Ausgabe 
23.11.1879 Erstes Blatt
 
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Entsendung der Flotte in die türkischen Gewässer oder Anwendung anderer D ohungsmittel ohne Noth zu verwickeln.

In Folge einer Entscheidung des obersten Gerichtshofes dec nord­amerikanischen Union, daß Statuten, betr. ein allaemetnes System für Ein­tragung von Wnarenzrichen und Bestrafung von Mißbräuchen von Maaren- reichen ungültig und verfassungswidrig seien, hat hier unter Leitung von Edmund Johnson eine Deputation der englischen Schutznarken-Elgenthümer bei der hiesigen amerikanischen Gesandtschaft Schritte gethan. Zugleich wur- den das Londoner Trade Marks Commitee, sowie die Handelsgesellschaften und Fabrikanten aus dem Festland aufgefordert, ein Gleiches zu thun.

Nürnberg, 21. Novbr. Der Nürnberger Gewerbrverein zeichnete 30,000 Mk. zum Garantiefonds für die projecttrte Nürnberger Ausstellung im Jahre 1882.

Hamburg, 21. Noobr. In dem Hause Wex-Straße Nr. 21 brach gestern Nachmittag in Folge einer Gas-Explosion ein heftiges Feuer aus; 10 Personen werden vermißt; mehrere verkohlte Leichen sind bereits ausgefunden.

London, 21. Novbr. Dem Vernehmen nach wird die Abhaltung eines Meetings im Hydepark beabsichtigt, zu Gunsten der von irischer Seite erhobenen Ansprüche; mehrere Parlamentsmitglieder würden demselben beiwoh­nen. Salisbury hatte im auswärtigen Amte Unterredungen mit dem deutschen und dem türkischen Botschafter.

Paris, 21. Noobr. Erzherzogin Christine von Oesterreich hat heute früh ihre Reste nach Spanien fortgesetzt. Die ehemalige Kaiserin Eugenie, die gestern Abend hier angekommen war, ist heute früh nach Spanien weiter- gereist; sie bat hier Niemanden empfanaen.

Pesth, 21. Novbr., Abends. Unterhaus. Berathung der Wehrgesetz­vorlage. Pulszky beantragt, den gegenwärtigen Kriegszustand der gemeinsamen Armee unter der Bedingung auf weitere 5 Jahre festzustellen, daß gleich­zeitig einzelne Modifikationen und Ergänzungen des bestehenden Armeegesetzes beschlosten würden. Der Minister für Landesocrtheidigung, v. Szende, setzt die Gründe auseinander, weshalb die Regierung roch nicht die Vorlage über Reform des Armeegesetzes etnbringen konnte. Die Frage bilde den Gegenstand fortwährender Besprechungen zwischen den beiderseitigen Regierungen. Uebri- gens werde die Reformoorlage nicht mehr lange auf sich warten lasten und sich auf alle Verbesterungen erstrecken, deren Einführung eine 10jährige Erfah­rung als nothwendlg erscheinen laste. Ukron beantragt die Ablehnung der Vorlage. Ministerpräsident v. Tisza empfiehlt die Annahme und erklärt: auch er sei für die Herabsetzung des Armeestandes; trotzdem sei es nothwen- dig, die Heeresmacht mindestens in der gegenwärtigen Stärke zu erhalten, wenn wir uns nicht der Gefahr der Jsolirung aussetzen wollten. Die Mo­narchie sei nickt in der Lage, zu einer allgemeinen Abrüstung die Initiative zu ergreifen. Wenn die europäischen Mächte die Abrüstung durchführen woll­ten, so werde dieses Gesetz uns nicht hindern, ein Gleiches zu thun.

London, 22. Novbr. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Kon­stantinopel: Montenegro besteht auf der Uebergabe von Gussinje. Wie es heißt, hat Rußland der Pforte gerathen, anstatt Gussinje's einen Theil des Lim-Dtstricts an Montenegro abzutteten. Der Finauzminister, der Con- troleur der Zölle und der Rechnungsführer der allgemeinen türkischen Schuld traten mit mehreren Bankhäusern Galatas über die Details eines Finanz- arrangements zu Besprechungen zusammen.

New-Bork, 22. November. Em heftiger Orkan suchte am Dienstag und Mittwoch das Land heim, namentlich alle Seen. Viele Personen sind umgekommen und große Verluste an Eigenthum haben stattgefunden.

Lokales.

Gießen, 22. Novbr. (Sitzung der Stadtverordneten am 20. November.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Bai st, Diery, Gail, Hanstein, Hornberger, Kauf, Lüdeking, May, Ao. Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Wenzel und Wortmann.

