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Sonntag den 5. September

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

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Die Flottendemonstration.

Nach Ragusa! So lautet die versiegelte Ordre, welche einer Anzahl stattlicher Kriegsschiffe aller Großmächte auf hohem Meere den weiteren Curs angab, als die Commandeure sie erwartungsvoll öffneten. Trotz aller Demen­tis ist die Flotten'oemonstration in Scene gesetzt, Ragusa ist zum Sammelplatz einer stolzen Armada ausersehen, wie sie unser Jahrhundert in so eigenartiger Zusammensetzung noch nicht gesehen hat. Oesterreich, Deutschland, Rußland, Frankreich, England und Italien, fürwahr ein stolzer Bund zu Meere, der wohl geeignet ist, auch einen mächtigeren Staat als die arme Türkei ein­zuschüchtern. In dieser bunten Flotte sind stolze Panzerschiffe. Avisos, Kor­vetten und sogar einige alte Holzschiffe vertreten. Die 15 Schiffe repräsentiren Tausende von Pferdekräften und ihre Bemannung gleicht einer kleinen Armee, denn sie zählt über 6000 Mann- Die dalmatinische Küste wird ein intereffantcs Schauspiel sehen und die illustrirten Zeitungen werden ein prächtiges Bild dazu liefern.

Die Flottendemonstration, an welcher deutscherseits nur ein Schiff, die Glattdeckkorvette Victoria mit 10 Geschützen und 230 Mann theilnimmt, er­folgt, well die Antwort der Pforte bezüglich der montenegrinischen Frage die Großmächte nicht befriedigt hat. Es ist leider nicht ersichtlich, ob die hohe Pforte die Großmächte, wie es den Anschein hat, durch ihre Verzögerungs­politik an der Nase herumsührt, oder ob sie, was ebenfalls möglich ist, that- sächlich zu schwach ist, um die Albanesen zur Ruhe zu verweisen. Wie die Dinae in Albanien liegen, so ist die Aussicht auf eine friedliche Beilegung des Couflicts eine äußerst geringe. Wäre die Pforte ehrlich, so würde sie im Verein mit den tapferen Montenegrinern gegen die Albanesen kämpfen müssen; daß sie dazu keine ernstliche Lust zeigt, liegt jedenfalls an dem Mangel an gutem Willen, und so dürfte die Flottendemonstration mindestens das Gute haben, daß sie der Pforte beweist, wie dle Großmächte die Sache nicht leicht nehmen und endlich auf energische Durchführung der Abtretung von Dul- cigno dringen.

Allerdings wäre eine Unterstützung Montenegros zu Lande, welche durch österreichische Hilfstruppen zu erzielen wäre, wichtiger, aber gegen diesen nahe­liegenden natürlichen Schritt sträubt sich die Eifersüchtelei unter den Groß­mächten, und ferner scheint Oesterreich nicht gewillt, für Europa die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Man muß nun zunächst den moralischen Eindruck abwarten, welchen unfehlbar die Vereinigung aller Flaggen der Großmächte auf die Türkei machen wird. Die Türkei muß sich sagen, daß eine fernere Ordre genügt, um Stambul zu blokiren, und sie wird nunmehr sicherlich Ernst machen, um den Ansprüchen der Großmächte und den berechtigten Forderungen Montenegros zu genügen. Wird in Kürze den Anforderungen Europas genügt, so dürfte sich die einmal mit großer diplomatischer Mühe und mit erheblichen Kosten vor Ragusa versammelteeuropäische Flottille" schwerlich in alle Winde zerstreuen, sondern noch den griechischen Gewässern segeln, denn man wird Griecher.land nicht dieselbe Unterstützung versagen dürfen, die man Nikita, dem Herrn der schwarzen Berge, gewährt hat.

Deutschland.

Wolfsgarten, 3. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog be­gaben sich heute früh halb 5 Uhr von hier nach Groß-Gerau, um von da mit der Eisenbahn über Mainz nach GamAlgesheim zu fahren, wo Allerhöchstdie- selben der Brigade-Uebung der 50. Großh. Hessischen Jnfanterie-Brigade unter dem Commondo des Generalmajor v. Wussow beiwohnten.

