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m. Darmstadt 12. Juni. (Evangelische Landessynode. 22. Sitzung.) Erster Gegenstand der Berathung bildet der Antrag des Abg. Groh, die Synode wolle das Kirchenregiment ersuchen, durch generelle Lersügung und nach Aenderuna der seitherigen gesetzlichen Bestimmungen anzuordnen, daß 1) alle yfa.lT^e^^u^^u^r^ulb^ bie betreffenden Localkirchenvorftände öffenrlich verpachtet und die Pachtertrage durch«die Kirchenrechner erhoben und in den Kirchenrechnungen als Pfarrbesoldung verrechnet werden; 2) hierbei bleibt es den Besoldungsnutznießern unbenommen, die, ihmi noth- wendigen Grundstücke zu dem Durchschnittspreise der Deipad)teten Kategorien zur Selbstbewirthschaftung der Verpachtung zu entnehmen, 3) ^ Kosten der Verpachtung und Erhebung der Pachtgelder werden aus den Pachtertragen bestritten, welch' letztere erst nach Eingang dem Besoldungsnutzmeßer ausbezahlt werden- Nach längerer Debatte, an welcher sich die Abgg. Buchner, Dieffenbach, Schroder, Curtmann, der Antragsteller und Ober-Consistorialrath Mehör betheiligen, wird dieser modisicirte Antrag zur weiteren Berichterstattung an den- Ausschu
— Bezüglich des Gesetzentwurfes, betreffend die Abänderung des § 4 des Klrchengesetzes vom 8* Januar 1876 über die Classification des Dlenstemkommens der evangelischen Geistlichen beschließt die Synode nach längerer Debatte, der von dem Klrchenregimente vorgeschlagenen A-nderung des § 4 des Classificationsg-setz-s zuzustrmmen, ferner an ba^tSrobb- Ober-Eonsistorium das Ersuche» zu stelle», dasselbe wolle bei Feltsetzuug der Erlöse aus Pacht außer den in seinem Ausschreiben Dom 14. gQarj 18e9 speciell berührten Gesichtspunkten bezüglich der den Werth bet Jahrespachtsumme Mindernden Umstände au die deßlialb von den Kirchenvorfiande» gestellten und von den Dekanats- nSüfien mit Rücksicht aus besondere Verhältni,e gut geheißenen Antrag- Rücksicht nehme» und in allen Fällen in welchen sich ohne eigenes Verschulden des Nutznießers erhebliche mindestens sich aus 50 M berechnende Ausfälle an dem Pachtgeld ergeben, nach genauer Prüfung zu Lasten des Centralkirchenfonds Entschädigung gewahren Die Vorlage Großh Ober-Consistoriums, die alsbaldige Renis.on der Besoldungsnoten d^i eoangelischen Geistlichen betreffend, gelangt ohne Debatte einstimmig zur Annahme. - ^u einer Gesetzesoorlage in Betreff eines Zusatzes zu § 102 der Krrch-nv-rfasiung batte der Ausschuß beantragt, dieselbe in folgender Fassung anzunehmen . »8 lot ». Ein Beschluß der Synode über Budgetposten oder Gesetzesoorlagen, insoweit durch dle- ielben in birecter Weise das Einkommen der Geistlichen berührt wird, hat nur Gültig- ke t w nn bei der in gewöhnlicher Weise stattfindenden Abstimmung 1) zwe, Drittheile owobl der weltlichen altz auch der geistlichen Mitglieder anwesend sind und 2) die Mehrheit sowohl der weltlichen als auch der geistlichen anwesenden Mltglledersur denselben gestimmt hat. Im Falle der Stimmengleichheit m einer Gruppe ist tue Abstimmung derselben in der nächsten Sitzung zu wiederholen Bel abermaliger «timmen- aleichheit gilt der Antrag oder die Gesetzesoorlage als abgelehnt. Die Synode beschließt nach einer weitläufigen Debatte, deren selbst auch nur auszugsweise Wiedergabe ür den gebotenen Raum unmöglich ift, mit 32 gegen 21 Stimmen m namentlicher Abstimmung Ablehnung der Vorlage und des Ausschußantrages. - Der Antrag des Aba Schröder, betreffend das Mitwirkungsrecht der Gemeinden be, Besetzung er- ledmter Psarrstelle», wird abgelehnt, ebenso der oon dem Abg. Buchner gestellte Au- ttaa das Kirchenregiment zu ersuchen, der Synode das m 123 ber Kirchenoerfaisung vorgesehene Gesetz, welches bei Besetzung der erledigten Psarrstellen eine westergehende Mitwirkung der Gemeinde regelt, vorzulegen.
