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Mx. 230. Samstag den 2. October L88O.
Archener "Anzeiger
AWge- mb AmtsblM sir kn Kreis Gießen.
B. 18. Erscheint tätlich mit «nSnnh-n. le« M-n«-«,. di^ft^pgen ^i-r'telMrNch "marfT
Amtlicher H - eit. Bekanntmachung.
Betreffend: Ausbruch der Lungenseuche unter dem Rindvieh zu Lang-Göns.
Nachdem an einer am 29. l. Mts. verendeten Kuh des Schäfers Heinrich Boller in Lang-Göns Lungenseuche in vorgeschrittenem Stadium constattrt wurde, ist bezüglich der Rindvtehstallungen dieses und seiner beiden Nachbarn, dem Anton Lang und der An ton Artus W l ttw e vorerst Stallsperre verfügt worden.
Gießen, am 30. September 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann. _ __
--—----------------------------- G ießen, am 29. September 1880.
Betreffend: Die Aufstellung von Holztarifen für die Gemeindewaldungen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der zur Großherzoglichen Oberförsterei Lich gehörigen Orte.
Wir erinnern diejenigen Großherzoglichen Bürgermeistereien, welche das Schreiben der Großherzoglichen Oberförsteret wegen des Holzpreistarifs für 1881 noch nicht beantwortet haben, an die schleunige Erledigung dieser Angelegenheit.
Dr. Boekmann. ____
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Sie Berichtigung der End- dt-s-s Monats fälligen Holz- und Heugrasg.ld.tr auS den Oberförst-ret-n Schiffenberg und Treis =• b. 8ba-, bezw. Gießen, hat bis zum 25. nächsten Monats — bei Meidung der Mahnung — anher zu geschehen, wovon Sie Ihren Gemeinde-Angehörigen in geeigneter Weise Kenntniß geben wollen. o „ t .
Gießen, am 30. September 1880. Großherzogliches
Eine Unterlassungssünde.
Politische Fragen haben eine sehr große Aehnlichkeit mit einem Gewitter; sie tauchen wie ein kleines unscheinbares Wölkchen am Horizonte auf, um bald darauf die Sonne zu verdunkeln und schließlich sich unter Donner und Wetter zu entladen.
Eine solche Frage ist auch setzt wieder aufgetaucht, auch sie hat sich durch ein leichtes Wölkchen angekündigt, das selbst die Politiker von Fach kaum bemerkten und das nun immer größere Dimensionen anntmmt.
Ob sich dieses Gewitter auch in dieser Weise entladen wird? Wir wünschen es nicht, und dennoch scheint die drückende Schwüle, durch welche es sich ankündigt, kaum etwas anderes erwarten zu lasien.
Diese Frage betrifft die Herrschaft über das Gebiet der Donaumün- düngen. Leider ist die allgemeine Erwartung, daß der Berliner Congreß diese Frage erörtern und in der Weise erledigen würde, daß die Donaumündungen keinem Volke der Erde, das mit anderen Völkern in friedlichen Verkehr treten will, verschloßen werden dürfe, getäuscht worden. Man hat eine Frage in Schwebe gehalten, die unter allen Umständen ausgetragen werden mußte, und hierfür gab es keinen günstigeren Augenblick, als die Zeit des Berliner Eongreffes.
Die Versäumniß kann damit nicht entschuldigt werden, daß man damals in officiellen Kreisen eine geringe Meinung von der Bedeutung der Donau als Handelsstraße zur Schau trug, indem die Donau, wie man meinte, die Verbindung mit dem Orient nur auf einem Umwege vermittele, überdies in ein geschloffenes, von den Rivalen Oesterreichs im Orient beherrschtes Meer münde; die richtige Verbindung mit dem Orient sei die Linie, welche bei Salonicht in ein offenes, freies Meer ende; an diese Linie knüpfe sich die handelspolitische Zukunft Oesterreichs. Es war schon damals nicht schwer, diese ganz trrthümltchen und wahrscheinlich nur zur Vertheidtgung des bosnischen Unternehmens tn's Treffen geführten Argumente zu widerlegen, und heute zweifelt Niemand daran, daß es ein langer und beschwerlicher Weg nach dem Orient sei, jener Weg durch Bosnien an das Aeoäische Meer, und daß hingegen für Oesterreich nichts Wichtigeres existire, als die Donau, daß Oesterreich Alles daran wenden muffe, einen womöglich entscheidenden Einfluß auf das letzte Drittel des Stromes auszuüben, dessen zwei erste Drittel es ohnedies beherrscht. Es kann sogar daraus, daß die Donau im längsten Thetl ihres Laufes österreichisches Ufer bespült, eine Art Recht abletten, auch dort, wo die Donau aufhört, ein österreichischer Strom zu sein, ein gewisses Ueber- gewicht bei Entscheidung in den die Schifffahrt auf der Donau betreffenden Fragen zu besitzen.
