Der Secretär.
I- V-: Sauber.
Der I. Director: Dr. Boekmann.
bem dem Sefsionsfchluß hergebrachter Weise vorangehenden Banket des LorLmayor-Festes seine Landsleute mit der Versicherung, daß ein ehrenvoller Friede, wie er vor einiger Zeit mit Afghanistan geschloffen worden, demnächst mich tm Caplande zu Stande kommen werde. Der Plan, dem Prinzen Louis Napoleon in der Westminsterabtei ein Denkmal zu setzen, hat im Unterhause lebhafte Debalten veranlaßt, bei denen der Regierungsvertreter die bedeutsame Erklärung abgab, daß die Königin dieser Angelegenheit gänzlich fern stehe.
Die niederländische Ministerkrists hat durch die durch den früheren Minister Heemskerk zu Stande gebrachte Neubildung deö Cablnets endlich ihren Abschluß gefunden. Es muß sich indeß noch zeigen, wie die neue con» servative Regierung vor der entschieden liberalen Mehrheit der Generalstaate,i zu bestehen vermag.
Die belgische Regierung, nicht faul, hat außer den Koblenzer Schulbrudern neuerdings auch den deutschen LrzaristenpatreS, welche bei Ver- viers eine Erziehungsanstalt für deutsche Knaben errichtet hatten, den Laufpaß gegeben, so daß zwei derselben schon am 15. d. das Land räumen muffen.
Was jenseits der Vogesen vorging, bezog sich fast ausschließlich t r/amp' ber Regierung gegen den Klerikalismus. Präsident Grevy mußte sich zwar wegen der „gottlosen" Ferry'schen Gesetzentwürfe wieder einmal von einem Erzbischof brieflich abkanzeln taffen. Ferry selbst bewies aber durch feine Rede bei der Vertheilung der Preise in der Sorbonne, daß er an dem Grundsätze, Republik und Wissenschaft muffe in der Bekämpfung des gemeinsamen Feindes einig sein, nach wie vor ebenso festhält, wie an der Ueber- zeugung, daß das moderne liberale Frankreich nicht Willens sei, ein Joch auf sich zu nehmen, welches nicht einmal das mittelalterliche habe ertragen wollen, Jules Simon, der den Jesuiten neu erstandene Vertheidiger, mußte cs sich ferner gefallen lasten, daß selbst feine ehemaligen Wähler ihn wegen seiner sonderbaren Fretheitstdeen öffentlich zur Rede stellten. Der Pariser Gemeinde- rath brachte endlich feine antiklerikalen Gesinnungen zu kräftiger Geltung, indem er den Seinepräfekten ersuchte, bis zur Eröffnung des Schuljahres in allen Gemeindeschnlen die Congregationslehrer durch Laien zu ersetzen gewiffen Congregationslehrern die Abhaltung öffeiulicher Prüfungen verbot und sogar die Errichtung eines Leichenverbrennungs-Avparates auf dem Pere Lachaise beschloß. Merkwürdiger Weise nimmt der Ertrag der tndirecten Steuern (im Monat Juli um 20 Mill., während der letzten 7 Monate überhaupt um 85 bis 86 Mill.) noch fortwährend zu: ein Beweis für den der Handelsstockung ungeachtet hohen Grad des Wohlstandes des französischen Volkes!
Der König von Spanien verlor eine feiner jüngeren Schwestern, die Infantin Maria del Pilar, durch jähen Tod. Außerdem hatte er selbst das Unglück, mit dem Wagen zu stürzen und sich dabei an der Hand zu verletzen.
verein habe Leute wie Herr Prof. Dr. Th aer und Wortmann. Er bitte die Versammlung, sich der Sache mit Eifer und Liebe anzunehmen, damit das Gedeihen gesichert werde, das Aufhören sei schwerer, wie das Anfängen.
Herr v. N. z. R a b e n a u : Es sei Alles aufzubieten, um die Kränzchen und die landwirchschaftlichen Genossenschaften zur Blüthe zu bringen. Die Landwirthschaft müsse diese Sache in die Hand nehmen und durchführen. So lange sie dies nicht thue, habe sie kein Recht zu klagen. Die Abwechselung sei sehr vortheilhaft. Daß die früheren Kränzchen eingegangen, sei kein Grund, die Bildung neuer zu verhindern.
