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rität untergeordnet werden- Wir sind bereit, einer Emigung auf dieser Grund­lage zuzusttmmen; für uns aber alS Mitglieder der liberalen Partei weiden unter allen Umständen diese Anschauungen die leitenden sein. (Folgen die Namen, die wir in einem gestrigen Telegramm veröffentlichten'».

Laut einer Cabinetsordre vom 25. ds- ist die Feier der Vollendung des Kölner Domes auf den 15. October, den GebariSlag des verstorbenen König Friedrich Wilhelm IV., festgesetzt und wird das Kaiser!. König!. Haus, sowie noch zu ladende Gäste der Feier anwohnen.

Arankreich.

PariS, 30. August. Gambetta wird Anfangs September auf vierzehn Tage nach dem Schlöffe des Cretes in der Schweiz gehen und dann nach Nizza, wo seine Familie sich befindet. Der Deputirte des Finistöce, de Pom- pery, Republikaner, ist gestorben. Morgen findet die Schließung der Jesuitenschulen statt. Da die Jesuiten überall ihre Anstalten verlaffen und sie an Laten oder Weltpriester übergeben haben, so wird der Vorgang kein großes Interesse bieten. Die Polizei wird lediglich zu bestätigen haben, daß die Schulen nicht mehr mit Jesuiten besetzt, sondern in den Händen von CtviUe- sellschaften sind. Nach Wiedereröffnung der Schulen wird die Regierung die Ccsstonsacten über die Jcsuitenschulen prüfen, welche nur Versuche zur Um« gehung der Gesetzes und nicht rechtmäßig gültig sind. Die Jesuiten rechnen natürlich auf die Gerichte, welche fast alle unter ihrem Emfiuffe stehen. Der Minister des Innern empfing heute den Erzbischof von Sens.

tzngland.

London, 30 August. Oberhaus Staatssecretär Granville erklärt: Die Antwort der Pforte auf die Collectivnote der Mächte bezüglich der montenegrinischen Frage ist ungenügend. Die Mächte erwägen noch die zu erlassende Erwiderung und haben inzwischen eine Anzahl Kriegsschiffe nach Ragusa beordert, so daß letztere in der Nähe des Gebietes von Dul- cigno find.

Granville erklärt: Der Hafen von Ragusa ist von der österreichischen Regierung den Mächten geöffnet, weil derselbe in der Nähe der abzutretenden Küste liegt. Die Instructionen für den britischen Admiral sind vorbereitet und den Mächten mttgctheilt. Der bez. Schriftwechsel, mit Ausnahme der Instructionen, wird demnächst vorgelegt werden. In der zweiten Collecttv« note betreffs der griechischen Grenze verweigern die Mächte die Wiedereröff« nung von Unterhandlungen über die Grenzlinie in Konstantinopel, drücken aber ihre Bereitwilligkeit aus, jeden Vorschlag der Pforte, betr. den Modus der Räumung des bez. Gebietes durch die türkischen Behörden und deffen Aus­händigung an Griechenland, zu erwägen. Die Note wird dem Haus« vorgelcgt.

Die Botschafter der Mächte in Konstantinopel sind über eine Note an die Pforte bezüglich der Reformen in Armenien überetngekommen. Voraus« sichtlich wird diese Note der Pforte sofort überreicht und dann dem Parla­mente vorgelegt werden. Die Arbeiten der internationalen Commission sind zu einem befriedigenden Abschlufle gelangt. Die Mächte kamen überein, einen Gesetzentwurf für die europäische Türkei zu empfehlen. Anläßlich der zweiten Lesung der Bill über die Jagd auf Hasen und Kaninchen bekämpft Beaoons- field den Antraa Redesdale's auf Verwerfung, obwohl er die Bill tadelt, welche bet der Einzelberathung modificirt werden muffe. Das Haus habe die Resultate eines Confltctes mit dem Unterhause nicht zu fürchten, wenn eine große constitutionelle Frage vorliege; aber bet untergeordneten Fragen sei ein Confltct nicht räthlich. Die Bill wird in zweiter Lesung mit 68 gegen 20 Stimmen angenommen.

