Samstag den 25. December
1880
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träge am besten auSführten und sich durch Selbstbeherrschung und Sparsamkeit auch rasch zu äußerem Wohlstand und Emfluß emporarbetteten. Sie fanden ohne tiefes menschliches Wissen in Folge reiner Gesinnung auch bild das rechte Verhältniß zu Gott und zu ihren Nebenmenschen. So ist denn von der geweihten Nacht in der That eine Kraft ausgegangen, die jedem Menschen innerliche Erneuerung und Frieden zu bringen vermag. Auch der Aermste und Schwächste ist berufen, durch Glauben und Gnade einer der beglücktesten Sterblichen zu werden. Mit dem Geist der Ltebe und des Friedens ist auch der Gedanke der Einheit und Gemeinsamkeit der Nationen wach geworden. Es ist uns zur Pflicht gemacht, auch das Wohl fremder Völker fördern und den „Frieden auf Erden" selbst mit verbreiten zu helfen!
Vermischtes.
— Nach den gegenwärtigen Schätzungen wird es 30,000 Tonnen Band- oder Reifeisen afotbcrn, um in Amerika die bevorstehende Baumwollenernte zu bmden und zum Transport fertig zu machen. Statistiker verkünden aus's positivste eine Ernte von 6,000,000 Ballen, und da die unveränderliche Mode der Befestigung der Ballen ver- nrittelst eiserner Reifen, 6 für jeden Ballen, zu geschehen pflegt, so folgt daraus, dag auch 36,000,000 solcher Reisen nothwendig werden, um die ganze Ernte zu binden. Diese Reisen sind von gleichmäßigem Gewichte und Dicke, so daß 1200 derselben gerade eine Tonne wiegen; weshalb denn auch 30,000 Tonnen hiervon nöthig sein werden, wenn die Voraussagungen der Statistiker sich betreffs der Größe der Ernte bewahrheiten sollen. Die Reisen („cotton-ties“) kommen gewöhnlich m Bündeln von je 60 Stück in den Markt, mit ebensoviel Schnallen an einer der inneren Endseiten daran. Da jeder Reif 11 Fuß lang ist, so machen die besagten 30,000 Tonnen eine Länge aus von 696,000,000 Fuß oder 75,000 Meilen Band- oder Reifeneisen, nahezu hinreichend, einen eiseriien Gürtel um die Erde zu ziehen. Letztes Jahr betrug der durchschnittliche Preis dieser Reifen mit den dazu gehörigen Schnallen Dollar 2.50 per Bundei oder Doll. 100 mr Tonne. Wenn dieses Jahr derselbe Preis bleibt, so wird mit diesen Baumwollen-Reifen allein ein Umsatz von Doll. 3,000,000 stattfinden.
— Ueber die industrielle Lage und die landwirthschaftlichen Verhältnisse rm Regierungsbezirk Magdeburg, in Braunschweig und in Anhalt wird der „Social-Corr." aus Magdeburg geschrieben: Hier in Magdeburg hat in letzter Zeit die Elsenrndustue im Ganzen und Großen recht erfreuliche Resultate zu verzeichnen gehabt, ^n Osterwieck und Halberstadt blüht vor Allem die Handschuhfabrikarion mehr und mehr ans und die Weißgerberei und Färberei sloriren in den genannten Städten nicht ininoer. In Halberstadt beschäftigen einige Handschuhfabrikanten in ihren Etablissements, die auf Dampfbetrieb eingerichtet sind, b>s zu 60 Arbeiter, eine verhältnißmaßig hohe Ziffer. Leider hält in einer weiteren Hauptindustrie letztgenannter Stadt, Cigarren» fabrikation, augenblicklich eine Stagnation an. Ursache hiervon ist in erster Linie eine ungewöhnliche Ueberproduction, da kurz vor Erlaß der neuen Zollgesetzgebung die Halberstadter Cigarrenfabrikanten für ca. 500,000 Mk. Rohmaterial kauften und dieses alsbald aufarbeiten ließen. Nun liegt die fertige Waare da und viele Arbeiter haben keine Beschäftigung. Im letzten Sommer haben daher auch ca. 30 40 Cigarrenar- beiter-Familien der Hennath den Rücken gewandt, um nach Amerika auszuwandern.