die Im Landtag erfolgte einstimmige Annahme eines Vermiitlungsantrages der Conflict mit dem StaatSmintster ausgeglichen worden.
Oesterreich.
Wien, 8. Februar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Frage des Kostenersatzes für die türkischen Kriegsgefangenen wurde dahin entschieden, daß die Pforte die Erhaltungskostrn bis zur Unterzeichnung des Berliner Vertrags vergütet, wogegen ein entsprechender Betrag für die von den Gefangenen in Rußland geleisteten Arbeiten abgezogen wird. Die Rati- ficattonSfrtst des Frtedensvertrages wird auf 14 Tage festgesetzt. Die offi- ctellen Kreise bestreiten nach Telegrammen aus Salonichi auf das Ent« schtedenste, daß es sich bet den in Xanthi vorg^kommenen Krankheitsfällen um die P st handle. Es sei positiv lediglich der Flecktyphus-
Pesth, 7. Februar. Die Mmisterial-Cvnferenz vereinbarte mit den rumänischen Delegirten, daß eine Commission nach Rumänien gesendet werde, welche über die Sanitätsverhältnisse in Bulgarien, Bessarabien und den sonstigen von den Rusten besetzten Gebieten authentische fortlaufende Berichte erstatten soll. Rumänien gestattet für russische Provenienzen nur wenige Einbruchs-Stationen. Reisende aus Rußland, die durch Rumänien kommen, müsten ein rumänisches Certtficat haben, daß sie sich den entsprechenden Maßnahmen unterzogen. Rumänien wird dahin zu wirken suchen, daß die russischen Etup- penltnten weiter ostwärts verlegt werden, daß westlich derselben längs der Donau und des Pruth ein Cordon unterhalten wird und der Schiffsverkehr auf der oberen Donau frei bleibt.
Ilrankreich.
Paris, 8. Februar. Präsident Grevy, der heute das diplomatische Corps empfing, wünschte sich diesem gegenüber Glück, b?i seinem ersten Empfange der Vertreter der fremden Mächte constatiren zu können, daß die Beziehungen Frankreichs zum Auslande ausgezeichnet seien; er könne die Versicherung geben, daß die Regierung der Republik Alles Menschenmögliche thun werde, um dieselben noch fester zu gestalten; er bitte die Vertreter der sremoen Mächte, ihren resp. Regierungen seinen Dank zu übermitteln für die sofortige Regulirung ihrer Stellung bei der Regierung der französischen Republik. Grevy schloß mit dem Ausdrucke der Gefühle hoher Achtung und aufrichtiger Herzlichkeit für die Vertreter der fremden Mächte.
England.
London, 8. Februar. „Daily Telegraph" meldet aus Kelatigilai vom 29. Januar: Die britischen Truppen erhielten Ordre nach Kandahar zurückzukehren.
Italien.
Nom, 6. Februar, Abends. Durch Erlaß des Ministers des Innern vom Heutigen wird für Schiffe, welche aus dem Schwarzen und Asow'schen Meere kommen, die bereits eingeführte siebentägige Quarantäne auf 20 Tige verlängert und aus alle Häfen der Türket, Griechenlands und Montenegros ausgedehnt. Außer den Gegenständen, deren Einfuhr bereits durch frühere Decrcte untersagt ist. wird durch gegenwärtigen Erlaß auch die Einfuhr aller in den Sanitätsgesetzen von 1871 als Sachen erster Categorte aufgeführten Objecte verboten.
Spanien.
Madrid, 8. Februar. Die Regierung hat beschloflen, daß alle Handelsschiffe und Reisende, welche aus dem schwarzen und ägeischen Meere spanische Häsen anlaufen, in ein besonderes Lazareth gebracht oder einer Ausräucherung während 7 Tagen unterworfen werden. Das letztere findet auch mit den Briesen statt.
— Auf den Antrag des Gesunbheitsrathes wurde der Expreßzug Liffa- bon-Petersburg eingestellt und eine Quarantäne von 14 Tagen für alle aus den verpesteten Ortschaften kommenden Provenienzen im Hafen von Mahon angeordnct.
Rußland.