Abends. Unterhaus. Der Rest der Positionen des Budgets der Ausgaben einschließlich der Position für die irische Polizei und der Nachtrags. Credtte wird erledigt. Bei der Berathung über die Position für die irische Polizei erklärt Forster: Seit 30 Jahren sei es das erste Mal, daß eine Re­gierung versuche, ohne Ausnahmegesetze Irland zu regieren; dieser Moment sei nicht geeignet zur Entwaffnung der Polizei. Die Regierung überwache mit einiger Sorge die Waffeneinfuhr in Irland.

Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.

Berlin, 1. September. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm hat heute eine Proklamation an die Soldaten des deutschen Seeres erlaßen. In derselben erinnert der Kaiser an die reigniffe vor zehn Jahren, an die Großthaten des deut­schen Heeres, sowie an den Sieg von Sedan. Der Kaiser spricht wiederholt den tiefsten Dank und die höchste Aner­kennung der Armee aus. Dieselbe möge ein Musterbild bleiben sür Erfüllung aller Anforderungen an Ehre nnd Pflicht, flch strengste Diseiplin erhalten und nie ermüden im Fleiß zur Vorbildung für den Krieg. Dann werde das deutsche Heer in künftigen Zeiten schweren Ernstes, die Gott noch lange fernhalten wolle, jederzeit ein fester Hort des Vaterlandes sein.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Burearr.

Berlin, 31. August. Der Fürst und die Fürstin Bismarck sind heute Nachmittag nach Friedrichsruhe abgereist. Der Fürst und die Fürstin von Rumänien verabschiedeten sich heute Vormittag von der kaiserlichen Familie in Potsdam und reisten Nachmittags 5 Uhr nach Dresden ab.

Straßburg, 31. August. DieElsaß-Lothr. Ztg." schreibt mit Be- zugnahme auf einen Artikel in derAugsburger Allg. Ztg.": Es sei ein dringliches, ja ein vitales Jntereffe süe Elsaß-Lothringen wie sür die Beamten des Laubes, das die heimathlicken Regierungen ihnen die Rückkehr in den Dienst des Heimathlandes in liberalster Weise offen halten. Die Beamten haben hier große Ausgaben, und, wie in einem kleinen Lande unvermeidlich, trete ein häufiges und längeres Stocken im Avancement ein. Da erscheine es im Jntereffe des Landes, der Beamtenschaft und somit des Reiches selbst drin­gend nothwendig, daß den Beamten die Fortsetzung ihrer Carrtere im heimath- lichen Staatsdienste nicht nur offen bleibe, sondern ihnen die Rückkehr dorthin auch thunlichst erleichtert werde.

Petersburg, 31. August. Dem Vernehmen nach stehen weitere Aenderungen in den höheren administrativen Kreisen bevor; namentlich ist von solchen auch bezüglich der jetzigen Preßverwaltung die Rede.

PuriS, 31. August. Sämmtliche Jesuiten der hiesigen drei großen Unterrichts-Institute haben Parls verlaffen. Die Eingänge zu den Capellen der Jesuiten wurden zugemauert und sür die Unterrichts-Institute Ctvildtrec- roreu eingesetzt. Bezüglich der anderen congregantstischen Schulen, worauf die Decrete anzuwenden waren, verlautet gerüchtweise, daß die Regierung und die Congregationen sich über die Absaffung eines Schreibens geeinigt hätten, welches als ein Gesuch um staatliche Autorisirung angesehen werden solle, worin die congreganistischen Schulen die Verpflichtung übernähmen, sich mit der Politik nicht zu beschäftigen und nichts Feindseliges wider die bestehende Ordnung zu unternehmen. Auf Grund dieses Schreibens würde die Regie­rung die Congregationen sür gesetzlich autorisirt betrachten.

London, 31. August. Unterhaus. Lawson meldet an, er werde morgen die Aufmerksamkeit des Hauses auf Englands bewaffnete Einmischung in fremde Angelegenheiten lenken und Aufklärung hierüber verlangen. Hry weist auf die Unzulänglichkeit der Panzerflotte hin. Admtralttäts-Secretär Leseore erklärt, der Zustand der Flotte sei nie befriedigender gewesen als gegenwärtig; dieselbe entspreche allen Anforderungen und sei den fremden Flotten in jeder Hinsicht gewachsen.