Herr Fülberth befürwortet die Kränzchen, wünscht dieselben aber in Verbindung mit Genoffenschaften gebracht zu sehen, um so einen practischen Hintergrund zu gewinnen und das Interesse wach zu halten.
Herr v. N. z. Rabenau warnt vor gemeinschaftlichem Eigenthum in Genoffen- schaften, was stets der Anfang vom Ende sei, wogegen er den gemeinsamen Bezug nur empfehlen könne.
Nach weiterer Discussion erklärt sich die Versammlung damit einver- standen, daß die Herren Bürgermeister von Grünberg, Hungen und Lich die
Bildung weiterer Kränzchen in die Hand nehmen und die betreffenden Einladunaen- zur Betherligung ergehen taffen sollten, was dieselben auch bereitwilligst zusagten
Der hiernach als vierter Gegenstand der Tagesordnung zur Verhandlung gelangende Antrag auf Anlage einer Obstbaumschule für den ganzen Krers wurde von der Versammlung abgelehnt, da nach särnmt- Itchen zur Mittheilung gelangten Erfahrungen derartige Institute keine günstigen Erfolge aufwiesen und man sich auch von der ins Auge gefaßten Anstalt keinen vefferen Erfolg zu versprechen vermochte. Dagegen wurde von verschiedenen Seiten der gemeinsame Bezug von guten Obstsorten aus tüchtigen Baumschulen sehr empfohlen, da die Baumzucht jede Förderung verdiene.
Nachdem hierauf noch eine Anzahl geschäftlicher Mittheilungen gemacht worden waren, und der anwesende Chemiker Herr G. Throm von Gießen noch sein Lager chemischer Dünger empfohlen hatte, wurde die Versammliinz geschloffen.
Zur Beglaubigung.
Unser Kaiser hat Gastein nach dreiwöchentlichem Aufenthalt am 12. d., durch die Badekur und die reine Gebirgsluft außerordentlich gekräftigt verlasien. Am 9. d. wurde er durch den Besuch des Kaisers Franz Josef erfreut, mit dem er in herzlichster Weise verkehrte. Vor seiner Abreise empfing er u. A. den zum Staatssecretär für die Reichslande ernannten bisherigen Unterstaaisfecretär Herzog in Audienz.
Fürst Bismarck hat seine Ernennung zum Ehrenbürger von Effen mit einem Schreiben beantwortet, in welchem er die Ueberzeugung ausspricht, daß seine Reformbestrebungen auf wirthschaftlichern Gebiete in dem Bürger- stände auch der größeren Städte dieselbe Zustimmung finden werden, wie bei der Mehrzahl der Gesammtbevölkerung des Reichs, sowie daß die Gesetzgebung, welche sich den Schutz der nationalen Arbeit und die Verminderung brr direc- ten Steuern zur Aufgabe gestellt habe, in den weiteren parlamentarischen Kämpfen wirksam werde vertheidigt werden. Dem entsprechend scheint die preußische Regierung denn auch für die bevorstehenden Landtagswahlen die Parole ausgeben zu wollen: Wählt nur Anhänger der neuen Zollpolitik!
In unserer Marine folgt ein Unglücksfall auf den andern! Noch ist die Nachricht von der Gefchützexplosion auf dem „Renown" in Wilhelmshaven in Aller Munde, da kommt eine andere Hiobspost aus weiter Ferne, aus Batavia, von der Corvette „Freya" : 4 Mann fanden dort durch Verbrühen einen fchrecklichen Tod, 4 andere wurden schwer verletzt. Gleichzeitig wird von einer Colliston des Aviso-Dampfers „Falke" im Hafen (!) von Chri- stiania mit einer norwegischen Yacht, die dabei wrack wurde, berichtet. Trotz alledem gilt die Leitung unserer Marine in gewiffen Kreisen noch immer als vortrefflich!
