Ausgabe 
17.10.1880 Erstes Blatt
 
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dtr. 243. Erstes Blatt. Sonntag den 17. October 1S8O

Hichener Wueiger

ZMise- ui AmtsbM fit toi Kreis Giefti.

Kspe-Lttsttsbrrresir r / ^chulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme bei SRontagA. »terteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

«SSSSSSSSSSSSSSSM^____ ** bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Tßeit.

Gefundene Gegenstände:

tr,.. - . * Ps-rde-eppich, 1 R-g-nschkm, 1 Trazkitzel, 1 Brieftasche, 1 Syischeit, 1 Brosche, 1 Stück Hosenreug.

Die Gegenstände sind aus der Polizeiwache (Weidengaffe 93) aufbewahrt. * 8

®ie^en, den 16. October 1880. Großherzogliche Poltzetverwaltung Gießen.

-------------- Fresenius.

Deutschland.

. , 13. Octbr. DieVoff. Ztg." schreibt:Nach uns zugehen-

den Mtttheilunaen sind folgende Bundesregierungen gestimmt für eine allge. meine Revision des Strafgesetzbuchs: die Regierungen von Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden, Braunschweig und Schwarzburg. Rudolstadt. Bay^u hat bereits vor mehreren Jahren im Bundesrathe, als hier die Straf, grsetznovelle zur Berathung stand, erklären lasten, daß eine allgemeine Revision des Strafgesetzbuchs unvermeidlich fei und daß vielleicht noch vor der Antrag, stellung beim Bundrsrath das Gutachten einer besonderen Fachmänner-Com- Mission etnzuholen sein würde. Die württembergische Regierung enthielt sich damals nur deshalb, verschiedene die Abänderung des Strafgesetzbuchs betr. Anträge zu stillen, weil letztere der Art waren, daß sie ohne eingehende Unter- suchung ihres Verhältnistes zum System des Strafgesetzbuchs eine Berücksich­tigung nicht hätten erwarten können, die erwähnte Regierung aber der Ansicht war, daß jene eingehende Untersuchung nur bei den Vorarbeiten zu der noth. wendigen allgemeinen Revision des Stragesetzbuchs stattfinden könne. Die Regierungen von Württemberg, Braunschweig und Schwarzburg-Rudolstadt halten insbesondere eine Aenderung des Strafsystems deshalb für dringend nothwendtg, indem sie der Austastung huldigen, daß, nachdeyr daS Militär- strafgesetzbuch bet den meisten Vergehen dem Richter die Wahl zwischen Ge- fängniß und Festungshaft gelosten und dadurch die Möglichkeit geschaffen hat, die Strafübel der Individualität anzupasten, der von dem bürgerlichen Straf, gesetzbnch in dieser Beziehung e ngenommene Standpunkt nicht mehr s'estgehalten werden könne."

England.

London, 13. Octbr. Ein nicht geringer Theil von England gleicht gegenwärtig einem Sumpfe, in welchem breite Wastertümpel sichtbar sind, wo sonst das Vieh auf trockenem Boden weidete. Wind und Wetter, Sturm und Regen haben ihr wildes Wesen getrieben, und leider scheint ihr zerstörendes Regiment sein Ende noch nicht erreicht zu haben, denn von Amerika werden neue Stürme angekündigt. London hat ein Lied von der Näffe zu singen, denn das Wasser hat arge Verheerungen angerichtet und die Straßen streckenweise so stark mit Master überzogen, daß die Pferde knteetief durch dasselbe haben waten müsten. Schlimmer noch sieht es auf dem Lande aus, und zwar nicht allein in tiefliegenden Strichen wie das obere Themsebecken und die Graf­schaften Leicestershire, Cambridgeshire, Lincolnshire u. s. w. In Brantford oberhalb London, stieg die Fluth vor einigen Tagen so schnell, daß ein Ein­wohner die Thatsache zuerst gewahr wurde, als das Master sein aus dem Bett heraushängendes Hemd umspülte. In Huntingdonshire und Cambridge, shire hat der Eisenbahnverkehr stellenweise eingestellt werden müsten. Aber auch in Kent z. B. steht viel Land unter Master.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Köln, 15. October, Vorm. Die Stadt ist außerordentlich prachtvoll ! bis zum letzten Hause mit Festons, Laub- und Tannengewtnden, Wappen­schildern, Emblemen und Flaggen in den Reichs- und Landesfarben geschmückt j Viele Straßen sind mit Mastbäumen besetzt, die durch Guirlanden verbunden sind. Alle Schiffe auf dem Rheinstrom tragen festlichen Schmuck. Durch die

j ganze Stadt wogt eine festlich bewegte Menge Kopf an Kopf. Jeder Zug

! bringt neue Menschenmaflen. Soeben rückt eine Ehrenwache mit klingendem

| Spiel und der Fahne zum Empfange des Kaffers an den Bahnhof. Das

Wetter ist trübe, aber bis jetzt regenlos.

