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Nr. 29.

Dienstag, den 4. Februar

1879.

NedaetionSbnreau r e?xpeditionsbureau:

AWgk- Mil AmtsRÄ für in Kms Gießen

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags

Schulstraße B. 18.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringer lohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheit. Bekanntmachung.

Beteffend: Das Betreten des Elses aus der Lahn.

Das Betreten ves Eises auf der Lahn unterhalb des Wehrs am Woog ist bis auf Weiteres untersagt. Zuwiderhandlungen unterliegen nach Art. 292 des Polizeistrafgesetzes einer Strafe von 1 Mark bis 8 Mark 57 Pfennig.

Gießen, am 3. Februar 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Uokilisch

Deutschland.

Berlin, 31. Januar. Heute werden die Arbeiten der Subcommtssionen zur Erörterung der technischen Fragen in Bezug auf Verhinderung der Ver­breitung der Pest fortgesetzt, vornehmlich betreffs der Desinfection, Quaran­täne und Sperre, nachdem bereits gestern das Einfuhrverbot erfolgt ist. Eine Plenarsitzung der Gesammt Ccmmisfion findet heute nicht statt. Die Basis der Commissionsarbeiren ist eine doppelte, und zwar einmal für den Fall der Einschränkung auf den jetzigen Pestheerd, was der augenblicklichen Sachlage entspricht, und zweitens im Falle des Wettergreifens der Epdemie. Es gilt für wahrscheinlich, daß in nächster Woche die in ihrem Fache hervorragende medicinische Autorität, Profesior Hirsch, selbst mit noch zu wählenden Aerzten sich nach Rußland begibt. Von berufenster Sette wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Abnahme der Erkrankungsfälle in dem augenblicklichen Pest- Rayon durch große Kälte hervorgerufen wird, was natürlich die Vorkehrur.ge- maßregeln nicht beeinträchtigen dürfe. Von competenter Sette wtrd die russische Berichterstattung nicht für mangelhafter gehalten, als die localen Zustände der betr. Gegenden sie bedingen muffen, und wird ferner darauf hingewiesen, daß bei den drei letzten großen Pest-Epidemien, 1828 in den Donau-Fmst.n- thümern, 1874 tn Mesopotamien und 1876 in Bagdad, von deutschen, italie­nischen und österreichischen Aerzten zunächst falsche Diagnosen erfolgten, wonach sich auch die vorgekommenen falschen Clasflfictrungen russischer Localärzte erklären.

Berlin, 1. Februar. Einer an der hiesigen Börse angeschlagenen Be­kanntmachung des Börsenvorstandes tn Astrachan von gestern zufolge, ist tn Wetltanka (200 Werft von Astrachan) seit 10 Tagen fein Krankheitsfall vor­gekommen. Ebenso ist tn den übrigen streng tsolirten Dörfern die Epidemie verschwunden. Nur tn Selistrenn befinden stch 3 Kranke. In Astrachan und aus allen Wolga- und Meer-Fischereien herrscht wie immer vollständige Gesundheit.

Berlin, 1. Februar. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Heute Mittag kurz nach 12 Uhr schloffen die Verhandlungen des Kriegsgerichts tn Sachen desGroßen Kurfürsten." Bei dem Schluffe der Sitzung ermahnte der Vor­sitzende, den Bestimmungen gemäß, die Richter, die Entscheidung geheimzu­halten, bis die kaiserliche Bestätigung des Urthetls erfolgt sei.

Barmen, 1. Februar. DerBarmer Ztg." zufolge ging auf die Adreffe der dortigen Stadtverordneten-Versammlung folgende Antwort ein: Friedrichsruhe, 29. Jan. Das gefällige Schreiben vom 21. d. habe ich mit Dank erhalten. Ich bin mit Ihnen der Ansicht, daß unsere Industrie rücksichtltch der Halbfabrikate, deren sie bedarf, auf Schonung ihres Besitzstan­des Anspruch hat, sobald ihr mit entsprechend erhöhtem Schutze des vollen Fabrikats nicht geholfen werden kann. Der Staat schuldet aber der Land- wirthschaft gleiche Beachtung wie der Industrie und wenn Beide nicht Hand in Hand gehen, wird keine ohne die andere stark genug sein, sich zu helfen.

gez. v. Bismarck.

Aus Bayern, 31. Januar. Endlich ist doch einmal die Thaisache zu verzeichnen, daß ein katholischer Bischof selbst die tn seinem Bezirk angeb­lich vorgekommenen Muttergottes-Erscheinungen und ähnliche Phantasien für Schwindel erklärt hat. Es ist der Bischof von Regensburg, Herr v. Sene- strey, dem diese Ehre gebührt und die schwindelhaften Erscheinungen sollten tn den Jahren 1876 und 1878 bet Mettenbach gesehen worden sein. Der Bischof nahm indeffen sofort selbst die Sache in die Hand und hatte sie als­bald ein Ende. Er ließ die Kinder tn Erziehungs-Anstalten bringen und ver­hörte sie dann einzeln. Und einstimmig sagten sie aus:Daß sie niemals Erscheinungen gehabt, niemals die Mutter Gottes, das Jesuskind oder den leidenden Heiland, niemals Engel oder Heilige oder arme Seelen gesehen oder Worte von ihnen vernommen haben. Alle ihre früheren Aussagen, als hätten sie in der Waldschlucht oder zu Hause oder an anderen Orten jemals eine Erscheinung dieser Art gehabt, seien unwahr." Wenn bet den übrigen Schwin­deleien, betr. Muttergottes Erscheinungen rc., die maßgebenden Geistlichen tn ebenso ernster Weise ihre Pflicht getban hätten, wie der Bischof von Regens­burg, dann wäre wohl manches Unheil und zwar zum eigensten Besten der katholischen Kirche verhütet worden.

