Lokales.
Gießen, 3. Januar. Wir hatten kürzlich Gelegenheit einen Blick in das von dem Oberhessischen Verein für Localgeschtchte gegründete Museum zu werfen und sind wir in Folge davon in der Lage unseren Lesern sagen zu können, daß es dem Ausschuß des gen. Vereins gelungen ist, ein Resultat zu erreichen, welches im Verhältniß zu der Kürze der Zeit seines Bestehens schon ganz acceptable genannt werden kann.
Das Museum befindet sich bekanntlich im früheren Ortsgerichtszimmer, welches vom Stadtvorsiand dem Verein gütigst überlassen worden. Die wichtigsten Gegenstände stehen in einem schönen großen Glasschrank wohlgeordnet in geeigneten Behältnissen zur Ansicht, die Bibliothek ist im Nebenzimmer untergebracht, welches zugleich dem Secretär und Bibliothekar, auch zum Zweck des Ausleihcns der Bücher als Arbeitszimmer dient, die Münzensammlung harrt noch der alsbald vorzunehmenden Ordnung. Durch die vorhandenen Antiquitäten ist merkwürdiger Weise das Alterthum und das frühere Mittelalter stärker vertreten, als das spätere Mittelalter und die Zeit nach der Reformation; die Römerlager am Pfahlgraben und die Germanengräber nördlich desselben haben das ansehnlichste Material geliefert. Die bis jetzt "weniger vertretene Zeit könnte sicherlich sehr gut rcpräsentirt werden, wenn Jedermann unter seinem Hausrath Umschau halten nnd das darin sich vorfindende geschichtlich Interessante, das nun meist ungesehen in Winkeln liegt und verstaubt, dem genannten Museum wenigstens leihweise überlasten wollte. Wir erlauben uns deßhalb auf die im Annoncentheil enthaltene Bekanntmachung des Vereinsausschustes zu verweisen.
Gießen, 3. Januar. Bei dem Brande zu Heuchelheim sollen wieder viele Unzutrag« lichkeiten, veranlaßt durch benachbarte Hülfsmannschaften, vorgekommen sein. So wurden z. B. mehrere Führer der freiw. städt. Feuerwehr thatsächltch insultirt. — Einzelne Momente des Brandes waren geradezu herzzerreißend. Frauen, ohne weitere Bekleidung als Nachtanzug, liefen irrend mit den Säuglingen auf dem Arm auf der Brandstätte umher. Eine Frau wurde sogar zu der Schreckenszeit von einem Kinde entbunden; während Scheuer und Stall niederbrannte, wurde das Wohnhaus, wo die Wöchnerin lag, mit größter Anstrengung gerettet. Nachstehend lasten wir ein Verzeichniß der abgebrannten Hofraithen folgen • 1) Ludwig Römer V. brannte Scheuer und Stall nieder, während das Wohnhaus verschont blieb, 2) Joh. Volkmann V. ist Alles abgebrannt, Wohnhaus, Scheuer und Stallung, 3) Ludwig Römer IV. dto., 4) Ludwig Kreiling brannte das Wohnhaus theilweise, Scheuer und Stallung ganz ab, 5) Andreas Weller Wohnhaus angebrannt, Stallung und Scheuer ganz, 6) Dan- Krögk V. Wtb. Wohnhaus, Scheuer und Stallung abgebrannt, 7 । PH. Rinn II. ist Scheuer und Stall abgebrannt, 8) Joh Hildebrandt Wohnhaus sehr beschädigt, Scheuer und Stallung ganz abge^ brannt, 9) Gg- Hofmann's Wtb. Wohnhaus angebrannt, Scheuer und Stall ganz, 10) Phil. Lenz Erben Wohnhaus angebrannt, Scheuer und Stall sammt 2 Ochsen ganz verbrannt, 11 * Gg. Germer I. Wohnhaus beschädigt, Scheuer und Stall abgebrannt, 12) Ludw. Henkelmann Wohnhaus beschädigt, Scheuer und Stall ganz abgebrannt, 13) Jakob Volkmann IV. Wohnhaus beschädigt, Scheuer und Stall ganz abgebrannt, 14) Ludw. Steinmüller VIII. Haus beschädigt, Stall abgebrannt, 15) Jak. Burks Wtb. Haus beschädigt, Stall abgebrannt. Der Volksmund bezeichnet mehrere Personen als der Brandstiftung verdächtig, jedoch ist bis jetzt noch kein sicherer Anhalt gefunden worden
--Gestern Mittag bettelte ein Handwerksbursche in einem Hause der Neuenbäuen- Von der Hausfrau bekam er irrthümlich ein 5-Francsstück Statt dasselbe zurückzugeben behielt er es. Später als die Frau ihren Jrrthum gewahrte, nahm sie die Hülfe der Polizei in Anspruch, welche den Mann Abends in der Herberge durch die Frau recognosciren ließ. Man fand bei dem Handwerksburschen das Go ldstück unter dem Hutfutter versteckt.
