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Samstag den 20. November

1880.

Aießener ^Anzeiger

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Aeulschkand.

Darmstadt, 17. Novbr. Seine Köntgl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Königlich Großbri- tanischen Geschäftsträger Mr. Jocelyn, den Königlich Großbrttanischen Oberst- lieutenant Schaw, den Rentner Wilhelm Schwab von hier, den Lreisrath Frhrn. v. Schenk zu Schweiusberg von Groß-Gerau, den Pfarrer Schuchard von Reinheim, den Banquier Wolfskehl von London, sowie den Major und Hofmarschall Sr. Hoheit des Fürsten von Bulgarien Frhrn. v. Riedesel zu Essenbach: zum Vortrag den Staatsmtnister Frhrn. v. Starck.

Darmstadt, 16. Novbr. Schluß des Inhalts Grvßh. Regteruvgs- 6Iatt8 (Beilage Nr. 26): .

9. Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Klein-Hausen, im Kreise Bensheim, mit einem nach dem Dienstalter deS bett. Lehrers sich bemeffenden Erhalt von 900 Big 1000 Jl.\ die mit einem evang. Lehrer ju besetzende Lehierstelle an der Gemetndeschule zu Beuern, im Kreise Gießen, mit einem Mrlichen Gehalt von 900 ; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende

Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langen, im Kreise Offenbach, mit einem Gehalt von 1000 eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß.Linden, im Kreise Gießen, mit einem (Schalt von 900 X; di- mit einem kalh. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Rockenberg, Im Kreise Friedberg, mit einem Gehalt von 900 die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- mei'.de,chule zu Otterbach, im Kreise Alsfeld, mit einem Gehalt von 900 Jfc, Der Stelle ist Küchendienst verbunden; die mit einem evangelischen ßeLrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Pfaffen. Beer- fuitb im Kreise Erbach, mit einem Gehalt von 900 »X; das Concurrenz- Ausschreiben in der Beilage Nr. 23 des Großh. Regierungsblatts wird hier­mit zurückgezogen; die mit einem seminaristisch gebildeten Lehrer zu besetzende erste Gksanglehrerstelle an der Volksschule zu Mainz, mit einem Gehalt von 1200 «X; eine mit einer Lehrerin zu besetzende Lehrerstelle an der kath. Schule zu Seligenstadt, mit einem Gehalt von 1200 «X; dem G^ph-K^^ iQtbe zu Offenbach unk dem Ortsvorstand zu Seligenstadt l^ht das Prüfen, tationsrecht zu; die Concurrenzeröffnung in Beilage Nr. 20 des Großh. Regie­rungsblatts wird zurückgezoge« ; die zweite evang. Marrstelle zu Wimpfen, im Decanate Zwingenberg; die evang. Psarrstelle zu Oppenheim, im Decanate Oppenheim, Gehalt 2002 «X . R,

10 Sterbefälle. Gestorben sind: am 29. Septbr. der Kammermusiker Ferdinand Lieb- zu Darmstadt; am 1. Octbr. der Lehrer Friedrich Rauf mann Tu Mainz; an deins. Tage der Förster i. P. Johannes Zulauf zu Bingen, am 5 Octbr. der Schullehrer t. P. Anton Eller zu Flonheim; an dems. $aae der d-leglrte Kreisarzt Medicinalrath Dr. Friedrich Bose zu Orten berg; am 6. Octbr. der delegirte Kreisarzt Dr. Karl Franc v. Lichtenstein zu Hun- aen am 8. Obtbr. der Landg-rlchik-Aclnar f. P. Georg Christian Gottlieb fieibft au Lich; am 10. Octbr. der RechtSanwalt Wilhelm Kekule zu Darm­stadt an dems. Tag- der Rechtsanwalt August L-»i S» Mamz; am 20. Octbr. btt Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberhessen Reinhard Schober $u ®ie^Vn 17 Novbr. Das seitherige Mitglied des hiesigen Gemeinde, chs P-nnrtch hat sein Mandat als Vertreter der Stadt Bingen im hessi- scheu Landtage niedergelegt.

