheim, zum Lehrer an der Realschule zu Gießen,

an demselben Tage den provisorischen Reallchrer Gustav Lenz aus Wenings, im Kreise Büdingen, zum Lehrer au der Realschule zu Bingen, an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Wilhelm Kunz auS Darmstadt zum Lehrer an der Realschule zu Groß-Umstadt,

an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Alfred Haller aus Vilbel, im Kreise Friedberg, zum Lehrer an der Realschule zu Bingen,

an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Karl Beck aus Gießen zum Lehrer an der Realschule zu Mainz, sämmtltch mit Wirkung vom 1. October l. I., zu ernennen. , ,

Berlin, 23. August. In einer am IS. d. M. tn Danzig abgehaltcnen liberalen Wählcrversammlung hielt, wie dieDanziger Zeitung" bemerkt, Herr Rickert einen längeren Vortrag, in welchem er unter Anderem erklärte, daß er keinerlei Eigenthumsrecht an der National-Liberalen Korrespondenz undini bet letzten Zeit, insbesondere seit Schluß der Landtagssession, keine B^iehungen zu derselben gehabt habe. Der größte Theil seiner Rede war den Partriver bällnifsen gewidmet- Es sei leider Thatsache, daß nbcr '!a0^al'Ilber^" Fraction seit der Wirthschaftsreform wegen der wirthschaftlichen Fragen^ und neuerdings auch über die in wichtigen Sachen einzuschlagenden Wege be- zügltch der Ziele sei man einig erhebliche Meinungsverschiedenheiten herrschten, welche die Kraft und die Actionsfähtgkeit lähmten. Da lieg«! die Frage aller- dtngs nahe, ob es nicht zweckmäßig und im Jntereffe beider Thetle sei, wenn der^ disscntirende Theil de» Fractionsverband ausg-be. Die Fracttonm tm Parlament seien schließlich nur die Formen für eine ersprießliche Thätigkeit, könne man die letztere in Uebereinstimmung mit seiner Ueberzeugung nicht mehr entfalten, so habe das Festhalten an der Form keinen Werth. Ohne an die­selbe gebunden zu sein, werde man bester und unter Aufrechterhaltung der

Die Ernten, die Getreidezölle und die Lage der Landwirthschaft.

Man kann heut mit verhältntßmäßiger Sicherheit den Ertrag schätzen, den die Ernte ergeben wird. Nach den Berichten, welche die Ernteaussichten Deutsch­lands behandeln, wird die Körnerausbeute Deutschlands geringer sein, als selbst die pessimistischsten Stimmen noch vor wenigen Wochen weistagten. Die anhaltend feuchte Witterung der letzten Zeit hat den Stand der Dinge erheb­lich verschlechtert. In Preußen und Sachsen ist namentlich die Roggencrnte wett hinter dem Ergebniß einer Mittelernte zurückgeblieben, und der zu erwar- tende Erdrusch wird nur aus etwa 50 bis 60 pCt. des Körnerergcbnistes einer Durchschnitts-Ernte geschätzt. Wenngleich im Süden Deutschlands der Roggen günstiger getragen hat, so bleibt die Gesammterntc doch erheblich geringer, als sie noch im vorigen Jahre gewesen ist. Nach ziemlich zuverlässigen Angaben wird, um unseren Brodbedarf zu decken, eine Einfuhr von 60 bis 70 Mill. Centnrrn Roggen tn's Reich nothwendig sein. Auch die übrigen Körnerfrüchte sind, wenn auch nicht tn demselben Verhältniß wie Roggen, nicht so günstig gewachsen und eingebracht, daß nicht auch stellenweise von ihnen Einfuhr nöthtg sein wird. Zu allem Unglück drohte die anhaltende feuchte Witterung auch die Kartoffeln zu verderben, und die Lage des consumirenden Volkes, sowie auch der landwtrthschaftltchen Producenten noch erheblich zu ver­schlimmern.