— In Burg bei Magdeburg ist die Fabrikation von Militärtuch seit einigen Jahren mehr und mehr zurückgegangen, da die Regierung zahlreiche Bestellungen im Elsaß aufgiebr. Ans dem platten Lande, besonders in der Nähe von Stendal, arbeiten seit neuerer Zeit die Großgrundbesitzer im Sommer während und nach der Ernte vielfach mit Arbciterir polnischer Nationalität aus Posen und Westpreußen. Auch weibliche Arbeitskräfte ver- dingen sich aus dem Osten der preußischen Monarchie nach der hiesigen Gegend und in zunehmendem Maße für die Erntezeit. Die Rittergutsbesitzer in der Gegend von Schönhausen beschäftigten diesen Sommer fast ausschließlich Polen das Domminm Schönhausen (im Besitz des Fürsten Reichskanzler) aber nur einheimische Arbeiter. Die ländlichen Arbeiter stehen ihrer unbequemen polnischen Concnrrenz natüilich überaus mißvergnügt gegenüber; die Löhne der ländlichen Arbeiter sind auch äußerst gedrückt. Im Sommer beträgt der Tagelohn sür Männer bei ausgedehntester Arbeitszeit 80 Pf. bis 1 Ml-, für Frauen 50 — 80 Pf.; nur ui der Ernte wird em höherer Lohnsatz gewährt. — Im Braunschweigischen prosvenrt die Zuck.rfabnkation. In Schöppenstedt, wo seit kurzem eine zweite prosperirende Zuckerfabrik angelegt worden ist, steht sogar jetzt wieder die Gründung eines dritten derartigen Etablissements in Aussicht. Das Substitutions-Verfahren in der Fabrikation hat sich nunmehr überall eingebürgert und damit dieselbe wesentlich rentabler gestaltet. — Ju Zerbst kommt seit kurzem die Seidenfabrikation, die daselbst seit 1872 vollständig brach lag, roieeer m Flor. Die hohe, aber leider nur vorübergehende Blüthe, roeldje tm Jahre 18/1 durch die Einschließung v»n Paris sür jene Fabrikation zufällig erzielt worden war, dürfte indessen schwerlich wieder erreicht werden. , .. ,.
Herbesthal, 21. Decbr- Heute Nachmittag zwischen 3 und >3 7» Ulji ist hinter dem Aachener Buschtunnel zwischen Nonbeide und Aste-,et derhohe ^ubahndamm infolge des anhaltenden Regens emgerutscht. Ein Grtterzng fattebten’^ lange passirt, als e,n Bahnwärter den Zustand des Dammes bet semer Revision d^ Strecke rechtzeitig entdeckte und die nothigen Meldungen machte- Da M dem Elsen- bahndamme auch die Telegraphenstangen angebracht waren, so sind diese ebenfalls fort»
Weihnachten als Friedensfest.
Je weiter die Weltcultur forlfchretlet, um so allgemeiner und heißer wird auch der Kampf um's Dasein mit allen seinen guten und schlimmen Seiten. Mitten in diesem Kampfe bedarf die Menschheit der Ruhepunkte und der Sammlung. Ein solcher Ruhe- und Sammelpunkt ist Weihnachten, das Fest des Friedens und der Einigkeit im Geiste, so sehr uns auch das Materielle trennen mag. Wer Angesichts der politischen, religiösen und wirthschaft- ltchen Kämpfe der Gegenwart an der friedlichen Lösung socialer, Probleme verzweifelt, blocke zurück zu den Zetten deö Zwanges, der Unterdrückung und Uucultur, ehe Christus der Welt erschienen war. Wohl hat es auch im Alterthum Culturvölker mit tiefem Wsien, hoher Kunst und gewaltigen Reich- thümern gegeben; aber ihre Cultur war auf wenige bevorzugte Geschlechter und Clafsen beschränkt. Die Maffen des Volks waren nicht nur arm, sondern auch unterdrückt, roh und ungebildet. Die Fremden wurden a!S Feinde be- trachtet. Tie gewerbliche Thätigkett war verachtet und der vorhandene Retchthum stammte mehr aus Eroberungen und Tributen unterdrückcer Völker, als auS der Arbeit und dem freien Austausche gleich berechtigter Individuen. Die alten Völker konnten daher auch ihrem Staatswesen nicht die dauerhafte Stütze eines auS eigener Volkskraft und Entsagung herrührenden und stetig fortschrei- tende?. Volkswohlstandes verleihen. Diese Zustände der Unfreiheit waren unhaltbar. Man sehnte sich nach Erlösung aus äußerer und innerer Roth.