Die Versammlung ging nach einigen Bemerkungen .localer Natur Seitens des Herrn Bürgermeisters zur Tagesordnung über. Die in Betreff der Gießener Viehmärkte gepflogenen Verhandlungen über die Einführung von Ursprungszeugniffen für das auf die Märkte gebrachte Vieh, Besichtigung resp. Untersuchung desselben durch den Kreisveterinärarzt, sowie das Etnziehen von Erkundigungen über in anderen Städten bestehende derartige Einrichtungen (so namentlich aus den Städten Offenbach, Worms, Koblenz, Frankfurt, Neustadt a. d. Saale, Dresden, Cöln, Mainz, Mannheim, Aschaffenburg, Schweinfurt, Darmstadt, Heilbronn, Hamburg und Straßburg) führten die Versammlung zu dem Bescyluffe, von der namentlich von Seiten des Kreisveterinäramtcs empfohlenen Einführung von Ursprungszeugniffen abzusehen und auf den früheren Beschlüssen zu verharren.

Auf die Offerten der Herren Christian Lony und Geometer Körner, welche je 3 Meter Gelände längs ihrer Gärten an der Westanlage an die Stadt abtreten wollen, wenn dieselbe die Ueberwölbung des Grabens übernimmt, beschließt die Versammlung nicht einzugehen. Auf ein Gesuch wegen Nachvergütung von Arbeitslohn für an der Ueberbrückung bei der Pipp'schen Schanze übernommene Arbeit wird Beschlußfassung bis zur Fertigstellung der Arbeit ausgesetzt.

Die in Aussicht stcbende Veränderung des Main-Weser Bahnhofes giebt der Versamm­lung Anlaß zu 'längerer Berathung. Es handelte sich hauptsächlich hier um die Beseitigung der Niveauübergänge und die Herstellung einer Ueberführung am s. g. Gerberhäuschen. Der Antrag der Baudeputation lautet: Die Stadtverordneten - Versammlung wolle sich in dem an Großh. Kretsamt zu erstattenden Bericht dahin aussprechen:

1) daß man bei dem Project in technischer Hinsicht nichts zu erinnern finde,

2) daß es selbstverständlich Sache der Main - Weier - Balm sei, die Verbin'bungsstraße zwischen der Bahnhofstraße und der Ueberführung südlich der Wieseckbrücke auf ihre Kosten herzustellen und das hierzu erforderliche Gelände zu erwerben,

3) daß auch im Falle der Ausführung des Projects auf Erhaltung.des Ueberganges bei Kilom. 98, eventuell auf Wiederherstellung der früher bestandenen Drücke beharrt werben müffe,

4) daß die Stadt bereit sei, auf die Forderung unter 3 zu verzichten, und auch die frühere Forderung auf Herstellung eines Nivcauüberganges von der Universitäisstraße her fallen zu lassen, wenn cie Main Weser-Bahn sich bereit erklärt, auf ihre Kosten sie Unierführung unc> Fortsetzung der über die Pipp'iche Schanze nach dem Bahn­damm projcctilten Straße, aLo nördlich des j. g. Gerb.rbäuSchens, etwa bei Kilo­meter 133,2 herzustcllen und auf der westlichen Seite des Bahndamms eine Straße bis zum Güterdahnhof mit Ueberbrückung der Wiejeck anzulegen, unter dem aus­drücklichen Vorbehalte jedoch, daß der vorerwähnte Verzicht keinerlei Garantie gegen elwaige Ansprüche von Privatpersonen in sich schließt.

Dieser Antrag der Baudepuialion wird von der Versammlung zum Beschluß erhoben, jedoch mit Dem Bemerken zu Punkt 1 , daß man die vorgesehene Breite der Unterführung für zu schmal erachtet, zumal doch ein besonderer Fußweg neben dem Fahrweg bestehen muß, sowie zu Punkt 4 mit dem Wunsche, daß die Möglichkeit der Ablieferung und des Empfanges der Stückgüter auf der Ostieite, etwa im Anschluß an die in Aussicht genommene Belassung der Eilgutexpedition im jetzigen Güterschuppen erhalten bleibe.

