Einzelbild herunterladen

für es möchte ich sterben. 4) Ich hoffe, daß mir meine Mutter, wenn ich j nicht mehr sein werde, die liebevolle Erinnerung bewahrt, welche ich ihr bis zu meinem letzten Augenblicke bewahren werde. 5) Mögen meine näheren Freunde, meine Diener, die Anhänger der von mir vertretenen Sache über­zeugt sein, daß meine Dankbarkeit für fie nur mit meinem Leben enden wird. 6) Ich werde sterben mit einem Gefühl tiefen Dankes für Ihre Majestät die Königin von England, die ganze königl. Familie und für das Land, wo ich 8 Jahre lang eine so herzliche Gastfreundschaft genoffen habe.

Ich setze meine vielgeliebte Mutter zu meiner Universal-Erbin ein, indem rc. (hier folgen die einzelnen Legate).

Codicill.

Ich brauche meiner Mutter nicht zu empfehlen, daß sie nichts oerafc' säume, um das Andenken meines Großoheims und meines Vaters zu Verthei- digen. Ich bitte sie, sich zu erinnern, daß, so lange es Bonapartisten gibt, die kaiserliche Sache Vertreter haben wird. Die Pflichten unseres Hauses gegen das Land erlöschen nicht mit meinem Leben; nach meinem Tode fällt die Aufgabe, das Werk Napoleonas I. und Napoleonas III. fortzusetzen, dem ältesten Sohne des Prinzen Napoleon anheim, und ich hoffe, daß meine viel­geliebte Mutter dadurch, daß ffe ihn mit ihrer ganzen Kraft unterstützt, uns, die wir nicht mehr sein werden, den letzten und höchsten Beweis von Zunei­gung geben wird.

Chis le hurst, den 26. Februar 1879.

Napoleon..

Ich ernenne die Herren Rouher und F. Pietrie zu meinen Testaments­vollstreckern. (Ich meine unter F. Pietrie Franceschtni Pietrie).

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. G-rrespondeut-vureM».

Ems, 3. Juli. Se. Maj. der Kaiser machte gestern eine Spazierfahrt und besuchte Abends das Theater. Die Kur heute früh wie gewöhnlich. Das Musikcorps des Garde-RegimentsKönigin Augusta" in Koblenz machte die Morgenmusik.

Berlin, 3. Juli. Als Finanzminister gilt als designirt der Unter» staatssecretär im Ministerium des Innern, Bitter, als Cultusminister der Oberpräsident von Schlesien, v. Puttkamer; für das Ministerium der Land- wirthschaft scheint die Entscheidung zwischen v. Seydewitz und Lucius noch auszustehen.

Anlaß zu den Demissionsgesuchen der Minister Hobrecht, Falk und Friedenthal hat in keiner Weise der Franckenstein'sche Antrag gegeben. Der Anlaß zur Demission ist kein gemeinsamer und steht mit den parlamentarischen Verhandlungen in keinerlei Zusammenhang. Minister Falk sprach sich noch nach Einreichung seines Demissionsgesuches dahin aus, daß in der römischen Kirchenfrage nichts vorgekommen sei, was er nicht gewußt und gebilligt hätte.

Die Verhandlungen wegen Uebernahme der drei erledigten Minister­posten nähern sich ihrem Abschluffe. Die Ernennungen werden unmittelbar erwartet.

Alexandrien, 3. Juli. Die nach der Absetzung Wilson's und Bligntöre's von Ismail Pascha ernannten Minister nahmen ihre Entlastung. Ein Liquidations-Comit6 zur Regelung der egyptischen Finanzlage soll einge­setzt werden, desten Mitglieder von den Mächten zu ernennen sind.

New-Uork, 3. Juli. Ein Telegramm aus Kingston (Jamaika) vom 2. Juli meldet von ernsthaften Unruhen in Portauprince; die Aufständischen schossen auf den Senat; die Senatoren flohen, eine große Anzahl wurde ver­wundet. Die Ruhestörungen dauern noch fort.

Der in Callao sestgehaltene deutsche DampferLuxor" soll laut aus Lima via Panama eingegangenen Nachrichten sreigegeben worden sein.

Versailles, 3. Juli. Der Senat nahm mit 159 gegen 107 Stim­men den Entwurf an, durch welchen Paris als Sitz der Kammern bestimmt wird. Testelin (von der Linken) brachte einen Antrag auf Wiedereinführung des Eides der Ossiciere und Soldaten ein.

Die Kammer nahm den Artikel 1 des Ferry'schen Unterrichtsgesetzes an, durch welchen dem Staate die Verleihung der Grade wieder ausschließlich bei­gelegt wird.

