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unb der Justiz Jacob Finger das Comthurkreuz 2. Klaffe des Verdienst» vrdens Philipps des Großmüthigen,

dem Mintsterialrath bet dem Ministerium des Innern und der Justiz Geh. Rath Ludwig Hallwachs das Ritterkreuz 1. Kl. des Ludewtgsordens, dem Ober-Staatsanwalt bet dem Oberlandesgericht Otto Becker das Ritterkreuz 1. Klaffe und

dem Ministerial-Canzlei-Jnspector bei dem Ministerium des Innern und der Justiz Valentin Metz das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Phi­lipps des Großmüthtgen zu verleihen.

Darmstadt, 1. Octbr. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 1. Octbr. dem Rabbtnen des Rabbinats Gießen, Dr. Benedict Samuel Levi, aus Anlaß der etntretenden Vollendung seines fünfzigsten Dienstjahres, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Berlin, 30. Septbr. DerReichsanzeiger" veröffentlicht ein Schreiben, das der Handelsminister unter dem 16. ds. an eine Anzahl Bezirksregierungen gesandt hat und das sich auf die Frage bezieht, ob und in welcher Weise eine gesetzliche Regelung der Altersversorgungs- und Jnvaliden-Caffen herbeizuführen sei. Das Schreiben bezieht sich auf die Verhandlungen des Reichstages über den Antrag des Abgeordneten Stumm auf Einführung obligatorischer, nach dem Muster der bergmännischen Knappschaftsveretne zu bildenden Altersver­sorgungs- und Jnvaltden-Eaffen für alle Fabrikarbeiter und stellt als Grund­satz auf, daß, wenn das Bedürfniß einer Regelung anerkannt werde, es sich vor Allem um die Frage handle, ob dieselbe sich darauf beschränken soll, für die Einrichtung, die Verwaltung und Beaufsichtigung der fragltcken Caffen, sofern sich solche bilden, die erforderlichen Vorschriften zu treffen, oder ob außer- ocm die Arbeiter zu einem Zwange zur Betheiligung an solchen Caffen unter­worfen werden sollen. Das Schreiben gibt dann detailirte Andeutungen, wie der Minister die Fragen beantwortet haben will. Die Beobachtungen der Regierungen sind bis zum 1. November er. einzureichen. Dem Berichte ist eine nach Kalenderjahre aufgestellte Nachweisung der seit Erlaß des Gesetzes vom 7. April 1876 bis zum 1. October b. I. neu errichteten eingeschriebenen Htlfscaffen unter Ausschluß der blos in solche umgewandelten Caffen beizufügen.

DerNationalzeitung" ist Folgendes zu entnehmen: Die im Jahre 1880 nach Ablauf eines fünfjährigen Zeitraums stattstndende allgemeine deutsche Volkszählung, welche voraussichtlich wieder Anfangs December ansgeführt werden wird, ist die Veranlaffung, daß sich am 7. October die Vorstände der statistischen Bureaus der deutschen Staaten zu einer Conferen; in Berlin ver­sammeln werden. Die erste Anregung zu der Frage, welche Ziele die nächste Volkszählung verfolgen soll, hat unser unermüdlicher Statistiker, Geh. Rath Dr. Engel, vom Kgl. preuß. statistischen Bureau in seiner Denkschrift:Die Aufgaben des Zählwerks im deutschen Reiche am Ende des Jahres 1880. Berlin 1879" gegeben, in der er der nächsten Volkszählung eine sehr erweiterte Aufgabe stellen will. Er will nämlich durch diese Zählung nicht nur alles Das erzielen, was eine vollständig genügende Volkszählung haben muß, sondern zugleich die Materialien für ein allgemeines Wohnplatzverzeichntß und eine Gebäudestatistik, an welche sich dann auch eine Zählung dec Gewerbebetriebe mit Hilfspersonen und mit Kraft- oder Umtriebsmaschinen und eine Landwtrth- schafts- und Viehzählung reihen soll. Die preuß. statistische Central-Corn- Mission, welche in der letztverfloffenen Woche versammelt gewesen ist, trägt dem Vernehme» nach Bedenken, auf die Vorschläge des Herrn Engel voll und ganz einzugehen und hat sich deßhalb nur mit einem Theile derselben einver­standen erklärt.

