Ausgabe 
30.11.1879 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 28« Erstes Blatt. Sonntag den 30. November 1878.

Kichener "gtnietger

Mrizk- irt AmtsdM fir den Kms Gieße«.

RedacttonSvurea« r

ExpedittouSdurcart r ............. I MagCSMM

| Schulstraße B. 13.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeit.

Gefundene Gegenstände:

1 weißes Taschentuch, 1 Pferdeteppich, 1 kleiner Regenschirm, 1 goldner Siegelring» K Portemonnaies mit Inhalt, 2 Schlüssel, 1 Päckchen wollenes Gar i, 1 Wtndlawpe, 2 wollene Halstücher, 3 ungestempelte Postkarten. 1 wollener Handschuh und 1 Zehnpfennigstück (die 4 zuletzt aufgeführten Gegenstände wurden auf den Schaltervorplätzen des Postamts bezw. in einem Briefkasten aufgesunden.

Die Gegenstände sind aus der Polizeiwache (Schloßgaffe 258) aufbewahrt.

Gießeu, den 29. November 1879. Großherzogliche Poltzeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

politisch

Deutschland.

m. Darmstadt, 28. November. Der Finanz-Ausschuß der zweiten Kammer wird Dienstag den 2. December abermals eine Sitzung abhalten. Gegenstände der Berathung werven sein: Die Vorlage der Regierung, die Erhöhung der Pensionen der vor dem 1. Januar 1874 in den Ruhestand getretenen Staatsbeamten betreffend, die wettere Vorlage in Betreff der durch cie Brandbeschädlgungen im Großherzoglichen Residenzschloffe entstandenen Kosten, sowie endlich die Regierungsanforderung wegen Errichtung einer Halte­stelle an der Mai-Nickar-Bahn bei Beffungen.

Berlin, 27. Novbr. Wie dieVolksztg." erführt, entbehrt die Mit- theilung, daß bereits dem Reichstage in seiner nächsten Session eine Aende- imig des Reichsmilttärgesetzes vorgelegt werden wird, der Begründung. Richtig ist, daß der Präsenzstand des Heeres nach Maßgabe der letzten Volkszählung eine enisprechende Erhöhung erfahren soll, welche den Etat um eine bedeutende Summe belasten würde. Diese Veränderung des Militärgesetzes soll jedoch .ist nach Ablauf des Militärseptenats Ende 1881 vor sich gehen,' mit dem­selben wird auch eine Erhöhung des Militäretats verlangt werden.

Der tm Reichskanzleromt ausgearbeite Gesetzentwurf, betr. die Ein- jührung zweijähriger Budgetperiooen bei der Reichsfinanzverwaltuug, ist von dem Versaffungsausschuß des Bundesraths mit nur geringen Abänderungen genehmigt worden und unterliegt gegenwärtig der Berathung des Bundesraths. Es wird in den bundeöräthlichen Kreisen als feststehend betrachtet, daß der Entwurf im Bundeerathe, trotzdem er als eine Verfaffungsänderung (Art. 69 der ReichSverfaffung) mehr als Dreiviertheile der Stimmen im Bundesrathe für sich haben muß, genehmigt, und dem Reichstage in seiner nächsten Session corgelegt werden wird. Als Consequenz der Einführung zweijähriger Budget­perioden im Reich wird die gleiche Abänderung der Landesverfassungen in Preußen und denjenigen Klemstaaten, in welchen gegenwärtig einjährige Budgetperiodeu bestehen, nicht auf sich warten lasten.

Ueber den Nothstand in Ober-Schlesien erhält dieNat.-Ztg." von Herrn Propst Stolik in Rybuik eine Zuschrift, welche die in dem dortigen Kreise herrschenden Verhältniste in einem sehr düsteren Bilde erscheinen läßt. Anknüpsend an die Thatsache, daß am 21. November im Krankenhause zu Rybuik ein vagabondirender Arbeiter am Typhus verstorben, die Gefahr des Auebrechens einer Epidemie in die unmittelbare Nähe gerückt scheint, wird es als Thatsache hingestellt, daß Leben und Gesundheit sehr zahlreicher Personen durch Mangel an Nahrung und Kleidung schwer bedroht sind, wenn nicht bald Hülse kommt. ES schließt sich daran ein Appell an den Wohlthätigkeitssinn Berlins und der größeren Städte mit dem Erbieten, Beiträge an Geld, Nah­rungsmitteln und Kleidungsstücken in der Propstei zu Rybuik zur geeigneten Vertheilung in Empfang zu nehmen.

Aus Sachsen. Den Weberdistricten des Erzgebirges steht ein harter Winter bevor. Die Löhne sind durchweg auf den niedrigsten Stand herunter­gedrückt; im Mülsener Distrtct herrscht völlige Arbeitslosigkeit und ein großer Nothstand, ähnlich wie in Ober-Schlesien, ist schon jetzt hereingetreten. So wird demWochenbl. sür die Städte Lichtenstein rc." aus Mülsen, St. Michiln, vom 11. ds. Folgendes geschrieben:Bezüglich der anhaltenden Arbeitslosig­keit und des sehr wenigen Verdienstes der Handweber welche Verhältnisse auch hier vorherrschend stnd hat die Noch und das Elend seinen Einzug gehalten, und ist zur Zeit noch nicht festzustellen, welche Dimensionen es an­nehmen wird. Mit Recht kann man annehmen, daß zwei Drittel der hiesigen Familienväter, ob ansässig oder unansäsflg, nicht mehr im Stande sind, den Bedürfnissen ihrer Familie und den Ansorderungen der Gemeinde gerecht zu werden. Auf Grund deffen erschien am vergangenen Freitag, als der Ge­meinderath versammelt war, eine Deputation von Webern, welche kund gaben, unter den jetzigen Verhältnissen weder Abgaben noch Steuern sür Staat und Gemeinde entrichten zu können, im Gegentheil verlangten sie Arbeit oder Brov. Der anwesende Gemeindevorstand nebst Rathsmitgliedern waren zwar von der Wahrheit und dem Rechte ihrer Forderungen und Angaben überzeugt, stand aber diesen selbst gegenüber als rath- und thatlos da und wurde nur die beregte Sache zu Protokoll genommen und der Amtshauptmannschast Glauchau überwiesen."

