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ist im zweiten Zwickauer BrückenSerg-Schachte die Belegschaft durch schlagende I Wetter verunglückt. Man befürchtet, daß 70 bis 80 Mannschaften tobt ge- blieben sind. Die Rettungsarbeiten sind in vollem Gange.

Petersburg, 2. Decbr. Durch Verfügung des zeitweiligen General- Gouverneurs von Petersburg ist bie Todesstrafe des verurtheilten Mirsky in Zwangsarbeit auf unbestimmte Zeit, die IZi/zjährige Zwangsaibeitsstrafe Tarchow's in 10jährige Festungsarbeit umgewandelt. Diese Milderung der Strafen wird durch die Minderjährigkeit der Verurtheilten und deren volle Reue moiiotrt

Konstantinopel, 2. Decbr. Der Termin zur Räumung von Gus- finje und Plava läuft am 12. ds. ab. Mukhtar Pascha ist tn Peizrend etngetroffen. Die hiesige bulgarische Agentur warnt die Dampfschifffahrts- Gesellschaften, mohamedanische Flüchtlinge zur Beförderung nach Bulgarien aufzunehmen, so lange nicht eine Verständigung mit den bulgarischen Behörden erzielt sei.

London, 2. Decbr. DemDaily Telegraph" zufolge besteht das Unwohlsein der Königin nur in einer leichten Erkältung und flößt keinerlei Besorgniffe ein. Heute findet ein Cabinetsrath statt.

PariK, 2. Decbr. Mehrere Journale versichern, daß die Minister in der gestrigen Zusammenkunft bei Waddington beschloffen hätten, von der Depu- tirtenkammer unverzüglich ein Vertrauensvotum zu verlangen.

Moskau, 2. December, Abends. Gestern Abend als der Kaiser sich bereits hier befand, verunglückte ein zweiter noch unterwegs befindlicher kaiser­licher Extrazug durch Explosion. Ein Bagagewagen wurde in die Luft gesprengt, 7 Wagen entgleisten. Menschen wurden keine verletzt.

Berlin, 2. Decbr. Die Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses vertagte die Berathung der Vorlage über den Bau von Sekundärbahnen bis nach Neujahr. Die Unterrichts-Commission beschloß mit 11 gegen 10 Stimmen über die Elbinger Petition zur Tagesoidnung überzugehen. Die Schanksteuer-Commission lehnte die Anträge, welche die Erhebung der Steuer fakultativ für die Gemeinden machen wollten, mit 11 gegen 6 Stimmen ab.

2. Decbr. DieNordd. Allg. Ztg." kann nach zuverlässigen In­formationen alle Zeitungsmittheilungen über eine angebliche Absicht der Re­gierung, nach dem Erwerb der Privatbahnen auch die bedeutenden Walzwerke in ihren Besitz zu bringen, als aus der Luft gegriffene Erfindungen erklären.

Paris, 2. Decbr. Deputirtenkammer. Der Minister des Aeußern, Waddington, erklärt: Das Ministerium verlangt, daß man auf die Tribüne bringe, was man in den Journalen und in den Couloirs der Kammer colpor- tirt. Es ist nöthig für die Jntereffen des Landes, zu wißen, wer uns eigent­lich regirt. Kein Ministerium kann ein Programm annehmen, das ihm auf- genöthigt wird. Das Parlament muß sich darüber aussprechen, ob das Ministerium sein Vertrauen hat, ja oder nein! Wenn das Vertrauen ein un­vollständiges ist, wird das Cabinet sich sofort zurückziehen. Der Minister fordert die Kammer auf, sich vollständig auszusprechen, ihre Beschwerden und ihre Angriffe auf die Tribüne zu bringen. Der Minister verläßt die Tribüne unter dem Beifalle nicht nur des Centrums, sondern auch eines Theils der Linken.

Nach der Erklärung Waddingtons trat die Kammer in die Berathung der Tagesordnung wieder ein. Die Sitzung wurde geschloffen, ohne daß ein weiterer Zwischenfall eingetreten wäre. Die Bureaux der Linken werden morgen nach den gesonderten Berathungen der vier Linkengruppen zur Be­sprechung zusammentreten.