Vermischtes.
C ö l n. „Bitte, Herr Commistar, öffnen Sie mir gefälligst dieses Briefchen!" Mit diesen Worten trat dieser Tage ein junger Handlungsgehülfe zitternd in das Bureau eines diesigen Polizei-Commistars, indem er demselben gleichzeitig ein Couvert zwischen den Fingerspitzen entgegenhielt. „Mein Principal hat das Briefchen erhalten und der ist zu ängstlich, es aufzumachen, Sie wissen wobl, es wird in letzter Zeit allerhand mit Dynamit gemacht, und da ist der zu bange! Hören Sie einmal!" Damit schüttelte der junge Mann leise das Couvert und in der That raffelten in demselben mehrere harte Gegenstände. „Aber, mein Lieber, bin ich denn dafür da, um Ihnen die Briefe zu öffnen?" entgegnete der Commiffar. „Ich bitte, machen Sie es auf!" sichte der Jüngling und gab ihm das Couvert in die Hand. Der Commiffar weigerte sich noch eine Zett lang, den Brief zu öffnen, und forderte den Commis auf, denselben wieder mitzunehmen. Als der aber erklärte: „Nein, ich nehme ihn nicht mehr zurück!" da ergriff er eine Schere und schnitt das schreckliche Couvert auf. Der Handlungs- befliffene that einen mächtigen Sprung in das nebenanliegende Zimmer, stellte sich dort hinter die Thür und lugte, nur den Kopf vorstreckcnd, entsetzt in das Bureau hinein. Der Commiffar zog ein kleines Schächtelchen mit vier „Pastillen gegen den Husten" und einen Zettel mit Attesten und Gebrauchsanweisung aus dem Papier hervor. „Da sehen Sie", rief er dem Geängstigten zu, „das fürchterliche Dynamit, ein edler Menschenfreund hat Ihrem Herrn Principal seine Pastillen empfehlen wollen. Nun bringen Sie die Dinger nur frank und frei nach Hause. Sie werden dadurch nicht in die Luft gesprengt!" Der Jüngling stammelte seinen Dank und zog sich zurück. Der betreffende Fabrikant hat, wie wir hören, viele hiesige Einwohner zu Weihnachten mit solchen Pastillenbriefchen beglückt.
Mülheim a. d. Ruhr, 25. December. Dem reisenden Publikum bot sich heute Mittag, als der um 12 Uhr 25 Min. von Essen abgelaffene Personenzug in den Eppinghover Bahnhof einfuhr, ein erschütternder Anblick dar. Die Frau des Buchdruckers Portmann aus Mülheim, die nach der Eff. Z. mit ihrem Manne auf den besagten Zug wartete, um zum Besuch von Verwandten nach Duisburg zu fahren, sah in dem Augenblick, als der Zug einfährt, ein kleines Kind über den Schienenstrang laufen. Die Frau will das Kind retten, das Kind kommt hinüber, sie aber gleitet aus, wird von den Rädern erfaßt und zermalmt. Der Kopf der Frau lag, vollständig vom Rumpfe getrennt, neben den Schienen. (W Z.)
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag den 5. Januar. Georg Spies, Neustadt. Martin Lenz, Marktplatz. Friedrich Hennings, Seltersweg.
Kirchliche Anzeigen
der evangelischenGemeinde?uGießen.
