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müssen. Die freundschaftlichen Beziehungen zu Oesterreich seien in Wahrheit unb«streitbar. Das Cabinet treibe nicht eine Politik der Furcht, sondern der Loyalität und der Achtung der Verträge. Morgen Fortsetzung der Debatte.

Nußland.

Petersburg. Zur Geschichte des russischen Nihilismus veröffentlicht derRelchsbote" das von dem eigentlichen Schöpfer und Gründer der gehei­men nihilistischen Organisation in Rußland, von dem berüchtigten Anarchisten Bakunin entworfene geheime Statut der Nihilisten. Wir entnehmen demselben folgende Bestimmungen:

1) Reglement der internationalen Brüder. 2) Die internationalen Brü­der haben kein anderes Vaterland als die allgemeine Revolution, kein anderes Ausland und keinen anderen Feind als die Reaction. 3) Sie verwerfen jede Versöhnungs' und Compromtß-Politik und halten jede politische Bewegung für reactionär, die nicht den Triumph ihrer Principien zum unmittelbaren und direkten Zweck hat. 4) Sie sind Brüder nie greifen sie einander an, noch machen sie ihre Streitigkeiten vor der Oeffentltchkeit oder den Gerichten aus. Ehren-Jury, gewählt von beiden Parteien aus der Zahl der Brüder das ist ihre einzige Gerichtsbarkeit. 5) Jeder von ihnen muß allen Anderen heilig sein, heiliger als ein natürlicher Bruder. Jeder Bruder hat auf die Hülfe und den Beistand aller anderen bis aus die Auslöschung der Möglichkeit zu rechnen. Dies die ersten Paragraphen aus den Statuten. Mitglied des ersten Grades kann nur Derjenige werden, welcher sich durch eine politische That in hervorragender Weise ausgezeichnet hat. Durch die Mitglieder dieses ersten Grades wird das leitende Central-Comits bezw. Executiv-Comitä ge­wählt. Um sich vor Verrath zu schützen, ist seit den Jahren 1877 in Ruß­land das System der falschen Namensführung eingeführt worden. Jedeö neu eingeführte Mitglied wird, nachdem ihn mindestens zwei bewährte Genoffen der Section empfohlen haben, unter falschem Namen vorgestellt, er selbst lernt seine Mitverschworenen ebenfalls nur unter den Namen kennen, welche sie als Mitglieder der Sektion führen. Erst die Zeit macht es ihm möglich, seine Genoffen näher kennen zu lernen, nie aber wird es ihm, oder überhaupt aber einem gewöhnlichen Mttgliede möglich sein, mehrere seiner Oberen kennen zu lernen. Dieser Organisation ist es zuzuschreiben, daß eben, wie bekannt, Fälle vorgekommen sind, wo das Gericht nicht einmal in der Lage gewesen ist, Namen und Stand des Verhafteten zu erfahren. Andererseits schützt diese Art der Organisation auch vor ausgedehntem Verrath, da der eingeschltcheue Verräther immer nur wenige untergeordnete Mitglieder kennt, deren Personen- kmntniß wiederum selbst nur eine beschränkte ist.________________________________

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Correfpoubenr Bnreau.

Berlin, 18. März. Die Reichstags - Commission zur Vorberathung des Socialtstengesetzes hat mit 10 gegen 3 Stimmen die Geltungsdauer des Gesetzes bis zum 30. September 1884 festgesetzt anstatt 1886, wie die Regie­rungsvorlage bestimmt. Zu dem sog. Belagerungszustands-Paragraphen hat die Commission eine Declaration des Inhalts beschloffen, daß Ausweisungen von Reichstags- und Lantags-Abgeordneten während der Session ungültig sind.

