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Sonntag den 4. April
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1880
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Redacttonsbureau r ( VxpedLttonsbureau: j
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Schulstraße 13. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Jheil.
B e k a u u l m a ch u n g.
Gefunden: 2 weiße Taschentücher, 1 Tragriemen, 1 Schlüssel, 1 Sonnenschirm, 2 Regenschirme..
Zugelaufen: vier Hunde verschiedener Race.
Die gefundenen Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgasse 258) aufbewahrt.
Gießen, den 3. April 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Des Reichskanzlers Geburtstag*).
Der erste April fordert unseren Glückwunsch zu dem Wiegenfeste des eisernen Kanzlers, er bringt ihm alljährlich aufrichtige" zahlreiche Wünsche für sein Wohlergehen. Das Volk vergißt niemals, was er für sein Vaterland gethan hat, und ob auch fein Jahr ohne Klagen über neue Lasten und über mancherlei Unzuträglichkeiten der Gegenwart ertönen, ob es auch Mode geworden ist, für alle politischen Unruhen, für allen wirthschastlichen Druck und alle sonstigen socialen Differenzen Bismarck allein verantwortlich zu machen, so schweigt doch an seinem Geburtstage aller Hader, und man erinnert sich gern, daß Bismarck „trotz alledem und alledem" uns lieb und werth, daß er volksthümlich ist, weil er ein Freund des Volkes, und daß seine Lebenszeit wohl das größte und bedeutendste Stück der deutschen Geschichte überhaupt umfaßt.
Die mächtigen politischen Wandlungen, die er hervorgerufen, sind an ihm selbst nicht wirkungslos vorübergegangen. Einst der kampflustige Genosse der Stahl und v. Gerlach hat Bismarck dem liberalen Geiste mächtige Zu- geständnisie gemacht und ihn der Reaction gegenüber selbst geschützt. Er, der einst erklärte, er wäre vor dem Absolutismus nicht zurückgeschreckt, um seine Ziele zu erreichen, er, der jahrelang der verbrieften Verfassung zum Trotz ohne Budget regierte, hat nach dem ersten großen Kriege Indemnität erbeten und seine Verfassungstreue stets bewährt. Bismarck, der einst mit Gneist, Twesten und Lasker in schroffster Fehde lebte, söhnte sich mit ihnen, mit dem Liberalismus aus. Und wiederum, als er mit ihnen und mit einem wirthschastlich- freistnnigen Ministerium sein „national-ökonomisches System" nicht durchführen konnte, stützte er sich auf Conservative und Klerikale, — und endlich tritt schon jetzt lebhaft die Frage an ihn heran, ob es nicht besser sei, abermals die Stütze des nationalen Liberalismus zu ergreifen. Wir sehen den Kanzler schwanken, von Person zu Person, von Partei zu Partei, aber stets zielbewußt und seiner Ansicht nach immer Alles zum größeren Heil des Staates selbst ergreifend, nach dieser alleinigen Richtschnur handelnd.
Ob er dabei nicht auch zuweilen dem Jrrthum unterworfen ist, wer wollte es bestreiten, da Irren menschlich und Bismarck selbst schwerlich von seiner Unfehlbarkeit überzeugt ist. Sein politisches System handelt.von Tag zu Tag, von Fall zu Fall, in der äußeren, wie in der inneren Politik, und darum war er bisher den europäischen Diplomaten überlegen, darum hat er bisher auch in der inneren Poltiik den Parteien gegenüber gesiegt, die für Ideale, für große Programme eingetreten sind. Aber er hat hier wie dort viel Personen verbraucht, und zuweilen ist es ihm schwer geworden, Ersatz zu finden. Arnim, Delbrück, Camphausen, Michaelis, Eulenburg, Friedenthal, Falk, Hobrecht, Achenbach und Andere, sie find gegangen oder „wurden gegangen", und auf die besondere Dauerhaftigkeit der Ministersessel von Bitter, Putikamer, Stosch und Anderer hat schwerlich Jemand Lust zu wetten oder zu schwören. Fürst Bismarck ist bereits auf seine nächste Umgebung angewiesen, um die Lücken auszusüllen. Em Vetter seiner Frau ist Cultusminister, sein Hausfreund landwirthschaftlicher Minister, sein Kanzleichef Tiedemann Bevoll- mächttger im Bundesrath, seine Söhne Diplomaten, sein Leibarzt Vorsitzender des Reichsgesundheitsamts.
Fürst Bismarck hat unter den Konservativen und Klerikalen keine Stützen seines persönlichen Wirkens zu finden vermocht: — wird er nun zurückgreifen auf die getreuen Liberalen? Qui vivra, verra die Debatte über das Militärgesetz und der Höhepunkt der parlamentarischen Saison wird uns wohl darüber Aufklärung bringen.
Deutschland.
Berlin, 1. April. Der „Nat.-Ztg." wird aus Paris geschrieben: Die Sprache der ultamontanen, sowie legitimistischen Blätter ist von Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit' sonder Gleichen. „Univers" erklärt, alle Katholiken würden jetzt gegen die Republik Front machen und die Regierung werde sich die Folgen selbst zuzuschreiben haben. „Monde" nennt das Verfahren der Regierung Räuberpolitik, gegen welche sich das ganze katholische Frankreich zum Widerstande erheben werde. Die legitimtstische „Civilisation" bringt an der Spitze ihres Blattes einen Artikel, betitelt: „Staatsstreich", worin die Minister dumme Tyrannen genannt werden und von ihnen gesagt wird, daß sie Cynismus mit Heuchelet vereinigen. Der Artikel schließt also: Von heute an unversöhnlicher Krieg zwischen den Katholiken und den Anführern, die uns
♦) Unlieb verspätet.
regieren. Die Pflicht unseres Königs wird mehr als jemals unabwetsltch. Dreißig Millionen Franzosen werden in ihrem Gewissen und in ihrer Freiheit geknechiet. Sire, befreien Sie uns schleunigst. Diese Art Manifest ist von dem politischen Director des Blattes, Henri de Roux, und Chefredacteur Lau- rentte unterzeichnet. Von bonapartistischm Blättern stimmt nur „Pays" in diese Uebertretbungen ein und versichert, die Regierung habe dem lieben Gott den Krieg erklärt.