Petersburg, 8. Februar. Das bereits gemeldete officielle Telegramm aus Astrachan vom 7. d- hebt noch besonders hervor, daß Aerzte und Polizeibeamte fortfahren, ihre Thätigkeit aus die Desinfection aller verdächtigen Gegenstände, sowie Durchführung der sanitätlichen und polizeilichen Maß regeln zu concentriren. Wohnungen, worin an br Epidemie Verstorbene und Erkrankte sich befanden, werden zum zweiten Male desinficirt. Alle verdächtigen Kleidungsstücke werden verbrannt und gleichzeitig wird zur Einrichtung besonderer Friedhöfe geschritten. Die bevölkerten Orte würden mit Medica- menten und Desinfectionsmitteln versehen. Die ergriffenen Maßregeln sichern die Möglichkeit der Localistrung der Epidemie vollständig.
— Osficielles Telegramm aus Astrachan vom 7. b.: Seit dem 6. d. kein Pestkranker mehr in den ivficirten Districten. Das Gouvernement in Astrachan trifft jetzt alle Vorkehrungen, um die geeigneten Präventivmaßregeln auszuführen. Das Welter ist klar bei 8 Grad Kälte.
Türkei.
,, , ^OttJ?can^,no^c^' Februar. Wie in Regierungskreisen verlautet, scheint die Pforte in den Gegenvorschlägen auf die ihr unterbreiteten Finanz- proj'wte nicht abgeneigt, eine auswärtige Controle der Zollverwaltung zuzuge- fiehen derart, daß den bet Finanzoperationen betheiligten Interessen alle wünschtnsw-ttb.en Garantien geboten wären. Di- bezügliche'n Fmanchläne S°0-wkunften und bedecken ausschließlich die Z rnck,iehunq des Paviergeldes und ein Arrangement mit den Inb^bern d-r türkischen ds
Telegraphische Depeschen.
Waguer'S telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 9. F-bruar. Der „Nationalzeitung" zufolge hat der Bundes- rath in der gestrigen Plenarsitzung die Vorlage über die Strafgewalt des Reichs, tages nach den Nusschußanträgen angenommen.
Petersburg, 9. Februar. Ein osficielles Telegramm aus Astrachan vom 8. d. m-ldet: In Wetlianka und Umgegend befindet sich kein Kranker In dem Flscken Nikolajewsk (District Tharcwo, Gouvern. Saratow, 600 W.
von Astrachans kam ein zweifelhafter Fall vor. Der Gouverneur erwartet einen näheren ärztlichen Bericht. In Selnrennoie und innerhalb des Quarantäne Rayons kamen einige mue Fälle vor, die tödlich verliefen. Der Gouverneur ist »oforl an Ort und Stelle abgereist. 9 Grav Kälte.
Petersburg, 9. Februar. Der General-Gouverneur Loris-Melikoff ist, wie aus Zarizlu telegraphirt wird, gestern Vormittag 10 Uhr mit G folge va'elbst emgenoffen, von den Bchö oen und einer sehr großen Volksmenge begrüßt. Zur Verstärkung des Sanitätscordons treffen fortwährend Trappen rn u.ch um Zarizm ein. Aus verschiedenen Tyeilen des Reiches, nrmemlich aus MoSkm, gehen große Sendungen von für das Gouvernement Astrachan bestimmte Lebensmittel und Medikamente em. Die Kälte hat in Zrirnin seit 2 Tagen wesentlich uachgelaffen.
Wien, 9. Februar. Die.Montagsrevue" schreibt, sie glaube nicht zu irren, wenn ste annehme, daß eine officielle Mitlheilung des Prager Friedens an Dänemark auch von Seiten O sterreichs nie erfolgt sei, und bemerkt weiter: Der Art, 5 dieses Vertrages war der letzte nicht dunkle, aber doch unauf- geklärte Punkt in dem Verhältnisse Oesterreichs zu Deutschland. Erne Klärung he-betzuführen, den Angelpunkt möglicher Differenzen zu beseitigen, dem Vertrauen in der Gegenwart auch das Vertrauen für die Zuktnft hinzu- zufügen, war ein G^bot der Staatsklugheit wie ein Gebot der loyalen Auf« faffung beider Staaten. Wenn für Deutschland der materielle W-rth des Erreichten ein größerer sein mag, so ist für Oesterreich Ungrrn der ideale Werth gleichfalls ein nicht u .erheblicher. Der Freundschaftsbund z vischen Deut'ch. landend Österreich-Ungarn ist nicht von Individuen, nicht vor der wechselnden Strömung der Tigesmeinung abhängig; er ruht vielmehr auf der gefestigten Basts klarer staatsrechtlicher Beziehungen, gegenseitigen Vertrauens und der realen, daue-nden Jntereffen beider Staaten.
Die Pest in Rustland.
