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Sonntag den 12. December

Zweites Blatt

«r. 291.

1880

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

226.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pfi

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Kassel, 9. Decbr. Ueber einen Hierselbst am 8. ds. ausgebrochenen Brand iheitt dieHess. Morgenztg." Folgendes mit: Nachts gegen 3 Uhr wurde in dem lieben des Tapetenhändlers Dietrichs von Herrn Lorentz und dem im Hause wohnen­den städtischen Kassenassistenten Braunhof das Feuer zuerst entdeckt. Die Mutter des letzteren, in ihrer in der ersten Etage gelegenen Wohnung durch Rauch aufmerk,am

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Der kaiserliche Statthalter in den ReichSlanden.

Unter den Männern, die in unserer zeitgenössischen Geschichte eine hervor­ragende Rolle spielen, hat der Feldmarschall von Manteuffel stets eine eigen» thümliche Stellung eingenommen. In seiner militärischen Laufbahn ist er viel rascher, als die meisten Anderen, von Stufe zu Stufe gestiegen; und deswegen, sowie weil ihn König Friedrich Wilhelm IV. in seine unmittelbare Umgebung zog, wurde er, selbst von seinen Standesgenoffen, vielfach als einGünstling" in des Wortes unliebsamer Bedeutung angefeindet. Aber seine Thäligkeit erstreckte sich nicht allein auf das militärische Gebiet, er wandte sich auch der Politik zu, wurde mehrfach mttVoiUebe zu wichtigen diplomatischen Missionen verwandt und griff auch, wie behauptet wurde, ohne dazu officiell veranlaßt zu sein, in den Gang der inneren Politik ein. In der Zeit der inneren Con- flicte des preußischen Staates gelangte er hierdurch in den Ruf einer Haupt­stütze der Reaction, was zur Folge hatte, daß er von liberaler Seite auf da§ Heftigste angefeindet wurde. Die Periode, in der dies geschah, liegt abge­schloffen hinter uns, weswegen es hier unerörtert bleiben mag, in wieweit die damaligen Angriff? gegen den Frlvmarschall gerechtfertigt waren. Jedenfalls hatten dieselben die Folge, daß ihm die öffentliche Meinung im Großen und Ganzen nichts weniger als günstig war. Es konnte darnach kaum Wunder nehmen, daß eine feindselige, von militärischer Seite ausgegangene Kritik seiner kriegerischen Leistungen in den Feldzügen von 1866 und von 18701871 im Volke weit mehr Glauben fand, als sie nach dem Urtheile der höchsten mili­tärischen Autoritäten je verdienen konnte. Die Stimmung war gegen den Freiherrn von Manteuffel; von Vielen wurde es geradezu als ein Mißgriff betrachtet, daß ihm die Statthalterschaft in den Reichslanden, übertragen wurde, und als er in mehreren weit verbreiteten Blättern wegen der Verwaltung dieses hohen und wichtigen Postens tendenziös angegriffen wurde, da war Mancher zur abfälligsten Deutung seines Thuns und Handelns nur allzu rasch bereit.

Es mag nun eine gegründete Behauptung fein, daß Freiherr von Man­teuffel in der langen Laufbahn, die hinter ihm liegt, Vieles gethan hat, was vom liberalen Standpunkte aus entschieden bekämpft werden mußte, indessen unbedingt ist rs ein schwerer Jrrthum gewesen, zu glauben, daß er auf dem elsaß-lothringischen Statthalter-Posten nicht der richtige Mann sei, und was tT in dieser Stellung gethan hat, das entspricht dem Geiste des Liberalismus Im höchsten Moße. Und daß er dabei grundsätzlich so und nicht anders ge­handelt, hat er durch eine Rede bewiesen, welche er am 6. ds. Mts. am Schluffe einer zu Ehren des elsaß-lothringischen Landesausschuffes gegebenen Tafel in Straßburg gehalten. Wer diese Rede halten konnte, der weiß die Interessen Deutschlands in den von Frankreich zurückeroberten Landen wahrlich in würdiger und ehrenhafter Weise zu vertreten. Diese Rede zwingt unbe- dingt zur Hochachtung und die letztere sollte allseitig um so rückhaltloser aus­gesprochen werden, als der Feldmarschall, wenn nicht böswillig, so doch in vollständigem Verkennen seines ThunS von verschiedenen Seiten vor noch nicht langer Zeit wegen angeblicher Verleugnung des Deutschthums heftig ange­griffen wurde.

Es wäre nur zu wünschen, daß die Principien, denen Freiherr von Manteuffel bei dieser Gelegenheit Ausdruck gegeben, allseitig als maßgebend anerkannt würden. Er jagte zum Beispiel:Handlungen blind vertreten aus dem alleinigen Grunde, weil es Handlungen von Beamten sind, das sicht nicht in meinem Dienstkatechismus." Wenn doch alle Diejenigen, welche in Streitfragen zwischen Beamten und Bürgern zu entscheiden haben, keinen anderen, als diesen unparteiischen Standpunkt annähmen, der am meisten geeignet ist, die Beav ten in ihrem Verkehr mit den übrigen Staatsbürgern vorsichtig zu machen und gewiffe Gegenstände auszugleichen, die sonst nur allzu leicht zu Tage treten.