Kiel, 28. Septbr. Nach einer Abwesenheit von vollen zwei Jahren ist die gedeckte CorvetteLeipzig", Capttän zur See Paschen, heute früh wohlbehalten in den hiesigen Hafen wieder etngelaufen. Man kann mit vollem Recht sagenwohlbehalten", denn das Schiff hat das seltene Glück gehabt, während einer so langen Reise in schwierigen Gewäffern von keinem Unfall, keinem Schaden weder am Schiff noch an der Maschine betroffen worden zu sein und nicht einen einzigen Mann der Besatzung ob durch Tod oder durch Desertion etngebüßt zu haben. DieLeipzig", nach demselben neuen, hübschen Modell wie der noch mit dem Prinzen Heinrich am Bord in den ostasiatischen Gewäffern befindlichePrinz Adalbert" erbaut, nahm bekanntlich auch mit Theil an dem glücklicherweise so friedlich verlaufenen Kriegszuge gegen Nica­ragua, wo das rasche Erscheinen von vier Schiffen unserer Marine (Elisa­beth",Leipzig",Ariadne" an der einen,Medusa" an der andern Sette der Landenge) genügte, um den deutschen Forderungen sofort Genüge zu schaffen.

England.

London, 30. Septbr., Abends. Meldung desReuter'schen Bureaus" aus Simla vom 29. ds.: General Roberts erließ eine Proclamation, welche den britischen Vormarsch zum Zweck der Besetzung von Kabul ankündtgt und die friedlichen Einwohner, welche an dem Angriff auf das Gesandtschaftsge- bäude nicht theilnahmen, auffordert, auf ihre Sicherheit Bedacht zu nehmen, diejenigen, welche nach Veröffentlichung der Proclamation mit den Waffen in der Hand betroffen werden sollten, würden als Feinde behandelt werden.

Türkei.

Konstantinopel, 30. Septbr. Eine unter dem Vorsitze des Sul­tans ftattgehabte außerordentliche Cabinets-Sitzung berieth das Deficit des Budgets. Der Sultan hielt eine längere Rede, worin er hervorhob, er habe den befreundeten Mächten versprochen, persönlich über die fiskalischen Reformen zu wachen. Er wolle den Credit des Reiches retten, sei gegen jedwede äußere oder innere Anleihe und empfehle vor allen Dingen die Entwickelung der inne­ren Hülfsmittrl des Landes.

Telegraphische Depeschen.

Waguer'S telegr. Korrespondenz - Bureau.

Berlin, 1. Octbr. Die Berliner Gewerbe-Ausstellung wurde heute Mittag unter zahlreichster Theilnahme der zur Beiwohnung geladenen und sonst dazu berechtigten Personen durch den Präsidenten des Central-Comitees Kühnemann mit einer Rede geschloffen, worin er auf den Erfolg der Aus­stellung htnwtes und den Ausstellern, den Stadtbehörden, der StaatSregiernng, den Gruppenvorständen und den Jury-Mitgliedern für die Förderung des Unternehmens dankte. Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den

Kaiser als den Schützer und Beschirmer der deutschen Industrie. Nach Der» lesung der Namen der mit Preisen .gefrönten Aussteller erklärte darauf Herr Kühnemann die Ausstellung für geschloffen.

DasMilitär-Wochenblatt" meldet die Ernennung des Contreadrnirals Bätsch zum Director in der Admiralität.

Straßburg, 1. Octbr. Der General-Feldmarschall v. Manteuffel, Statthalter von Elsaß-Lothringen, ist soeben um 9y2 Uhr, mit dem Schnell­zug von Basel kommend, hier etngetroffen unb würbe am Bahnhofe von dem Polizei-Director v. Saldern unb bem Bürgermeisterei-Verwalter Back empfangen. Se. Excellenz bestieg alsbalb einen Wagen unb machte dem kommanbirenden General v. Franseky unb hierauf dem Staatssekretär Herzog einen Besuch unb fuhr alsdann in das Schloß.

London, 1. Octbr. Der Ausweis der englischen Staatseinkünfte im III. Quartal dieses Jahres ergibt eine Verminderung von 100,305 Pf. St. gegen das gleiche Quartal des Vorjahres.

Straßburg, 1. Octbr. Der Statthalter General-Feldmarschall v. Manteuffel, erläßt folgende Ansprache: Ich trete das Amt als kaiserlicher Statthalter in den Reichslanden, das Seine Majestät mir zu übertragen Allergnädigst geruht haben, mit dem heutigen Tage an unb bitte Gott um Kraft, baffelbe zum Ruhme bes Reiches unb zum Wohle von Elsaß-Lothringen zu üben.