Berlin, 3. Juli. Der russische Garde-Oberst a. D- Bastlewitsch, welcher vom hiesigen Stadtgerichte wegen Taschendiebstahls zu dreimonat­lichem Gefängniß verurtheilt war, wurde heute vom Kammergericht frei- gesprochen.

Wien, 3. Juli. DiePolit. Corr." meldet aus Konstantinopel von heute: Der von den Botschaftern Englands und Frankreichs gegen die Auf­hebung des Fermans von 1873 gemachte Schritt beschränkt sich auf sehr ein­dringliche Vorstellungen und involvirt noch keineswegs einen Protest. Der Sultan versicherte dem Großvezier und dem Scheik-ül-Jslam, daß er die Rück­kehr Mahmud Nedim Pascha's nur gestattet habe, damit sich dieser von den Widerwärtigkeiten des Exils erhole. Eine russische Note soll die Veran- lastung zu der Absetzung des General-Gouverneurs von Skutari, Hustein Pascha, gewesen fein. DerPol. Corr." wird aus Cattaro von einer Collision zwischen Türken und Montenegrinern an der Grenze gemeldet. Es seien dieserhalb 12 montenegrinische Bataillone einberufen worden.

London, 3. Juli. Eine Extra-Ausgabe derDaily News" meldet aus Capetown vom 6. Jun: die Eröffnung von Friedensunterhandlungen. Cetewayo habe den britischen Behörden unter gewisten Bedingungen Waffen­stillstand angeboten und er werde inzwischen der definitiven Friedensbedingungen Englands gewärtig blerben.

Die Regierung legte dem Parlament das Blaubuch über Egypten vor, deffen Depeschen den Zeitraum vom 25. April bis 26. Juni umfassen. Eine Zuschrift des Grafen Münster an Lord Salisbury vom 4. Mai con- statirt, daß die deutsche Regierung sich jeder thätigen Einmischung in die egyptischen Angelegenheiten, soweit letztere Fragen allgemeiner und politischer Natur betrafen, sowie des mehr oder minder directen Einflusses auf die Ver­waltung des Landes enthalten habe, indem es die Wahrung der allgemeinen europäischen Interessen, welche mit denen Deutschlands identisch seien, der wirk­samen Sorge der mcistinterejstrten Mächte überlasse. Die deutsche Regierung beabsichtige an dieser Politik festzuhalten. Eine Depesche Lord Saltsbury's an LascelleS vom 18. Juni setzt bie Gründe auseinander, welche die britische Regierung bewogen haben, die Abdankung des Khedive zu verlangen. Die Depesche schließt: Das einzige Hinderntß einer Reform scheine ihm der Character des Khedive zu sein, dessen finanzielle Verlegenheiten fast unvermeid­

lich zur Bedrückung des Landes führten, während seine Treulosigkeit die freund­schaftlichen Bemühungen, zur Abhülfe zu gelangen, vereitelte. Ein Wechsel der Politik sei unzweifelh fft nur durch einen Herrscherwechsel tu erreichen.

Berlin 3. Juli Reichstag. Vicepräsident v. Franckenstcin eröffnete um 12Vr Uhr die Sitzung und theill mit, daß Präsident v. Seydewitz wegen dringender Familienangelegenheiten beurlaubt ist. Die Fortsetzung der Berathung des Zoll­tarifs beginnt mit Nr. 2 d (Baumwollenwaaren). Hierzu liegen vor Anträge von Löwe (Berlin), Sonnemann, v. Heeremann und Grad, theils auf Ermäßigung, theils auf Erhöhung der Zollsätze. Im Laufe der Debatte^ erklärte Grad, seinen Antrag zurückzuziehen. Der Antrag Landmann, welcher die Erhöhung des Zolles für Gardinen- ftoffe fcstsetzt, wird angenommen; im Uebrigen werden die Sätze nach den Commissions- Vorschlägen bewilligt. Di« Anmerkungen ad d werden mit einem unwesentlichen An­träge v. Heeremann's angenommen.

Pos. 18 (Kleider, Leibwäsche rc.) wird von Sonnemann bekämpft, von v. Kar- dorff vertheidiat und unverändert in der Commissionsfassung angenommn. Zu Position 22 (Leinengarn, Leinwand und andere Leinenwaaren) wird der Antrag v. Wänker auf Erhöhung gewisser Zollsätze abgelehnt. Eine von der Commission be­antragte Resolution, wonach die Regierungen ersucht werden, nach Ablauf des Handels­vertrages mit Oesterreich-Ungarn die zollfreie Einfuhr von Rohleinen nicht mehr zuzugestehen, wird angenommen, der Antrag Löwe (Berlin) auf Ermäßigung der Sätze für zubereitetes Leinen abgelehnt und sämmtliche Positionen unverändert bewilligt.

