Arankreich.
Paris, 26. Juli. Das „Journal officiel" bringt heute das rechtsgültig gewordene Gesetz über die Rückkehr des Parlaments nach Paris zu öffentlicher Kenntniß. Vom 3. November d. Js. ab werden Senat und Lepu- Nrtenkammer wieder in Paris, jener im Palais zu Luxembourg, diese im Palais Bourbon (wenn sie aber wollen, auch iu einem anderen Gebäude), ihren Sitz nehmen. Das Versailler Schloß bleibt ihnen für vockommende Fälle Vorbehalten. Der fünfte Artikel, der von der Sicherstellung beider Versammlungen gegen Gewaltthätigkeiten handelt, ist bekanntlich in der ihm von der Deputirtenkammer gegebenen Fassung auch vom Senat genehmigt worden.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Tsrrefpondenr-Bure««.
Berlin, 28. Juli. Gestern trat im Gebäude des Abgeordnetenhauses der dritte Blindenlehrer-Congreß zusammen, an welchem Vertreter aus England, Frankreich, Oesterreich, Holland, Belgien, Schweden, Norwegen und Dänemark thetlnahmen. Cultusminister v. Puttkamer begrüßte die Versammelten im Namen der preußischen Staatsregterung.
Heidelberg, 28. Juli. Herzog Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin ist heute Nachmittag 2i/2 Uhr Hierselbst plötzlich gestorben.
Wien, 28. Juli. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel. Samstag Abend fand ein längerer Minister-Conseil statt, an dem der Groß- vezir Khereddin nicht theilnahm. Aus dem Umstande, daß letzterer auch gestern nicht auf der Pforte erschien, glaubt man schließen zu dürfen, daß die Entscheidung des Sultans bezüglich der Krisis noch nicht erfolgt ist. Der rumänische Gesandte bei der Pforte ist in Konstantinopel eingetroffen.
London, 28. Juli. Eine Depesche von „Lloyds" aus Valparaiso vom 26. Juli Morgens meldet, daß der brasilianische Dampfer „Jllimani" bei Mocha gescheitert ist. Alle Passagiere und die Mannschaft wurden gerettet.
Triest, 28. Juli. Gestern Abend brach auf der Rhede ein Orkan aus, welcher im hiesigen Hafen bedeutenden Schaden an Schiffen anrtchtete und mehrere Menschenleben kostete. Im Ganzen wurden 23 Schiffe mehr oder minder erheblich beschädigt. Eln mit Holzkohlen beladenes österreichisches Fahrzeug ging zu Grunde.
Kiel, 28. Juli. Nach dem jetzt publtcirten kriegsgerichtlichen Erkenntnisse in der Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" ist Contreadmiral Bätsch zu 6 Monat Festungshaft, Capitänlieutenant Klausa zu einem Monat Festungshaft verurrheckt, Capitän zur See, Kühne, freigesprochen.
Athen, 28. Juli. Bevor der Ministerpräsident Kumunduros das Dekret betreffs Auflösung der Kammer verlas, gab derselbe einen Ueberblick über die politische Lage des Landes und bezeichnete die inneren Verhältnisse als günstig. Die auswärtige oder hellenische Frage sei in lebenskräftiger Ent- Wickelung begriffen. Griechenland genieße die Sympathien ganz Europas und habe nichts gethan, was die Beziehungen zu Europa und der Türket trüben könnte. Ein Mehreres konnte Griechenland mit seinen schwachen Mitteln nicht thun.