Der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge sind 9J/4 Uhr hier ein­getroffen, am Bahnhofe von den Spitzen der Behörden empfangen. Die Krtegervereive bildeten Spaliere. Unter dem Jubel der zahllos zusammen­geströmten Bevölkerung begaben sich die Majestäten nach dem Regterungs- gebäude und ließen hier den überaus glänzenden Festzug defiltren. Um lOi/i Uhr fuhren die Majestäten nach der Trinttatisktrche. Das Wetter hat sich aufgeklärt.

Köln, 15. October, Mittags. Die Ansprache des Kaisers bei dem beutiaen Dombausest lautet wie folgt: y 10 n

Wer gedenkt in dieser Stunde nicht des Tages, an welchem weiland Könia Friedrick Wilhelm IV. der Welt geschenkt wurde! Wer gedenket nicht jenes 4 Sep­tember 1842, an welchem Mein in Gott ruhender königlicher Bruder an dieser Stelle öffentlich und feierlich es verkündete, daß Er beschlossen habe, den seit Jahrhunderten seiner Vollendung harrenden Kölner Dom dieser Vollendung entgegenzuführen! Dem geschichtlich gewordenen Krahnen fügte der königliche Bauherr zum Gedächtniß Seines großartigen Unternehmens den ersten Baustein hinzu, der uns heut umkränzt dort oben

Megentrttt. Die allmächtige Vorfehung hat es nicht gewollt, daß der unvergeßliche wie kühnes Unternehmen, das Er mit Vorliebe und Kraft bc? I' "o^ndet sehen sollte. Die königlichen Worte, die Derselbe bei der Feier vor o.MX^reikb,<rJpiad)' Endeten nicht nur in den preußischen, sondern in allen deutschen S in Vn bKrT 0aben das Zeichen, den großen Gedanken

Är n'r ""d somit wurde btejer em nationales Gemeingut. Schon Friedrich ÄeIm HL glorreichen Andenkens hat seit dem Jahre 1825 durch kräftiges Em- schreiten das damals allein bestehende Chor vor dem Untergänge gerettet. So steht nun heute der vollendete Kölner Dom, eines der größten Bauwerke aller Zeiten, als m£enf?.n^r Einsicht und Umsicht, einheitlicher Arbeit, ausdauernder Thatkraft und Opferfreudlgkeit vor Uns. Mögen die zum Himmel empor- stlebenden Thulme daran erinnern, daß ohne den gnadenvollen Beistand Gottes nichts 0"lngt! e So gebührt also vor allem dem Allmächtigen Unser Dank, der dleses kühne und gefahrvolle Unternehmen sichtlich schützte und vollenden ließ. Dem- -ft ?0yk zu dem königlichen Bauherrn empor, dessen erhabenem scköpferifchcm Geiste Wir dieses Werk verdanken, welches von Jahrhundert zu Jahr­hunderten Semen Namen deßhalb dankbar preisen wird. Eine andere erhebende und Meinem Herzen wohlthuende Pflicht der Dankbaikeit erfülle Ich an dieser Stelle, in- den> Ich den Alle,höchsten und Höchsten regierenden Fürsten und freien Städten im neugeeinten deutschen Vaterlande den tiefgefühlten Dank ausspreche für Wort und That, durch welche dieselben an der Spitze Ihrer Staaten diesen mächtigen Bau durchführen halten, -dcbe einzelne Gabe weit über Deutschlands Grenzen hinaus finde hier wärmsten Dank. Meinem engeren Vaterlande Preußen und dieser ehrwürdigen Stadt mit Centraldombauvereln und dessen Abzweigungen gebührt Meine Dankbarkeit für das Bestreben aller Schichten der Bevölkerung, das Riesenwerk ihres Königs gefördert zu haben.

gedenken Wir in höchster Anerkennung der Männer, welche an der Hand der Wlstenschaft und Kunst diesen Bau schufen und in der Dombauhütte Kräfte erlogen und leiteten, die mit Ausdauer so Großes darftellten. So begrüßen Wir Alle dieses herrliche Denkmal, und bleibe cs durch des Allmächtigen Gnade Frieden ver­heißend auf allen Gebieten, Gott zur Ehre und Uns zum Segen!"