Berlin, 2. Decbr. Die hier coursirenden Gerüchte über ein Attentat auf den Kaiser Alexander auf dem Wege nach Moskau, wo derselbe bereits gestern Abend wohlbehalten angelangt ist, werden auf die hierher erfolgte Meldung zurückgeführt, daß einem dem kaiserlichen Zuge folgenden Güter­zuge, auf welchem die Dienerschaft sich befand, ein Unfall wiederfahren sein soll. Authentische Mittheilungen fehlen.

Berlin, 2 December. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Debatte über den Etat fort. Bei der PositionLokaloolizeiverwaltung' berührte Abg. Hänel die Mißstände, welche bei der Berliner Theatercensur zu Tage getreten, erinnert an das Verbot des StückesMana Antoinette", kommt alsdann auf die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes und fordert den Minister auf, die Gründe dieser Maß­regel darzulegen. Der Münster des.Innern erwidert, er habe es sich sorgfältig ange­legen sein lassen, die Beaufsichtigung der Theatervorstellungen soweit thunlich sachver­ständig führen zu lassen; er bcdaure, daß das Verbot der Aufführung des Stückes 3J?arta Antoinette" das Gastspiel der Rifiori beeinträchtigt habe; allein das Verbot fei durch die Mittel, welche der Tendenz des Stückes zum Ausdrucke verhelfen, gerecht­fertigt gewesen. Die Gründe, welche im vorigen Jahre zur Verhängung des kleinen Belaaerungszustandes geführt, dauerlen fort. Die lauten Verhöhnungen des Gesetzes und der Obrigkeit seien allerdings verstummt, indessen die geheimen Agitationen ge­wachsen. Die alten Verbindungen mit dem Auslände und mit den Führern würden fortgesetzt. Man möge nur einmal den Rechenschaftsbericht der Socialdemokratie in dem in Zürich erscheinenden OrganDer Socialdemokrat" betrachten. Der Minister verliest Stellen, worin der Stand der socialdemokratischcn Bewegung als ein vortreff­licher bezeichnet wird. Die Aufrechterhaltung des kleinen Belagerungszustandes sei unabweisbar geboten; seien wir doch wenigstens vor den lauten Friedensstörungen und Kundgebungen der Socialdemokratie seil Jahresfrist verschont geblieben. Die Ausweisung fei ein sehr hartes Mittel, aber das einzige, um die gefährliche Agitation einzuschränken. Die öffentliche Meinung hatte bisher den Bestrebungen der Regierung in ihren Maßnahmen gegen die Socialdemokratie zur Seite gestanden. Möge das auch ferner so bleiben! Dann würden die angewandten Mittel schließlich nicht nur palliativ wirken, sondern zu einem bleibenden inneren Frieden führen. (Beifall auf der rechten Seite des Hauses.)

In der weiteren Diskussion führt Windthorst Beschwerde über tendenziöses Ver­fahren bei der Insertion von amtlichen Bekanntmachungen Das Kapitel:Lokal­polizeiverwaltung" wird nach den Anträgen der Commission genehmigt. Bei dem Kapitel:Polizeiverwaltung in den Provinzen" beklagt Kantak die gehässige Hand­habung des Gesetzes betr. die Geschäftssprache der Behörden in der Provinz Posen. Der Minister rechtfertigt das Verfahren der Behörden als durchaus gesetzmäßig. Kantak stellt Anträge auf C'ne authentische Interpretation des Gefchäftsspcachc.Gesetzes in Aussicht. Das Kapitel wird genehmigt. Das Kapitel:Polizeidiftricts-Commissarien in der Provinz Posen" wird nach unerheblicher Debatte genehmigt. Bei dem Kapitel: Landgendarmerie" plaidirt Meyer für die Vermehrung der Landgendarmerie in den

östlichen Provinzen. Das Kapitel wird genehmigt. Die weitere Berathung findet morgen statt.

Berlin, 2. Decbr. DerRetchsanz." meldet: Die Kaiserin hat dem Ausschuß der am 28. Novbr. in Breslau stattgehabten Delegirten-Conferenz zur Berathung der durch die vaterländischen Frauenoereine gegen den Roth- stand in Oberschlesien zu gewährenden Hülfsteistungen 1000 Mark über­weisen losten.

Washington, 2. December. Im Senat und der Kammer wurden Resolut onen eingebrucyt, in welchen beantragt wird, die Regierung solle der Gesellschaft zur Herstellung eines Canals durch Nicaragua Schutz zugestehen. Der Kammer ging ferner der Antrag zu, im Laufe der Session au dem be­stehenden Münzgesetze nichts zu ändern. Der Antrag wurde an eine Com­mission verwiesen.