Mit Befriedigung vernahm man dagegen, daß unfer auswärtiges Amt, nachdem der Hamburger Dampfer „Luxor" im Widerspruch mit dem internationalen Recht von ber peruanischen Regierung mit Beschlag belegt und spater sogar von dem obersten Gerichtshof Perus für gute Prise erklärt worden, sofort das Panzerschiff „Hansa" zur Wahrung der Rechte deutscher Reichsangehöriger nach der Westküste Amerikas entsandt hat.
Geh. Rath Reuleaux, der deutsche Commiffar für die australische Weltausstellung ist zu Anfang dtefes Monats in Sidney eingetroffen.
Die Zölle und Steuern des Reichs haben in dem 2. Quartal dieses Jahres 100,392,525 Mk., d. h. 20,400,327 Mk. mehr als in der ent- fprechendeii Zeit des Vorjahres eingetragen. Dieser Mehrertrag ist indeß zweifelsohne weniger als Zeichen einer schon eingetretenen Hebung von Handel und Verkehr, denn als Folge kaufmännischer Speculation auf den neuen Zolltarif zu betrachten.
Mit dem 1. October d.Js. tritt bekanntlich der bisherige Oberpräsident der Reichslande, Herr v. Möller, in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß hat der academische Senat der Straßburger Universität demselben schon jetzt zum Zeichen der Anerkennung der Verdienste, welche er sich um die Gründung und das Emporblühen der Universität erworben, eine Adreffe überreicht, die juristische und die philosophische Fakultät dem Scheidenden gleichzeitig den Doctorgrad honoris causa verliehen.
Unter den dem Staatsminister Dr. Falk fortwährend dargebrachten zahllosen Dankadreffen ist diesmal die der philosophischen Fakultät der Acade- mie Münster besonders hervorzuheben.
Der bayerische Landtag wurde, nachdem er das Eisenbahngesetz sowohl für das rechtsrheinische Bayern, wie für die Pfalz genehmigt, nach 23tägiger Arbeit vertagt. Die Münchener Kunstausstellung wurde am 11. d. durch den Besuch des von Gastein zurückkehrenden Kaisers Franz Josef ausgezeichnet. Für die Stimmung des Münchener Magistrats in kirchlicher Beziehung ist eö bemerkenswerth, daß derselbe den Antrag der Gemeinde- Bevollmächtigten auf Abschaffung des obligatorischen Besuchs der Simultan- schulen mit 13 gegen 8 Stimmen abgelehnt hat.
Das 50jährige Doctorjubiläum des Geh. Raths Prof. Dr. Blnnt- s ckli, deö berühmten Völkerrechtslehrers in Heidelberg, gestaltete sich zu einer Reihe von Ovationen aus den verschiedensten Kreisen.
Der Landrath des Schweizer Cantons Uri hat den Antrag des dortigen Regierungsraths auf Wiedereinführung der Todesstrafe für den vorsätzlichen Mord und solche Brandstiftung, bei welcher Menschenleben zum Opfer fallen, angenommen.
Oesterreich.Ungarn ist durch die Nachricht von dem Entlaffungs- gcsuch seines langjährigen auswärtigen Ministers, des Grafen Andrassy, welcher zunächst einen Urlaub von 6 Monaten erhalten soll, begreiflicher Weise in nicht geringe Aufregung versetzt. Die Nachricht von der furchtbaren Feuersbrunst, welche den schönsten und reichsten Theil SerajewoS, der Hauptstadt Bosniens, zerstörte, mußte einen um so tieferen Eindruck auf die Bevölkerung des Reiches machen, da sie die Frage nach der Souveränetät und der Hülfs- pflicht für die neuen Provinzen von Neuem in den Vordergrund stellt.
In England geht das Parlament, dessen Unterhaus u. A. die Regie- rungsvorlage über die irische Universität in dritter Lesung angenommen, der langersehnten Vertagung entgegen. Lord Beaconsfield erfreute mittlerweile auf
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Vermischtes.
