arten an der Anpflanzung befinden, schwerer ein Pächter des Obstes zu finden ist, da die Beaufsichtigung gegen Diebstahl sonst zu kostspielig würde. Sehr anzuralhen möchte es auch sein, größere Flächen mit Obstbäumen zu besetzen, und dadurch einträgliche, leicht zu beaufsichtigende Plantagen herzustellen. Welche Veränderung der Landes- Physiognomie! Welches erwerbende Capital! — Aber es ist nicht genug, Obstbäume zu pflanzen und sie dann ihrem Schicksale zu überlassen, ohne ihre Femde, namentlich die ihnen feindlichen zerstörenden Jnsecten und deren Vertilgung zu kennen, denn diese lassen eine zu erwartende, nur erträgliche Obsternte oft nicht aufkommen. Manche derselben sind bei einiger Aufmerksamkeit, da sie in ihren Nestern sichtbar und, leicht zu vertilgen. Es sind dies die Raupen des Goldschwanzes (Bombyx chrysorrhoea), die im Mai und Juni die Knospen und Blätter der Obslbäume zerfressen und in großen Raupennestern überwintern, welche im März mit einer Raupen- scheere abgeschnuten und verbrannt werden müssen; die Raupe des gefräßigen Ringel- s p i n n e r s (Bombyx neustria), die sich Ende Mai in den Astgabeln der Obstbäume in einem leicht zu erkennenden Gespinnst sammeln, wo man sie mit einem feuchten Lappen zerdrücken lasten kann; die der G e s p i n n st m o t t e n (Hyponomenta), welche gesellig m einem Gespinnst aus verschiedenen Obstbäumen und Gesträuchen, deren Blätter sie vollständig abfressen, leben. Jedoch den H a u p t f e r n d e ir der Obslbäume, den Apfel schaben (Obstmaden, Tortrix pomonana) und den F r o st s ch m e t t e r- ling (Geometra brumata) ist auf obige Weise nicht beizukommen, und das obstbautreibende Publikum ist daher dem I. M.-Lehrer Hl. C- Becker in Jüterbog zu großem Dank verpflichtet, der durch genaue, anhaltende Beobachtung und glückliche Entdeckung der sicheren Fangart dieser heimlichen, nächtlichen Obstbaumverderber durch seinen bereits durch ganz Deutschland den Pomologen bekannten, lange klebrigen Brumala- Leim (den er präparirt und nebst Gebrauchsanweisung auf Bestellung versendet), dem Obstbau einen Nutzen gebracht hat, der im Laufe der Zeit mehr und mehr erkannt und gewürdigt werden wird.
Mitte Juli fängt man auf und unter den Brumata-Ningen die ersten Raupen der A p f e l s ch a b e (Obstmaden), Anfangs November sieht man auf den Ringen die ersten gefangenen Frostschmetterlinge, die bis Mitte December fliegen Im Jahre 1873 fand ich hinter einem Brumata-Ringe, der an einem großen Apfelbaum im hiesigen Königl. botanischen Garten gelegt mar, Ende August gegen 8U eingesponnene Obstmaden, die leicht zu tobten waren. Wenn man bedenkt, daß diese Thiere oft die Hälfte des Obstes verderben und vorzugsweise die ersten und besten Früchte, namentlich der edleren und feineren Sorte, angreifen, so möchte dem beir. Publikum mit dem Hinweis auf das ^erfolgreiche, oben angeführte Vertilgungsmittel und die Angabe der richtigen Fangzeit ein willkommener Dienst geleistet fein. Die zarteren Gartenpflanzen und Sämlinge: Kohlarten, Levkoyen, Reseda rc. werden oft von den Erdflöhen (Haltica) im Mai u. s. f. zerfressen. Nach Versuchen des Hl. C. Becker fängt man auch diese Thiere mit Brumarn-Leim. Es werden vorher mit Tischlerleim grundirte, dann mit Brumata-Leim bestrichene Brettchen der Quere nach aufrecht in die zu schützenden Beete gestellt; am zahlreichsten springen die Erdflöhe ausgescheucht bei hellem und warmem Wetter an die klebrigen Brettchen.
Berlin. Königlich botanischer Garten.
<D. Bouehe,
Kgl. Garten-Jnspector.
Vermischtes.