München, 1. Februar. Der Antrag des Referenten Walter bezüg-

er Hheif.

lich der Herabminderung der Militärlast wurde heute von dem Finanzaus- schuffe d's Abgeordnetenhauses berathen und von demselben abgelehnt.

München, 1. Februar. Die Kammer der Reichsräthe berieth heuie über die Beschwerde von Einwohnern in Groß-Karlbach wegen der dortigen gemischten Schule. Referent Frhr. v. Schrenk empfiehlt gemäß dem Beschluffe des Ausschuffes den Antrag: Den König zu bitten, 1) die einschlägige Ver­ordnung von 1873 aufzuheben; 2) die Simultanschule in Groß-Karlbach in eine confeistonelle umwandeln zu lasten. Für den Antrag sprachen die Erz> btschöfe von München und Bamberg, sowie der Frhr. v. Frankenstein. Mini­ster v. Lutz erklärt, diese Frage sei mit der gestrigen identisch. Bei der Ab- stimmung wird Punkt 1 mit Stimmengleichheit abgelehnt, Punkt 2 mit 26 gegen 20 Stimmen angenommen.

Gotha, 1. Februar. Der gemeinschaftliche Landtag hat einen Ver- mittlungsa. trag, wodurch der Conflicl mit dem Minister für ausgeglichen gilt, angenommen.

Oesterreich. ,

Wien, 1. Februar. DiePoltt. Corresp." meldet aus Bukarest von heute: Die rumänische Regierung hat Oesterreich-Ungarn zur Entsendung von Aerzten nach Bukarest zur Überwachung der Ausführung der Wiener Beschlüsse eingeladen. Die russische Regierung dtsponirte Truppen für die eventuelle Bildung eines Cordons längs des Pruths und die zweite Landwehr zur Cor- donlinie; außerdem bereitet dieselbe eine Quarantäne in Urgheni vor. Nach den neuesten Berichten tritt die bulgarische Nationalversammlung am 22. Febr. in Tirnova zusammen.

Wien, 1. Februar. DasTelegr.-Corresp.-Bureau" erfährt von zu­verlässiger Seite: Seit einiger Zeit finden auf Initiative Deutschlands zwi­schen Wien und Berlin Verhandlungen über den Art. 5 des Prager Friedens statt. Da von Seiten Oesterreichs auf Aufrechterhaltung des Oesterreick- Ungarn in jenem Artikel bezüglich der Bevölkerung Nordschleswtgs eivgeräuw- ten Rechtes kein Werth gelegt wird, ist alle Aussicht vorhanden, daß diele Verhandlungen zu weckselsettiger Befriedigung in einer den Wünschen Deutsch­lands entsprechenden Weise demnächst beendet werden. Dadurch würde neuer­dings eclatant die Intimität der zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn bestehenden Beziehungen documentirt werden.

Pesth, 1. Februar. Im Abgeordnetenhause legt der Finanzausschuß den Bericht über daS Anleihegesetz vor. Apponyi urgirt die Beantwortung seiner Interpellation in Betreff der Organisation für Bosnien und die Herze­gowina. Der Ministerpräsident verspricht die Interpellation in der nächsten Woche zu beantworten. Marcus interpellirt in Betreff der Pest. Stmonyt stellt den Antrag, die Regierung möge angewiesen werden, den Verkehr zwi­schen Ungarn und Rußland durch Errichtung eines vollständigen Grenzcordons für die Dauer der Epidemie einzustellen.

Der Mtnisterpästdent beantwortete die Interpellation bezüglich der Vor­kehrungen gegen die Pest mit dem Hinweis aus das Einvernehmen mit Oester­reick und Deutschland wegen der vorbereiteten Maßregeln. Im Falle einer größeren Gefahr sei auch der Kriegsminister ersucht worden, das Notwendige zu verfügen. Nebst Rumänien habe auch Serbien im Falle einer Gefahr Ver­fügungen erlassen. Er glaube, Rußland werde die ausländischen Fachmänner freundlich empfangen. Nach den neuesten Berichten sei die Epidemie im Ab­nehmen begriffen, doch sei es ungewiß, ob dies nicht die bloße Folge der großen Kälte sei.

Kossand.

Haag, 1. Februar. Der König hat Dembeer Poortugael zum Kriegs - Minister ernannt.

Arankreich.

Paris, 1. Februar.Temps" meldet AsDer Ministerpräsident Dn- faure bat im Ministerrath seinen unwiderruflichen Entschluß kundgegeben, feit e Demission zu nehmen. Auf alle Vorstellungen antwortete er, daß die neue Situation neuer Männer bedürfe. Dufaure wird heute Abend den Präfiden- ten der Republik von seinem Entschluß in Kenntniß setzen.

England.

London, 31. Januar.Standard" meldet aus Khost: In Fo'ge