Paris, 28. Juli. Die „Repuplique francatse" bespricht die Haltung der Pforte Egypten gegenüber und äußert diesbezüglich: Wenn der Sultan bei seinem Verhalten beharre, werde man sich überhaupt über den Investitur- Ferman Hinwegsetzen. Der Khedive werde fortfahren, seinen Jahrestrtbut in Konstantinopel zu zahlen und die Beziehungen zur Pforte darauf beschränkt bleiben. Frankreich und England würden den Mächten die Bildung einer Liquidations-Commission Vorschlägen, um die Interessen der Gläubiger so viel wie möglich zu wahren. Man würde ferner statt der europäischen Minister General-Jnspectoren etnsetzen, deren Beamtencharacter weniger bervortrete, deren Eingreifen in die Verwaltungsgeschäfte darum aber nicht minder wirksam sei und gegen deren Entschließungen keine Berufung zulässig sei. Die „Repuplique francaise" hält den Eintritt europäischer Unterstaatssecretäre in die wichtigeren egypttschen Ministerien für wahrscheinlich.
Berlin, 28. Juli. Gegenüber den von mehreren Blättern über den Nuntius Masella in München und seine angebliche Fahrt nach Kisflngen gebrachten mannigfachen Variationen schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": In der sog. stillen Zett mögen solche Zeitungsscherze bis zu einem gewissen Grad erklärlich erscheinen; der Tendenz gegenüber, welche hinter dieser Spielerei stecken könnte, wollen wir aber doch nochmals bemerken, daß Masella nicht in Ktsstn- gen war und nach vertrauenswerthen Informationen auch in diesem Sommer nicht dahin zu gehen beabsichtigt.
Versailles, 28. Juli. Die Deputirtenkammer hat das Budget des öffentlichen Unterrichts angenommen und wird morgen über den Bericht des Deputirten Proust berathen, welcher die Niederlegung der Tutlerien beantragt. Am Samstag wird die Kammer wahrscheinlich ihre Berathung beendigen.
New-Uork, 28. Juli. In Memphis sind drei neue Erkrankungen, aber keine weiteren Sterbefälle am gelben Fieber vorgekommen. In New- Orleans trat Ein Fall vom gelben Fieber ein.
Pesth, 28. Juli. Staatssecretär Graf Ztchy-Ferraris ersuchte den Präsidenten der liberalen Reichspartei um Einsetzung eines Ehrengerichtes von Abgeordneten zur Entscheidung der bezüglich Zichy's schwebenden Angelegenheit. Gleichzeitig suchte derselbe bei dem Minister des Innern um Enthebung seines Amtes nach, um auch nicht den Schein einer Beeinflussung des Ehrengerichtes auskommen zu lassen. Tisza hat das Entlaflungsgesuch Zichy's bereits dem König unterbreitet.
Konstantinopel, 28. Juli. Ein Jrade des Sultans constatirt die Nothwendigkeit der Enllassung Khereddin Paschas als Großvezir unter gleichzeitiger Aushebung des Großvezirats. Zum Premierminister wurde Aarifi Pascha, zum Minister des Auswärtigen Savfet Pascha ernannt. Bis zur Ankunft Savfet Psschas verwaltet der Musteschar Savas Pascha das Auswärtige. Riza Pascha wurde zum Minister der Civilliste, Fuad als erster Secretär des Sultans bestimmt.
Washington, 28. Juli. Ein Telegramm an den Gesandten Peruns meldet: Das Kriegsschiff „Huascar" drang in den von der Cbilenenflotte blokirten Hafen von Jquique ein und setzte nach zweistündigem Gefecht mit der Chilenenflotte das Schiff „Cousino Abtao" außer Gefecht. Der „Huascar" blieb unbeschädigt.
Bericht über den siebzehnten perbandstag des Hessischen Ztnter- verbands der deutschen Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschasten zu Fulda am 19. und 20. Juni 1879.
Der siebzehnte Verbandstag der Hessischen Vorschuß- und Creditvereine wurde in Folge des Beschlusses des Verbandstages in Cassel für dieses Jahr in Fulda abgehalten.
n Die Vorversammlung wurde am 19. Juni er., Abends 81/» Uhr, im Hotel 3um Kurfürsten durch den Verbandsdirector eröffnet.
Vertreten waren die Vereine: Cassel, Friedberg, Fulda, Gießen, Grünberg, Hersfeld, Wächtersbach. Die Anwaltschaft wurde vertreten durch Herrn Ludolf Paris in s-Berlin und die deutsche Genossenschaftsbank durch Herrn Meißner- Frankfurt.
