Ausgabe 
16.3.1879 Erstes Blatt
 
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Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespoudenr-Bureau.

Berlin, 14. März. Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist den Umständen nach recht befriedigend; die Hüstenanschwellung zeigt nichts Unge­wöhnliches; der Schlaf war mitunter unterbrochen, im Ganzen jedoch genü­gend. Auf der gestrigen Soir6 erschien der Kaiser nicht. Heute Mittag um 1 Uhr erthetlte Se. Majestät dem preußischen Gesandten in Darmstadt, Für­sten Lynar, Audienz.

Saarbrücken, 14. März. Nachdem in dem Marpinger Proceß gestern Abend das Zeugenverhör beendigt war, erfolgte heute Vormittag die Verlesung sehr umfangreichen Actenmaterials, zahlreicher beschlagnahmter Briefe re. Heute Nachmittag findet das Plaidoyer des Staatsanwalts statt, morgen wird die Vertheidigung das Wort nehmen. Das Urthetl wird voi- ausstchtltch erst später verkündigt.

Paris, 14. März. Das Amtsblatt meldet: Nack einem am 12. d. in Sidney aufgegebenen Telegramm des Gouverneurs von Neu-Caledonien ist das Land in vollständigem Friedenszustand, nachdem die letzten aufständischen Trtbus sich unterworfen haben.

Teplitz, 14. März. Die gegenwärtig in dem Quellenschacht zusetzen­den Thermaiwäsier sind hinreichend, alle Badeanstalten mit Thermalwaffer zu versehen. Das Wafferquantum ist um ein Dritttheil größer als die Wafser- menge sämmtlicher vorher versiegter Thermalquellen zusammen. Das Waffer fließt krystallhell.

Pesth, 14. März. Die directe telegraphische Verbindung mit Szege- din ist unterbrochen. Die Regierung erhält spärlich Telegramme. Der Ruin und der Jammer ist entsetzlich. Fünf Personen wurden wegen Brandlegung vor das Standgericht gebracht.

Konstantinopel, 14. Februar. Die Abfahrt der britischen Flotte ist bis zu nächster Woche verschoben. Der Sultan lud den Admiral Hornby und die andern höheren britischen Flotteu-Osfictere zum Gala-Diner ein.

Paris, 14. März. Das JournalLe Francais" meldet, daß die Minister vom 16. Mai und 23. Novbr. durch eine zu veröffentlichende Note gegen den Brandmarkungsbeschluß der Kammer zu protestiren beabsichtigen.

London, 14. März, früh. Unterhaus. Unterstaatssecretär Bourke macht folgende Mittheilung: Verschiedene englische Firmen in Manchester unv Liverpool verschifften vorige Woche in Cardiff an Bord des französischen DampfersArgus" 850 Gewehre und 50,000 Pfund Schießpulver nach Mozambique. Die portugiesische Regierung ist durch die englische hiervon be­nachrichtigt, auch si d Maßregeln getroffen, um zu verhindern, daß die Ladung in die de der Zulus falle. Auf eine Anfrage Montagu's erklärte Bourke ferner: Der von den Zeitungen mitgetheilte Auszug aus Salis- bury'ö Depesche vom 26. Januar sei im Wesentlichen richtig, aber nicht wört-

dtr. 64t. Erstes Btart. Sonntag, bcti 16. März 1870

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GxpedilisnSbureMrr / Schulfiraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Iheil.

B e k a n n t m a ch u n g.

den Postanstalten in Nieder-Flörsheim, Pfiffliaheim, Gensingen, Laubenheim, König, Arheilgen, Btcrenbach, Reicbelsbeim i. v. Wetterau, Sprendlingen bei Langen und Steinbach b. Gießen werden am 16. d. Mts. Telegraphen-VetriebSstellen mit beschränktem Tagesdienste (vgl. §. 4 der Telegraphenordnung für das Deutsche Reich) eröffnet werden.

Darmstadt, den 12. März 1879. Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

__________________________________________________Dein i n g e r.

Gefundene G e ß e » ft ä n t) e :

3 Taschentücher, 1 Doppelschlüssel, 1 kleiner Schlüssel, 1 Studentenmütze.

G^ßen, am 15. März 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

_____________________________________________________________________________________ Fres e n i u s.

B e k n n u t in « ch u n g.

^egen Verlegung des Landgerichts-Locols in das frühere Gymnasium aus dem Brand fallen die Amtstage am 25. und 26. März l. Js. aus und können in der letzten Woche des Monats März im Uebrigen nur dringende Angelegenheiten Erledigung finden.

Gießen, den 10. März 1879. Großherzogliches Landgericht Gießen.

Erdmann.

politischer Hyeil.

Deutschland.