— (Die Beilegung des Culturkampfes). Der „Gazetta Torunska" wird aus Tuchel geschrieben, der Graf Königsmarck habe während seines Aufenthalts auf seinen (im Tucheler Kreise gelegenen) Gütern gesagt, daß er täglich in Berlin^mit dem Kaiser Wilhelm gesprochen und dieser im Laufe des Gespräches geäußert habe: „Seien Sie sicher, Herr Graf, daß der Streit zwischen dem Staate und der Kirche tn Kurzem beigelegt werden wird." Von einer anderen Aeußerung des Kaisers weiß der „Hannöv. Cour." zu berichten: Kaiser Wilhelm jagte bei Entgegennahme der Geburtstags'Gratulation der Generäle Folgendes: Seine Worte am NeujahrStage seien mißdeutet worden, er freue sich daher, den Generälen sagen zu können, daß er hoffentlich keine Veranlassung haben werde, von ihren militärischen Kenntnissen praktischen Gebrauch zu machen, da jede Besorgniß für einen Krieg gegenwärtig ausgeschlossen erscheine.
Berlin, 1. April. Das Aprilhest der „Deutschen Revue" wird ein Schreiben des Vicepräsidenten des franz. Senats, Barthelemy St. Hilaire, bringen, worin derselbe versichert, daß in Frankreich eine entschiedene Fnedens- stimmung herrsche, daß die deutsche Politik sich mehr und mehr Freunde erwerbe und den Anschluß der Westmächte an Deutschland und Oesterreich als wünschenswerth ansieht. Ebenso hat sich der französische Consetlspräsident Freycinet auf das Allerbestimmteste, ja, mit Heftigkeit privatim gegen den Krieg erklärt und zu dem Unterredner gesagt, so lange er am Ruder sei, werde Frankreich niemals einen Krieg beginnen. Die ganze Stimmung des Welt- theils ist also gegenwärtig für den Frieden. Die Friedensstimmung wird sich auch hoffentlich auf dir römische Curie erstrecken; denn jetzt, wo der Cultur- kampf in Frankreich entbrannt ist, hat der Papst gewiß um so mehr Veranlassung, ihn in Deutschland zu beendigen. Uebrigens muß es sich zeigen, ob die Auflösung des Jesuitenordens in Frankreich wirklich dem Orden in jenem Lande ein Ende macht. Bis jetzt hat er sich allen Gesetzen und Decreten gegenüber zu behaupten gewußt.
Würzburg, 1. April. Von der bayerischen Rhön wird der Würz- burger „Bavaria" geschrieben: „Ein panischer Schrecken beherrscht gegenwärtig die Bewohner der vordem Rhöngegend in Folge der häufigen Brände, die in letzterer Zeit an verschiedenen Orten gewüthet haben. Nachdem solche am 29. Februar zu Bischofsheim, am 7. März zu Unterweißenbrunn, am 14. März zu Oberelsbach und Haselbach ausgebrochen waren und nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet hatten, wurden, dem Vernehmen nach, am 18. März zu Weisöach Brandbriefe gesunden, des Inhaltes, daß es am 19. März eben da, am 21. März zu Gtnolss brennen werde, und daß insbesondere die Orte Weisbach, Ginolfs, Oberelsbach und Sondernau durch Feuer sollen zerstört werden. Man begreift den Schrecken und die Angst der armen Rhönbewoh- ner bei solchen Drohungen, die leider schon zum Theil zur Wahrheit geworden. Denn obwohl z. B. in Weisbach auf jene Brandbriefe hin die Einwohner vom Bürgermeister zur Wachsamkeit aufgefordert und alle Vorkehrungen getroffen waren, der Gefahr im Entstehen zu begegnen, ertönte dennoch am 19. März, Abends, und zwar zu der im Brandbriefe angeblich festgesetzten Stunde, daselbst der Feuerruf, unb in kurzer Zeit lag bei heftig wehendem Nordwestwinde fast das halbe Dorf in Asche. Viele konnten bet der Schnelligkeit, mit welcher das Feuer um sich griff, kaum das nackte Leben retten und der Jammer und das Elend der Verunglückten sind unbeschreiblich groß. Offenbar existirt in dieser Gegend eine Moidbrennerbande, was schon daraus hervorgeht, daß in dieser Unglücksnacht verdächtige Individuen in Sondernau und Oberelsbach gesehen wurden, die bei Annäherung der wachthabenden Personen die Flucht ergriffen; in Ginolfs soll auf ein solches Individuum, das sich in den Wald flüchtete, geschossen worden fein.
Amnkreich.
Paris, 1. April. Die zwei auf die nicht erlaubten Ordensgemein, schäften in Frankreich und namentlich auf die „sogenannte Gesellschaft Jesu" bezüglichen Decrete, die heute im Amtsblatt angekündigt werden, tragen das Datum vom 29. März — man mag sie also Märzdecrete oder Ostermontags-