DerNordd. Allg. Ztg." zusolge ist der Gesandte v. Radowttz seit einigen Tagen wegen eines bereits in der Besserung begriffenen Leidens das Bett zu hüten genöthigt; auch der Geh. Legationsrath Bucher ist erkrankt. Der Reichskanz­ler ist noch nicht wieder hergestellt. Die Ueberwindung der Geschäfte des Auswärtigen Amts biete daher wesentliche Schwierigkeiten. Bei der Ueber- häufung des Staatssekretärs des Auswärtigen mit laufenden Arbeiten und der wenig zahlreichen Besetzung der politischen Abtheilung mit vortragenden Rärhen habe schon v. Bülow die Nothwendigkeit empfunden, in der Person v. Rado- Witz' eine bewährte Hülfskrast heranzuziehen. Derselbe gehöre aber nicht dem Etat des Ministeriums an. Auf eine Aushülfe der zweiten Abtheilung sei bei der außerordentiichen Vermehrung der sog. nichrpolitischeu Geschäfte nicht wie früher zu rechnen. Zur Abhülfe des Nothstandes sei Generalkonsul Busch aus Pesth einberusen und werde heute oder morgen erwartet.

Karlsruhe, 18. März. Staatsminister Turban hat im Auftrage des Großherzogs heute den Landtag mit einer Rede geschloffen, in welcher er schließlich den Wunsch aussprach, daß den Arbeiten auch dieser Session ein segensreicher Erfolg für die materiellen, geistigen und religiösen Interessen des Landes beschieden sein möge.

Paris, 18. März. Das JournalVoltaire" will erfahren haben, daß die Schließung der Unterrichtsanstalten der Jesuiten und die Auflösung ihrer Novikiate fest beschloffen sei; es sei nur noch zu entscheiden, ob man diese Maßregeln mittelst einfacher Ministerialverfügung oder Dekretes des Präsidenten der Republik durchführen werde.

München, 18. März. Das Schwurgericht verurteilte den Redakteur des hiesigenBayer. Landboten", Buchner, wegen Beleidigung des Königs von Bayern zu einer Festungsstrafe von 6 Monaten. Der Staatsanwalt hatte 8 Monate Gesängniß beantragt.

Dresden, 18. März. DasDresd. Journal" meldet: Zufolge einer katarrhalischen Affection steht sich der König genöthigt, auf die beabsichtigte Reise nach Berlin zur Beglückwünschung des Kaisers zu verzichten.

Berlin, 18. März Reichstag. Dritte Lesung des Etats. Die Etats des Bundesraths und Reichstages werden ohne Debatte genehmigt. Beim Etat des Auswärtigen Amtes erklärt Untersiaotssecretär Scholz auf Anfrage Majunke's, daß keine Verhandlungen stattgefunden hätten über das, was nach Ablauf des deutsch- belgischm Handelsvertrages am 1. Juli zu geschehen habe. Nachdem Lingens und v. Czarlinski die Berichte des Eomniissars zur Ueberwachung des Auswanderungs- wesens krUisirt haben, wird der Etat des Auswärtigen Amtes genehmigt, ebenso der Etat des ReichsanUes des Innern. Zum Militär-Etat liegt die von Richter (Hagen) beantragte Resolution vor: Der Reichstag wolle die Erwartung aussprechen, daß künftig bet Ueberweisung von Inseraten an Zeitungen nur die möglichste Verbreitung, nicht aber die Parteistellung der Jnsertions Organe in Betracht gezogen werde. Richter beleuchtet die Vorgänge in Königsberg, wo durch Verfügung des Gemralcommandos die gelesensten Blätter wegen oppositioneller Haltung von den amtlichen Inseraten ausgefchlossen seien. Der Fall liege dort so wie der im preußischen Adgeordnetenhause von Rickert erwähnte betreffs derPosener Zeitung." Kriegsmimster v. Kamecke beruft sich aus das bekannte preußische Mtuisterialrescript, wonach den oppositionellen Blättern amtliche Inserate nicht zugewendet werden sollen. Dieses Rescript sei auch für die Militärbehörden verbindlich. Bis jetzt hatte das Verfahren derselben betreffs der Inserate rod) keine ökonomischen Nachtheile zur Folge.