Der Vorversammlung lag die Bildung des Bureaus, sowie die Feststellung der Tagesordnung für die Hauptversammlung ob.
Gewählt wurden zum Vorsitzenden Diehls-Cassel, zu dessen Stellvertreter Wahler-Fulda und zum Schriftführer He ttner-Fulda.
Die Tagesordnung wurde wie folgt geordnet:
1) Feststellung der Präsenzliste,
2) Bericht des Verbandsdirectors,
3) Rechnungsablage,
4) Mittheilungen aus den einzelnen Vereinen, insbesondere über nachstehende Fragen:
a. Wie werden Creditgesuche der Aufsichtsrathsmitglieder behandelt?
b. Ist im Statut eine Bestimmung über die Bemessung des einem Mit- gliede zu gewährenden Maximalcredites enthalten?
c. Ist die von dem allgemeinen Vereinstag ausgearbeitete Probe-Jn- ftruction für den Aufsichtsrath eingeführt?
d. Wird Blanco-Credit gewährt u nd ist die Beleihung der Stammantheile zulässig?
e. Sind Anforderungen in Bezug auf die Gewerbesteuer an den Verein gemacht worden?
5) Bericht über die Verhandlungen des allgemeinen Vereinstages in Eisenach.
6) Antrag des Verbandsdirectors, die Ausgabe von unkündbaren Darlehns- scheinen betreffend.
7) Antrag, die Vergütung von Reisekosten für die Deputirten zu den Unterverbandstage.
8) Ist die Errichtung eines besonderen Delcrederefonds zu empfehlen?
9) Revision des Statuts des Unterverbandes.
10) Wahl von zwei Deputirten zu dem allgemeinen Vereinstag zu Stuttgart.
11) Wahl des Verbandsdirectors und dessen Stellvertreters.
12) Wahl des nächstjährigen Versammlungsortes für den Unterverbandstag. Die Vorversammlung wurde hiermit um 10 Uhr geschlossen.
Die Hauptversammlung wurde Freitag den 20. Juni 1879, Vormittags 9 Uhr, durch den Vorsitzenden, Verbandsdirector Diehls im Saale des Ballhauses eröffnet. Nachdem Wahler-Fulda das Wort zur Begrüßung der Gäste ergriffen, wurde in die am Abend vorher in der Vorversammluug festgestellte Tagesordnung eingetreten. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit der Vertreter von 10 Vereinen und zwar:
Cassel (H a h n d 0 r f *), Reinhold);
Friedberg (Scriba, Steinhäuser, Jöckel);
Fulda (Pult, Wähler);
Gießen (Hanstein, Wallenfels);
Grünberg (Voit, Jäckel V.);
Hersfeld (Rudolf);
Hünfeld (Petter, Vogt, E- Malkmuß, I. Malkmuß); Wächtersbach (Correus).
Nicht vertreten waren die Vereine Allendorf, Dodenau, Großalmerode, Lichtenau, Marburg, Melsungen, Niederwöllstaot, Reichelsheim, Schotten, Wetzlar und Wieseck. Von Alsfeld waren die Herren Grünewald und Schirmer erschienen, welche jedoch erklärten, daß sie nicht als Vertreter des Vereins zu Alsfeld anwesend seien.
Da dem Verband 20 Vereine angehören, so war mithin die Hälfte unvertreten, ein Umstand, welcher dem Verbandsdirector Veranlassung gab, sein lebhaftes Bedauern über die mangelhafte Beschickung Seitens der Vereine auszusprechen. Um dieses ungünstige, schon feit Jahren beobachtete Verhältniß zu bessern, werde er bei Revision der Rechnung den Antrag stellen, versuchsweise einen Theil der Reisekosten den Deputirten zum Verbandstage zu ersetzen.
