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285. KV-»rtes Blatt Sonntag den 5. December 188 V.

Kichener Wyerger

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RedaettonSbureaur \ «Arftrn6(> » «.

Erscheint täglich «it Attsmchme des MSNt«gS.

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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 36 Pf.

Die Versammlung deutscher Armenpfleger in Berlin.

Heftiger als je sind gerade gegenwärtig die politischen und religiösen Leidenschaften in Deutschland entbrannt. Die Parteien befinden sich in eurem Zustande der Zersetzung. Feste Majoritäten existtren nicht mehr und eS scheint zuweilen, als wolle unsere Nation m Jnteresimkämpfen und kirchlichen Strei­tigkeiten auseinandergehen. Selbst der Reichskanzler klagt über Müdigkeit und über den Rückgang des nationalen OelstcS und im Auslände herrscht viel­fach die Ansicht, daß das deutsche Volk in sich immer uneiniger, unzufriedener und pessimistischer werde. Aber der öffentliche Geist ist noch weit entfernt von Unmuth und Erlahmung und hat sich soeben in der deutschen Rttchsbaupt- stadt einen neuen Etnigungspunkt geschaffen, auf welchem die verschiedensten politischen und kirchlichen Richtungen in großen und kleinen Gemeinden an der Lösung eines der schwierigsten socialen Probleme, der Emporhebung der ärm­sten und schwächsten Volksgenossen, friedlich mit einander arbeiten können und wollen. In den Tagen vom 26. bis 27. November ist in Berlin auf eine vom Stadtverordneten-Vorsteher dieser Stadt im Einverständniß mit dem Berliner Magistrat ergangene Einladung eine Conferenz von Vertretern städti­scher Behörden, Vereine und Corporationen für die Armenpflege und freie Wohlthättgkeit zu gemeinsamer Besprechung der das Armenwefen betreffenden Angelegenheiten zusammengetreten. In erster Linie beschäftigte man sich mit den Maßregeln zur Bekämpfung der Bettelei, die im letzten Jahrzehnt in bedenklicher Weise zugenommen hat und durch das planlose Darreichen von Almosen an gänzlich unbekannte herumvazabundtrende Personen mächtig geför­dert worden ist. Um diesem, trotz aller Gesetze und Polizeimaßregeln fort- wuchernden Nebel gründlich zu steuern, hat man bereits in zahlreichen Orten Vereine gegen Bettelei" gegründet, welche daS gemeinschaftliche Verschleudern von Gaben an Bettler von Profession verhindern und nur gehörig legttimirte arbeitsuchende Durchreisende und wirklich hülfsbedürftige Ortsbewohner unter- stützen wollen. Die Hauptwohlthat dieser Vereine liegt darin, daß sie eine große Anzahl von Menschen zu richtigen Anschauungen in Bezug auf Arme erziehen und dem Publikum daS Geben an Unbekannte abgewöhnen sollen. Die Mehrzahl der Redner über diese Frage konnte von wichtigen Erfolgen dieser Vereine berichten und betonte, daß ihre weite Verbreitung und ein all- fettiger Austausch von Erfahrungen darüber wünschenswerth sei und daß eine provinzielle Organisation vielleicht den Uebergang zu einer größeren nationalen Organisatwn bilden könne.