Gottesdienst:
Sonntag den 5. Januar:
Landes-Mission sfefit.
Morgens: Pfarrer Schlosser. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner. (Collecte für die Mission.)
(Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 5. bis 11. Januar besorgt Pfarrer Schlosser.
Allen Kranken Kraft und Gesundheit ohne Medicin und ohne Kosten durch die Heilnahrung:
REVALESCIERE
Seit 31 Jahren hat keine Krankheit dieser angenehmen Gesundheitsspeise widerstanden und bewährt sich dieselbe bei Erwachsenen und Kindern ohne Medici» und ohne Kosten bei allen Magen-, Nerven-, Brust-, Lungen-, Leber-, Drüsen-, Schleimhaut-, Athem-, Blasen- und Nierenleiden, Tuberkulose, Schwindsucht, Asthma, Husten, Unverdaulichkeit, Verstopfung, Diarrhöen, Schlaflosigkeit, Schwäche, Hämorrhoiden, Wassersucht, Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrauscn, Uebelkett und Erbrechen selbst während der Schwangerschaft, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht; auch ist sie als Nahrung für Säuglinge schon von der Geburt an selbst der Ammenmilch vorzuziehen. — Ein Auszug aus 80,000 Certificatcn über Genesungen, die aller Medicin widerstanden, worunter Certificate von Professor Dr. Wurzer, Medieinalrath Dr. Angelstein, Dr. Shoreland, Dr. Campbell, Professor Dr. D6dch Dr. Ure, Gräfin Castlestvart, Marquise de Brähan, und vielen anderen hoch- gestellten Personen, wird franco auf Verlangen etngesandt.
Abgekürzter Auszug auS 80,000 Certificaten.
Certificat des Medicinalraths Dr. Wurzer. Bonn, 10. Juli 1852. Revalesciere Da Barry ersetzt in vielen Fällen alle Arzneien. Sie wird mit dem größten Nutzen angewandt bei allen Verstopfungen, Durchfällen und Rühren, in Krankheiten der Urinwege, Nierenkrankheiten k., bei Steinbeschwerden, entzündlichen ober krankhaften Reizungen der Harnröhre, bei krankhaften Zusammenziehungen in den Nieren und in der Blase, Blasen - Hämorrhoiden rc. — Mit dem ausgezeichnetsten Erfolge bedient man sich auch dieses wirklich unschätzbaren Mittels nicht blos bei Hals- und Brustkrankheiten, sondern auch bei dcr Lungen- und Luftröhrenschwindsucht.
L. S. Rud. Wurzer, Medieinalrath und Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften.
Nr 62476. Dem lieben Gott und Ihnen sei Dank. Die Revalesciere hat mein 18jähriaes Leiden im Magen und in den Nerven, verbunden mit allgemeiner Schwäche und .nächtlichem Schweiß gänzlich beseitigt. I. Comparet, Pfarrer, Sainte Romaine des Iles.
Nr. 89211. Orvaux, 15. April 1875. Seit vier Jahren genieße ich die köstliche Revalesciere und leide seitdem nicht mehr an den Schmerzen in den Lenden, die mich während , langer Jahre fürchterlich gefoltert hatten. In meinem 93. Jahre stehend, erfreue ich mich jetzt der vollkommensten Gesundheit. Leroy, Pfarrer.
Nr. 64210. Marquise von Br4han von 7jähriger Leberkrankheit, Schlaflosigkeit, Zittern an den Gliedern, Abmagerung und Hypochondrie.
Nr. 75877. Florian Köller, K. K. Militärverwalter, Großwardein, von Lungen- und Luftröhren-Katarrh, Kopfschwindel und Brustbeklemmung.
Nr. 75970. Herr Gabriel Teschner, Hörer bei' öffentlichen höheren Handelslehranstalt in Wien, in einem verzweifelten Grade von Brustübel und Nervenzerrüttung.
Nr. 65715. Fräulein de Montlouis, von Unverdaulichkeit, Schlaflosigkeit und Abmagerung.
Nr. 75928. Baron Sigmo von lOjähriger Lähmung an Händen und Füßen ic.
Die Revalesciere ist viermal so nahrbaft als Fleisch und erspart bei Erwachsene» .und Kindern 50 Mal ihren Preis in anderen Mitteln und Speisen.