Pesth, 2. Decbr. Das Oberhaus hat unter Ablehnung der Amende­ments die 10jährige Verlängerung des WehrgesetzeS angenommen.

Berlin, 2 December. Bei dem versuchten Attentat auf den Zar bei der Ankunft in Moskau waren die Schienen unterminirt. Die Explosion er­folgte erst, als der kaiserliche Zug schon vorüber war. Der Zar blieb unversehrt.

Berlin, 3. December. Nach einem Privattelegramm derNordd. Allg. Ztg." aus Posen wäre constatirt, daß in Warschau und Russisch-Polen die Rinderpest sich immer mehr verbreite. Man glaube in Folge dessen von preußischer Seite eine militärische Grenzsperre erwarten zu müsten.

Lokales.

(Rieften, 3. December. (Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der Todesfälle in der Woche vom 23 bis 29. November belief sich im Ganzen auf 7. Es befanden sich unter den Gestorbenen 3 erwachsene Personen (an Lungenschwindsucht, Recurrens-Fieber und Nierenentzündung je ein Fall) und 4 Kinder im ersten Lebensjahre. Von den letzteren starb eins, 2 Tage alt, an Krämpfen, eins, 4 Tage alt, an angeborener Schwäche, eins, 9 Tage alt, an Gehirnschlagfluß und eins im Alter von 6 Monaten an Bronchi enentzündung. G.

Gießen. 3. December. In unserer Stadt curfirte gestern Ab.nd schon das Gerücht: in Marburg seien am Nachmittag 30 Schüler auf der Lahn eingebrochen und ertrunf.'n. Was an der Sach^ ist, mögen die Leser aus folgender Notiz der in Marburg erscheinendenOberhess. Zeitung" entnehmen. Dieselbe schreibt:

Marburg, 2. December. Mit einer Bestimmtheit, wie es selten gelingt, war gestern das Gerücht hier verbreitet, daß 23 Gymnasiasten aus dem Eise d:r Fulda bei Hersfeld verunglückt seien. Nachdem uns von verschiedenen, glaubwürdigen Seiten dasselbe mitgetheilt wurde, nahmen wir es auch in unser Blatt, auf spätere telegraphische Anfragen in Hersseld kam dann die erfreuliche Nachricht, daß an der ganzen Sache kein wahres Wort sei, nur in einem kleinen Theile der Auflage unseres gestrigen. Blattes konnten wir diese Nachricht noch mittheilen."

Gestern kam einer Frau von Herborn auf dem Wochenmarkt ober sonstwo ein Portemonnaie mit ca. 160 JL. Inhalt abhanden.

Einem Droschkenkutscher wurde heute Nacht ein Mantel vom Wagen herunter gestohlen.

Die Schlosserarbeiten an der Wieseckbrucke in der Gartenstraße sind gestern beendet worden. Ein geschmücktes Tannenbäumchen zeigte den Passanten die Fertig­stellung an. Wenn man bedenkt, daß bei der eben herrschenden n ederen Temperatur die Arbeiter über dem Wasser in dabei zweifelhafter Stellung arbeiten mußten, so darf man sich freuen, daß dieser The.l der Arbeit beendet ist. Ob es zweckmäßig war und im Interesse der Gesundheit der Arbeiter gelegen hat, daß die Reparatur eben, anstatt zu einer wärmeren Jahreszeit vorgenommen wurde, überlassen wir dem Urtheille der Leser.

Gießen, 3. December. Im Monat November 1879 wurden von Seiten der Schutz - Mannschaft arrelirt: Bettler 70, Obdachlose 4, wegen Scandal 1, wegen Trunkenheit 4, Widerstand 2 Diebstahl 3, auf Requisition wurden 6 Personen arretirt, Schulkinder 9. Anzeigen erfolgten in sanitätspolizeilicher Beziehung wegen schädlicher Ausdünstung 11, bösartiger Thiere 1, in ficherheitspolizeilicher Beziehung gegen Bettler 70, Ruhestörung 164, Diebstahl 12, Betrug 4, schwere Körperverletzung 4, Meldewesen 33, sonstige Sicherheitspolizei 10. Ferner wegen Thierquäleret 3, Störung der Sonntagsfeier 1, Coneubinat 4, Uebertretung der Feier­abendstunde 63, Führung von unrichtigem Maß und Gewicht 6, wegen Vergehen gegen die Droschkenordnung 4, Straßenreinigung 6, Fahrordnung 9, sonstige Straßenpolizei 12, Bau- Polizei 1", Feuerpolizei 6, Steuerdefraudation 14, Oktroi 8. Summa sämmtlicher Anzeigen 461 gegen 387 tm Monat October.