Berlin, 17. Novbr. Di- hiesigen Zeitungen enthalten eine angeblich non Nroseffor Th. Mommsen verfaßte und vom Oberbürgermeister v. Forcken- und 60 hervorragenden Persönlichkeiten der verschiedensten Lebenskretse der Lauvtstadt unterschriebene Erklärung gegen die antisemitischm Bestrebungen, welche folgenden Wortlaut hat: .Heiße Kämpfe haben unser Vaterland geeint Tu einem mächtigen aufstrebenden Reiche. Diese Einheit ist errungen worden babuidt baß im Volksbewußtsein ber Deutschen bas Gefühl der nothwendigen Zusammengehörigkeit den Sieg über di- Stammes- und Glaubensgeg-nsätz- da- oontrufl, die unsere Nation wie keine andere zerklüftet hatten. Solche Unter- Miede den einzelnen Mitbürger entgelten zu lassen, ist ungerecht und unedel unb trifft vor Allem Di-jenigen, welche ehrlich und ernstlich bemüht sind, in ttulammengehen mit der Ration die Solcherart abznwersen. Von chmn wird es als®in Treubruch Derer empfunden, mit denen sie nach gleichen «wecken AU streben sich bewußt find, und es wird dadurch verhindert, was das gemeinsame Ziel ist und bleibt: die Ausgleichung aller innerhalb der deutschen «rtlm noch von früher nachwlrkenden Grundsätze. In unerwarteter unb ttes

Weise wird sitzt an verschiedenen Orten, zumal den größten S^dten des Reichs, d-r Racenhaß und der Fanatismus des Mittelalters wie- b« in 8 Leben gerufen und gegen unsere jüdischen Mitbürger gerichtet. Ver- a llen wird wi- v le derselben durch Fleiß und Begabung in Gewerbe unb Handel in Kunst und Wiffenschaften dem Vaterland- Nutzen und Ehre gebracht Gebrochen wird di- Vorschrift des Gesetzes wie die Vorschrift d-r Ehre, daß alle Deutschen in Rechten und Pflichten gleich sind. Di- Durch- fftbruna dieser Gleichheit steht nicht allein bei den Tr^unalen, sofern bei Lrn iedes etnrelnen Bürgers. Wie eine ansteckende Seuche droht

die Wiederbelebung eines alten Wahnes bie Verhältnisse zu vergiften, die in Staat und Gemeinde, in Gesellschaft und Familie Christen und Juden auf

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dem Boden der Toleranz verbunden haben. Wenn jetzt von den Führern dieser Bewegung der Reid und die Mißgunst nur abstract gepredigt werden, o wird die Masse nicht säumen, aus jenem ziellosen Gerede die praktischen Conseauenzen zu ziehen. An dem Vermächtniß Lesstng^s rütteln Männer, die auf der Kanzel nnd dem Katheder verkünden sollten, daß unsere Cultur d e Jsolirung desjenigen Stammes überwunden hat, welcher einst der Welt die Verehrung des einigen Gottes gab. Schon hört man den Ruf nach Aus- nahmegesetzen und Ausschließung der Juden Don diesem oder jenem Berus und Erwerb, von Auszeichnungen und Vertrauensstellungen. Wie lange wird eS währen, bis der Haufen auch in diesen einstimmt - Noch ist es Zeit, der Verwirrung entgegenzutreten und die nationale Schmach abzuwenden; noch kann die künstlich angesachte Leidenschaft der Menge gebrochen werden durch den Widerstand besonnener Männer- Unser Ruf geht an die Christen aller Par- feien, denen die Religion die frohe Botschaft vom Frieden ist; unser Ruf ergeht an alle Deutschen, welchen das ideale Erbe ihrer großen Fürsten, Denker und Dichter am Herzen liegt. Vertheidiget in öffentlicher ErAärung und ruhiger Belehrung den Boden unseres gemeinsamen Lebens : Achtung jedes Bekenntnisses, gleiches Recht, gleiche Sonne im Wettkampf, gleiche Anerken- nung tüchtigen Strebens für Christen und Juden."