Preise ber Revalesciere */2 Pfb. 1 JL 80 1 Pfd. 3 JL 50 2 gjfb. 5 JL 70 A
5 Pfb. 14 JÄ, 12 Pfb. 28 50 24 Pfb. 54 JZ..
Revalesciere Chocolat6e 12 Taffen 1 JL 80 H, 24 Taffen 3 50 48 Taffen
5 JL 70 120 Taffen 14 <X, 288 Taffen 28 JL 50 576 Tassen 54 JL
Revalesciere Biscuites 1 Pfb. 3 JÄ 50 2 Pfv. 5 70 H.
Zu beziehen burch Du Barry & Co. in Berlin NW., 25 Louisenstr., unb bei viele» guten Apothekern, Droguen-, Specerei- unb Delicateffenhänbler im ganzen Lanbe.
In Gießen bei Philipp Schwager. (58
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse ungelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:
Samstag den 4. Januar 1879,
Dienstag „ 7. „ „
Mittwoch „ 8. „ „
Donnerstag „ 9. „
Samstag „ 11.
Dienstag „ 14.
Mittwoch „ 15. „ „
Donnerstag „ 16.
Samstag „ 18.
Die Interessenten werden daher aufge- sordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legi- timiren.
Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen.
Gießen, den 28. November 1878.
Der Rechner der Spar- und Leihkasse.
Kehr.
68) Packfäßer und Kisten billigst abzu- gcben. Emil Pistor.
Bekanntmachung.
Donnerstag den 9. Januar,
Vormittags 10 Uhr, sollen im Tonnenschuppen am Rodberg (hinter der Main-Weser-Bahn) circa 220 Ohm Abtrittsdünger in Loosen zu 20 und 40 Ohm öffentlich an den Meistbietenden gegen Baarzahlung verkauft werden.
Gießen, den 3. Januar 1878. 66) gerb. Bröl.
Versteigerung von Baugegenständen.
Dienstag den 7. b. Mts., Vormittags 10 Uhr, sollen im Rentamtshof dahier alte Oefen, Thüren, Fenster, Läden, Dach- kandeln, Bretter und eine große Quantität Schmiede-Eisen gegen sofortige Zahlung öffentlich versteigert werden.
Gießen, am 3. Januar 1879.
Großh. Kreisbauamt Gießen.
In Vertretung: M. Wahl, 67) Großh. Kreisbauaufseher.
Montag den 6. Januar,
Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortögericht V3 der dem Karl Berger gehörigen Grundstücke, als Flur. Meter.
18/ih 907 Garten am Wetzlarer Weg
auf die Lahn,
42/is3 1182 Surfer an der Steinkaut gegen die Hohl,
«/154 H62 Acker daselbst
meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 27. December 1878.
Großherzogliches OrtSgericht Gießen. 63) Müller.
Montag den 6. Januar,
Nachmittags 2Vs Uhr, sollen im Pfandlocale dahier 1 Marmor- platte, Leiüwand, Polsternägel sowie sämmt- liche in's Tapezierfach einschlagende Gegenstände öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, 3. Januar 1879.
Großhcrzogl. Ortsgericht Gießen. 72) Müller.
Aeilgevotenes.
70) Die so schnell beliebt gewordene, überall als vorzüglich anerkanntc Augsburger Nniversal-Glycerin Seife von H. P. Beyschlägest vorräthig bei Hrn.
Gg. Wilh. Weidig.
Sparherde, Mantelöfen, Kaffeebrenner, Kohlenlöffel, Feuerzangen re.
empfiehlt zu billigsten Preisen (64
A. Herkenberg,
Reich eu sand.
69) Neu abgestempelte Spielkarte« empfiehlt E. W. Dietz,
__am Markt. Prima Branntweinhefe, pr. Kilo JL 1,25, ab Dortmund gegen Nachnahme zu beziehen durch (16
H. Rüttler &* Co., Dortmund.
55) Die erwarteten Spielkarten mit Reichsstempel sind eingetroffen.
Christian Ruhl, Wallthorstraße.
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Theodor Küchler, 12) Seltersweg 79.