Nach der Uebung waren der Brigade-Commandeur, sowie die Stabs- offulm der Brigade zum Frühstück einqeladen.

Berlin, 1. September. Dem Vorgehen der Straßburger Manufaktur, welche ein Absatzgebiet für ihre Fabrikate durch das ganze deutsche Reich sucht, liegt ganz unzweifelhaft die Absicht zu Grunde, den Boden für die Eilführung des Tabak Monopols vorzuberelten, und zwar sucht man dies in doppelter Weise zu erreichen. Einmal will man durch die Konkurrenz die Privat-Indu­striellen schädigen und so ihre Zahl verringern und ihren Widerstand erlahmen machen, andererseits will man aber auch dem Publikum die Vorzüge des Monopols zeigen. Letzteres ist gründlich mißlungen; die Cigarren, welche die Straßburger Manufaktur dem Publikum bietet, und welche durch die Bezeich­nungkaiserlich" ein günstiges Vorurtheil erwecken sollen, können den Vergleich mit dem, was die Privat-Jndustrie leistet, nicht aushalten, und jeder, welcher von diesen Cigarren geraucht hat, wüd sich sagen: wenn schon jetzt bei freier Konkurrenz von Seiten der Staatsindustrie ein so schlechtes und so wenig preiswertes Fabrikat geliefert wird, wie soll das erst werden, wenn die Ein­führung des Monopols jede Konkurrenz beseitigt hat. Mehr Erfolg als bei dem Publikum scheint die Agitation aber leider bei den Tabak - Interessenten selbst zu haben, indem diese durch das Vorgehen des Straßburger Etabltsie- menis mit einer Besorgniß «füllt sind, welche wohl nicht ganz gerechtfertigt ist. Sie vergessen vollstän^, daß das Monopol nur mit Einwilligung der Volksvertretung eingeführt werden kann, und daß die Vertreter des deutschen Volkes niemals zu einer solchen Maßregel ihre Einwilligung geben werden, wenn dabei nickt eine gerechte und vollständige Ablösung aller Interessenten erfolgt. Ueber den Umfang einer solchen sind sich aber die agitirenden Freunde des Monopols bis jetzt offenbar noch nicht recht klar geworden. Herr v. Moser

der sehr bemüht war, die Einführung des Monopols als möglich hinzustellen, hat sie auf 687 Mill. «X berechnet, während sie in Wahrheit weit über eine Milliarde betragen müßte, und auch dennoch ganz ungenügend wäre, indem etwa 80,000 Arbeiter brodlos werden würden. Diesen wäre durch die Ent­schädigung mit dem Betrage eines Jahresverdienstes, wie Herr v. Moser in Aussicht nimmt, nicht geholfen, da die zum großen Theil in Dörfern und kleinen Städten, in denen sonst keine Industrie getrieben wird, wohnenden Arbeiter keine Möglichkeit haben, einen anderen Erwerb zu finden. Man hat bis jetzt, das möge man nicht vergessen, nur immer gesucht, die Tabak-Industrie mit dem Schreckgespenst der Einführung des Monopols zu ängstigen, an die Aus­arbeitung eines Gesetz-Entwurfs über die Art und Weise, wie dies geschehen soll, hat man sich noch nicht gewagt, weil man fühlt, daß der Versuch einer solchen Ausarbeitung sehr rasch den Beweis für die Unmöglichkeit des Mono­pols in Deutschland liefern würde.

IranLreich.

