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Samstag, den 22. Februar
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Redactiorrsbureau r I Ä , ,Q _ ö «xpedittovSbure«.. f «chulstr-ß-B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MorrtagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher P8 eil. Bekanntmachung.
Be tr.: Die Prüfung der Bewerber um den Berechtigungsschein für den einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1879. d S^t"^C^U^na^me aUf un^ere ^kkanntmachung vom 17. December v. I. bringen wir hiermit weiter zur Kenntniß der
Montag den 3. März d. Js. und folgende Tage
Morgens 8 Uhr beginnend, in der alten Kanzlei, Louisenplatz 2 dahier, vorgenommen werden wird. Darmstadt, den 18. Februar 1879.
Gr. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. ______________Der Vorsitzende: S p a m e r.
politisch
* 3ur allgemeinen politischen Lage.
Die Ratification des Friedens von Konstantinopel Seitens des Kaisers Alexander und des Sultans hat nicht auf sich warten lasten. Derselbe ist also perfect geworden. Einer Erklärung des Generals Totteben zufolge soll das gesummte, unter der unmittelbaren Souveränität des Sultans verbleibende Gebiet schon bis zum 9. März vollständig geräumt fein. Zwischen dem Sultan und dem Fürsten von Montenegro sind freundschaftliche Glückwunsch- Telegramme gewechselt worden.
Die griechische Frage harrt freilich noch immer ihrer Erledigung. Eine Conferenz nach der anderen geht vorüber, ohne daß es zwischen den türkischen und griechischen Commistaren zu einer Verständigung käme. Es verlautet sogar, die Pforte habe offen erklärt, daß sie dem Ausspruche des Berliner Congrestes über die Grenzberichtigung nicht nachkommen und nur einen schmalen Streifen ^andes unterhalb Volo an Griechenland abtreten könne. Die Nachricht von der Abreise der griechischen Commission ist daher jeden Tag zu erwarten. Auch in den bisher noch von Rusten besetzten türkischen Gebietstheilen ist die Lage der Dinge noch immer so bedenklich, daß man dem Augenblick der vollständigen Räumung nur mit Besorgniß entgegensetzen kann.
Diese beiden dunkeln Punkte sind indeß nicht im Stande, den politischen Horizont Europas ernstlich zu hüben. In Folge der Reclamationen Griechenlands hat die französische Regietung, welche dle griechische Frage bekanntlich auf dem Congreß angeregt hat, eine dem Willen Europas entsprechende Lösung derselben mithin als Ehrensache betrachtet, der Pforte schon ihr lebhaftes Bedauern über den bisherigen langsamen Verlauf der Verhandlungen, sowie den dringenden Wunsch ausgesprochen, jene Frage auf der Basis des Berliner Friedens geregelt zu sehen. Bet der Steigerung des französischen Einflusses, die sich in neuerer Zett am goldenen Horn bemerklich gemacht hat und soeben durch den Abschluß eines finanziellen Abkommens zwischen der Pforte und französischen Kapitalisten offen au's Licht getreten ist, wird sich der Druck der ftan- zöfischen Regierung um so sicherer in einer dem Frieden günstigen Richtung fühlbar machen, da sich der englische Einfluß gleichzeitig sichtbar vermindert hat, Englands Hände auch durch die Kriege in Afghanistan und am Cap gebunden sind. Für eine friedliche Entwickelung der Dinge in Ostrumelien wird Oesterreich sorgen, welches, nach den Aeußerungen des ungarischen Minister- Präsidenten über den Vertrag vom 11. October 1878 zu urthetlen, der Unterstützung Deutschlands bet einem weiteren Vorgehen nach Süden sicher zu sein scheint.
Die festeste Bürgschaft des Weltfriedens liegt indeß in den Erklärungen der Thronrede bei Eröffnung des deutschen Reichstags. Kaiser Wilhelm hat darin hervorgehoben, daß die Anordnungen des Berliner Congrestes „den Schutz der Christen, die Sicherung der Ruhe im türkischen Reiche und die Wahrung des Friedens der Mächte Europas" zum Zweck hätten und daß er seinerseits die in seine Hand gelegte große Macht, welche Deutschland durch seine Einigung gewonnen, dazu verwenden werde, um „die friedlichen Beziehungen der Mächte zu Deutschland und unter einander zu fördern." Danach läßt sich erwarten, daß die deutschen Vermittlungsdienste vor Allem dem Schutz der Christen gegen türkische Vergewaltigung und der Herbeiführung ruhiger Zustände im türkischen Reiche gelten werden. Die gütliche Verständigung, welche sich gegenwärtig unter Kaiser Wilhelms Vermittlung zwischen Rußland und Rumänien über den Besitz des Forts Arab-Tabia anbahnt, darf süglich als ein Vorzeichen dessen betrachtet werden, was sich bei den voraussichtlichen Streitigkeiten über die weitere Lösung der orientalischen Frage ab- spielen wird. Die deutsche Kronprinzessin ist gerade im rechten Augenblicke zum Besuch ihrer Mutter in ihrer Heimath eingetroffen, um den versöhnlichen Rathschlägen Kaiser Wilhelms an entscheidender Stelle einen günstigen Boden zu bereiten.