Bester sind die Ernten ausgefallen in den Ländern, von denen Deutsch­land gewöhnlich seinen Getreide-Importbedarf deckt. Es stünde also dem Ersatz unseres Ausfalls nichts im Wege als die Getreidezölle. In der gegenwärtigen Sachlage wird die Behauptung kaum aufrecht erhalten werden können, daß der Zoll die Konsumtion nicht vertheuere. Bei so starker Con- cmrenz in der Bewerbung um den ausländischen Import und bet so geringer Möglichkeit, dem ausländischen Händler mit unserer eigenen Ernte zu impo- niren, muß und wird der ganze Zoll in den Preis fallen; und da fast die Hälfte alles Roggens importirt werden muß, so wird sich auch der Preis des einheimischen Products nach dem des twportirten reguliren. Bei einem Ge- sammtbedarf von 160 Mill. Centnern Roggen verthcuert der Zoll der deut- schen Konsumtion das Brod im nächsten Jahre also um mindestens 80 Mill. Es kann mit Bestimmtheit erwartet werden, daß der Ruf nach Aushebung der Getreidezölle jetzt mit unbezwinglicher Gewalt sich erheben wird; und aller Voraussicht nach werden es nicht allein die Konsumenten sein, die ihn ausstoßen, sondern selbst auch die große Mehrzahl der Producenten wird in ihn ein stimmen.

Man weiß, daß nur ein sehr geringer Theil unserer Landleute in der Lage ist, von der Ernte zu verkaufen, wett größer ist die Zahl Derer, welche ihre ganze Production in der eigenen Wtrthschast verbrauchen, und an Zahl, wenn auch nicht an Hufengröße, überwiegen über beide Kategorien diejenigen ländlichen Producenten, welche, um ihren eigenen Brodbedarf zu befriedigen, noch kaufen müsten. So lange Bedarf und Ertrag in der zweiten Kategorie sich ausglich, blieben ihre Angehörigen in der Zollsrage theilnahmslos, sie hatten weder Zoll zu bezahlen noch profitirten sie von den höheren Getrcide- preisen. Wenngleich ihr Betrieb durch die Zölle auf die Industrie Producte veriheuert wurde, so war ihnen das im Anfänge doch zu wenig erkennbar, um sie zu veranlassen, dagegen zu protestiren, daß sie als Jnterestenten an dem Schutzzvllsegen in's Feld gezerrt wurden. Heute liegt die Sache für sie aber anders. Ihre halbe Ernte an Roggen und die etwas höhere, aber doch immer noch unter dem Durchschnitt bleibende der anderen Früchte genügt nicht mehr für ihren Bedarf; sie sind gezwungen zu kaufen und im Preise für die gekauf­ten Cerealien den Zoll zu bezahlen wie die übrigen Konsumenten. Jetzt wird sich bei ihnen der Trieb bemerkbar machen, der Zollpolitik, die ihnen keinen Nutzen, sondern nur Schaden, und jetzt erst erkennbaren Schaden bringt, ent- gegen zu treten. Die große Masse der Stellenbesitzer, Häusler, Köthner und dergleichen sind viel zu stumpf und gedrückt, um überhaupt in den politi­schen Fragen ein selbstständiges Urtheil in die Wagschale zu werfen, jetzt aber wird an ihrer Stelle, und ohne daß sie selbst den Mund auslhun, die Roth reden, tn die sie gerathen. Sie arbeiten zugleich für fremde Rechnung, sei es als Industrie-, sei es als landwirthschastliche Arbeiter. Durch jahrelange Beschäftigungslosigkeit oder Beschäftigung bei sehr geringen Löhnen ist ihre Kaufkraft auf ein Geringstes herabgedrückt, und haben sie unter diesen Vcr- bältniffen bisher schon am Rande der Roth vegetirt, so muß jede Vertheucrung der Lebensmittelpreise sie vollends in jene hineinstoßen. Dazu kommt, daß die tandwirthschastlichen Arbeiter höchst wahrscheinlich an Arbeitsgelegenheit ein- fcfififn werden, weil die größeren Besitzer, in deren Lohn und Brod sie stehen, einmal nickt so viel Drückte zu verarbeiten haben, als in normalen Jahren, und weil andererseits In Folge des schlechten Ernte-Ergebnisses die Mittel zu Meliorationsarbeiten fehlen werden. Ganz besonders dringlich werden die Webeickreie erklingen tn den von den Ueberschwemmungen heimgesuchten Gegen- den, di- so viel wie nichts geerntet, um so viel mehr aber an Vermögen ein- aebützt haben. Hier wird der Staat Hel end eingreisen muffen, und er wird, ndem er SaatsrÜchte und Lebensmittel für sie einkauft, gezwungen sein, die Zölle aus eigener Tasche zu bezahlen - mit der rechten Hand anszugeben, was er mit der linken eingenommen hat. ,,

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