Nnterstaatssecretär Scholz erklärt, für die Reichsbehörden als solche beständen Vorschriften über das Jnseriren nicht Neben der Billigkeit und Zweckmäßigkeit müsse für die Behörden auch das Dekorum bei Wahl der Organe, worin sie infertren, maß- gebend sein; daher könnten sie in gewissen Zeitungen nicht inseriren lassen. Nachdem

noch Rickert für den Antrag Richter gesprochen, wird letzterer angenommen; dafür stimmen die National-Liberalen, die Fortschrittspartet und das Centrum.

Der Militär-Etat wird nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt. Zum Marine-Etat tadelt ü. Ohlen, anknüpfend an die Debatten der zweiten Lesung, daß verschiedene damals gegen die Admiralität erhobene Angriffe nicht einmal den Versuch einer Widerlegung erfahren haben. Nach einer Entgegnung Richter's wird der Marin -Etat bewilligt. Zum Etat der Justizverwaltung beklagt sich v. Ludwig über die zu große Höhe der Gerichtskosten. Eine materielle Kritik unseres Strafrechtes, in der Redner das neue Strafgesetzbuch die Lust und Freude aller Schurken und den Kummer der ehrlichen Leute nennt, zieht ihm einen Ordnungsruf zu. Der Justizetat wird bewilligt Beim Etat des Reichsschatzamtes führt Mirbach die Nothwendigkeit zur Doppelwährung zurückzukehren aus. v. Helldorf-Bedra erklärt, Mirbach habe nicht die Anschauung der ganzen deutsch-conservativen Fraktion wiedergegeben. Bam­berger rechtfertigt das bestehende System der Goldwährung. Eine ganze Reihe von Etats wird ohne Debatte bewilligt. Beim Etat der Post- und Telegraphen-Verwaltung tritt Stephani für die Bewilligung der in zweiter Lesung gestrichenen ersten Rate für den Umbau des Postgebäudes in Leipzig ein. Der Antrag wird abgelehnt und der ^Beschluß der zweiten Lesung aufrechterhalten.

Beim Extra-Ordinarium des Militär-Etats beantragt Richter, die Bewilligung für die neuen Casernenbauten in Dresden zu streichen An der Debatte betheiligen sich Richter, Kayser Und Ackermann, worauf das Haus conform den Beschlüssen der zweiten Lesung die Positionen bewilligt. Ohne Debatte werden die Extra-Ord.narien der Marine, der Justizverwaltung, des Schatzamts, der Reichsschuld, des Rechnungs­hofes, der Eisenbahnverwaltung, der Reichsdruckerei und die Ausgaben in Folge des Krieges gegen Frankreich genehmigt, ebenso der Etat der Einnahmen aus den Zöllen, den Verbrauchsfieuern, dem Spielkartenstempel und der statistischen Gebühr unverändert genehmigt. Zu den Ausgaben der Postverwaltung beantragt Richter, die in zweiter Lesung mit 107 gegen 105 Stimmen eingesetzte Stelle eines dritten Directors mit 15,000 JL Gehalt wieder zu streichen. Delbrück erklärt sich gegen den Antrag, ebenso Benda, v. Kardorff uyd Windthorst. Staatssecretär Stephan bezeichnet die Stelle als unentbehrlich. Liebknecht kommt auf die früheren Beschwerden über die Verletzung des Briefgeheimnisses zurück und zieht sich dabei einen Ordnungsruf zu, da er die Poft als Schule der Spionage und Denunciation bezeichnet. Bundes-Commissär Cramm tritt dem Vorredner entgegen. Der Postetat wird darauf auch im Extra-Ordinarmm nach den Beschlüssen der zweiten Lesung bewilligt, ebenso alle noch übrigen Etats bis zum Schluß, sowie das Anleihegesetz zum Etat. Um 4 Uhr vertagt sich das Haus bis zum 6. Aprils

Paris, 18. März. Im Senat begann heute die Berathung des Generalstabs-Gesetzes. Der Krtegsmintster hob die Vorthetle des neuen Ge­setzentwurfes hervor. Marschall Canrobert erklärte, er werde sich der Ab­stimmung enthalten. Es heißt, die Jesuiten hätten bereits diejenigen Mitglieder ihrer Congregation, welche nicht französischer Nationalität sind, veranlaßt, sich in's Ausland zu begeben.