.., 15 October. Der Kaffer langte aus der Trtmtattsklrche um n 74 Uhr am Westportale des Domes an, empfangen von der Dombanver- waltung. Bei dem Eintritt in den Dom trat Sr. Majestät der Domdechant Weihb schof Baudri entgegen in Begleitung von 5 Prälaten und begrüßte den Kaiser und die Kaiserin. Hierauf hielt der Dechant eine Anrede an die Maje- Men, in welcher er auf den Tag hinwteS, den der Kaffer zu dem Feste be- stimmte, sowie auf GotteS Beistand zur Vollendung dieses Ihm geweihten Tempels und mit Segenswünschen für den Kaiser und Sein Haus schloß. Der Kaiser dankte und wies darauf hin, daß nunmehr ein Tempel vollendet sei, der dem Höchsten Herrn geweiht sei; die ganze deutsche Nation feiere diesen hohen Festtag, und er danke für die Ihm und Seinem Hause darge- brachten Wünsche. Nachdem der Kaiser auf die Begrüßungsrede des Weih, blschofs erwidert hatte, führten der Domdechant und die Prälaten den Kaiser durch das Schiff zum Altäre im hohen Chor. Dort tntontrte der Dechant das Tedeum, das von einem Knaben, und Sänger-Chor vorgetragen wurde. Während des Tedeums standen der Kaiser und vte Kaiserin mit Gefolge an den Stufen des Altars. Nach dem Tedeum geleiteten der Dechant und die Prälaten den Kaiser bis zur Thür des Südportales. Als der Kaiser heraus- trat, wurde Se. Majestät durch Tausende von Stimmen jubelnd begrüßt. Die hier aufgestellte Kmderschaar begann den Gesang des Vollendungs-Liedes. Der Kaiser schritt durch die Reihen der Kinder und Spalier bildenden Werk­leute unter immer stärkerem Jubel dem Kaiser-Pavillon zu. Tribünen und Dächer waren bis auf weiteste Entfernung dicht mit Menschen besetzt. Die Urkunde wurde durch den Dombaumeister verlesen, sodann erfolgte die Unter­zeichnung derselben. Eine zweite für das Stadtarchiv bestimmte wurde eben- falls vom Kaiser, den Prinzen des königlichen Hauses, den Fürsten und Mini- stern unterzeichnet. Hierauf hielt der Kaiser die vorstehend mitgetheilte Rede. Es folgten sodann die Reden des Oberprästlenten der Rhetnprovtnz und des Vorsitzenden deö Dombauveretns, die Htnausschaffung der Urkunde auf die Thurmspitze, der ChoralNun danket alle Gott", schließlich das Hoch auf den Kaiser unter dem Donner der Kanonen, Glockengeläute und Jntoniren der Nationalhymne. Um V/2 Uhr fand die Abfahrt der Majestäten nach dem Bahnhofe zur Rückkehr nach Schloß Brühl unter brausenden Hochrufen der Menge statt.

Wien, 15. October. DerPolit. Corresp." zufolge ist in hiesigen maßgebenden Kreisen von einem angeblichen Widerstande der Albanesen nichts bekannt.

Stuttgart, 15. Octbr. DieDeutsche Reichspost" meldet, Mtssions- Jnspector Fabn, Verfaffer der bekannten Broschüre über Colonialpolitik, sei nach Berlin berufen behufs gutachtlicher Vernehmung über Colontalwesen.

Loudon, 15. October.Times" bezweifelt, ob Europa im Stande oder Willens fein werde, Zwang gegen die Türkei zu Gunsten der Ansprüche Griechenlands anzu-oenden, und ermahnt die Griechen zur Geduld. Europa habe noch nicht sein letztes Wort gesprochen; die Griechen würden ihre Sache lffcht fördern, vielmehr die Sympathien Europas verwirken, falls sie sich auf