London, 31. August. Der Vicekönig von Indien meldet: Gestern ist General Phayre in Chaman angekommen. Ayub Khan retirirte mit seiner ganzen Streitmacht und bezog eine Stellung an Arzandab, nördlich von Kandahar.

Abends. Oberhaus. Die Bill betreffs der Haftpflicht der Arbeit­geber wird in dritter Lesung angenommen.

Hang, 31. August, Abends. Die Königin der Niederlande ist heute von einer Prinzessin entbunden worden.

Lokales.

Gießen, 1 September. ^Sterblichkeit in Gießen.j In der Woche vom 22. bis 28. August ereigneten sich hier 13 Todesfälle, davon 3 bei Kindern im ersten Lebensjahre, 5 bei Kindern vom 2. bis 15. Jahre und 5 bei erwachsenen Personen. Von den jüngsten Kindern starb je eins an Krämpfen, Abzehrung und Brechdurchfall; bei dm älteren Kindern war Todes­ursache: Masern, Diphrheritis, Darmcatarrh, Gehirnentzündung, organisches Herzleiden je ein-- mal. Von den Erwachsenen starb je eine Person an Lungenschwindsucht, Leberkrebs, einge­klemmten Bruch, Herzfehler. Ein Mann suchte freiwillig den Tod durch Ertränken. G.

Ein junger Herr, welcher in voriger Nacht eine freiwillige Fahrt mittelst eines in der Wagengaste stehenden Schtebkarrens durch die Straßen unternahm, wurde von den Schutz­leuten bei seiner Arbeit gestört und hatte noch obendrein das Vergnügen, den Schiebkarren unfreiwilliger Weise wieder an seinen früheren Ort zu bringen.

Ein gleiches Manöver machte eine junge Gesellschaft mit einem Dtenstmannskarren, wurde aber auch auf der That ertappt. Hoffentlich wird der Muth der Fahrlustigen durch eine gehörige Polizetstrafe etwas gekühlt werden.

Vermischtes.

Darmstadt, 31. August. Bei sämmtlichen Bäckern und Backwaarenhändlern wurde heute unvermuthet durch die Schutzmannschaft eine Revision vorgenommen und dabei eiue große Menge Brod, welches ein Mindergewicht, zum Theil bis zu 200 Gramm per Laib hatte, confiscirt.

Eine kaum glaubhafte Nachricht ging dieser Tage durch Petersburger Blätter. Bet oem schon gemeldeten Brande in der Schapschal'schen Cigarren-Fabrik zu Petersburg verunglückten viele der jugendlichen Arbeiterinnen, indem stein ihrer Todesangst aus den Fenstern des vierten Stockwerks sich herabstürzren. Man glaubte allgemein, daß die unglücklichen Mädchen die von der Etage herabführende Treppe nur deßhalb nicht benutzt, weil sie in ihrem Schrecken voll­ständig den Kopf verloren. Jetzt aber verlautet, daß die Aermsten diesen Rettungsweg, d. h. die Thüre zu jener Treppe, als sie diese benutzen wollten, verschlossen fanden und zwar, erklären übereinstimmend verschiedene Petersburger Zeitungen,hätte es die Administration Der Fabrik, als das Feuer ausbrach, für nothwendig befunden, die Tbüre zu verschließen, um Niemand ohne vorherige Untersuchung herauszulasten; nach bestehendem Gebrauch wird stets jeglicher Arbeiter vor dem Verlaffen der Fabrik untersucht ob er sich auch nicht an dem Elgen- thum derselben vergriffen." Hoffentlich wird eine schnelle Untersuchung bald Licht in diese Angelegenheit bringen. Das Resultat dieser Manipulation waren 15 rheils sehr schwer be­schädigte Arbeiterinnen, von denen 7 bereits gestorben sind. Der Brand selbst wurde sehr schnell gelöscht.