Und abgesehen hiervon, hat Herr von Manteuffel die Angriffe der Preffe in würdigster Weise zurückgewiesen. Er bestreitet das gute Einverneh­men mit den Bischöfen von Metz und Straßburg nicht, aber er verwahrt sich vor der Verdächtigung, daß das auf gegenseitiger Achtung beruhende Verhältniß zwischen hm und den hohen Prälaten dazu dienen könne, die Jntereffen des Staates zu Gursten der kirchlichen Anforderungen zu verleugnen. Und den ihm gemachten Vorwurf cllzugroßer Milde lehnt er mit den schönen Worten ab:Se. Majestät der Kaiser hat mich in das Land gesandt!, Wunden zu heilen, nicht, solche zu schlagen. Ich soll Gefühle schonen, die in der Natur liegen bei der Trennung des Landes von einem Staate wie Frankreich nach zweihundertjährigem Zusammenhänge mit diesem; ich soll durch gerechte, die geistigen und materiellen Jntereffen fördernde Verwaltung den Elsaß-Lothrin- gern diesen Uebergang erleichtern." Es ist begreiflich, daß die Versamm- hing nach dieser Rede in ein stürmisches Hoch ausbrach, denn Feldmarschall von Manteuffel hat sich dadurch als der beste Statthalter erwiesen, den die Reichslande nur wünschen konnten.

SeMflSfaherieb®. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyd

Bremen, 8. Decmber. 193er transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Leipzig, Capt. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Novbr. von Bremen

abaegangen war, ist heute wohlbehalten in Bal'imore angekommen.

Bremen, 8. December Der Postdampfer Neckar, Eapiian L. Stornier, vonz Nord­deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. Woten.bet »on Ä

11 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angckommen und hat H ute nach Ladung der für dort bestimmten Paffagiere, Post und Ladung > Uhr Morgens ote Re.se nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 86 Paffagiere und volle Ladung.

Hießener Anzeiger

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geworden, hatte alsbald ihren Sohn geweckt. Das Feuer, dessen Entstehung noch un­aufgeklärt ist, theilte sich, nachdem die beiden Männer die Ladeneingangsthür einge- schlaaen hatten, mit rapider Schnelligkeit dem Treppenhaus mit, auf welchem Wege aus dem Hause zu kommen nun sämmtlichen Bewohnern unmöglich wurde. Die in der dritten Etage wohnenden Fräulein Geschwister Zahn wurden durch Mitglieder der Feuerwehr mit eigener Lebensgefahr mittelst Leiter zum Fenster ihrer Wohnung hinaus auf gleiche Weise auch der städtische Assistent Ritz mit Frau gerettet, während deren Zjähriges Kind trotz vorheriger Umhüllung mit Betttüchern beim Hinauswerfen aus dem Fenster schwere Verletzungen davongetragen hat. Eine der Schwestern Zahn ist leider, nachdem sie gerettet, in Folge längerer Krankheit und vermuthlich in Folge großer Aufregung sie ist bereits 71 Jahre alt verstorben- Mittelst Heraus­springens aus dem Fenster retteten sich ferner Fräulein Appel, Schwester der Ehefrau Ritz, der Assistent Braunhof und die bei dessen Vater, dem Regierungssecretär Braun- Hos, im Dienste stehende 18jährige Marie Fiegand aus Wolssanger, doch trug letztere schwere Verletzungen davon und wurde in das Landkrankenhaus übergeführt. Mehr Glück hatte Fräulein Appel, da sie mit einer Quetschung davonkam.

Zu dem CapitelCuriosa von der Volkszählung" wird von einem Districts- Eommissar folgendes Stückchen zum Besten gegeben. In einem zu meinem Districte gehörigen Hause halte ein junger Mann die auf der Zählkarte befindliche Frage:Sind Sie ledig, verheirathet, verwittwet, geschieden?" mit der drastischen Antwort erledigt: Das Alles nicht, aber verlobt." Obgleich eine Statistik der Verlobten recht interessante Resultate aufweisen möchte, so hatte sich der Zähler dennoch veranlaßt gefunden, die originelle Antwort zu durchstreichen und unfernVerlobten" zu denLedigen" zu zählen. Stuttgarter Prälat, bekannt durch seine Bonhommie und seinen Humor, war einst auf Kirchenvisitation in Biberach. Während des Gottesdienstes führt der Chor einen sehr schönen vierstimmigen Gesang aus, den der Vicar eingeübt hatte. Der Herr Prälat machte ihm dafür, als die Küche aus war, sein Compliment. Später kamen sie noch auf das Mittagessen zu sprechen und auf die Frage des Prälaten, wo er speise, antwortete der Vicar:Im Gasthof", und setzte hinzuaber nur, weil ich keinen Mittagstisch mit frugaler Hausmannskost finden kann. Ich komme mir bei den vier Gängen fast wie ein Schlemmer vor!"Nun, lassen Sie's gut sein, Herr Vicar", meinte in seiner jovialen Weise der Prälat,so ein vierstimmiger Gesang int Magen tst auch nicht übel."