Zu Nr. 30 (Seide und Seidewaaren) wird ein unerhebliches Amendement von Knapp und Völk, wonach Zwirn und Rohseide mit 100 JL Zoll belegt werden sollen, angenommen Im Uebrigen wird Nr. 30 nach den Commiffionsanträgen genehmigt und hierauf die Berathung bis Freitag Mittag vertagt.

Berlin, 3. Juli. 2)ie Zolltarif - Commission beschloß in heutiger Abendsitzung, den Kaffeezoll auf 40 Mark, den Petroleumzoll auf 6 Mark festzuse^n.

Rom, 3. Juli. DemPungolo Romano" zufolge wurde heute nach der Abstimmung in der Kammer ein Ministerrath abgehalten, und überreichte später de Pretis dem Könige das E itlaffungsgesuch des Cabinets.

Paris, 3. Juli. Der Asstsengerichtshof des Seine-Departements hat Paul Cassagnac in der Anklagesache, seine Artikel imLe Pays" gegen bie Regierung betr., freigesprochen.

Kairo, 3. Jul. Das neue Ministerium wurde wie folgt gebildet: Sherif Inneres und Aeußeres, Mustapha Fahni öffentliche Arbeiten, Ismail Eyub Finanzen, Mahmud Bardi Unterricht, Osman Galil Krieg, Murad Justiz. Nach einer amtlichen Bekanntmachung ist die Zahlung des Coupons und der Amortisationsquote der Anleihe von 1865, welche am 7. Juli fällig sind, angeordnet worden.

Vermischtes.

Frankfurt, 3. Juli. Im Bundespalais herrscht ungeheure Emsigkeit. Eine Menge fleißiger Hände regen sich, um zu der morgen stattfindenden Eröffnung der Ausstellung der Rheinischen Gartenbau-Vereine Alles in die gehörige Ordnung zu bringen. Der Hof des Palais ist in einen Garten verwandelt, ringsum mjt Gruppen von Conifcren bestellt, meist Muster­exemplare von Den Herren Gartendirector Siesmayer und Grünberg geliefert. Der mittlere Theil desselben stellt ein elyptisches Blumenparterre dar, mit 15,000 Pflanzen, welche reizende Mosaikbeete bilden und einen mit einer Tritonengruppe geschmückten Springbrunnen umgeben. Dieses Arrangement, einzig in seiner Art, verdankt seine Entstehung dem Eifer und Genie des Herrn Siesmayer und wurde sammt dem Arrangement des Hofs in der kurzen Zeit von nur drei Tagen vollendet. Die Säle sind in einheitlicher Decoration gehalten. Auf den Tischen finden Vasen, Aufsätze rc. mit Rosen aus den ersten hiesigen Blumenhandlungen (Fleisch-Daun, Lina Schott, Müller) Aufnahme; bie übrigen Säle sind zumeist von den Handclsgärtnern Ibach und Witzel decorirt. Ein Saal ist den Herren Gebrüder Schultheiß etngeräumt; die mittlere Rotunde schmückt Fleisch-Daun mit Ziergewächsen, Kränzen rc. Der große Garten des Palais ist gleichfalls blumistisch ausgestattet; Fleisch-Daun hat hier Palmen geliefert; Rosen sind aus Dresden ausgestellt.

New-Uork, 28. Mai. Daß man hier in Amerika alles fälscht, ist bekannt; die hölzernen Schinken und Muscatnüffe, die von den Reu-Eugland-Staaien versendet wurden, sind noch im frischen Andenken. Jetzt fälscht man hier sogar Eier, und dies Geschäft wird ganz fabrikmäßig und in großem Maßstabe betrieben, wie wir uns mit eigenen Augen überzeugt haben. Auf der einen Seite eines großen Raumes standen mehrere geräumige kupferne Behälter, die mit einer dicken, klebrigen gelben Masse angefüllt waren, in der ein Mann stetig herum­rührte Das war das Gelbe vom Ei, der Dotter. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich ähnliche Behälter, in denen das Weiße vom Ei fabricirt wurde. Die Eischale wurde aus einer weißen gypsartigen Substanz mittels eines Blasrohrs hergestcllt, ähnlich wie man Seifen­blasen macht. Die feuchten Eischalen wurden dann in einem Ofen zum Trocknen gebracht und später gefüllt, zuerst mit künstlichem Eiweiß, darauf mit künstlichem Dotter und zuletzt wieder mit einer kleinen Portion Eiweiß. Die kleine Oeffnung an dem einen Ende wird mit weißem Cement geschlossen und die größte Errungenschaft der modernen Civilisation, das künst­liche Et, ist fertig. Seinem Aussehen nach ist es ein natürliches Ei, aber es entbehrt nicht nur aller nahrhaften Stoffe, sondern ist im ungekochten wie gekochten Zustande vollständig unvcr daulich und obencin gesundheitsschädlich. Die Ingredienzen sollen an sich unschädlich sein; aber das Gummi, das bei der Herstellung des Dotters benutzt wird, geht eine die Gesundheit gefährdende Verbindung mit dem Alkali ein. Schadet aber nichts; denn Geschäft bleibt Geschäft. (N. Pr. Z.)