Berlin, 11. Juni. Die „Voss. Ztg." schreibt: „In den Kreisen der Tabakssteuer-Commission war gestern die Nachricht verbreitet, daß der Reichskanzler das Tabakssteuergesetz sür gefallen ansieht, wenn di- Nachsteuer ab- aelednt wird. In der Commission dürste die Nachsteuer höchstens auf 4 bis 5 Stimmen zu rechnen haben. Man wollte ferner wisien, daß die Regierung un äußersten Falle geneigt fein würde, den vom Abg. Schmidt (.Württemberg) biantragten Satz von WO, bez. 60 Mk. anzunehmen, während auch hierfür in der Commission auf keine Mehrheit zu rechnen ist. Unter diesen Umsta.idr.r macht sich immer mehr die Ueberzeugung geltend, daß auch m dieser Session M Reichstages die seit Jahr und Tag auf der Tagesordnung stehende Tib.rks- steuersrage noch nicht zur Erledigung gelangen wird."
— Rur Verbesserung der Postverbindungen aus dem platte» Lande ist die Rabl der Postanstalten an Landorten im Reichspostgebiet seit 1874 um 950 die Zahl der Landbriesträger um 1300, di- der Briefkasten an ländltchen Otten ohne Postanstalt um 10,000 vermehrt worden. Mit Hulse dieser ver- besierten Betriebsmittel sollen nach der Anordnung des Generalpostmeistets nunmehr überall da, wo es das Verkehrsbedürsniß erfordert, Postverbindungen in der Art hergestellt werden, daß die Landbiiefträger benachbarter Postorte >u einer im Voraus festgesetzten Stunde auf der Grenze ihrer B-stellb-ztrke an einem bestimmten Punkte zusammentreffen und die ihnen von den Postan- flalten ihrer Stationsorte übergebenen Briefpaket- ic. austauschen. Auf diese Weife wird sich sür di- Postsendungen zwischen zahlreichen Nachbaroiten eine voraussichtlich beschleunigte Beförderung erzielen lasten.
Stuttgart, 12. Juni. Der „Schw. Merkur" bringt Festberichte aus einer großen Anzahl kleinerer und größerer Städte Württembergs. Von Tu- hingen aus sah man gestern Abend die festlich erleuchtet- Burg H°h°nz°llern. In Bad Offenau kamen 168 nationalgestnnte Männer aus Württemberg, Baden und Hesten zur Feier des TageS zusammen.
Kekerreich.
Wien, 11. Juni. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Sofia. In Bulgarien ist di- Aushebung neuer Altersklassen für di« Miliz angeordnet Sämmtliche Leute, di- schon -in Jahr gedient haben werden dann b-uAaubt und der Effectivstand um ein Drittel reducirt. - Aus Belgrad. Consorm der Entscheidung der internationalen Gtenzcommtssion und der diessälligen s- sordernug Dondukoff's ordnete der Fürst von Serbien die vollständige Räu- muna der Dlstricte Trn und Breznik an. Gestern erfolgte dieselbe, worauf russstche Truppen einrückten und bulgarische Beamte di- Verwaltung ubernch. men. Der bisherige diplomatische Agent Italiens, Joannini, ist abberufen,
Redaetionsbureant \ @4ulftracc B. 18.
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Die Reichstagsserien sind beendet. Die Erwartung, daß sie von den Reichstagsabgeordneten benutzt werden würden, um ihre Wähler um sich zu schämen und ihnen Bericht zu erstatten, hat sich nur In wenigen Kreisen erfüllt. Jene politischen Propheten, welche verkündeten, daß der erregte Kamps, Ule er im Reichstage selbst getobt hatte, zu neuem Leben erwachen und in wette» Volkskreisen wieder aufleben würde, um noch einmal und erbitterter durchgekämpft zu werden, haben Unrecht gehabt. Es ist dies allerdings eine Art psychologisches Räthsel, aber es findet sich leicht eine Lösung desselben.
Es ist nicht zi-viel gesagt, daß das Volk mit Zollpolitik übersättigt war. Der Kampf der einzelnen Jnteresten erregte der Natur der Sache nach meist nur einzeln- Kreise. Intensive Freude, wie hochgradige Verstimmung äußerten sich nur local. Es ist eben eine absolute Unmöglichkeit, die Jnteresien der Küstenländer mit jenen des Binnenlandes völlig zu versöhnen. Der Norden und der Süden Deutschlands, der Osten wie der Westen haben jeder : andere Jnteresien. lieber Allem stand das allgemeine Interesse, und dieses letztere nimmt ja eine andere Gestalt an, nachdem es mit der gesärbien Brille der Heimath betrachtet wird. Diese Umstände allein charakteiistrcn di- Schwie- rigketten der Aufgabe, die Handelspolitik Deutschlands in kurzer Zeit so zu ändern, daß sie möglichst dem allgemeinen Jntereffe enlspricht.