München, 17. Novbr. Das Jnstrzmin'sterialblatt veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach den Rechtsanwälten das Tragen von Barett und Robe bei Verhandlungen vor den Landgerichten rc. gestattet wird. Für Diejenigen, welche von dieser Erlaubniß nicht Gebrauch machen, verbleiben die früheren Bestimmungen in Geltung.

Oesterreich.

Wien, 17. Novbr., Abends. Der Dombauverein hat sich heute con- stttuirt und wählte den Gemeindrrath Lederer zum Präsidenten, Oberbaurath Ferstel rum Vtceprästdenten. Der Kaiser bewilligte für 5 Jahre den Jahres­beitrag von 5000 fl. Cardinal Kutschker trat dem Vereine mit dem Jahres- beitrag von 2000 fi. bei. Bisher gehören dem Vereine 140 Mitglieder an. Protektor desselben ist Kronprinz Rudolf.

Rußland.

Petersburg, 17. Novbr. Heute fand eine Sitzung der Commission für Prchangelegenhe'.ten statt. Die Redacteure mehrerer hiesiger und Mos- lauer Zeitungen waren von der Commission eingeladen, um ihre Anschauungen kundzugeben. Dieselben sprachen sich für Abschaffung der administrativen Maß­regeln gegenüber der Presse und für Unterstellung der Preßvergehen unter die richterliche Gewalt aus. _

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Correspondenz-Burear».

Berlin, 18. Novbr. DieNordb. Allg. Zig." schreibt: Die Zel- tunaen biinaen ben .Text unb Umschriften einer in Sachen der Inden angeb. lieb an ben Reichskanzler gerichteten Petition. Ans b-rn Umstande, daß dieses Actensiück ber Oeffentllchkeit übergeben ist, könnte man schließen, d-nr Reichs- Eamlct wäre bfefe oder eint ähnlich- Eingabe wirklich zugegangen. Wir sind AU bei Erklärung ermächtigt, daß dies nicht der Fall ist.

° Stuttaart , 18. Novbr. Dl-Würüemb. Landesztg.« meldet t D-r hiesige Gerne,noerath hat beschioffen, die Bitte an das Finanzministerium zu richten, ben Cousumvercin zur Gewerbesteuer für seinen ganzen Umsatz, sowie Aum Umfldb für seinen Welnverkanf unter 20 Liter bei,uziehen.

6 Konstantinopel, 18. November. Veit Mohameb, ber Mörder des Obersten o Kumerau, hat dem Sultan ein Gnadengesuch eingrrelcht. Die Pfoete wirb bl- Not- der Botschafter nach ber Entscheidung des Sultans über bas Gnadengesuch beantworten.

Paris 18. Novbr. DieAg-nce Havas" meldet aus Skutari von gestern^ Derwisch Pascha versammelte sämmtliche Osficlere und Armeebcamte auf dem Serailplatze unb hielt eine Ansprache, worin er btn von den Alba­nesen b-AÜglich Dulcignos verlangten Aufschub von 31 Tagen verw-ig-rre und auf die Nachtheile hlnwies, welche ein fernerer Widerstand der Türkei verur­sache. Derwffch Pascha erklärte gegen die Albanesen eventuell gewaltsam vor- gehen unb den Belagerungszustand aufrechterhalten zu wollen.

Peterbura, 18. November. Telegramm aus Livadia vom 17. ds.. Der aus Konstantinopel eingetroffene Botschafter Novlkoff ist heute vom Kaiser ÄÄrä'iSfc » -wb.

stand der hiesigen Anwaltskammer habe gegen den ^^schluß des Münchener OberlandeSgerichts bezüglich der Sttzungökleidung der Anwälte Protest beim

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Die von der serbischen Regierung ernannten drei Delegirten zur $Bttb«auf. nähme ber Verhandlungen über den Handelsvertrag mit ^^errcich-Ungarw wurden angewiesen, nach Wien abzur-ls-n. - Der Genie-Oberst Nicollo

i bei der Donau»Commission ernannt.

roUtßaaft 6 1^ November. D-r General Gouverneur von Niederländlsch- ^ndlen van^LandSberge erbat sich für März 1881 seine Entlassung. Die Zweite Kammer lehnt« dm Artikel 1 des G-s-tz-ntwurf«, betreffend die Rege-