Das Kaiser!. Deutsche Gesundheitsamt veröffentlicht folgende Darstellung über die Entstehung und Ausbreitung der Pest tm Gouvernement Astrachan.
,.rr, ^eber die im unteren Wolga-Thale ausgebrochene Seuche liegen erst jetzt so weit zuverlässige Berichte aus theils amtlichen, theils privaten Quellen vor, daß wir über Herkunft Character und bisherige Ausdehnung der Krankheit ein vorläufiges Bild zu gewinnen ver! mögen, dessen Vervollständigung und vielleicht theilweise Berichtigung erst den Ergebnissen der bevorstehenden Sendung fremdländischer Aerzte nach dem Schauplatz der Ereignisse vorbehalten bleiben muß. 0 11
. _ Zunächst lasten die genaueren Krankheitsschildcrungen, welche wir den russischen, an Ort und Stelle gewesenen Ober-M.l.tärärzten verdanken, kaum mehr einen Zweifel darüber bestehen daß es sich um einen sehr begrenzten, aber intensiven Ausbruch der Pest, und zwar der indischen Pest handelt, welche sich durch vorherrschende Complication mit entzündlicher Lungenaffection und durch außerordentlich acuten, meist sehr rasch zum Tode führenden Verlauf auszeichnet Es wäre demnach dieselbe Form, welche im 14. Jahrhundert Deutschland unter dem Namen des „schwarzen Todes" verheerend durchzog. Der erste nachweisliche Ausbruch der Seuche auf ihrem augenblicklichen Schauplatz fand am 19. November v. I zu Wetljanka statt, einem nahe dem rechten Wolga^Ufer, 28 deutsche Meilen von Astrachan auf hohem, mäßig abfallendem nicht sumpfigem Boden gelegenen Dorfe, dessen 1700 Einwohner sich meist von Fischfang und von Handel mit gedorrten und gesalzenen Fischen ernähren. Ob und welche örtlichen Bedingungen den Ausbruch der Krankheit gerade an diesem Punkte veranlaßt oder begünstigt haben, ist bis jetzt nicht bekannt; auch für die Angabe, daß aus dem Kriege zurückkchrende Truppen dort eine Anzahl gestorbener Typhuskranken oder, nach anderer Version, gefallener rotz kranker Pferde, oberflächlich beerdigt und in der Nähe dieser B^erdigungsstclle die erstm Erkrankungen beobachtet worden seien, liegt bis dahin keine Bestätigung vor. Dagegen fehlt es Nicht an Ermittelungen, welche mit Wahrscheinlichkeit darauf Hinweisen, daß es sich in dem vorliegenden Falle nicht um eine selbstständige primäre Entstehung der Krankheit handelt, sondern um das Entglied einer vorher unbeachtet gebliebenen Kette von geiingfügigercn Ausbrüchen und Ber chleppungen, deren erster Ursprung in einer der Hauptwiegen dieser Seuche, in dem nord-
Gebietswmkel des persischen Reiches, zu suchen ist. Dort, in dem Hochlande Aderbeidichan, welches sich vom Ararat bis südlich vo.n Schari-See binzieht und nordwärts unmittelbar an Russisch Kaukasien angrenzt, hat die Pest, nachdem sie daselbst anscheinend 28 Jahren hindurch verschwunden gewesen, seit 1863 sich in wiederholten, mehr oder weniger zur öffentlichen Kenniniß gelangenden, zunächst schwächeren, dann allmälich stäikeren Ausbrüchen gezeigt (1^63—6^ 187t»—71, 1873—71, 1x76—77), welche mit ähnlichen Ausbrüchen im unteren Euphrat-Thale bei Bagdad abwechselten (1867—68, 1873—74, 1877) Der rege Verkehr der im nordwestlichen Persien lebenden Schiiten mit den die Heiliqthümer derselben bergenden Orten Kerbela und Ncdchef in der Euphrat-Niederung, namentlich aber der Gebrauch ;encr mobamedanischen Secte, die Leichen ihrer verstorbenen Angehörigen von Feit in «eit mittels eigener Karawanenzüge aus Persien nach jenen heiligen Orten zum Zweck der Bestattung zu bringen, scheint mit der wiederholten Aufeinanderfolge von Seuchenausbrüchen in jenen be'ven Gegenden in ur achlichem Zusammenhänge zu stehen. Es ist dies um so wahrscheinlicher, da sowohl die provl,oriiche Aufbewahrungsweise