Mitten in diese Widersprüche und Verderbtheiten der Hetdenwelt trat das Christenthum mit dem vollen Begriff von der in sich freien und berechtigten Persönlichkeit aller Menschen. Das Evangelium von Christo erwies sich als eine Kraft, die da selig macht Alle, die daran glauben, Juden und Heiden. Es führte nicht blos eine religiöse, sondern auch eine sociale Umgestaltung herbei. So recht eine frohe Botschaft für die Armen und Bedrückten, verkündete es die Gleichheit aller Menschenkindrr vor Gott, die Gleichheit ihrer inneren Bestimmung und höheren Lebensziele. Auch das bis dahin zurückgesetzte weibliche Geschlecht wurde wieder tn sein natürliches Recht eingesetzt und die Reinheit des Familienlebens zur Quelle des Volksglücks gemacht. Die schon im Judenrhum vorhandene reinere Anschauung von göttlichen und menschlichen Dingen wurde durch die christliche Lchre Wetter ausgebildet, ge- läutere und aus einem einseitig nationalen zu einem weltbürgerlichen Glauben und zu einem Gemeingute der Menschheit gemacht.
Am schärfsten ist wohl drr Gegensatz der heidnischen und christlichen Weltanschauung in dem Satze ausgesprochen: „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und daß sie alle zur Erkenntntß der Wahrheit kommen I" — Die moderne Gesellschaft steht ganz auf dem christlichen Grundsätze der Solidarität des Menschengeschlechts. Die Liebe der Menschen untereinander und gegen Jedermann ist des Gesetzes Erfüllung geworden; aber gleichzeitig ergeht an jeden Einzelnen die Mahnung, „mit Arbeit und Mühe Tag und Nacht zu wirken und sein eigenes Brod zu effen, damit er nicht Jemandem beschwerlich werde". ~ „ , . . .
Arbeit und Fleiß werden schon im alten Testament gepriesen und dem Menschen mit dem Gehorsam gegen Gottes Gebot zur Pflicht gemacht; aber nach dem reuen Testament ist die Arbeit noch mehr als Gottes Gebot, sie ist Gnade von Oben, Freude und Lust und Beweisung des Geistes und der Kraft. Das Christenthum hat auch bereits die geistige Arbeit der körperlichen eberbürtig zur Seite gestellt. Paulus sagt von seiner Mtssionsthätrgkett, „daß er mehr gearbeitet habe, als die anderen Apostel alle"; aber er ging den Christen auch mit der Handarbeit voran, indem er am Tage predigte und des Abends seinen Unterhalt durch Teppichweberei verdiente. Obwohl er mit der ganzen Bildung seiner Z-tt ausgerüstet war, so verkündigte er doch ausdrücklich, daß sein Glück nicht im Wissen und fern Wort nicht in Reden menschlicher Weisheit, sondern tn Beweisung des Geistes und der Kraft bestehe^)^ Verbreitung des Christentums ist, ganz abgesehen von dem
inneren Gehalt der Lehr-, sicher auch dadurch zu erklären, daß die ersten Christen die geistigsten, nüchternsten und geschicktesten Arbeiter waren, welche sich genoffenschaftlich orgcmisirten, sich in Freud und Leid Beiständen, alle Auf-
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