Ausgabe 
13.6.1880 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ÄLUrten.

Sonntag den 13. Juni

1880

Zweites Blatt.

Nr. 13S

RedacttOHtSb«rea«r 1 p i*

f bchulstr-tz-B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.

Verwischte-.

X,

Oesterreich-Ungarn 37

Jahre 1848 einem

Deutschland England

Frankreich Spaniln Italien Nußland

2,96 1,86 1,68

1,48 1,40 0,84 0,28

37

17

28

74

der Schulen 60,000 58,000 30,001» 71,000 20,000 47,000 32,000

Schüler 6,000,000 3,000,000 3,000,000 4,700,000 1,600,000 1,900,000 1,100,000

Schüler 100

52

100

66

56

40

36

bereits im

EdsnComptoir- unb kleine ReiM in L8ute Stelle. S besorgt die (fo). V

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

sebr reparaturbedürftigem Zustande. Es wird beschlossen, nach beendeter Sitzung vorerst Ein­sicht an Ort und Stelle zu nehmen. Der Rest der im Voranschlag für die Räumung der Fiuthgräben vorgeiebenen Summe von 400 X wird zur weiteren Verwendung für gleichen Zweck bewilligt. Dem Gesuch des Philipp Wilhelm um Ueberlassung städtischen Geländes am Wieseckerweg wurde im Sinne des Antragstellers entsprochen und der Preis pro LH Meter auf 2 x 50 4 festgestellt. Dem Weißbinder Wilhelm Seipp wird die theilweise Ueber- brückunq des Grabens vor seinem im Bau befindlichen Hause an der Grünbergerstraß« gestattet, desgleichen dem Johannes Dern von Watzenborn. Dem Gesuch des Bäckermeisters Ludwig Kröneberg um Ueberlassung eines Holzlagerplatzes am Lutherberg wird unter den üblichen Be­dingungen Genebmigung eriheilt Die Versammlung erthe-lte ferner folgenden Bau Erlaubniß- Geiuchen die Zustimmung: Georg Euler am Walltbor lVcränderungen am unteren Stock seines Hauses und Unterführung eines Schornsteins), Schmiedemetster Georg Becker (Schornstein-Verlegung in seinem Hause am Wallibor), Schmiedemeisters Emil Mai (Bauveränderungen an einer Werkstätte), Fabrikant Karl Jughardt (Dauverändcrungen), Friedrich Rüger am Kreuz (Ver- ändFungen an seinem Laven), Wilhelm Orbig (Erbauung eines Hinterhauses in der Wagen- gofse), Daniel Wichard (Erbauung einer Waschküche), Wilhelm Reiber (Errichtung eines Lavens tm ebemals Heinemann'schen Hau e), Christian Löber I. Wittwe (Erbauung eines Schuppens) auf Widerruf; Melchior Schäfer (Anlegung einer Einfriedigung und eines Wind­fanges an seinem Hause auf der Grünbcrqer Straße), Jacob Thomas (Errichtung einer Ein- friedrgung am Schiffenbergcr Weg), Dr Diefenbach idesgl. an der Frankfurter Straße), Frau Dr. Bruel Wittwe (Errichtung einer Gartenhütte), Johannes Buch (Errichtung einer Wasser­bude an der Reichensand-Bahnhofstraße). Mehrere Kosten-Rechnungen werden gehemigt. Das Gesuch des H. Kehler, den zur Aufführung des Rübsamen'schen Hauses am Hamm be- nöthigten Sand und Kus cm linken Lahnufer ausladen zu dürfen, konnte nicht befürwortet werden. Da sich die Pumpe am Friedhof in defectem Zustande befindet, was schon zu ver­schiedenen Klagen Anlaß gab, wird beschlofien, dort eine eiserne Pumpe aufzustellen und werden die hierfür nöthigen Kosten incl. der Aufstellung im Betrage von 245 X bewilligt.

Politische Uebersicht.

