1880
Samstag den 24 Juli
Nr. 170
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Redaettoosvoreaur l Schulstraße v. 18. Sxpevttionsbnreau r J
Sanbtiälttfter Gutsbejitzn
Mierfbetf. ®tmeinbe;
Haberkorn in Wfcfott Henke uniborf. Obeiförfttr ig in Riedrroderlvih. u- Dr. von Meyer "rnßadt. KrchlSanwalt mgtr, Vorstand der Nisser aufVurkrrS. Asarin dichter in rvi VWorf. Ritter« ?rmcnn von Thielan $uian. L^deSbestallter
Gießen, am 21. Juli 1880.
Betreffend: Ausschlag der Kreisumlagen für 1881.
Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen
a« die Großherroalichen Bürgermeistereien und Gemarkungsvorstande.
ÄsassgiSEHa™::
genbeS Verbreitung Verdiener. Das Gesetz vom 6. Mai, welches b-n Erfaß- reservtsten erster Klasse vier Uebungen (von 10, 4 und je 2 Wochen) währ-nb des Friedens anferlegt, hat keine rückwtikendc Kraft, finde vielmehr nur Anwendung auf diejenigen Militärpflichtigen, welche nach Erlaß dieses Gesetzes wegen hoher Loosnummern und — erst in zweiter Reihe u>egen geringer körperlicher Fehler der Ersotzreserve erster Klaffe überwiesen sind. Da die endgültige Entscheidung bei dem Ober-ErjatzgeschLtt gefällt wird, so kommt es darauf an, ob daffelbe-vor oder nach dem 10. Mai d. I , mit welchem Tage die Militärnovelle G«i-tz°skrast erlangt hat, stattgefunben. Dte Uebun- gen werden erst im künftigen Jahre zum ersten Male abgehalten werden. Zur Erjatzreserve wird man im 22. Lebensjahre überwiesen und die Beipflichtung zu derselben dauert bis zum vollendeten 31. Lebensjahre. Denjenigen, welche das Recht zum Dienst als Einjährig.Freiwilltge erm°,ben haben, steht für d.e erste U'bung unter denjenigen Truppentherlen die Wahl fre», welchen für das betr. Jahr die Ausbildung von Eisatzreservisten übertragen ist.
__ Bekanntlich haben die beiden kleinen Königreiche Belgien und Grie- ch " 'nd dem Jahre 1830 ihi e Selbstständigkeit zu verdanken. Bekanntlich war P.mz Aeopvlo uvu ^achsru-Kovurg von zum Körrig bestem., aber wie verschiedenartig war die Entwickelung demjenigen Landes, desien Krone zu tragen er ausgeschlagen und demjenigen, das er resp. sein Elbe regtert. Der Berl. B.-C" bemerkt darüber in einer Parallele: Belgien gedieh prächtig, ist ein kleines Musterland, Griechenland dagegen führte eine kümmerlicheExt- strnz, war der Heerd ewiger Tumulte. In Belgien blüht Kunst, Wiffenschast, Lande! Industrie, in Griechenland blüht das Räuberwesen, der Nationalitäten- H'.der. Belgien ladet all- Welt zu Gast-, zu Festlichkeiten wie sie Europa nie gesehen, der König ton Griechenland ladet sich selbst bei den versch.edenen Lösen Europas zu Gaste. Mit verschwenderischer Freigebigkeit streut das reiche Belgien seine Gaben aus, der König von Griechenland reist umher, um Unt-tstützung zu erbitten.
IranLreich.