Oppenheim, 30. Juni. Heute Nachmittag um 2/2 Uhr fand die Abnahme des Knopfes vom Dierungstburme der Katharinenkirche statt. Die Erwartung, daß sich irgend welche Dokumente darin finden würden, bestätigte sich nicht; nur sieben vom Wurm zernagte Korkstopfen fanden sich im Innern vor. Nebst einem größeren Loche, das mit einem Hammer eingeschlagen zu sein scheint, hat der Knopf mehrere kleinere Löcher, die von den Kugeln muth- williger Schützen herrühren. Der Knopf ist aus Kupfer gefertigt und bat einen Durchmesser von etwas über 1 Meter. Er ist derart hergestcllt gewesen, daß zwei Keffel mit ihren Rändern zusammengearbeitet waten. Am untern Keffel war hierdurch ein großes Rohr angelökhet, das über einen dicken Holzpflock gezogen, den Knopf feftbielt. Der Holzpflock lst bereits so morsch, daß er wobl nur wenige Jahre noch den Knopf zu tragen vermocht hätte. Wie uns mitgetheilt wurde, ist der Knopf vor etwa 70 Jahren ausgesetzt worden. Landskr.

Karlsruhe, 29. Juni. Der Gewinner des großen Looses in der letzten Ziehung der badischen Hundertthalcr-Loose im Betrage von 120,000 ist ein Pfälzer und zwar aus Kaiserslautern oder deffen Umgegend. Er sackte seinen Gewinn in 120 Tausendmarkscheinen ganz kaltblütig ein und wünschte guten Morgen. Es geht nichts über kalt Blut!

Zu welcher Blüthe und Vollkommenheiten das Löschwesen gebracht werden kann, wenn sich die Regierung eines Landes in tbatkräftiger, praktischer Weise desselben anntmmt, zeigt sich aufs Schlagendste im Hcrzogthum Braunschweig. Es wurde dort durch Gesetz > nicht Verordnung wie bei uns) vom 2. April 1874 bestimmt, daß alle Städte, Flecken und Land­gemeinden die Bildung einexercirter Feuerwehren vorzunehmen hätten und bestehen heute in den 445 Ortschaften des Herzogtbums mit 323,365 Einwohnern 327 freiwillige und i27 Pflichtfeuerwehren, mit zusammen 16,124 Mann; hierzu kommen noch an Ordnungsmannschaft 18,890 Mann, in Summa 35,014 Mann, so daß 11 Proc. aller Landeseinwohner gut ausge­rüstet, im Feuerwehrdienst gut eingeübt und bei entstehender Feuersgefahr zu sofortiger Hilfe bereit stehen. Freilich hat man dorten die freiwilligen Feuerwehren bezüglich der Ausrüstung nicht wie bei uns auf die Gnade der Gemeindevertretung angewiesen, sondern der Staat hat zu diesem Zwecke an die einzelnen Communal Derbände aus seinen Mitteln die Summe von 500,000 Mark angewiesen. Außerdem aber wird durch das erwähnte Gesetz für Verunglückte in einer Weise gesorgt wie dieS in keinem anderen deutschen Lande der Fall ist. Wie vortrefflich sich diese Einrichtungen bewährt haben und wie dieselben wieder dem ganzen Lande zu Gute gekommen sind, zeigen am besten die gezahlten Brandsteuern Während früher die höchst gezahlte Brandsteuer von 100 Mark Versicherungscapital 23,25 Proc. betrug, stellte sich dieselbe in den Jahren87478 auf 6,77 beziehungsweise 7,25 Proc. Gewiß ein überaus günstiges Resultat, welches allein schon andere Länder anspornen sollte, dem hier gegebenen Beispiele zu folgen. So viel dürfte als feststehend anzunehmen sein, daß das Herzogthum Braunschweig nach voll­ständiger Durchführung seines Feuerwehrgesetzes alle anderen Länder, selbst Bayern, in dieser Beziehung überragt, und bleibt nur zu wünschen, daß man auch anderweit in gleicher Weise vorginge und nicht mit halben Maßregeln einen unfertigen unhaltbaren Zustand schaffte.