Es ift nicht unmöglich, daß wie so oft der Jnstmct em es Volkes fit so schwierigen Lagen das Richtige findet. Man kann das Bedurfniß nach Ruhe auf dem werten wirthschaftlichen Felde gar nicht schärfer fcststellen, als durch die Cvnstatlrung der Thal,ach-, daß das Volk sich rasch in sein Schicksal ge- - funken hat. Die Schwarzseher einzelner Parteien hatten politisch - erregt- Pstngsttage prognosticirt, aber thatsächlicb ist das Fest in absoluter Ruhe echt friedfich und fröhlich verlebt worden. Das scheint denn doch dafür zu sprechen, daß die neuen Zölle keineswegs so hochtragisch ausgenommen worden sind, wie dies tote absoluten Freihändler verkündet hatten Auch hierbei verkeimen wir nicht, daß keineswegs überallZufrledenhert herrschte, aber im Volke ha sich schon fetzt der Gedanke festgesetzt, daß man die Dinge nehmen muß, wie sie sind, und daß es eben keine Zollpolitik giebt, die es Allen recht machen kann. Wer eben vergißt, was doch nicht zu ändern ist, der ist ja nach dem ^ ü'tßir schlagen die Rückwirkung dieser Volkssttmmung auf den Reichstag nickt gering an. Genügten die kleinsten Differenzen in den Zollsragen, um Abstimmungen zu z-rsplitt-ru und Partelen zu sprengen, so wird auch eine mhge Stimmung des Volkes, welches in der Z°°res°rm erneu Abschluß ddr wirtschaftlichen Unruhe für Jahr- erblickt auch gedeihlich !L ateiAgtaa beeinfluffeu. Bevor nicht die national-oconomrschen Differenzen iuh? st -in- ° unde politische Parteibildung stets in Gefahr. Sagte doch «inst Cobden, er fei auf Wunsch Tory ober Whig, wenn nur der. Frei- banbel dadurch einen Vorth-tl habe. Bei einem jungen unb noch ri cht eng. lisck-besestigten Patlameirtansmus wäre eine solch- Aeußerung allerdings für bie fieibeitltd)e Entwickelung der Verfassung gefährlich. Wir erwarten daher daß io schwankend unsere Parlamentarier in der Zollpolitik waren, allerdings ;„»pnber als das Volk selbst, st- dennoch wieder fest und treu zusam- mLstchen wo die Reattion die Verslssung oder die Volksfreiheit bedroht, k <D,»nn wfid auch das Volk wieder hinter ihnen stehen.
Deutschland.
Darmstadt, 10. Juni. Die kirchliche Bewegung scheint auch bei uns mößere Dimensionen annehmen zu wollen. Der „Allg. evang. luth. St Z- 2 , -ntnebmen, daß bie Altlntheraner, Pfarrer wie Gemeinden, auf dem t neue Auslrittsgesetz vom 10. Septbr. 1878 eröffneten Wege ihren
Ansttitt aus der evang. Landeskirche vollzogen haben. - Die evang. Landes- Austritt aus f f b eon Synodalen gestellten Anträge zu erledigen synode u-trd u. ■ '«* per Gasthäuser bis nach Beendigung
-s'"öffenU cheu^NachmMag7G°ttesdienstes, auf Vermehrung der Religions-
i > ber Volksschule (vier Stunden wöchentlich sind schon vorgeschrteben, Lr auck tweistündiger Confirmanden-Unterricht), auf Rang- und Gehalts- später auch z l » Consi storinms, um diese Beamten der „selbstän-
L ! K rckUwa den weltlichen Ministerialräthen gleichzustellen. - Der b m (Slfcfrfelber System in Darmstabt gegrunbete unb sehr wohltbätig
\em ®«<nnLeine $ rein gegen Verarmung unb Bettelei" hat seinen «»t'fenbe lÄ^ Ür bas Jahr 1878 veröffentlicht- Di« Zahl ber Mit.
»on 1068 'auf 1170 erhöht, die Beiträge auf nahezu 2 700 Mk- ^an einmaligen Geschenken unb Legaten flössen bem Verein ,1'In arte ,n Clncl Zinsen unb Kasienvorrath vom vorhergehenben Jahre ?? ' Geiammteinrmhme 30,600 Mk., wovon Über 18,000 Mk- an Un-
ietnr8h LZnbet Würben, unb zwar in 680 Fällen. Die Hülfe des Per eins" wurde vornehmlich aus Mangel an lohnendem Erwerbe in Anspruch genommen. Das heute ausgegebene Großh- Regierungs-
w. ««■ »!" «•«*"« d" d--i- «"'• proceßorbmmg unb Concursordnung-
----—--------------------------- Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. bie ^o(l ^zogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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