Bet Berathung der zweiten Frage der TagesordnungOrganisation der freien Wohltbätigkeit und Anlehnung derselben an die gesetzliche Armenpflege" wurde insbesondere Hervorgehoben, daß die Wohlthätigkeitsveretne sowohl unter einander, als auch mit der kommunalen Armenpflege in innige Beziehungen treten, ihre Arbeiten thetlen und sich vor einer Ueberhäufung der Armen mit Gaben hüten müßten. Die gesetzliche Armenpflege hat sich auf das Nothwen- digste zu beschränken, die freie Wohlthättgkeit kann im Bunde mit ihr nament- ltch zur Vorbeugung der Armuth, zur Abwehr plötzlich heretnbrechender Roth und zur Wtederemporhebung armer Familien mit beitragen. Auch über Pen dritten VeihandlungsGegenstand, die Heranziehung der Frauen zur öffent- ltchen Armenpflege, herrschte auf der Versammlung nur wenig MetnungSver- schtedenhett. Dem socialen Elend kann nur durch den Zusammenschluß aller in der Gesellschaft vorhandenen Kräfte mit Einschluß der Frauen wirksam ent- aegengetreten werden. Es handelt sich nur um gehörige Abgrenzung der Ge­biete, welche sich vorzugsweise für das weibliche Geschlecht eignen. Solche Gebiete sind z. B. die Ktnderpfl-ge in körperlicher und ethischer Beziehung, sodann die Aussicht über Kleinkmderschulen, der Unterricht in weiblichen Hand­arbeiten, die Beschaffung und Verwerthung der häuslichen Arbeit, die Kran­kenpflege ic. Es wird Aufgabe einer späteren Versammlung sein, die geetg- netste Art der Heranziehung der weiblichen Kräfte in besondere Erwägung z ^Künftigen Berathungen war auch die Frage des Etnfluffes der neueren Gesetzgebung auf die öffentliche Armenpflege vorbehalten. Von den in Berlin versammelten Armenpflegern stand zwar die Mehrzahl auf dem Boden der bestehenden Gesetzgebung, behielt sich jedoch vor, die reformbedürftigen Punkte der modernen Gesetze künftig ebenfalls mit zur Sprache zu bringen. Man erblickte vorläufig eine Hauptaufgabe dieser ersten Zusammenkunft darin, einen regelmäßigen Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiete des Armenwesens und einen fortgesetzten Verkehr unter den Freunden einer wohlorgantstrten öffentlichen und Ptivat-Armenpflege anzubahnen. Demgemäß gelangte folgen- der Antrag zur Annahme:Die hier in Berlin zur Besprechung von Fragen der Armenpflege und Wohlthättgkeit tagende Conferenz ersucht ihr Präsidium, unter Zuziehung von Vertretern der Communen, Communalverbände und Wohlthättgkeitsvereine eine Kommission zu bilden, welche die Gründung eines deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthättgkeit vorbereitet und zu diesem Behufe ein Statut ausarbettet, welches der nächsten Jahresversamm- hing, die etwa in der Zett vom 1. October bis Mitte November 1881 abzu- halten wäre, vorzulegen ist. Das Statut soll sowohl den Communen, Ver­bänden, Vereinen, als auch einzelnen Personen den Zutritt gestatten, und zwar mit einem Beitrag von nicht unter 5 JC. für einzelne Personen und nicht unter 10 <X für Communen und Verbände."

Mit diesem Beschlüsse ist die Bahn für ein gedeihliches Zusammen-

wirken oller Freunde einer wohlorgantstrten Armenpflege und Wohlthättgkeit gebrodmi I

Lokale».