Paris, 20. Juli. Frankreich lebt noch immer in dem Jubel, des Nationalsestes. Tag für Tag folgen sich Festlichkeiten unb °sficielle Drttet- ... (Shren der reoraanisirten Armee. Das bemerkenswertheste militärische Esst n, dem d-r krwgsmüuster d-r Gouverneur von Pnr.s und di- Spitzen der Armee beiwohnten, sand bei Gambetta im Palais Bourbon statt. General v. Galliftt batte die Vorstellung der Gäste übernommen und spielte überhaupt den ganzen
Ansprache. Er schilderte di- verzweifelte Lage, in welcher das Kaiserreich die Armee gelaßen hatte, und führte aus, daß st- selbst um so bereitwilliger a ihrer Reoraanifirung mitgearbeitet bäite, als si- sich von den dauerhaften Institutionen ^d-r republikanischen Staaisform unterstützt fühlte. Das h-uOge i aniökiicke Leer schloß er, wäre ein Gegenstand der Ueberraichung und Be wuudcrüng?! ganz Europa. Dies. Werte wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen und d-r Ministerpräsident v^ Frepcinet wünfepte dem Redner zu seiner Improvisation in den wärmst.n Ausdrucken Gluck. A, Sonnabend chloß der S-natspräfid-nt Leon Say dw «en.der Mch-n Emps-ngs abende durch -in Diner von 100 Gedeck.n, w-led-s er »en ältesten Osfictercn gab, die an der Fahnenweihe Th-ii nahmen. - Auch das Pariser Volk fährt fort, Nachfeier zu halten. In einzelnen «'r°'>dtff-'"-nts wurde an den l-tz -n Abenden auf öffentlichen Plätzen wieder getanzt und für g-st" ®a en n‘“‘ Kackelzüa- ana-kündigt. Das Fest sollte eist mit dem gestrigen Tage, den B-lleville mit dem höchsten Aufwande von öff-ntl'^-n ^tme»
wollt-, seinen Abschluß finden. Auf di- dit-.sveribelm m t.n dort.g-n
Schulen, der man einen unumwunden politischen Charakre g , s g Banket, dem Gambetta beiwohnen wollte.
Türkei.
jR’nttilüittfttottel 20. Juli. Im Zusammenhang mit den Berufungen d-u.!ch^L7-M-"zur M^rnLng dis ? k.schen H-er- u«b w-sens siebt jedenfalls auch die Ernennung des Generals Drlgalsky Hafaa
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I m<aen General-Lieutenants und Commandeurs > er Kavallerie-Division des 15^ Armee Corps) war ursprünglich preußischer Osficier und stmib als C«onbe- Lieutenant tu Mainz in Garnison. Jugendlicher Thatendurst bewog ihn, bte
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Deutsche Beamte in Konstantinopel.
Der Sultan in tausend Aengsten hat einen „letzten Versuch" in Scene gesetzt, der in vielfacher Beziehung als ein geschickter Schachzug der wech el- »ollen orientalischen Politik betrachtet weiden muß. Di- deutsch- Intervention in Konstantinopel gewinnt den Charakter eines diplomatischen Handstreichs, bet welchem bis aus Weiteres nicht recht klar ist, ob man -s mit einer türkischen Originalidre zu thun hat, oder ob der auch im Oriente zuweilen austauchende „Finger Bismarck's" einen Wink mit dem Zaunpfahle gegeben hat. Das Er- -igniß selbst ist indeffen so bedeutend, daß die Ursachen deffelben nebensächlich erscheinen, da die diplomatische W-lt genug mit den Wirkungen zu rechnen hat. Betrachtet man den Versuch von der rein geschäftlichen Seit-, vom Standpunkte der praktische» Zneckaiäßigkeit, so kommt man zu dem Resultate, daß allerdings deutsche Beamte die geeignetsten sein möchten, Ordnung in di- türkischen Verhältniffe zu bringen; sollie flch dagegen h-rausst-lle», daß es auch ihrer Mission nicht gelänge, wie die Preußen sagen, „Zug in die Co- ionne" zu bringen, so ist die Türket wirklich incurabel. Tüchtige deutsche «eumte werde., in sch. kurzer Z. i.-rm'tf'n, ob die Tü-k-t vor dem Stoots, iankeroit zu retten ist oder nicht; vor dem Auge deutscher Rechnungsrevtsoren, die gewohnt sind, zu rechnen, bis die Sache aus V30 Pfennige „klappt , passt- rm keine türkischen „Schätzungen", und die Herren werden sich von den abge- siimtesten Paschas kein X sür ein U machen lassen. Eine deutsche Jiüerven- tion welche Bismarck mit seinem Namen deckt, wird also vor allen Dingen energisch vorgehen und Klarheit schaffen, und ist diese klare Ueberstcht gewonnen, so ist der erste Schritt zu den türkischen Resormen gethan.