In Betreff der Erbauung des neuen Universüätsgkbäudes lag der Veriammlung ein Schreiben des Rektorats der Landesuniversiiät des Inhaltes vor, daß die Eröffnung der neuen Aula in allernächster Zeil in Aussicht stehe, weshalb um schleunige Herstellung der dahin führen den Wege, Pflasterung der Ludwigestraße in ihrer ganzen Lange u. s. w. ersucht werde. Die Baudepution hat hierzu bemerkt, daß die Herstellung der Verbindungswege in diesem Jahre nicht mehr bewirkt,und erst im nächstjährigen Budget darauf Rücksicht genommen werden könne, welchem Beschlüsse Die Versammlung beitrat.

DaS Gesuch des GewcrbevereinS um Ueberlassung geeigneter Lokalitäten für die Hand- werker-Zetchnenschule, in welchen, namentlich auf die Erwerbung des mit dem 1. October frei gewordenen Hofgertchlsgebäudes seitens der Stadt hingewiesen wird, wird abgelehnt.

Das Gesuch eines Hauscigenthümcrs an der Alicenstraße um Erlaubniß zu Pflasterung einer Gosse nach der Wieseck wird genehmigt, und wurde ferner beschlosten, die aus verschiedenen Gründen seither bestandene Sperrung eines städtischen Weges vom Wenzel'schen Garten in südlicher Richtung nach der Stephansmark in dem bisherigen Zustande zu belasten. Ein auf Herstellung des Hofs und des Gartens der neuen Realschule bezügliches Gesuch deS Herrn Reallehrer Ur. Buchner wird befürwortet, sowie zwei weiteren Gesuchen um Uederlastung von Localitäten Genehmigung ertheilt, nämlich dem Gesuche um Ueberlassung des alten Rathhaus­saales zur Abhaltung einer Ausstellung von Zeichnungen und weiter des FortbilvvngSschulsaales in der Schulstraße zur Abhaltung von Uebunqen des Israel. Gesangvereins.

Das Gesuch des Hülfsbrcmsers Jacob Wagner, welcher an der Wolfstraße ei» Haus zu bauen beabsichtigt und um Uederlastung von Gelände einkommt, wird befürwortet und das entsprechende Gelände zum Preise von JL 1.60 pro L) Meter käuflich überlasten.

Die ferneren Gesuche

a. des Karl Kratzenberger um Erlaubniß zur Erbauung einer Hofraithe,

b. des Friedrich Müller II. um Erlaubniß zur Umbauung einer Scheuer in Wohnung, c. der Actienbranerei Gießen um Erlaubniß zur Errichtung eines Eisschobers nebst Eishaus,

ck. des Kaufmanns Julius Schulze um Erlaubniß zur Anlegung eines Treppentritts ^vor seinem Laden

werden befürwortet, letzteres mit dem Vorbebalt des Widerrufs und Zahlung der üblichen Abgaben.

Das Gesuch des Ferdinand Krailing um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung mußte ausgesetzt werden, weil sich in Betreff desselben Anstände ergeben haben.

Dem Gesuch des Emil Lotz um Belastung des Trottoirs vor seinem Hause in seinem jetzigen Zustande wird Zustimmung ertheilt^ ebenso einer Kostendecretur im Betrage von 2o jl für die freiwill, städt. Feuerwehr.

Der Der Versammlung vorliegende Bericht über die Betriebs - Reguliiung des Gießener Stadtwaldes, nach welchem sich der Fällungsetat von 7200 auf 9900 Festmeter erhöht, giebt Veranlassung, Herrn Oberförster Lang für die umfangreiche und präcise Ausführung desselben die wohlverdiente Anerkennung der Scadt auszusprechen.

Nachdem Herrn Leh,er Jung für die Mitverwaltung der ersten Klasse der Stadtknaben­schule eine Entschädigung bewilligt worden, wird die öffentliche Sitzung geschloffen.____________

V e rm i s e s.

Mainz, 19. November. Don der auf gestern Abend behufs Constituirung des dies­jährigen Comite's der Mainzer Narrhalla einberufenen Versammlung der Wahlmänner wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, in Anbetracht der dermaligen ungünstigen Zeitverhältntste die Sitzungen des Vereins in der bevorstehenden Fastnachtssatson zu fiftntu, da es sich nach der allgemeinen Ansicht nicht ermöglichen läßt, das alte und schöne Volksfest in einer der Stadt würdigen Weise zur Ausführung zu bringen. Sollten gegen diesen Beschluß genügende Necla- mationen erhoben werden, so wollen die Wahlmänner die Entscheidung einer weiteren General­versammlung anheimgebcn.