Offenbach, 15. Mai. Nach dem „M. I" ist es den Bemühungen des Großh. KretSrathes, Herrn v. Marquard, gelungen, den Stadtvorstand zu Seligenstadt zu einer Ausbesserung der merkwürdigen Ueberreste des dortigen alten Kaiserpalastes zu veranlassen, die dem völligen Verfall der Ruine vorbeugen soll. Zugleich beabsichtigt man auch, dle seither durch
spätere Vermauerung verdeckten, so interessanten Theile der durch je zwei Säulchen in drei Thetle geschiedenen und von zwei großen, noch ziemlich erhaltenen Schildbogen überspannten Fensteröffnungen fretzustellen. Ein gleiches Verfahren will man mit einer von einem ichönen Kleeblatibogen überwölbten Thüröffnung versuchen. Durch bleie mit wenigen Kosten verbundene Ausführung wird sich der Stadtvorstanv den Dank aller Alterthumsfreunde erwerben und namentlich den in jüngster Zeit so zahlreich dem sonst dem Verkehr so entfremdeten Städtchen besuchenden Touristen einen neuen Anziehungspunkt bieten. Wie schnell oft ter Zahn der Zeit mit einem dem Verfall überlaßenen Bauwerke ausräumen kann, kann man aus einer Zeichnung der Ruine vom Jahre 1785 ersehen, wo noch der schon bei der Zeichnung im Jahre 1819 nicht mehr cxistlrenoe große Doppelbogen, welcher stromaufwärts in seinen Anfängen noch wahr- zunehmen ist, vollständig erhalten war. Die Restauration des Palatiums leitet der Herr Dr. Hesse, Bauaeeessist des Großh. Bauamtes Offenback.
— Bor einiger Zeit wurde von einem Arbeiter bei Bolkenhain (Schlesien) beim Drai- ntren des Ackers ein faustgroßes Stück Bernstein in der Form eines großen herabfallenden Tropfens gefunden. Da der Finder den Werth des ihm unbekannten Steines nicht ahnte, so zerschlug er ihn leider in zwei Stücke, wovon das größere immer noch 3 Zoll lang und 2y2 Zoll breit war. Ein dortiger Drechslermeister, dem eines dieser Stücke zufällig in die Hand kam, kaufte beide Stücke und nun fand sich's, daß das Innere derselben milchweiß und molkig, also von der Art des gesuchtesten Bernsteins war. Derselbe Arbeiter will vor Jahresfrist einen ungleich größeren Stein dieser Art von der Größe eines HolzschlägelS, ebenfalls beim Drainiren auf Würgsdorfer Gebiet gefunden haben, welchen er aber wieder in den Drainage Conal gewoif.n hat, da weder er noch einer seiner Mitarbeiter den Stein kannten. Das Vorfinden von Bernstein in der dortigen Gegend, so entfernt von der Ostsee, ist jedenfalls ebenso interessant als räthselhaft, und es erscheint wohl wahrscheinlicher, daß solcke vereinzelt aufgcfundene Stücke vor Jahrtausenden von handeltreibenden Völker verloren, als daß sie an hiesiger Stelle als Harz jenes vorweltlichen Baumes von der Familie der Contferen erzeugt wurden.
— Gin reiches Berliner Ehepaar, besten einziger Sohn in der Schlackt bet Mars-la-tour als einjährig-freiwilliger Garde-Dragoner gefallen war, hat, wie die „Post" berichtet, in den letzten Tagen über sein bedeutendes Vermögen, etwa 400,000 „*i., Verfügung getroffen. Danach soll das Capital nach dem Tode der alten Leute als milde Stiftung zu einem Pfand» und Lombard-Geichäft für Officiere und Beamte verwandt werden. Die Zimen sind für die Verwaltungskosten bestimmt und die überschteßenden Zinsen werden stets zum Capital geschlagen werden. Das Capi'al und das Geschäft sollen von einem Curatorium verwaltet werben.