Paris, 2. Septbr. DasJournal des Debats" findet in dem Tages­befehl deS Kaisers Wilhelm nichts Beunruhigendes oder Beleidigendes für Frankreich.Francais" sagt, die Erklärung in Betreff der Angelegenheit der Congregationen wurde in Folge eines von dem Ministerpräsidenten Frey- cinet gegenüber dem päpstlichen Nuntius geäußerten Wunsches abgefaßt. Der Papst beauftragte hierauf den Cardinal-Staatssecretär Nina, eine Erklärung abzufaffen, welche mit dem französischen Botschafter Desprez vereinbart worden war. Diese von dem Papste gebilligte Erklärung wurde dem Nuntius über­sandt, welcher sie Cardinal Guibert wieder zustellte. Die Erklärung wurde alsdann mehreren Bischöfen, welche derselben zustimmten und endlich dem Ministerpräsidenten mitgetheilt, welcher sie acceptirte. Schließlich wurde sie an alle Bischöfe Frankreichs gesendet, um von denselben nicht als Vorschrift, sondern als Vorschlag den Congregationen zur Kenntniß gebracht zu werden. Man versichert, daß mehr als 50 Vorstände von Congregationen schon der Erklärung zugepimmt haben.Temps" sagt, zahlreiche congreganistische An­stalten hätten die fragliche Erklärung unterzeichnet, aber auch viele sich bis jetzt der Unterzeichnung noch entgelten. Dasselbe Blatt sagt, indem es die bezügliche gestrige Nachricht dementirt, die Jesuiten der Straße Lafayette seien wie die anderen Jesuiten ausgewiesen worden. DieUnion" und die Gazette de France" fahren fort, die Erklärung als eine opportunistische Mysti- fication und eine Falle lebhaft anzugreifen. Andererseits weisen die radikalen Journale die Erklärung zurück und verlangen die vollständige und genaue Aus­führung der Decrete.

England.

London, 2. Septbr. Unterhaus. Staatssecretär Dilke antwortet auf eine Anfrage Bryce, er sei von der Absicht kurdischer Häuptlinge, eine Liga zu bilden, unterrichtet, er kenne aber nicht deren Zweck, noch wisse er, ob sie von der Pforte zu ihrem Vorhaben ermuthigt würden. Im Falle es erwiesen werde, daß die Liga Feindseligkeiten gegen die Christen in Armenien beabsich­tige, werde der britische Botschafter, Göschen, instruirt werden, die nöthigen Schritte zu thun. Ein Antrag auf Registrirung der confessionellen Ver­hältnisse bei der Volkszählung wird mit 97 gegen 27 Stimmen abgelehnt.

Die Volkszählungsbill wurde in dritter Lesung angenommen. Hartington antwortete Lawson, er könne seiner früheren Erklärung wenig hinzufügen, ohr.e gegen die Höflichkeit g<gen die Türkei zu verstoßen, hoffe jedoch, daß Zwangs­maßregeln nicht erforderlich seien. Er wünsche nicht der türkischen Regierung eine Verlegenheit zu bereiten, sondern sie zu stärken und ihren Fortbestand durch Regelung der jetzt drohenden Schwierigkeiten möglich zu machen. Der Zweck der Flottendemonstration ist, zu zeigen, daß die Mächte ihre Beschlüsse nicht bei Seite gesetzt sehen wollen. Unierstaatssecretär Dilke antwortete Bourke, die Arrangements unter den Regierungen seien nicht ganz vollständig; es seien aber allen Admiralen gleiche Instructionen zugegangen. Der Senior der Admirale werde die übrigen consultiren. Der Zweck der Demonstration sei, zu zeigen, daß ein völliges Übereinkommen unter den Mächten bestehe und einen Druck auf die Pforte auszuüben, damit Zuständen ein Ende gemacht werde, die eine ständige Gefahr des europäischen Friedens seien. Zwangs­maßregeln würden nicht stattfinden, weil solche nicht nothwendig sein würden. Redner äußert schließlich die Ansicht, die montenegrinische Frage werde in kurzer Zeit geregelt sein und die Demonstration eine gute Wirkung auf die Regelung der griechischen Frage und anderer Fragen haben-

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Paris, 3. Septbr. DieRepubliqne francaife" fährt fort, die Erklä­rung der Congregationen aufs Schärfste anzugreifen und erklärt, die Kammer werde den Minister, der Derartiges acceptire, sofort beseitigen. DasSiecle" fordert den Ministerpräsidenten Fnycinet auf, Aufklärungen zu geben.

London, 3. Septbr. Osfictell. General Roberts ist am 2. ds., Mor­gen-, in Kandahar eingetroffen. Der Feind ist sehr stark. Die von Roberts gemachten Recognoscirnngen ergaben, daß der Feind sehr starke Positionen auf Anhöhen besetzt hält und VerthUdigungSwerke errichtet. Sobald Roberts ge-