Für dieSuppenanstalt" gingen weiter bei uns ein: Materialoerwalter Schellhaas 5 JL, ß. Roth 5 Jt, Frl. Rumpf 10 JL, H H 20 JL, Baierthal 3 Jt, Löwe 2 JL, H. Eifert 2 JL, Gg. Fr. 2 JL, $ B. Singer 3 JL, August Will 10 JL, F. Bender & Co. 30 JL, W N 3 J4, Frau L 3 JL, Erlös eines nach der Comite- sitzung gespielten Scats 1 JL 30 4, Geheirnerath Völker 25 JL, Ung. 3M, Mylius 30 W. Wiegand 3 JL, L. Th. Felsing 10 JL, S. Reutlinger 10 JL, Labroisse 10 JL, K. G. 2 JL, Carl Emmelius 50 JL, Heyligenstaedt 5 JL, G. Windecker 5 JL, Frl. Windecker 3 Jt, Dr. Ploch 10 Jt, Frau Justizrath Ploch 10 JL, Dr. Winkler 5 JL, Prof. Dr. Thaer 5 M., Prof. Dr. Weiland 6 JL Sa. 291 JL, mit den in vorletzter Nummer quittirten 374 Jt nunmehr 665 JL.

Den freundlichen Gebern Dank sagend, bitten wir, angesichts der strengen Kälte, (heute Nacht 13 Grad) um weitere Gaben. Die Exped. d. Gieß. Anz.

Handel und Verkehr.

Herborn (dn der Cöln-Gießener Eisenbahn), 1. Decbr. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 181 Ochsen, 185 Kühe und Rinder, 209 Schweine. Der dies­jährige Weihnachtsmarkt wird am Montag, den 22. December und der Neujahrsmarkt am Montag, den 29. December l. I. dahier abgehalten.

Verschiedene Handelskammern hatten sich, wie bereits gemeldet, an das Reichskanzler- amt mit dem Ersuchen gewandt, die bei dem Eincassiren der Wechsel durch bie Post hervorgetretenen Uebelstände zu beseitigen, den Briefträgern die Annahme von Theilzahlunzen zu gestatten und Anordnungen zu treffen, daß der fällige Betrag des Nachmittags 4 Uhr in der Postamtsstclle gezählt werden könne. Das General-Postamt, an welches daß Reichskanzler­amt die Eingaben zur Bescheidung abgegeben, hat jene Anträge abgelehnt und dabet zunächst bemerkt, daß, wenn auch der Absender den Vermerksofort zum Protest" gemacht, der Wechsel nicht unmittelbar nach der Vorzeigung geleisteter Zahlung zum Protest gestellt wird, vielmehr die Postanstalt die Zahlung noch bis zum Zeitpunkte der wirklichen Weitergabe zum Protest oder bezw bis zum Schluffe derjenigen Post, mit welcher die Weiterscndung zu erfolgen haben würde, annehmen kann. Die Annahmefrist allgemein auf 4 Uhr Nachmittags zu verlängern, ist unthunlich, weil der jeweilige Postabgang die Festsetzung einer gleichmäßigen Frist ausschließt. Die Annahme von Theilzahlungen und die Anwednng des wechselrechtlichen Verfahreus bei Wechseln mit Nothadressen lasie sich auch nicht erfüllen, weil das Postauftragsverfahren mög­lichst einfach gestaltet werden muß, die Verwaltung auch alle Bestimmungen fern zu halten hat, welche einerseits nicht unmittelbar in den Rabmen des Postbeförderungswesens passen und anderer­seits den Beamten besondere Regreßverbindlichkeiten auferlegen könnten.

Allgemeiner Anzeiger.

Akadenrisd)rr Gesangverein.

7841) Die chste Probe kann erst am Freitag den 5. d. M., Abends 7 Uhr, in der kleinen Aula stattfinden.

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