Darmstadt, 14. März. In der heutigen (22.) Sitzung beschäftigte sich die zweite Kammer mit den Recommunicationsbeschlüssen der ersten Kammer zum Budget. In folgenden Punkten wich dieselbe von ihren früheren Beschlüssen ab und trat den- lenigen der ersten Kammer bei. Die Beschränkung, den Gehalt für den dritten Polizei- beumten bei dem Polizeiamt Darmstadt nur für den gegenwärtigen Inhaber zu bewil­ligen, wurde fallen gelassen. Dem Beschlüsse der ersten Kammer, daß die für 11 vortragende Räthe im Ministerium vorgesehene Summe um so viel überschritten werden dürfe, als bei der Neuorganisation bezw. Einreihung der Räthe nach dem Dienstalter keine Verminderung ihres bisherigen Gehaltes stattfinden solle, wurde beigetreten. Die Kammer genehmigte hierauf gegen 11 Stimmen den Gehalt eines Rathes für Bau­wesen, gegenüber ihrem früheren Beschlüsse, nicht blos für den ersten Inhaber. Ferner wurde beschlossen, die Beschränkung, die durch die Einziehung der Rentamtsdiener­stellen frei werdenden Summen den Rentämtern nicht zu überweisen, fallen zu lassen. Die für Gehaltsaufbesserung der Forstmeister nicht bewilligte Summe von 2700 M. wurde heute genehmigt. Bezüglich des Staatsbeitrags zu den Bedürfnissen der evan­gelischen Kirche hatte die zweite Kammer ursprünglich beschlossen, diesen Vertrag für die letzten zwei Jahre der Finanzperiode von dem Nachweis des Bedürfnisses abhängig ru machen. Die erste Kammer war diesem Beschluß nicht beigetreten und wurde heute der Ausschußantrag, aus dem früheren Beschluß zu beharren, gegen 17 Stimmen ab- «elehnt. Bezüglich der Beiträge für die Bedürfnisse der katholischen Kirche waren an die Bewilligungen einige Vorbehalte geknüpft worden, welchen die erste Kammer eben­falls nicht beigetreten war. In der heutigen Sitzung wurde jedoch beschlossen, auf den früheren Beschlüssen zu beharren. Hierauf wurde in der Berathung des Finanz­etats fortgefahren, ohne daß es wegen der vorgerückten Zeit zu einer Abstimmung gekommen wäre.

Aus Veranlassung der gestern in Windsor Castle gefeierten Vermählung des Herzogs von Connaught mit der Prinzessin Luise Margarethe von Preußen fand gestern Abend um 8 Uhr in den Kaiserzimmern des Großherzoglichen Residenzschlosses Tafel statt; Seine Königliche Hoheit der Großherzog brachten den Toast auf das neuvermählte Paar aus. S. K. H. der Prinz Leopold von England ist leider noch nicht so weit hergestellt, daß er an der Tafel hätte Theil nehmen können

Berlin, 13. März. DerNordv. Allg. Ztg." zufolge ist von Seiten Deutschlands mit Rücksicht auf die von der serbischen Regierung gezeigte Ve- reitwilligkeit, die Bestimmung des Berliner Vertrags wegen Gleichstellung der Glaubensbekenntnisse zur Ausführung zu bringen, die Anerkennung der politi­schen Unabhängigkeit Serbiens ausgesprochen und der bisherige Generalkonsul Graf Bray zum Geschäftsträger in Belgrad ernannt worden.

Frankreich.

Versailles, 13. März. Deputirtenkammer. Die Versetzung der Mai- Minister in Anklagestand wird mit 317 gegen 159 Stimmen abgelehnt; die Rechte stimmt nebst dem linken Centrum und der gemäßigten Linken mit der Majorität.

Rameau (Linke) beantragt eine motivirte Tagesordnung, welche einen scharfen Tadel gegen die Mai-Minister ausspricht. Cazeau (Bonaparttst) spricht gegen eine solche Tagesordnung; er sagt, der Kampf ist beendet und der Antrag verstößt gegen die Geschäftsordnung. Clömenceau beantragt ein­fache Tagesordnung. Diese wird mit 225 gegen 187 Stimmen verworsen, die motivirte Tagesordnung Rameau's mit 240 gegen 154 Stimmen an­genommen.

England.

Windsor, 13. März, Nachm. Nachdem vorher die Botschafter, Ge­sandten, Minister nebst sonstigen Gästen, sowie der Bischof von Canterbury, di« Bischöfe von London, Winchester, Oxford und Worcester, der Dechant und

die Domherren von Windsor ihre Plätze in der Georgscapelle eingenommen hatten, erschienen um 11% Uhr die Mitglieder der königlichen Familie und die fürstlichen Gäste, um 12 Uhr die Königin Victoria, um 12% Uhr der Herzog von Connaught nebst dem Prinzen von Wales und dem Herzog von Edinburgh, um 12V2 Uhr die Prinzessin Margarethe mit»dem Prinzen Fried­rich Karl und dem Kronprinzen. Dann eröffnete der Erzbischof von Canter­bury den Gottesdienst, worauf die Trauung erfolgte.