Der Verbandsdirector machte ferner Mittheilung von dem Erscheinen einer Broschüre über den „Gebrauch der Wechsel bei den Creditgenossenschaften" als Ergänzung zur 5. Auflage des Schulze-Delitzsch'schen Buches „Vorschuß- und Creditvereine als Volksbanken" und stellt denjenigen Vereinen, welche diese o. Auflage besitzen, Exemplare der Broschüre, welche übrigens auch von der Anwaltschaft zu beziehen sei, zur Verfügung; auch wurde den Vereinen die anläßlich des 70. Geburtstages des Anwalts erschienene Festschrift „Schulze-Delitzsch, sein Leben und Wirken" zur weiteren Subscription empfohlen.
Hierauf erstattete der Verbandsdirector ad pos. 2 der Tagesordnung Bericht über den Unterverband, nachdem eine gedruckte ziffermäßige Zusammenstellung über die Geschäftsergebnisse der einzelnen Vereine zur Pertheilung gehracht war. Der Bericht entwickelte, wie die immer noch andauernde Geschäftskrisis auch im vorigen Jahre ihre Wirkung geäußert und eine weitere Entwickelung der meisten Vereine hemmte; sie, die Krisis, habe aber das Gute gehabt, alte Schäden aufzudecken und damit einen Gesundungsproceß herbeizuführen, der für die Zukunft nur vortheilhaft fein könne. Zwei große Vereine des Verbandes, diejenigen in Allendorf und Hersfeld, haben ziemlich bedeutende Verluste aufzuweisen, der erstere mit 60,000 X, letzterer mit circa 170,000 <X — und man ist in beiden Fällen genöthigt gewesen, diese Summen durch Abschreibung von den Stammantheilen neben ganz ober theilweiser Heranziehung des Reservefonds zu decken. Der Verein in Allendorf ist verhältnißmäßig am stärksten betroffen, da 98 pCt. der Geschäftsantheile abgeschrieben werden mußten, die Aussichten für die Zukunst sind nicht günstig; möglicherweise werden zwar die Verluste theilweise wieder ersetzt, es scheint jedoch an den geeigneten Persönlichkeiten zu fehlen, welche geneigt sind, die Leitung des Vereins ferner zu übernehmen, so daß die Gefahr, daß der Verein zur Liquidation schreiten muß, noch nicht beseitigt ist.
(Fortsetzung folgt.)
*j Die gesperrt gedruckten Namen bezeichnen die Stimmführer d-r Vereine.
Lokales.
Siesten, 29. Juli. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 81. Juli 1879, Nachmittag- 4 Uhrr
1. Den Voranschlag der Real-Schule für 1879 80 betr.
2. Vergebung von Freistellen an der Realschule.
3. Gesuche wegen Ertheilung von Freistellen an der höheren Mädchen-Schule.
4. Die Organisation der höheren Mädchen-Schule.
5- Anstellung einer Arbeits-Lehrerin.
6. Anschaffung von Lehrmitteln auf Kosten der Stadtkaffe.
7. Bedürfnisse für die städtischen Schulen.
8. Die Erbauung eines Schulhauses für die höhere Mädchen-Schule.
9. Die Prüfung der Rechnung der Armenkaffe vom Jahre 1878.
10. Die Prüfung der Rechnung der Plockischcn Stiftung.
11. Ausloosung städtischer Obligationen.
12. Die Enthüllung des Landes-Denkmals zu Darmstadt am 18. August 1879 betr.
13. Die Erweiterung des Friedhofs betr.
14. V -rlegung eines städtischen Grabens.
15. Veräußerung städtischen Grabengeländes.
16. Die Ueberwölbung des Stadtringgrabens an der Pipp'schen Schanze.
17. Gesuch des Zimmermeisters Heinrich Ruckstuhl um Bauerlaubniß.
18. Gesuch des Schreinermeisters Karl Stückrath um Erlaubniß zur Erbauung einer Remise.
19. Gesuch des Weißbindermetsters Karl Kämmerer um Erlaubmß zur Erbauung eines Nebengebäudes.