Frankfurt, 20. November. Verflostene Nacht kurz nach 2 Uhr verkündeten die Sturmglocken und Hornsignale der Feuerwehr, daß, wie auch die am Himmel weithin leuchtende Lohe Jeden belehrte, ein großes Feuer ausgebrochen sein muffe. Da der Feuerschein aus der Richtung des Palmengartens kam, so hörte man allenthalben ängstlich fragen: Es wird doch nicht der Palmengarten sein? Glücklicher Weise war er cs nicht, obschon der Flammenherd ganz in seiner unmittelbaren Mähe, in derErholung", sich befand; hier brannten nämlich die Räum­lichkeiten, welche diesen Sommer das Adolfi-Theater bildeten, mit einem kleinen Wohnhaus total ob. Gefahr war für den Palmengarten keine, da der Wind aus Nordost blies. Anfäng­lich gebrach es an Wasser und konnte nur mit zwei Hydranten gearbeitet werden, neben welchen die aus den Gießfästern, Regencisternen gespeisten Spritzen in Thätlgkeit waren. Um er folgte das Commando:Einrücken!" Die Ursache der Entstehung des Feuers ist noch unbe. kannt. Gestern Abend war noch bis 11 Uhr in dem Local ein Tanzkränzchen.

Frankfurt, 19. November. Nm neuen Theater fiel ein Schlosscrgeselle und brach ein Sein. In unserer Nochbargemeinde Neu-Asenburg, wo bet den dortigen Bäckern 4 Pfd. Brod 56 H kosten, hat sich der daselbst bestehende Bürgerveretn mit einer auswärtigen Brod fabrik in's Einvernehmen gesetzt und erhalten die Mitglieder das Brod statt zu 56 H nun zu 48 Unsere Hausfrauen führen im Augenblicke gerechte Klagen über die steigenden Preise

den Lebensbedürfnisse. So stieg - der Zucker um 18 H per Kilo; Schweineschmalz per Kilo 10 Mehl und Mehlwaaren per Kilo 12 Erbsen, Linsen, Bohnen re. per Kilo 12 auch Corned Beef ist das Kilo um 10 H theurer. Steinkohlen per Ctr. 50 H. Man ist all­gemein der Ansicht, daß bei dieser Theuerung die Speculation eine große Rolle spielt. Wir wir vernehmen, wird in der nächsten Woche eine Versammlung hiesiger und auswärtiger Industrieller hier tagen, um sich über die für das Jahr 18*1 dahier geplante Kunst- unv Gewerbe-Ausstellung au äußern. (F. Z.)

handel uni) Verkehr

Gießen, 22. November. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 1,00 bis JL 1.05, Hühnereier per Stück 78 Käse per Stück 57 H, Käsematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 24 H, Linsen 1 Liter 24 Tauben das Paar 6000 Hühner per Stück u*L 0.7i8 , Hahnen per Stück JL 0.6«'95, Enten per Stück JL 1.60, Gänse pr. Pfund 4554 Kartoffeln per 100 Kilo JL 5.406.60, Weißkraut, 100 St. Jt. 46, Zwiebeln pr. Ctr.

JL 8, Milch per Liter 16 und 18 H, Ochsenfleisch «>8 per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 50 56 H, Kalbfleisch 50 54 Hammelfleisch 5066 Schweinefleisch 60 Truthähnen per Stück 5-6 JL

Limburg, 19. November. (Fruchtmarkt.) Rother Wetzen JL 18.35, Weißer Wetzen JL 18.20, Korn JL 13.30, Gerste JL 10.80, Hafer, JL 6.75, Erbsen, Kartoffeln JL. (Durchschnittspreis pro Malter.)

Allgemeiner Anzeiger.

6494) Zur Saison empfehle ich wollene und baumwollene Unter- Hosen und -Jacken, wollene Hemden, Jagd westen, Socken etc. zu sehr billigen Preisen.

Arbeits-Hemden von 2 Mark das Stück.

_______ H* Rübstemett,. Geschwister Heers, Neuenweg, empfehlen: Caputzen, BaschlikS, wollene Tücher, Westen, Kleidchen (letztere Handarbeit), Filz-, Zanella-, Flanell- und ge­strickte Nocke, wollene, halbwollene und baumwollene Bein- kleider, Strümpfe, Unterjacken, wollene Hemden u. s. w. 7178)S zu den billigsten Preisen.

MaiMerem Eintracht.

Sonntag den 23, November, Abends 8 Uhr :

Stiftungsfest

auf £oiii)'s Bierkelier (Restauration Oswald).

Entroo 20 Pfg.___________(7605)__________»er Vorstand.

Tapeten und Borden

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IVUh. RtllSW, ALirchenplatx.