Bei der großen Notenschreiberei, mit welcher in jüngster Zett die Mächte des Abendlandes die Pforte beglückt haben, hat sich Deutschland im Hin ter- gründe gehalten. Die Bismarcklchen Deveschen erfreuen sich zwar ebenfalls, wie der Vatikan bezeugen kann, eines eleganten Styls, zumal Herr Lothar Bucher auch als Wirklicher Geheimer Legationsrath nicht die aristokratische Schreibweise eines echten Ritters von der Feder verlernt hat, aber der Inhalt, den Fürst Bismarck voischreibt, bleibt doch immer die Hauptsache. Die deut- schen Noten wirken, weil man beim Verlesen derselben hört, daß eventuell Bataillone marschiren oder Flaggen von Panzerschiffen in Sicht kommen. Zm weilen haben sie auch jenen größten diplomatischen Vorzug, den die Amerikaner ,bluff" nennen; sie verblüffen, und gegenüber der Reserve, welche Deutschland auch jetzt, wie vorher in Egypten, den französisch * englischen Interventionen gegenüber beobachtet hatte, müßte es einen wirksamen Eindruck machen, daß Deutschland das europäische Jntereste nicht aus den Augen verlor und Herrn Göschen einen deutschen Regserungsbeamten als Commiffar des Sultans ^^Es ist allerdings möglich, daß alle Wiffenschast deutscher Gelehrten, Volkswirthe, alle „hohe Schule" der Ftnanzwiffenschast und alle Treue und Ehrlichkeit, Freudigkeit und Tüchtigkeit deutscher Beamten nicht htnreicht, Ordnung in der Türkei zu schaffen. Daß aber die Lösung der orientalischen Wirren durch eine rasche Klärung der finanziellen und wirthschastltchen Verhältniffe nur gefördert werden kann, das gilt sür ebenso unbestreitbar, als die Thatsriche, daß es bohe Zeit war, die Westmächte daran zu erinnern, daß auch Deutschland und Oesterreich bei der Entscheidung über die Zukunft der Türkei ein Wörtchen mitzusprechen gedenken.___________________________________
Deutschland.
Darmstadt, 21. Juli. Den Districtseinnehmern, Steuercontroleuren und Zoüamtsasststenten sind kürzlich Decrete zugegangen, wonach sie gleich den übrigen höheren Staatsdienern unwiderruflich angestellt sind. Auch sind die einleitenden Schritte gethan worden, um sie bezüglich der Penstonirung mit die en gleichzustellen. Es wird wohl noch den Ständen eine diesbezügliche Vorlage zugehen. Auch wegen der Ausnahme der Justiz- und Staatsverwal- tungsbeamten in das Eioildienerwittweninstitut wird voraussichtlich den Kammern ein Gesetzentwurf zugehen. . ^8’ -o)
Berlin 21. Juli. Osficiös wird geschrieben: In den Kreisen der E:satzr«fervist-n Ist vi-lf°ch üb-r bi- Wirkung b-s G-s-tz-s vom 6. Mat b. I. Unklarheit v-rbr-tt-i unb bi- Ung-wißh-tt ob si- »»r U-bung h-ra»g-. Wn w-rb-n können, veranlaßt Vi-l-, von b-r miiitär^fch-n C-utralb-hörde i t «ttiin Auskunft zu erbitten. Zur Beruhigung bet B-tr-ff-nb-n bürste Fol-