— (2Iud) ein Wahlmanöver.) Galizische Blätter erzählen folgende Wahlgeschichte: °tn einer ostgastz,schon Stadt hatte ein ruthenischer Kandidat einen sehr geschickten und rübrigen Agenten welcher dieser Eigenschaft halber dem polnischen Lokalkomits gefährlich erschien/ Da stellt ßch em polnischer Patriot dem Komit6 vor und erklärt, daß er Mittel besitze, den gefähr- Uchen ruthentschen Agitator kalt zu stellen. Welche Mittel?..... „Ich gebe ihm — eine
n Cl8e '1a9te 6et Patriot, „und er wird mir dieselbe zurückerstatten. Auf diese Weise entsteht eine Rauferei und da muß die Polizei interveniren: wir beide werden eingesperrt." (9c- 8“ 6CineJ Rufern zwischen dem polnischen „Patrioten" und dem ruthenischen Wahlagitator, so daß beide am Wahltage eingesperrt werden mußten.
— (Vor 100 Jahren.) Im Jahre 1779 wurde im englischen Parlamente folgende Acte emgebracht: „Alle Weibsleute, ohne Unterschied des Alters, Ranges oder Stande« gleichviel, ob Jungfrauen oder Wittwcn, welche vor oder nach dem Erlaß dieser Acte iraend einen der männlichen Unterthanen Seiner Majestät in verrätherischer oder betrügerischer Weise S.ch°"h"tswasser, ^hne, falsche Haare, spanische Welle,
Corsetts, Reifrocke, Hackenschuhe und gepolsterte Hüften zur Eingehung einer Heirath verlocken u^en sich der Strafe schuldig, die das Gesetz über Vergehen durch Zauberei verhängt hat' u J U E solche Helrath nach „Ueberführung des betreffenden Frauenzimmers für null und nichtig erklärt werden.
^I^ukfllrt' (Der Hersch von Heddernheim.) Verschiedene Blätter theilten s. 8- den Schreibebrief mit, den Hirsch Flörsheim von Heddernheim bei Gelegenheit der Jubelbochürit an das Kaiser!. Paar gerichtet hat. Das Unterstützungsgesuch, welches „Ich der Hnsch"' damit verband, ist leider unterm 1. August abschlägig beichledcn worden. Das bezügliche Schreiben der konlgl. Regierung zu Wiesbaden sandte der erfolglose Petent dem „Fr. General-An;." nebst einem Zettel, der also anhebt: „Ich Schick Ihne hier die Erkundigung von mir," und schließt: „Bemerken Sie ich kein Geld geschickt bekom hab wie es Heist." ™ "
, ~ > der Nähe des Dorfes Joigny in Savoyen liegt ein Berg, dessen südlicher W
"ne« Walde in einem Umfange von zwei Kilometer im Quadrat bedeckt ist. Unwest dieses Berges fließt die Jsere, die aber vor einigen Wochen in Folge der anhaltenden Regen- dÄen°R^7 Ust^n getretenist. Die Gewässer dieses Fluffes unterwaschen nun fortwährend diesen Berg, so daß ver südliche Abhang desselben m,t dem Walde zu rutschen begonnen Hal und auf die Art dem Dorfe Entremont immer näher kommt. Die Regierung hat daher den ®U68Ü9 Bewohner dieses Dorfes angeordnet, da dasselbe jeden Augenblick in Gefahr »st, von dem rutschenden Berge verschüttet zu werden.
— (Der brave Sohn.) Fähnrich: Ick will heute den Oberst um acht Tage Urlaub bitten. - Lieutenant: Nun! Was haben Sie denn? - Fähnrich : Mein Vater .st vergangenen Sonnabend auf der Jagd von dem Pferde gestürzt und hat das Vein gebrochen. - Lieutenant: Ah! Thut mir leib! Und da wollen Sie sehen, wie es ihm geht? — Jähn- ba6 au$! Unb bann, aufrichtig, dachte ich auch, ich könnte jetzt so schön seine Fuchsstute reiten. 1
— (Eruptions-Jubiläum des Vesuv.) Gerade vor 1800 Jahren, im Jahre 79, fandm Hcrculanum und Pompeji in Folge eines Ausbruches des Vesuv ihren Untergang und vor hundert Jahren, am 7. August 1779, fanv ebenfalls eine Eruption stact, welche zu den bedeutendsten gehört und an Großartigkeit ziemlich einzig dasteht.
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