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Mittwoch den 2- Juni
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Ameise- «ab Amtsblatt ftr ben Kreis Gieße».
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| Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontggS.
PrelS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher T?eil.
Gießen, am 1. Juni 1880.
Betreffend: Aufsicht über das Fasielvieh.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte.
Die Besichtigung der Gemeinde-Zuchtstiere und -Zuchteber durch die von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein gewählte Commission wird an folgenden Tagen stattfinden: , , „ . - . m.n , o.,
1) Freitag den 4, d. M. in Garbenteich, Hausen, Watzenborn, Grüntngen, Holzheim, Ober-Horgern, Eberstadt, Dors-Gill und Ltch, 2) Samstag den S. d. M. in Steinbach, Albach, Annerod, Oppenrod, Burkhardsfelden, Hattenrod, Ettingshausen, Münster, Ober- Bessingen und Nteder-Bessingen. c
Sie wollen die Bullen- und Eberhalter anwetsen, zur ftaglichen Zeit zu Hanse zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen vor- zuführen, auch sich selbst bereit halten, um etwa verlangt werdende Auskunft zu ertheilen.
Dr. Boekmann. ....
Deutschland.
Darmstadt, 30. Mat. Seine Königliche Hoheit der Großherzog find gestern Abend, mit der Hessischen Ludwigsbahn von Mainz kommend, von England wieder hier eingetroffen.
Darmstadt, 31. Mai. Das Großherzogl. Regierungsblatt Nr. 18 enthält:
1. Gesetz, die Ausübung der Strafgerichtsbarkeit über die vor dem 1. Januar 1872 pensionirten und zur Disposition gestellten Militärärzte und Milttärbeamten betreffend.
2. Bekanntmachung Großherzoglichen Staatsministertums, die Ergänzung der Militär-Convention mit Preußen vom 13. Juni 1871 in Bezug auf die Regelung der strafgerichtlichen Verhältnisse der dem Königl. Preuß. Armee- Veröande nicht angehörigen Großh. Osfictere betreffend.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Zutheilung der Feldgemarkung Bergheim zu dem Amtsgerichtsbezirk Butzbach betreffend.
Berlin, 29. Mai. Man ist durch die Ergebnisse des Berliner Cvn- greffes in Petersburg und Moskau bekanntlich sehr enttäuscht worden, hegt daher von den Arbeiten der Nachconferenz keine großen Erwartungen. Eine Hauptfrage bildet, aus welche Weise die Mächte die Beschlüffe der Conferenz der Pforte gegenüber zur Durchführung bringen wollen. Der „Golos" meint, das beste Mittel sei eine Militär-Cxecution. Davon könne aber aus bekannten Gründen nicht die Rede sein. Er fährt dann fort: „Es muß also unbedingt ein anderes Mittel gefunden werden. Wir wollen nicht behaupten, daß es leicht sei, diesen Zweck zu erreichen, glauben aber berechtigt zu fein, das nicht gänzlich außer dem Bereich der Möglichkeit zu halten. Die Diplomaten, welche in Berlin zufammentreten werden, haben ein lehrreiches Beispiel vor Augen, wie man Ländertheile der Balkan-Halbinsel, welche den Frieden Europas gefährdeten, in solche verwandeln könne, die in dieser Beziehung ganz „ungefährlich" sind. Vor fünf Jahren veranlaßte die Lage Bulgariens und des östlichen Rumeltens einen furchtbaren Krieg und eine gänzliche Umwälzung in den gegenseitigen Beziehungen der Mächte; und jetzt wird dieser Länder in den fortwährenden Reibungen wegen der Orientfrage nicht mit einem Worte gedacht. Nur ein Vorgehen im Sinne der Paragraphen des Vertrages von St. Stefano, welche von dem Berliner Tractat nicht abgeändert wurden, kann zu etwas Positivem führen. Der Staatsbankerott der Pforte liegt aus der Hand und ist nickt zu redrefsiren. Man muß diesen zahlungsunfähigen Schuldner von der Verwaltung seines, von ihm selbst in Unordnung gebrachten Vermögens fern halten. Nur in dem Falle, wenn die europäischen Mächte bei Ordnung der Angelegenheiten auf der Balkan-Halbinsel ganz von der Konstantinopeler Regierung absehen, kann diese Frage endgültig zum Abschluß ge- bracht werden."
— Geh. Rath Curttus ist neuerlich aus Griechenland zurückgekehrt. Es steht fest, daß die Funde von Olympia an Ort und Stelle in einem zu erbauenden Museum aufbcwahrt werden sollen. „Ich habe es den Eleern fest versprochen", äußerte sich König Georg. Geh. Rath Adler hat bereits einen Plan für das Museum von Olympia entworfen. — Der Historiker Professor Nitzsch ist vorgestern von einem Schlaganfalle mit theilwetser Lähmung betroffen worden, befindet sich aber aus der Befferung.