Tiegen, 4. December. (Sitzung der Stadtverordneten am 2. November.) An­wesend: Herr Bürgermeister ©ramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß; fron Setten der Stadtverordneten die Herren Bai st, (Sali, Hoch, Hornberger, Lüdektng. Ad. Noll, Petri, Pfannmüller, Schopbach, Wenzel und Wortmann. Nach­dem Herr Bürgermeister ©ramm der 23erjemmlung die Mittheilung gemacht, daß auch an ihn seitens deS (Sentralcomiteä >er Antisemitenbewegung eine Pention zur Förderung derselben zugegangen, spricht die Versammlung einstimmig ihr Bedauern und Entrüstung über em solches Ansinnen aus. (Stehe gestrige Nummer.) Um geeignete Vorkehrungen gegen Beschädigung durch Fuhrwerke treffen zu können, hat Großh. Polizeiverwaltung den Entwurf eine« Loeal-Reg, lementS vorgelegt. Dasselbe richtet sich gegen da« schnelle Fahren in den Straßen der Stadt, sowie gegen den Wagenverkehr durch verschiedene näher bezeichnete Straßen überhaupt und fordert die Beleuchtung der Fuhrwerke bei der Nachtzeit. Nach Vornahme verschiedener Ab­änderungen wird der Entwurf genehmigt. Dle Aufstellung mehrerer Laternen (s. von der Göihestraße nach der neuen Aula, zwischen Blockstraße und Südanlage, sowie zwischen Neu­städter Thor und Wallthor) wird genehmigt. In Betreff des Gesuches des Photographen Theodor Wode um Erlaubniß zur Anlegung eines Steges über den Schoorgraben tritt die Versammlung dem Beschlüsse der Baudeputalion bei, welche erklärte, daß ein Bedürfniß für einen Steg an fraglicher Stelle nicht vorliege. Das Gesuch de« Maurermeisters Christian Haubach um Erlaubniß zur Anlegung einer Abfahrt nach seinem Grundstück auf der Rodhohl wird genehmigt. - Bezüglich des Gesuchs des Steinhauers Emil Kalbfleisch um käufliche Ueberlaffung städtischen Gelände« gegenüber dem Kirchhof wird dem Antrag der Baudeputation beigetrelen, nach welchem in dem Situationsplan vorerst die Wolfsstraße noch eingezeichnet werden soll. Dem Gesuch des Zeichnenlehrers Petri III. um Ueberlaffung des alten Rath- haussaale« zur Abhaltung einer Ausstellung von Zeichnungen am 28., 29. und 30. December und am 1., 2. und 3. Jan. wird entsprochen, desgl. dem Gesuch des Bierbrauers Eduard Pöschel (Abänderung de» Plane« zu seiner Eishalle). Das Gesuchtes Schreiners Justus Bärrn, welcher da« am Vrebmarkl stehende Stallgebäude (deffen. Errichtung ihm früher widerruflich gestattet wurde) zu Wohnräumen einrichten will, wird abgelehnt, da nach Erklärung der Bau­deputation die Höhe der Lahnstraße noch nicht bestimmt ist. Auf desfallsige« Gesuch de« Maurermeister« B Strauch wird demselben zur Herstellung des Weges von der neuen Anlage bis zum Steg über die Wleseck der erforderliche Kies bewilligt, im Uebrigen aber beschlossen, mit der Herstellung der Bleichstraße bis zur Einführung der allgemeinen Bauordnung zu warten. Da« Gesuch des Karl Demuth wegen Aufführung einer Mauer auf städtischem Gelände toirb befürwortet. Dem Gesuch um Verbesserung von Banquetts von der Deterinäranstalt an (nach Kleinlinden zu) mit Schlackensanv tritt die Versammlung befürwortend bei, deSgl. wird die durch die Verbreiterung der Wetzsteinsgaffe nöthig werdende Abtragung eines Theile« des OSw-ldSberge« genehmigt. Von den aus Anlaß der Verlegung de« Bruchgrabens aus- gearbeiteten 8 Entwürfen hält die Versammlung das Profil Nr. 8 für zweckentsprechend und werden die hierfür erforderlichen Kosten im Betrage von JL 3230 genehmigt. Hinsichtlich erhobener Ansprüche auf Beibehaltung des Uebergang« am Güterschuppen des Köln - Mindener Bahnh-f« erklärt die Versammlung, daß sie bei Ihrem am 4. November gefaßten Beschlüsse be- harre. Die Vorschläge der Baudeputalion bezüglich der dem Gewerbe-Verein in dem unteren , Stocke des Gebäudes am Aster weg zu überlassenden Räume für vir Handwerkerschule wurden genehmigt - Nach Genehmigung vcrschlcdener AuSgabeposten für diverse Reparaturen, An­schaffung von Stadtbauplänen rc. wird die öffentliche Sitzung geschloffen.

Glesien, 4. December. Morgen, Sonntag, Vormittag«, findet Im Frankfurter Hof dahier unter dem Vorsitz der F. St. F. ein Verbandstag der Feuerwehren unserer Provinz sta:l. All: Feuerwehrleute haben Zutritt.

Nachdem der Vorstand der F. St. F. dahier schon vor einigen Jahren in Lang-Gons Anregung gegeben batte zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr, haben die neulichen Brände die gute Folge gehabt, daß der Gemeinderath sich endlich dazu versteht, die nöthigen Mittel zur Ausrüstung zu bewilligen. Derselbe hat hiernach das Lommando der F. St. F. um seine Mitwirkung bei Bildung und Ausbildung der zu gründenden Feuerwehr ersucht und wird hier bereitwilligste Unterstützung finden. Somit werden wir in Kürze da« Erstehen eine« neuen Feuerschutzes in unserer Gegend begrüßen können.