Rom, 18. März. Sitzung der Kammer der Deputtrten. Bovio. Oliva und Manctnt begründeten ihre dem Ministerium günstigen Interpellationen. Mancini sagte dabet, daß Bonghi die Linke mit olympischem Stolze behandelt habe. Präsident Fartni fordert Mancini auf, seine Ausdrücke zu mäßigen, woraus sich ein lebhafter Zwischenfall zwisch n Manctnt und Fartnt entwickelt. Manctnt verzichtet schließlich unter dem Beifall der Lmken auf das Wort. Lebhafte Bewegung. Farini verläßt den Präsidentensttz. Die Rechte und die Minister verlassen den Saal. Vicepräsident Spantigati unterbricht die Sitzung auf eine halbe Stunde. Nach der Wiedereröffnung erklärt Mancini, niemals Worte ausgesprochen zu haben, welche den Präsidenten beleidigen konnten. Spantigati schließt die Sitzung, indem er die Hoffnung ausspricht, daß Farini morgen das Präsidium einnehmen werde.

London, 19. März. Die Morgenblätter veröffentlichen einen Bericht Hartmann'S, worin er bekennt, daß er der Haupturheber deS Moskauer Attentates gewesen sei. Hartmann beabsichtigt in wenigen Tagen nach Amerika auSzuwandern.

Lokales.

Gießen, 19. März. sSchwurgerichtsvcrhandlung.j Am 18. dss. wurde die Anklage- fache gegen Johann Adam Schmidt, 43 Jahre alt, verhciratbet, Taglöhncr in Bücingen, wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit, begangen an der geisteskranken Sophie Müller von da, vor dem Schwurgericht verbandelt.

Trotz Leugnens wurde Angeschuidigter für schuldig erkannt und in eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren»und 6 Mvnaten vcrurtheilt, ihm auch gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren aberkannt.

Gießen, 19. März. Einemarmen blinden Mann" von Ulfa, welcher gestern von Haus zu Haus bettelte, würbe auf der Polizei plötzlich das Augenlicht wieder verschafft. Der Schwindler wurde beigcsteckt und siebt seiner Bestrafung wegen Betrug entgegen.

Ntchr weniger denn 90 Liter Milch wurden heute Morgen von einem Oeconomen confiscirt. Bei der Visitation war dieselbe jedenfalls vor Schrecken blau und zu wässeng ge­worden. Arme Frauen und Kinder wurden mit derselben erfreut.

Zum letzten Male für diese Periode, und hoffentlich auch für lange Zeit, theilte heute die Volksküche ihre Speisen aus. Es wurden vcrtbeilt 898 halbe Portionen; hiervon 36 verkauft und 862 an Arme, Kinder und Handwerksburschen.

Hrischbäcker in Gießen.

Sonntag, den 21. März. August Noll, Mäusburg. Wilhelm Lange, Neustadt. Jakob Kltngelhöfer, Wallthor.

IniffBIT

Kirchliche Anzeigen

der evangelischen Gemeinde ?u Gießen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 21. März.

Buß- und Bettag.

Morgens: Pfarrverwalter Schöner. Nachmittags: Pfarrer Schlosser.

Montag, den 22. März:

Morgens 9 Uhr: Feier des Geburtstages Sr. Majestät deS Kaisers.

Mittwoch, den 24. März:

Nachmittags 2 Uhr: Beichte: Pfarrer Schlosser.

Donnerstag, den 25. März:

Morgens: Pfarrverwalter Schöner. (Feier des heiligen Abendmahles.)

Freitag, den 26. März:

Morgens: Pfarrer Schlosser. Nachmittags: Pfarrverwalter Schöner.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 20. bis 27. März besorgt Pfarrverwalter Schöner.

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- [N y # mit feinem tat« Armin D yM* §ert 18. März w6, Fürstin Die preußischkn storbenen Prin-^ Schwester der J Araunfels in ah Cumberland.

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