— Die Vorlage an den Bundesrath über die Zollgrenze aus der Elbe läßt noch immer aus sich warten und es erregt dies einiges Befremden. Man war sofort mit der Angabe bereit, die Sache werde sich im Handumdrehen erledigen lassen; bei näherer Betrachtung hoben sich indeffen doch große Schwierigkeiten ergeben. Es sind, wie nachträglich bekannt wird, sehr umfangreiche Erhebungen angestellt worden, aus Grund deren eine wiederholte Umgestaltung der ursprünglichen Projecte erfolgen mußte. Auch bis zur Stunde ist eine endgültige Entscheidung über die Angelegenheit noch nicht getroffen. Das Erscheinen der Vorlage beim Bundesrath wird sich noch einige Tage ver- Äßflnn. _ Der Anschluß der Stadt Altona an den Zollverein wird sich nicht ohne erheblichen Kostenaufwand durchführen lassen. Einstweilen sind die Kosten
aus etwa 3 Mill. «X veranschlagt. Es entsteht nun die Frage, wer diese Kosten zu decken hat, ob Preußen oder das Reich, zu deffen Gunsten doch der Erfolg des Gesetzes verwandt werden wird. Es lag bekanntlich in der Absicht der Fortschrittspartei des Abgeordnetenhauses, eine Interpellation in diesem Sinne einzubringen. Man ist indeffen davon zurückgekommen, weil die Vertreter der Stadt Altona kein besonderes Jntereffe für ein derartiges Vorgehen an den Tag legten; indeffen würde man damit doch nicht zögern, wenn es sich Herausstellen sollte, daß diese Forderung aus der preußischen Staatskaffe gedeckt werden müßte. — Das Schicksal der krrchenpolitijchen Vorlage ist auch heute noch nicht zu bestimmen. Die Zahl der Centrums-Mitglteder, welche ernstlich das Zustandekommen der Vorlage nicht nur wünschen, sondern betreiben wollen, rst nicht so klein, als man bisher dachte. Es wird sich immer fragen, woher die an einer der Sache entsprechenden Mehrheit fehlenden 50 Summen kommen sollen, und noch heute wird von vielen Seiten behauptet, daß das Centrum ein erhebliches Conttngent zur Ausfüllung dieser Lücke stellen würde. Die Negierung soll, wie man in Abgeordnetenkretsen behauptet, für die Erreichung ihrer letzten Zwecke sich viel von der Haltung des Herrenhauses versprechen. Jedenfalls ist man in Regierungskreisen sehr zuversichtlich bezüglich der Annahme der Vorlage. — Die Novelle zum Milttärgesetz, welche der Reichstag in seiner letzten Session beschloffen hat, ist bereits amtlich veröffentlicht. Das Kriegsministerium ist vollauf mit den Ausführungs-Bestimmungen beschäftigt. Die Bildung neuer Regimenter u. s. w. wird erst mit dem 1. April 1881 in die Erscheinung treten, inzwischen wird das Aushebungsgeschäft, welches jetzt bereits seinen Anfang genommen hat, an der Hand der gebotenen Neusorwationen ausgesührt. Außerdem find Anordnungen getroffen, daß die fämmtltchen bestehenden Regimenter das erforderliche Material an Unterosficieren und Officteren stellen können.
— Im Herbste jeden Jahres wird von den Regimentern eine Anzahl Mannschaften nach vollendeter zweijähriger Dienstzeit zur Verfügung der Truppenthetle beurlaubt. Bei diesen Beurlaubungen haben öfters bisher die häuslichen Verhältniffe der Mannschaften nicht in dem Maße berücksichtigt werden können, wie dies Wünschenswerth wäre, weil von den Bethetligten keine entsprechenden Anträge gestellt waren. Die Ortsbehörden werden daher, wo es erforderlich ist, angewiesen werden, die Angehörigen von Soldaten im zweiten Dienstjahre zu veranlassen, etwaige Anträge auf Beurlaubung derselben zur Verfügung der Truppentheile unter ausführlicher Darlegung der die Beurlaubung nothwendtg erscheinen lastenden häuslichen Verhältniffe zeitig bet den Landräthen anzubrtngen. Es werden hierbei insbesondere solche Fälle in Betracht kommen, in welchen die an sich wünschenswerthe Zurückstellung etneS HeereSpflichtigen hat abgelehnt werden müffen, weil entweder die Reclamatton zu spät angebracht war, oder die gesetzlichen Erforderniffe für die Zurückstellung nicht vollständig zutreffen. Die Etaisverhältniffe der Kavallerie-Regimenter lasten eine Beurlaubung der Mannschaften nach zweijähriger Dienstzeit in der Regel jedoch nicht zu, und es kann sich danach jene Art der Beurlaubung hauptsächlich nur auf die Mannschaften der übrigen Truppengattungen erstrecken.
Irankreich.
PariS, 28. Mai. Aller Augen sind heute aus den Kulturkampf in Deutschland gerichtet. Die liberalen Blätter sind aus chauvinistischen Grün- den voll Schadenfreude, die klerikale» aber thun, als wenn Bismarck den Papst blvs zum Gensd'aimen gegen das Ccnirum benutzen wollte. Die „Union" wirst ihm vor, sein Angebot sei „erbärmlich und kleinlich", und er scheine nicht Begreifen zu können, „was in der Welt die Souveränetät des Papstes bedeute." Die „Union" macht sich über „die schönen Resormpläne" Bismarck's lustig und prophezeit, daß „die logischen Folgen seiner Irrungen ihn in Kurzem von seinen seltsamen Täuschungen curiren würden. Die „Nepublique Francaise", die den Zerfall des deutschen Reiches als Dogma betrachtet, äußert heute: „Das Centrum ist furchtbar, weil es von einer mißvergnügten katholischen Bevölkerung unterstützt wird und weil es, wenn e8 ihm gefällt, bet den Socialisten zeitweilige Bundesgenvsien findet. Wenn