der schiitischen Leichen vor ihrer Ueberbringunq nödLb!n JCt l9Cn ?Trten to,c auch die Bestattungsweise an den letzteren und die Art des Trans- Ports dahin eme äußerst nachlässige, allen öffentlichen Gesundheitsrücksichten hohnspreckende ist. Die Begegnung solcher Leichen-Karawanen wird von dortigen Reisenden als einer der denkbar widerwärtigsten Eindrücke geschildert, und dieser religiöse Mißbrauch als einer der Haupt- vermittelungswege zum Austausck der Pest zwischen jenen beiden Gegenden — wenn nicht sogar als eine Entstehungsquelle der Krankheit — angesehen. b
Welche Häufigkeit und Verbreitung die Krankheit während des letzten Jahrzehnts im gebirgigen Innern von Aderbeidschan thatsächlich gehabt habe - wie viele kleinere Erkrankunqs- Ausbruche außer den bedeutenderen sich der allgemeinen Kenntniß entzogen haben mögen - ist bei den dortigen Verbaltniffen und namentlich bei der Furcht der Einwohner vor allen Ab- lperrungsmaßregeln, die beim Kundwerden der Erkrankungsfälle über sie verhängt werden könnten, unbemeßbar. Als wahrend des größeren Ausdrucks von 1871 eine aus vier Aerzten bestehende amtüche Comml>sion tue Verbreitung der Seuche näher festzustellen versuchte, war dieselbe nicht im Stani-e, in dre inneren Bezirke, in den eigentlichen Ursprungsherd der Krankheit zu qe« langen, da die umwohnenden Stämme sie mit dem Tode bedrohten, wenn sie wagen würden weiter vorzudringen. ' D •
t B Februar 1>77 erreichte die Seuche ostwärts vordringend die Provinz Gbilan am kaspischen Meere, deren Hauptstadt Rescht stark heimgesucht wurde. Don dort besteht ein reger Seeverkehr mit dem Gouveinement Astrachan, während zu Lande mit den stammverwandten Bewohnern des östlichen Kaukasiens lebhafte Beziehungen, auch ein nicht unbedeutender Sckmuqqel m Thee und Leide untcrhalren wird. Bei diesen vielfachen Verbindungen darf es nicht verwundern ?enno— gegenwärtig aus mehreren glaubwürdigen Quellen übereinstimmend verlautet — bereits im Mai 1*77 und seitdem wiederholt von Zeit zu Zett an verschiedenen Orten im Süden des Gouvernements Astrackan Erkrankungßfälle — zuweilen in größerer Zahl gleick- 5Clt’^ ~ beobachtet wurden, deren Symptome mit denjenigen des jetzigen heftigeren Ausbruchs äu Wetlianka greise Aehnlichkeit hatten, wenngleich der Verlauf ein verhältnißmäßig gutartiger jvar. jn einem derartigen sporadischen Falle wurde von den Ergriffenen die Berührung mit persischen Hauten als Unache der Erkrankung angegeben. 9
Auch zu Wetljanka ging dem ''ckweren Maffenausbruch eine Gruppe leichterer Erkrankungen voraus letztere fielen mit trockener Kalte im November zusammen; als aber dann zu Ende November und Anfang December eine Temperatur von + 2 big + 1 i Grad Neaumur und gleichzeitig feuchtes, nebeliges Wetter eintrat, da schnellte plötzlich die Zahl der Erkrankungen Pml n,nL9 rd’5CÄ Heftigkeit des Krankheitsverlaufes zu einem erschreckenden Grade empor Fast sammtlicke Kranke - angeblich nahezu 300 - erlagen nach kurzer Dauer, und der größte The.l der überlebenden Bevölkerung floh in die Umgegend, den Keim der Seuche K Ä’J?0 Erkrankungen von gleich heftigem Charakter in Nikolskoje, Udatschuoje, Michailowsk, Otantzkoje auf, und als zu Anfang Januar eine militärische Absperrung des ganzen ?^Euchten Deznks zum Sckutz der weiteren Umgebung vorgenommen wurde, mußten 19 Ort- KWen .m diesen Cordon hinemgejogen werden: am rechten Wolga-Ufer Staritzkoje Kirda Wladimirowska, Jenotajewsk, Kopanowskaja, Wetljanka, Gratschewskaja, Tschernyijar- am
Batajewka, Sukrutow, Bolckuny, Pirogows Udatschnaja, Michailowsk, Sasykalskoje, Tambowka und Selitrenoje. Um eine Infektion des von dem Seuchen-