— (Berliner Universalstuhl.j Vor etwa 30 Jahren machte ein Wunderjckrank viel von sich reden, der eine halbe Wohnungsausstattung in sich berge. Diesen Wunberschrank hat ein neuer Erfinder übertroffen. Die Erfindung ist ein Universalstuhl, gegen den jener Wunder- sckrank ein Kind war. Dieser Universalstuhl hat die Gestalt eines Lehnstuhles, birgt aber in seinem Innern nickt weniger als sechs gepolsterte Lehnstühle, eine fünf Ellen lange Speisetafel mit allem Zubehör, ein sechs Ellen hohes und zwanzig Ellen im Umfange meßendes Zelt, eine kleine Speiickammer, ein Lesepult, eine Bibliothek, einen Schreibtisch nebst Schreibmaterialien, Rauchutensilien, eine Schlag- und eine Spieluhr, einen Baldachin für den Mittagsscklaf, einen Nachttisch nebst Waschapparat, alle Arten Spiele u. dgl. mehr. Derselbe Stuhl läßt sich in einen Divan oder ein Paradebett, je nach Bedürfniß, umwandeln. Und zu all' diesen Umwandlungen genügt ein Druck auf einen Knopf. Feder, Tinte und Papier überreicht dem Besitzer ein Mohr, der aus der rechten Stuhllehne hervorspringt, Siegellack, Petschaft und Oblaten eine Kellnerin, Cigarren, Tabak und Pfeife ein Dienstmann. Nicht zu verachten ist auch eine Zugabe für den Fall, daß ein lästiger Besuch auf vem bequemen Stuhle Platz genommen. Ein Druck auf eine Feber und . . . scharfe Dolche springen aus dem Sitzkißen hervor. Der Erfinder beabsichtigt, einen solchen Stuhl, den er mit seinem gejammten Inhalt im kleinen Modell vorgeführt hat, in großem Maßstabe anzufertigen und öffentlich auszustellen. Dazu bat er, wie die „Magveb. Z." berichtet, bereits beim Polizeipräsidium um eine Concession nachgesucht.
Kirschen-Versteigerung.
Donnerstag den 27. Mai l. I.,
Nachmittags 1 Uhr, sollen in hiesiger Gemarkung von etwa 1200 Kirschbäumen, in der Obstanlage Steinchen und Georgenwäldchm, die darauf befindlichen Kirschen, welche für diese Erndte in bedeutender Quantität vorhanden sind, an Ort und Stelle versteigert werden.
Bemerkt wird, daß die Kirschen aus verschiedenen feineren Sorten bestehen, und in der Anlage ein Wohuhäuschen mit Küche-Anbau vorhanden .st worin «ine Familie während der Erndtezeil vollständige Unterkunft haben kam..
Was die Verkehrs-Verhältnisse an. langt, so liegt Himbach an der Ortenberg Hanauer Staatsstraße und etwa eint Stunde von der Eisenbahn-Station Stockham entfernt. Gegen genügende Bürgschaft wird dem Steigerer entsprechender Credit gewährt.
Himbach, den 18. Mai 1880. Großh. Bürgermeisterei Himbach.
Tugend. (3497 "Arbeitsversteigerung. Mittwoch den 26. ds. Ms.,
Morgens 11 Nhr, soll in der Geißler'schen Wtrthschaft zu Kirchberg:
Dachdeckerarbeit an der Kirche und Pfarrhäusern zu Kirchberg, veranschlagt zu. . - 452,10 öffentlich unter den dabei bekannt gegeben werdenden Bedingungen wenigst- fordernd in Accord vergeben werden.
Gießen, am 21. Mat 1880. 3512)________ Seultng.
3491) Unterzeichnete läßt
Dienstag den 23. d. Mts.,
Vormittags 11 Uhr, ihr in der Bahnhofstraße Hierselbst stehendes Wohnhaus nebst Stallgebäude unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen auf den Abbruch versteigern.
I. Friebel Ww.,
Bahnhofstraße.
Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung.
Spar- und Aihkaße p Amg-Göns, Eingetragene Genossenschaft.
Gewertet- Verstsmmteteey auf dem Gemeindehause zu Lang-Göns,
Sonntag den 30. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr.
Tagesordnung:
1. Miktheilung der Jahresrechnung und Geschäftsbilanz, Rechenschaftsbericht und die dem Vorstande zu ertheilende Decharge.
2. Erwerb und Veräuße ung von Grundeigenthum.
3. Ergänzungswahl des Vorstandes.
4. Verhandlung und Beschlußfasiung nach Maßgabe des Statuts. Lang-Göns am 14. Mai 1880.
Für die Spar- u. Leihkaffe zu Lang-Göns Eingetragene Genossenschaft.
3412) _____________A. Henrich, Director._________
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Arbeitsbersteigerung.
Donnerstag den 27. Mai l. I., Morgens 9 jlhr, sollen im Rathhaussaal zu Grüningen nachstehende Arbeiten, als:
Chaufsirarbeit, veranschlagt zu 384.00
Stetnschlagen „ „ 26400
Wetsbinderarbeit „ „ 54.95
öffentlich wenigstfordernd in Accord vergeben werten.
Großh. Bürgermeisterei Grüningen. I.
3511) Seuling.
Dienstag den 25. Mai!
Vormittags 11 Ubr.
sollen in meinem Geschäftszimmer nachstehende Gegenstände meistbietend gegen Baarzahlung öffentlich versteigert werden: 20 Flaschen Liqueur, 15 „ Champagner,
2 Nähmaschinen.
Gießen, den 21. Mai 1880.
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