England.

London, 27. Novbr. Gladstone hielt gestern in Dalkeith eine Rede,

er Theit.

worin er d>e Regierung wiederum wegen ihrer inneren und auswärtigen Po lttik ausis Heftigste angriff und sich zu Gunsten der Autonomie Irlands in localen Fragen aussprach.

Spanien.

Madrid, 27. Novbr. Der Ministerrath sprach sich zu Gunsten einer Amnestie für Preßvergehen und militärische Vergehen auS.

Amerika.

-?ew- Aork, 27. Novbr. Hiesige Zeitungen melden aus Montreal: Die biittscke Regierung bildete in Canada ein Reserve-Corps von 10,000 Milizsoldalten zum activeir Dienst in Canada, erforderlichen Falles auch im Auslände-

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenj - Bureau.

Berlin, 28. November. Die Kaiserin ist heute früh aus Koblenz hier eingetroffen. Um 7 Uhr 42 Min. Morgens sind der König und die Königin von Dänemark angenommen, von dem Kronprinzen, dem Stadtcommandanten, Polizeipräsidenten und dänischen Gesandten empfangen und von dem Kronprin­zen in's Schloß geleitet worden.

Berlin, 28. Novbr. Die Schanksteuer-Commission des Abgeordneten­hauses trat in die zweite Lesung über den in erster Lesung abgelehnten § 1 ein und nahm mit 11 gegen 10 Stimmen an, die Steuer nur auf Brannt­wein zu beschränken. Den so amendirten Paragraphen genehmigte die Com­mission mit 14 gegen 7 Stimmen. Die Regierungs-Commiffare erklärten das Gesetz sür unannehmbar. Die Eisenbahn-Commission berieth über die finanziellen Garantievorschläge. Hammicher beantragte, die Zustimmung zu dem Gesetzentwurf über den Erwerb mehrerer Privaibahnen sür den Staat von der Zusage der Regierung abhängig zu machen, daß dem Landtage noch in der gegenwärtigen Session, jedenfalls aber beim nächstjährigen Zusammen­treten ein Gesetzentwurf vorgelegt werde, welcher folgende Bestimmungen ent­halte (folgen die bekannten Bestimmungen). Der Antrag der dem Centrum angehöligen Mitglieder, die Gültigkeit der Ankaufsverträge von dem Jnkrasv treten des Gesetzes über die Garantieforderungen abhängig zu machen, wurde mit 12 gegen 8 Stimmen abgelehnt, und der Antrag Hamrnacher^s darauf mit 17 gegen 3 Stimmen (die Centrumsmitglieder stimmten mit der Majo­rität) angenommen. Die beiden ersten Nummern der Garantiesorderungen selbst wurden sodann einstimmig genehmigt.

Wien, 28. November. Meldung derPolit. Corresp." aus Belgrad vom 28. ds.: Der Fürst hat die Demission des Finanzministers Jovanovic angenommen. Der ehemalige Ministerpräsident Marinovic ist zum Gesandten in Paris ernannt. Der Adreßausschuß der Skupschtina hat den regierungs­freundlichen Adreßentwurs angenommen.

Paris, 28. Novbr. Das bouapartistische JournalGaulois" erklärt die Meldungen desFigaro" und anderer Blätteer über angebliche Unter­redungen des Prinzen Jerome Napoleon mit hohen Würdenträgern und Be­richterstattern für vollkommen unbegründet.

Berlin, 28. November. Der Kronprinz wird dem Vernehmen nach erst nach dem Ordensfeste wieder nach Italien abreifen. Dem Bundesrathe ist ein Gesetzentwurf sür Elsaß - Lothringen über Gewerbegerichte zugegangen. Außer dem Bundesralhs-Bevollmächtigten, Staatssecretär Herzog, entsendete der Statihatter von Elsaß-Lothringen zur Beiwohnung der Berathungcn des Bundesraths noch die sechs Commiffare v. Puttkamer, Mayr, v. Seybel, Hosaeus, Stoltersoth und Fabricius.

DerReichsanzeiger" publicirt eine Bekanntmachung des Staats­ministeriums vom 28.' ds-, welche mit Genehmigung des Bundesraths die auf Grund des Socialistengesrtzes für Berlin und Umgegend in Bezug auf Auf­enthalt und Waffentragen ungeordnete Beschränkungen auf ein weiteres Jahr verlängert. Eine Bekanntmachung des Polizeipräsidiums besagt, daß den auf Grund des Socialistengesetzes aus Berlin und Umgegend ausgewieseuen Per­sonen der Aufenthalt daselbst audi fernerhin untersagt ist.

Karlsruhe, 28. November. Zweite Kammer. Die Adreßdebatte dreht sich nur um den von der liberalen Mehrheit eingebrachten Adreßentwurf, da von den anderen Parteien kein Entwurf vorliegt. Die Parteigegensätze