Zwei gute Diplomaten einigen sich schwer, aber wenn sie ein Ueber- einkommen erzielen, so ist das Geschaffene besser, als ein Werk der Stümper. Das diplomatische Genie des Papstes Leo XIII. scheidet ibn scharf von seinem unversöhnlichen Vorgänger Pius IX. und über die diplomatische Be­fähigung des Fürsten Bismarck Worte zu verlieren, hieße Wasier in's Meer tragen. So gewinnt denn die überraschende Nachricht, daß der zerrissene Faden zwischen Rom und Berlin wieder angeknüpst worden ist, eine hohe poli­tische Bedeutung. Es wäre kleinlich, wollte man daS erneute Entgegen- kommen des Vatikans nicht freudig begrüßen, denn es ist nicht nur damit bei der Curie der gesunde Gedanken zum Durchbruch gekommen, daß es nicht gut ist, den Bogen zu straff zu spannen, sondern von Neuem dem wahren und tiefen Friedens bedürf» Ausdruck gegeben. In einer Ueberzeugung sind Fürst Bismarck und Leo XIII., die deutsche Nation und die katholische Kirche, die Freisinnigen und Ultramontanen einig, nämlich darin, daß sich der Cultur- kampf überlebt hat. Ist das aber der Fall, so muß auch der Geist, der lebendig macht, den Buchstaben, der tobtet, überwinden, so muß auch die rich­tige Form für den Culturfrteden zu finden sein.

In kurzer Zett sind drei bedeutende Eisenbahn-Unglücke in Deutschland einander gefolgt Halle, Blumenberg, Lampertheim. Bisher galten die deutschen Bahnen als die sichersten, und die Statistik gab in Bezug auf die geringe Zahl der Tödtungen vor allen fremden Ländern Deutsch­land, und in ihm Sachsen, Bayern und Preußen die Palme sür sichere Be­triebsführung. Es ist zu hoffen, daß man in eingehender Weise den Ursachen der Vorfälle näher tritt und sich bemüht, dem deutschen Reiche seinen schönen und humanen Ruf zu erhalten.

In Oesterreich gewann die Kaiserretse nach Prag eine große poli­tische Bedeutung, weil sich an den Monarchen die Confltcte zwischen dem Deutschthum und dem Slaoismus herandrängten. Das österreichische Kaiser­haus wird nicht umhin können, nächstens zu Gunsten des Deutschthums Stellung zu nehmen, welches stets die treueste Stütze des habsburgischen HauseS war. In der Hofburg machen die E'jen und Slava keinen vollgülti­gen Eindruck, denn man hält daselbst treu zum deutschen Reich und vergißt nicht, wie oft die Ungarn und Polen mit Napoleon, d'.e Ungarn mit den Türken, die Czechen mit Rußland geltebäugelt haben, und wie insbesondere noch in den jüngsten "Tagen die Jungczechen denselben Gladstone gebeten haben, England möge den Slaven seine Thetlnahme zuwenden, der Tags vorher den österreichischen Kaiser beleidigt har.

Die Trauerseierltchkeiten für die verstorbene Czarin drängten m Ruß­land alles politische Jnteresft in den Hintergrund. Die rasche Abreise des deutschen Kronprinzen und des österreichischen Erzherzogs Wilhelm sprechen nicht dafür, daß die Beziehungen der Mächte zum russischen Reiche intimer geworden seien. Die heilige Allianz ist für immer begraben.

In Frankreich erregte neben der Duellmanie die Angelegenheit des Herzogs von Padua viel Jniereffe, den man am liebsten als Wahlfälschcr ehrlos machen möchte. Da der Herzog keineswegs zur selben Zett, sondern mehr als ein Jahr darauf in einem Bezirke, wo er auch begütert ist, noch einmal gewählt hat, so ist die doppelte Wahlausübung nur ein verzeihlicher Jrrthum, aber die Republikaner suchen krankhaft alle Hebel in Bewegung zu fetzen, um ihre Gegner zu dtscredtttren.

In Belgien haben die Liberalen bei den Wahlen ihre frühere Majo­rität um wenige Stimmen vergrößert.

König Georg von Griechenland, in Paris sympathisch empfan­gen, wird auch in London dahin zu wirken suchen, daß die griechischen Grenzen der Türkei gegenüber erweitert werden.

Bezüglich der verfehlten Mission Göschen bei dem Sultan wild es die Engländer kaum mit Freude erfüllen, daß der russische Botschafter v. Novtkow sofort bei Hofe empfangen worden ist und sich der Gunst des Sultans erfreute.

vi Mer-

Einwohner 42 Mill.