Dillenburg, 4. Dec. Zwei Hochstabler der schlimmsten Sorte hatten sich gestern unsere Stadt als Feld ihrer Thäligkeit ausersehen. Abends gegen 9 Uhr er­schienen dieselben, modern gekleidet, in einem hiesigen Schuhwaarenladen und machten Einkäufe. Indem sich nun der eine anschickte, die erstandene Fußbekleidung zu bezahlen, ließ er, scheinbar ganz unabsichtlich, ein Geldstück fallen. Die Frau des Ladenbesitzers, welche nicht nur allein im Laden, sondern zufällig auch allein zu Hause war, bückte sich, um die zu Boden gefallene Münze aufzuheben. Diesen Moment benutzte der andere der beiden Jndustrieritter in der Weise, daß er der Frau ein Fläschchen mit Chloroform unter die Nase hielt, bis dieselbe bewußtlos zusammensank. Nunmehr plünderten die Langfinger die Kasse, welche annähernd 100 Jl. enthielt, und suchten darauf das Weite. Trotz der eifrigsten alsbaldigen Recherchen ist es noch nicht ge­lungen, den Burschen auf die Spur zu kommen. Unsere Stadt ist durch diesen Vor­fall in um so größere Aufregung versetzt worden, als erst vor einigen Tagen in zwei Häusern hier eingebunden worden war.

" Wahrscheinlich in Folge der Morde von Geldbriestragern m Wien hat das

deutsche Reichspostamt in Bezug auf Bestellung von Postanweisungen eine Bestimmung getroffen, welche namentlich das reisende Publikum intereffiren wird. Die Postanstalten sind nämlich angewiesen worden, in allen Fällen, in denen Postanweisungen, welche an Empfänger in Gasthöfen gerichtet sind, zur Bestellung vorliegen, die betreffenden Briefträger jedesmal vor Antritt des Bestellungsganges ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß die Auszahlung der Beträge nur erfolgen dürfe, wenn der betreffende Gastwirth die volle Bürgschaft für die Nichtigkeit der Person übernimmt, und m An­erkennung dessen die Postanweisnng mit unterschreibt; daß dagegen bei etwaiger Weigerung der Wirthc die Empfänger zu veranlassen sind, behufs Empfangnahme des Geldes sich bei der Postanstalt selbst einzufinden. _____________________

» * Alle Blätter sind seit Monaten voll davon, wie man Jedem im Volk, auch dem in den bescheidensten Verhältntffen lebenden Arbeiter, durch Lebensversicherung unv Altersversorgung sein Dasein erträglicher machen, die Familie vor Noth und Elend schützen könne und um dies zu ermöglichen, wird selbst die Hülfe der Gesellschaft, des Staates angcrufen. Wenn dermalen nun auch noch über die Mittet und Wege, welche die wirtdschafttich so wichtige Institution der Lebensversicherung möglichst Allen zugänglich zu machen batten, die Meinungen auscinandeigehen, so ist doch nachgerade alle Welt darüber einig, daß diese höchsten Ziele einmal werden erreicht werden und aus socialpoltttschen Gründen er­reicht werden müssen. Bet dieser Erkenntnis! der Vortheile der Lebensversicherung für den Einzelnen, die Familie, das Gemeinwesen, die heule schon beinahe eine allgemeine ist, bleibt es eine auffällige Erscheinung, daß gerade in Deutschland im Gegensatz zu Amerika und Eng­land, in welchen Ländern insbesondere den Bemittelten und Wohlhabenden eine Lebensver­sicherung so selbstverständlich ist wie die Feuerversicherung verhältnißmäßig noch so Viele, die aus persönlicher Initiative, aus selbstständiger Kraft, aus eigenen Mitteln sich de« L-egens bet Lebensversicherung theilhafttg machen könnten, dieß unterlaffen. Die immer noch andau­ernde Ungunst der Erwerbsverbältniffe mag daran ihren Anthetl haben, obwohl gerade diese sehr ost den intelligenten Geschäftsmann veranlaffen, mittelst einer Lebensversicherung auch dann, wenn die Aufbringung der Prämie durch gesteigerte Sparsamkeit bedingt Ware Ver­lust oder doch entgangenen Gewinn auszugletchen und so für alle Falle seine Pflicht gegen Frau und Kinder zu erfüllen. Aber auch die Beamten k., die mit ihren festen Einnahmen gegenüber vom Geschäftsmann dermalen wesentlich bester daran sind, konnten sich noch viel zahlreicher bctheiligcn. Bei dem dem Deutschen eigenen Familiensinn feiert er das Weih­nachtsfest, da« in wenigen Wochen begangen wird, mit den Seinen in besonders inniger Weise, man verschönert sich dasselbe durch Gaben, keine aber kann dem Fcuntlienvater selbst als Geber größere Genugthuung bereiten und ihm zugleich bleibend deren Dank von Frau und Kindern eintragen, als wenn er sie mit einer Lebensverstcherungspolice beschenkt und er so für ibre weitere Zukunft auf alle Fälle ebenso sicher als zweckmäßig sorgt.