Heber einen Kampf zwischen russischen Polizisten und Nonnen wird dem Peters­burger Strana geschrieben: Der Gouverneur von Poltowa brachte in Erfahrung, daß die Nonnen des Klosters Welikobudischtsche im Bezirk Senkow, des Gouvernements Poltawa, die Bauern gegen die gegenwärtig im Gouvernement Herumreisenden Sanitätscommissionen und barmherzigen Schwestern hetzten, sie für Teufel ausgeben und dem unwlffenven Volke predigen, daß die Desinfektionsmittel der genannten Commission direct vom Teufel aus der Hölle geholt seien. Der Gouverneur entsandte daher neulich nach dem genannten Nonnenkloster einen Jsprawntk (Kreisrichter) mit dreizehn Polizisten, um die abergläubischen oder boshaften Nonnen zur Ratson zu bringen. Als der Jsprawntk tn's Kloster kam, wurde gerade eine Meffe celeb- rirt. Der Jsprawntk stellte die Poltztsten um das Kloster herum und ging selbst in bie Kirche, wo er der Meffe beiwohnte. Als diese zu Ende war und die Volksmenge herauszugehen be­gann, ging auch der Jsprawnik hinaus, hielt vor der Kirche die Menge zurück und begann derselben vorzupredigen, wie irrthümlich es sei, daß sie, die Bauern, den Sanitätscommissionen das Destnfictren verwehren und daß tue Nonnen dies für ein Werk des Teufels erklären.Um Euch das Gegcntheil deffen zu beweisen/' schloß der Jsprawnik seine Predigt,werde ich jetzt das ganze Kloster und alle Nonnenzellen destnficiren lasten." Kaum hatte der Redner geendigt, als unter den Nonnen ein heilloser Lärm entstand und zugleich alle Sturmglocken Sturm zu läuten begannen. Gleichzeitig stürzten sich die Nonnen auf die Poltztsten, indem sie denselben den Eintritt in die Zellen verwehren wollten und dabei von den Bauernwetbern wacker unter­stützt wurden. Dem Jsprawnik blieb nun nichts anders übrig, als die Polizisten von ihren Waffen Gebrauch machen zu lasten. Doch das empörte die Nonnen noch mehr und wie wüthend balgten sie sich mit den Polizisten herum. Jndesten eilte eine ganze Menge anderer Weiber herbei, welche nun mit Besen, Feuerhaken und Heugabeln u dgl. auf die Poltztsten dretn- zuschlagen begannen. Nachdem viele der Polizisten kampfunfähig gemacht worden, mußte der Jsprawnik mit seinen Polizisten flüchten, sonst wären sie noch von den Weibern in Stücke zer- rlsten worden.

Bochum, 25. August. Am Morgen des 7. Juni wurde der Bergmann August Jöckel, Ferdinandstraße 14 hier, auf dem Wege zur Zeche Frtederica von einem tollen Schäferhunde in die linke Hand gebisten. Der Unglückliche, der mit vollster Klarheit sein elendes Ende voraussah, litt seitdem an dem Wuthgifte, dos in seinen Körper gedrungen, und wurde am vorigen Freilag zur größeren Sicherheit und Pflege im katholischen Krankenhause untergebracht. Dort ist er gestern Nachmittag 31/? Uhr nach viertägigem unsäglichen Leiden der Wafser- scheu erlegen.

Eingesandt.

Auf vielseitige Anregung findet sich der Gießener Zither-Kranz veranlaßt, Samstag, den 4. September im L e i b'schen Saale ein großes Concert zum Besten der Klein- ktnder-Schule zu veranstalten. r r . ,,

Bet dem letzten in Lony's Biersaal stattgehabten mußten sehr Viele wegen überfülltem Raume auf den genußreichen Abend verzichten, weßhalb dieses Local ein gut gewähltes ist.

Da genannter Verein aus 10 Herren und mehreren Damen bestebt, so dürfen wir uns diesmal auch an dem Spiel der letzteren erfreuen, was uns bis jetzt nicht zu Theil wurde.

In Anbetracht des guten Zweckes wünschen wir dem Verein ein volles Haus.

Mehrere Freunde der Zither-Musik.

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5705) D Lumda und 6i rungsschleuße n vorkoninienven

Maurerarbeit, SteinhaueraM Zimmerarbeit, Schlosserarbeit, gtbdibeit, sollen auf dea geben werden.

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