34

hr4 einen

tS 00 Er- gute, deutsche tm M möblirte^

HE Herr Balzer

ion bei Fulda.

lisou 20. Mai. Er- unb Gebirgsluft

ge. Kohlensäure» innen und zwar: k m: 1. jod-, brom- - Bomsaciusbrunnen,. - Ztmpdbrunnen,

II Bitter-

3 : rnrmsser krstoffgashaltige,-

Koblevsäurereiche er nach Lchwarz'scher >ä»tr au§ Saliid/lir- hool (Homfortabtlte sl und Ttlegravh). HtWoMro, W TOBtt Kurorten, mit jen. - reizende Spa- isichcrei, öoncerte n ' Jom 20. Mai bis m j. bis 20. Septem- jgigte Lagispreise. ic Dr. Spanholz. - das ganze Zahr him allen größeren Md- fin. - Krunnenschrisr licht werdende nähere

Badeverwaltung .flchlirf. (3219

w "°-d »S Stornos rmlg- t tfÄ.* s9« Wotgt gOfl»tag,

Exil« zugebracht haben.

Arolsen, 8. Ju»i. Nach einer Hierselbst eingegangcnen Meldung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Paderborn sind gegen 1) den Tagelöhner, früher Ziegler Johann Hage­meyer von Willebadessen unv 2) den Ackermann August Hibbeln von Kleinenberg, welche dringend verdächtig erscheinen, am Morgen des 31. Mai die beiden im Dienste des Frhrn. von Wrede stehenden Förster Gieß und Sceinträter meuchlings erschossen zu haben, nicht nur Haftbefehle und Steckbriefe erlassen worden, sondern es sind ferner 1000 «X Belohnung Seitens der Staatsanwaltschaft für die Ermittelung und Ergreifung der ruchlosen Mörder ausgesetzt. Bis jetzt ist übrigens noch nicht mit Bestimmtheit ermittelt worden, ob die beiden Uebelthäter nach Verübung ihrer grausigen That flüchtig geworden sind oder ob sie sich noch in den umliegenden Wäldern verborgen halten. Doch nimmt man allseitig nach dem Thatbefunde mit Recht an, daß diese beiden übelberüchtigten Wilderer die That gemeinschaftlich begangen haben. Wie ferner mitgetheilt wird, sind inzwischen bereits zwei Einwohner von Kleinenberg verhaftet worden, welche verdächtig sind, zu den Wilderern in mehrfacher intimer Beziehung gestanden zu haben. Die Beerdigung der beiden erschoflenen Förster hat am letzten Donnerstag unter einer ungewöhnlichen Betheiligung der Bevölkerung aus Ort und Umgegend stattgefunden. (H. M.) sGummischtffe gegen Panzerschiffe.) Dieser Gedanke hat nach demFortschritt der Zeit" einem deutschen Profeffor, Namens Löwenthal, vorgeschwebt, als er kürzlich den Vorschlag gemacht hat, statt gepanzerter Schiffe Fahrzeuge aus einem Material zu bauen, das den Kugeln der Feinde einen möglichst geringen Widerstand leisten und doch fast unverwundbar sein würde. Seiner Ansicht nach werden die Fregatten der Zukunft aus Gummi gebaut werden. Unter der Wafferlinie sollen sie durch ein leichtes Rahmenwerk aus Stahl verstärkt werden und hier soll sich die ganze Mannschaft befinden. Eine eben dort angebrachte Dampfmaschine soll die Bewegungskraft liefern. Als Waffe dient dem Gummischiff ein riesiger Torpedo, der an der Spitze eines am Vordertheile unter Waffer angebrachten Stachels befestigt ist. Hiermit geht es seinen plumpen Gegnern, den Riesenpanzcrschiffen, zu Leibe, unbekümmert um deren Schießen. Die großen Bomben fahren harmlos über der Maschinerie und über ben Köpfen der Mann­schaften hindurch. Die Löcher, die sie reißen, schließen sich gleich wieder. Wenn der Torpedo Die Seite des Panzerungethüms erreicht, gebt er los, das Panzerschiff sinkt, sein siegreicher Angreifer aber, das Gummischiff, wird nur einige hundert Fuß weit geschleudert. Solch ein

Schiff, meint triumphirend der Erfinder, könnte leicht die Flotten der ganzen Welt zerstören, und aller Schaden, der ihm dabei widerführe, könnte mit ein paar Flaschen Leim ausgebeffert werden.^ Oleomargarin, oderOchsenbutter", wie man dasselbe sehr bezeichnend in Amerika nennt, ist infolge Beschlusses des Bereinigten Staaten-Congresses von einer aus Chemikern und Mikroskopikern bestehenden Commission einer eingehenden Prüfung unterzogen worden, damit festgestellt werde, ob es als zweckmäßiges Nahrungsmittel betrachtet werden kann. Die Commission begab sich kürzlich nach der in New-L)vrk am Fuße der 49. Straße und North River belegenen Commercial Manufacturing Co., woselbst täglich etwa 50,000 Pfund Oleomargarm bereitet werden, um sich von der Art uno Weise der Zubereitung durch den Augenschein zu überzeugen. Sie sah, wie das rohe Fett von Fleischtheilen u. s. w. befreit, dann durch Wasser gereinigt und hierauf in eine Anzahl von Kesseln zum Schmelzen gebracht wurde. Durch den bei etwa 120° F. vor sich gehenden Schmelzungsproccß tritt das Oel und Stearin nach oben, während die faserigen, unbrauchbaren Bestandtheile zu Boden sinken- Das Oel und Stearin wird dann in granulirtem Zustande in hydraulischen Pressen einem star-