Deutschland.
Darmstadt, 20. Februar. Die „Darmst. Ztg." erhielt nachstehende Zuschrift: Die in Nr. 49 der „Darmst. Ztg." enthaltene, angeblich aus
er Hheik.
sicherer Quelle entnommene Mittheilung beruht auf einem Jrrthume. Der Zusammentritt der evangelischen Landessynode wird nicht in den ersten Tagen, sondern voraussichtlich erst gegen Ende des Monats März stattfinden.
Darmstadt, 19. Februar 1879.
Eigenbrodt, Präsident der evangelischen Landessynode.
Berlin. Der dem Reichstage unterbreitete Weltpostvertrag ist von einer inrereffanten Denkschrift begleitet, welcher wir die folgenden Sätze ent- nehmen: Der neue Vertrag beruht in den Hauptpunkten auf den bewährten Gru, dlagen des Berner Vertrages. Er charakteristrt sich als ein Werk der Befestigung derselben und ihres weiteren Ausbaues im Sinne des Grundgedankens. Er führt eine bedeutende und bedeutsame Ausdehnung des bishen- gen Vereins herbei. Der jetzige Verein umschließt fast die Gesammtheit der civilisirten Länder des Erdkreises und unterwirft insbesondere auch die zahlreichsten und wichtigsten oceanischen Seepostlinien seinen Gesetzen. Er verwirklicht weitere Erleichterungen des Völkerpostverkehrs und er führt den Grundsatz der Einheitlichkeit in allen wesentlichen Punkten strenger durch, als dies bei dem ersten Anlauf im Jahre 1874 geschehen konnte, wo verschiedent- liche Ausnahme» und Uebergangsbestimmungen noch nicht zu vermeiden waren oder sich wenigstens empfahlen. Der neue Vertrag wird als ein weiterer Fortschritt im Verkehrsleben der Völker bezeichnet werden dürfen. Es schlingt ein sichtbares Band der Einheit um fast alle civilisirten Nationen, bringt ihnen die Wohlthaten derselben zum Bewußtsein und bildet einen kräftigen Antrieb zu ähnlichen Bestrebungen auf verwandten Gebieten. Nach vielen Millionen zählen die einzelnen, welche seine erleichternden und befreienden Wirkungen für den Verkehr und den Gedankenaustausch in den verschiedenen materiellen und geistigen Bereichen der menschlichen Thätigkeit räglich erfahren. Das Centralorgan des Vereins unter der oberen Leitung der bewährten schweizerischen Postverwaltung entfallet eine verdienstliche, fördernde und ausgleichende Thä- tigkeit. Während der 3 Jahre des Bestehens des Berner Vertrags ist, so viel hier bekannt, der Fall der Anrufung des in demselben vorgesehenen Schiedsgerichts nur einmal vorgekommen, ein fortlaufender Austausch der Ideen, Erfahrungen und Ergebnisse zwischen den Vereinsverwaltungen ' hält gleich einer pulsirenden Lebenskraft den Gesammtorgantsmus in Thätigkeit, und was die einzelne Verwaltung durchgreifend Nützliches schafft, wird von den übrigen in den verschiedenen Erdthetlen alsbald vernommen und nach einiger Zeit meisthin zum Gemeingut gemacht.
Berlin, 19. Februar. Zu einer Besprechung über die Tabaksbesteuerung ic. fand am 18. d. im Handwerkervereins-Saale (Sophttnstraße 15) eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Tabaks-Interessenten statt, die in ihrer Mehrheit ans Cigarrenarbeitern, kleinen Fabrikanten und nur wenigen Großfabrikanten bestand. In sehr langer Debatte wendeten sich alle Redner gegen das Monopol, dagegen traten die Großfabrikanten Schepplenberg, Jean Kohlweck u. A. für eine mäßige Besteuerung des Tabaks ein. Von den Arbeitern und Kleinfabrikanten wurde dieser Vorschlag sehr energisch bekämpft und schließlich, nachdem sich die Großfabrikanten bereits entfernt hatten, folgende Resolution einstimmig acceptirt:
„In Erwägung, daß der Tabak kein Luxus-, sondern ein Bedürfnis Artikel ist und jede Steuer auf Lebensbedürfnisse verwerflich erscheint, in fernerer Erwägung, daß der Tabak bereits versteuert ist und eine höhere Steuer den Ruin der Cigarren- und Tabaks-Industrie zur Folge haben würde, m endlicher Erwägung, daß durch die Cigarren- und Tabaks-Industrie Hunderttausende von Arbeitern in Deutschland Beschäftigung haben, erklärt sich die Versammlung mit aller Entschiedenheit gegen jede höhere Besteuerung des Tabaks."
— Der Termin für die schwierige Wahl eines Fürsten für das neue bulgarische Reich rückt immer näher, ohne daß bisher etwas Authentisches über die betr. Hanptcandidaten verlautet. Aus der Reihe der meistgenannten Thronbewerber soll, wie wir hören, der Prinz von Battenberg in einem Briefe an einen Freund die Aeußerung gethan haben, daß er noch niemals ernstlich daran gedacht habe, die Fürstenkrone von Bulgarien anzunehmen. Es heißt, daß