Giesien, 4. SDecbr. Im Monat Novbr. wurden von der Schutzmannschaft Anzeigen er­stattet: Wegen schädlicher Ausdünstung 10, Lebensmittelfälschung 0, bösartiger Thlere 4, sonstige Sanitätspolizei 0. Sicherheitspolizei: Bettler 88, Obdachloses Trunkenheit 3, Ruhe­störung 65, Diebstahl 14, Betrug und Unterschlagung 2, schwere Körperverletzung 7, Verstoß gegen das Meldewesen 23, sonstige Sicherheitspolizei 17. Ferner im Interesse der Sitten­polizei wegen Thierquälerei 3, gegen Prostttulrie 2, wegen Störung der Sonntagsfeier 1, wegen Uebertretung der Feierabendstunde 16, sonstige Slttenvolizel 0. Gewerbtpolizei: Falsche Maße und Gewichte 0, Droschkenordnung 6, Dtenstmannsordnung 0, sonstige Gewerbe- poltzet 5. Straßenpolizei: wegen unterlaffener Straßenreintgung 8, Fahrordnung 10 sonstige Straßenpolizei 43. Baupolizei 0, Feldpolizei 4, Steuerdefraudation 2, Octrot 1. Arretirt wurden: 87 Bettler, 4 Obdachlose, 5 Scandalsüchttge, 9 Betrunkene, 4 Prostituirte, wegen Diebstahl 5, sonstige Verhaftungen 12, auf Requisition 6, Schulkinder 11. Ferner hatte die Schutzmannschaft nachfolgende Besorgungen auszuführen: Sie hatte 45 Ladungen zu bestellen, 129 Briefe auszutragen, 16 Steuerzettel zu befördern und 97 «nforderungszettel zu Instnuiren, sowie 1 Militär - Ordre zu befördern; außerdem wurden noch sonstige 12 Meldungen besorgt. Umfragen bei sämnrtlichen Goldarbeitern, Uhrmachern und Händlern wurden 10 gehalten; außerdem hatten 23 Vernehmungen bei Gericht zu erfolgen. Nachdem noch 59' "jugun^n, 29 Ermittelungen, 51 AuSschreiben und Transportpapiere zu besorgen waren, schneßt der Be­richt mit 6 Vorführungen im verfloffenen Monat.

Verwischtes.

Dillenburg, 29. Nov. Das Aufrechthalten der Gabel mit der Spitze nach oben seitens eines Ttschgenoffen hat Anfangs voriger Woche einen hiesigen iungenMann beinahe um ein Auge gebracht. Derselbe, ein braver, brauchbarer Scriben °"k 'i^m hiesigen Bwreau, ißt zu Hause am Tische seiner Eltern. Während er sich nun, um irgend etwas auf dem Tische u Men, über denselben reckt, hat fein jüngerer' Bruder die »^1 aufrecht ze alten und lern jungen Manne kommt dieselbe auf diese Weise unversehens n s Auge, wodurch « eine so schmerzhafte und gefährliche Verletzung «hielt, daß « sich i°k°r zu etnem Specialarzt nach Gießen begeben mußte, wo er zur Zttt noch weilt. Jnwiewei die Sehkraft des betreffenden Suat« aefäbrbet oder ob sie gar verloren tft, wird abzuwarten jein.

- Sin Deutscher fuhr kürzlich mit einem ziemlich tebucr

Soupe. Der Ungar war neugierig, der Deutsche schweigsam, ^liles Mögliche stellte Brud«herz Magyar an, um denSchwob" zum Reden zu bangen.Ha n . , . .

aroßeS? Werde ich zerstrajn Gedanken betrübte« JlMgcs I 3} $be

feine Lust zum Reden'" Der Ungar brütet und ruft vergnügt: ,,Jetzt rch walß Sw. Gnaden, »aruml °w tX «.wiß «u* <Saff.nW«t ««(«»«., -°H-» M.

Grenz! Natürlich, da redt man nit geen. Verzajhen s, Ew. Gnaden!