Origen.

«W& *

Schule kommen für den Kopf - der Bevölkerung.

sSchulstatistck.) Nachstehende Tabelle zeigt, wie viel jeder der genannten Staaten Schulen unv Scbüler hat, wie viele Schüler auf eine Schule treffen und wie viel die Schul­ausgabe für den Kopf der Bevölkerung beträgt, die Zahlen sind, wie ersichtlich, abgerundet

Zahl Auf eine Schulausgabe

Lokales.

Gießen, 12. Juni. (Sitzung der Stadtverordneten am 10. Juni.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Keller, von Setten der Stadtverordneten die Herren Batst, Gatl, Hanstein, Hoch, Homberger, Kauf, Lüdeking, Aug. Noll, Vetrt Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Wenzel und Wortmann. In heutiger Sitzung fand die Ausloosung der nach Artikel 12 der Städteordnung aus dem Colle, aium ausscheidenden Mitglieder statt; nach derselben scheiden in diesem Jahre aus die Herren: Scheel Hanstein, May, Batst, Hoch und Homberger. - Der Antrag in Betreff ver Verwenvung von Holz aus btt Erndte vcn 1879 für Gemeind,zwecke wird genehmigt. Dcsgl. die Ausrückung des Lehrers Spielmann in eine höhere Gehaltsclaffe zufolge bestandener Defini- rorialprüfung Die Ueberfüllung der 2. Claffe der Stadtknabenschule veranlaßte s. Z. die Versamm­lung, diese Klasse zu therlen und die Errichtung einer neuen Lehrerstelle zu beschließen. Nach Nescript der Kreisschulcommission hat sich jedoch herausgestellt, daß vor Ostern 1881 ein seminaristisch gebtlveter Lehrer nicht zu erhalten ist, aus welchem Grunde die Anstellung von 2 Aspirantinnen für die Mädchenschule und die Versetzung eines Lehrers von der Mädchenschule nach der Knaben­schule beschloßen wird, mit dem Htnzufügen, daß den provisorisch anzustellenden Aspirantinnen keinerlei Ansprüche auf definitive Anstellung zustehen. Die nochmalige Versteigerung der Plätze 2, 3 und 4 an der Schillerstraße, welche gegen die vorige Versteigerung einen Mehrerlös von 800 X ergab wurde auf Antrag ver Baudeputation genehmigt. Dem Gesuche von Earl Demnih, ihm zu seinem in der Schillerstraße erworbenen Gelände behufs Aufführung eines Neubaues noch weitere 6 Fuß städtischen Geländes käuflich zu überlaßen, wurde statt- gegeben. - Einer Eingabe deS Mühlenbesitzers Burk zufolge befindet sich das obere Wehr in

chiehciicr "Umeiger

m) AMMÄ sm den Kreis Gießen.

(Deutsches Turnfest ) Für diejenigen Turner, welche _ ,

Turnverein angchört haben unv das deutsche Turnfest zu Frankfurt mitzumachen beabsichtigen, ist für Somstag, 24. Juli, ein Fest-Commers in Aussicht genommen. In der Main-, Rhein- unv Taunusgegcnd finden wir noch eine große Anzahl alter Turner, vornehmlich in den Städten Darmstadt, Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Hanau, Offenbach, Homburg, Höchst, Usingen, Gießen, Kassel, Anspach nnv Rödelheim. An die alten Turner, welche sich an diesem Commers betheiligen wollen, ergebt das Ersuchen, Name, Stand, Alter, Jahr der Aufnahme und ob sie heute noch einem Turnvereine angehören, Herrn Kreisvertreter Emil Reuter in Darmstadt mit; zutheilen, der das Weitere mit dem Frankfurter Festcomite veranlaßt. Dieser Abend der 1848er wirv jecenfalls ein recht gemüthlicher, zumal unter denselben einige sind, die längere Zeit im