Oesterreich hat die Sachlage heute richtig erkannt; aber während es zur Zett des Berliner Eongreffes nur den alleinigen Widerspruch Rußlands zu befürchten hatte, der damals sehr leicht zu überwinden gewesen wäre, treten ihm jetzt Schwierigkeiten entgegen, mit denen es noch lange Zett zu kämpfen haben dürfte. Rumänien will heute von den österreichischen Ansprüchen in Betreff des Verkehrs auf den Donaumündungen nichts wissen; es protesttrt gegen den Anspruch Oesterreichs, in der Commission die entscheidende Stimme zu haben, weil es der Unterstützung Rußland« und Englands in diesem Proteste gewiß ist. Was früher ein Federstrich auSgletchen konnte, dazu bedarf es heute weitläufiger diplomatischer Verhandlungen, von denen noch gar nicht abzusehen ist, ob sie zu einem befriedigenden Resultate führen werden.
AlS ein Glück für Oesterreich ist es anzusehen, daß auch Deutschlands Interessen, wenn auch erst in zweiter Linie, in Betreff der Donaumündungen
in Frage kommen, daß es nicht umhin kann, die österreichischen Forderungen zu unterstützen, und dies dürfte dann schließlich in der Sache entscheidend sein.
Hoffen wir, daß die drohenden Gewitterwolken auch diesmal durch das allgemeine Bestreben, Europa den Frieden zu erhalten, verscheucht werden, daß sich die Unterlassungssünde nicht räche, deren sich die österreichischen, und vielleicht auch die deutschen Diplomaten beim Berliner Friedens - Congreß schuldig gemacht haben.
Deutschland.
Aus dem Großherzogthum Hessen, 29. Septbr. Die Centralstelle für die Landwirthschaft und die landwirthschaftltchen Vereine Hessens, als die autoristrte Vertretung der hessischen Landwtrthe und der Interessen der ackerbauenden Bevölkerung, hatte sich seiner Zett ausdrücklich dahin ausgesprochen, daß die Zölle auf landwtrthschaftltche Products nicht geeignet erscheinen, der inländischen Landwirthschaft einen Vorthetl zu gewähren, und durch die- selben die Gründe nicht beseitigt werden könnten, aus denen der landwirth- schaftliche Betrieb dermalen wieder lohnend sei. Trotz dieses Gutachtens einer Behörde, deren Autorität von den Landwirthen stets anerkannt war, nimmt ein rhetnhessisches sog. populäres landwtrthschaftliches Blatt kein Bedenken, mit Energie für die Kornzölle im Jntereffe der Landwirthschaft etnzutreten und hat hierdurch einen Zwiespalt der einzelnen Vereine mit dem leitenden Fachmanne, dem thättgen General-Secretär, hervorgerufen, der in einer Zett, welche alle Landwtrthe zur Eintracht veranlassen sollte, um so beklagenswerther erscheint. Jedem Leser der landwirthschaftltchen Zeitschrift müssen die Klagen des Herausgebers über Reibungen und Sonderbestrebungen innerhalb des Vereins auffallen und enthält die letzte Nummer der Zeitschrift einen geharnischten Artikel, welcher treffend die particular-rhetnhessische Kornzoll-Agttatton critisirt. Während die Handelskammer in Worms in einer Eingabe, betr. Aenderung des Zolltarifs, äußerte: Ein Schutzzoll auf Getreide, Vieh und animalische Nahrungsmittel würde nach Kurzem die bedenklichsten Folgen haben u. s. w. und diese Ansicht ausführlich begründet hat, nimmt jene neueste Literatur keinen Anstand, ohne eingehende Begründ» >g das Gegentheil als im Jntereffe der Landwtrthe liegend zu verfechten. Mit Recht äußert sich die landwirth- schaftliche Zeitschrift über jene Sonderbestrebu gen: „Man könnte nun glauben, daß es gelte, die Interessen einer großen Mehrheit der landwirthschafllichen Bevölkerung von Rheinhessen gegen die Autokratie einer mächtigen Corporation zu schützen. Wenn man aber erwägt, daß in ganz Rheinhessen überhaupt nur 46 Besitzer von über 50 Hectaren und 615 von 20 bis 50 Hectaren existiren, dagegen 31,647 Besitzer von weniger als 1 Hectar und 16,268 Besitzer von 1 bis 20 Hectaren vorhanden sind, daß also nur ein verschwindender Bruch- theil der rheinhesstschen Landwtrthe überhaupt möglicherweise irgend lvelchen Gewinn aus Kornzöllen zu ziehen vermag, während die weitaus größte Menge letztere bezahlen muß, so kann man kaum anders schließen, als daß es sich lediglich darum handelt, sich die augenblicklich hinsichtlich der eigensten Interessen herrschende Verblendung einer größeren Masse zu Nutze zu machen, um populär zu werden. Das Traurigste dabet ist, daß es überhaupt noch nothwendig, auf die Gemetnschädlichkeit einer solchen ordinären Pfuscherei in der Literatur aufmerksam machen zu müssen."
Darmstadt 29 Sevtember Bei dem Bureau der -werten Standekammer sind folgende-Interpella tt o n en des Abg Schröder an Großherzogl Ministerium des Innern und der Justiz eingelaufen: I „Ist der vom Großh. Oberconsistonum rn seinem Bericht an die evangelische Landessynode ausgesprochene und allgemem gehaltene