Leipzig, 1. Octbr. Zu ber feierlichen Eröffnung bei Reichsgerichts, bie heute um 1 Uhr in ber Aula der Universität stattfanb, hatten sich einge- funben bet Präsident des Reichsjustizamtes StaatSsecretär Dr. Friedberg, meh­rere Commiffatien der genannten Behörde, Mitglieder des Reichsdisciplinar- Hofes, der sächsische Justizmtnister v. Abeken, der Präsident des vormaligen Reichsoberlandesgerichts Dr. Pape, die Spitzen der hiesigen kaiserlichen, königlichen und städtischen Behörden, der Rector der Universität unb bie Mehr­zahl ber Universitäts - Professoren Dem Präsidenten des Reichsgerichts Dr. Simson schloffen sich an der ReichS-Oberanwalt, die Senatspräsidenten und sämmtliche Räthe des Reichsgerichts. StaatSsecretär Friedberg erklärte in einer einleitenden Ansprache, der heutige Tag sei die Spitze und Krönung des großen Justizreformwerkes, und gedachte voll Dank des Reichsoberhandels­gerichtes, dessen Wirken sich die allgemeine Anerkennung des deutschen Vater­landes erworben habe. Redner hoffe, das Reichsgericht werde nicht nur der Erbe der Aufgabe des Reichsoberhandelsgerichts, sondern auch Erbe von besten Ruhm sein. Mit dem heutigen Tage gehe endlich der lange gehegte Wunsch des deutschen Volkes nach einheitlicher Gerichtsverfastung in Er­füllung. Redner fordert sämmtliche Angehörige des Reichsgerichts zu colle- gialischem Zusammenwirken auf und hofft, daö Reichsgericht werde sich als starker Hort des deutschen Rechtes erweisen. Der Umstand, daß es feinen Sitz an einer Stätte hohen geistigen Strebens aufgeschlagen, berechtige zu der frohen Erwartung, daß das Reichsgericht sich kräftig entwickeln werde. Der Staatssekretär schreitet hierauf zur Vereidigung des Präsi­denten Simson und des Reichs-Oberanwaltes v. Seckendorf, wonach Präsident Simson die Räthe des Reichsgerichts vereidigt. Präsident Simson dankt dem Reichsjustizamt unb den Justizverwaltungen der Einzelstaaten für die kräftige Förderung des Jnslebentretens ber neuen Reichsjustizgesetze unb ber da­mit verbundenen Einrichtungen. Mit der Einheit der Justiz werde neben ber Einheit des Heerwesens, der auswärtigen Beziehungen unb deS öffentlichen Verkehrswesens ber vierte Grundpfeiler der deutschen Einheit aufgertchtet. Das Reichsgericht, nicht eingeschränkt in größeren oder kleineren Gruppen, stehe da als Repräsentant der Jnstizhoheit des Reiches. Was ihm jetzt noch fehle, werde noch vervollkommnet werden. Das Vorbild des Reichsoberhandels­gerichts werde nicht außer Augen gelaffen werden. Den Segen zum kräftigen Wirken erbitte man sich aber vom Höchsten; im Vertrauen auf ihn werde das Reichsgericht seine Wirksamkeit beginnen. Es werde seine Aufgabe darin suchen, das Recht des Volkes streng zu hüten und die mühevoll errungene Einheit des Vaterlandes vor jeder Zersplitterung zu bewahren; in diesem Sinne soll heute das feierliche Amtsgelöbniß abgelegt werden. Hierauf er­folgt die Vereidigung der Reichsanwälte durch den Reichsoberanwalt und eine Ansprache dieses Beamten. Sodann spricht Justizrath Dorn im Namen der Rechtsanwälte des Reichsgerichts. Staatssekretär Friedberg schließt den Act, worauf Präsident Simson ein Hoch auf den Kaiser ausbringt, in welches die Versammlung mit Begeisterung einftimmt.

Lokales.

Gießen, 2. October. Gestevn wurde das Kinderhospital in Nauheim für dieses Jahr geschlossen. Mit Freude und Dank können wir auf den Erfolg dieses ersten Versuches zurück blicken. 28 Kinder waren während der fünf Sommermonate in Pflege, die meisten 4 Wochen lang, eines durch den ganzen Sommer hindurch. Darunter waren 5 Kinder au8 Gießen, von welchen eben das eine von Anfang bis zu Ende blieb, so daß von 28 Eurperioden 9, also auf Gießen kommen. WaS den Erfolg der Cur anlangt, so klagt der Arzt, daß bei dem un­glaublich verwahrlosten Zustand der meisten kleinen Patienten in der kurzen Zeit nur selten eine völlige Heilung zu erzielen gewesen sei, daß man sie meistens grade dann habe entlasten müsten, als die sichere Aussicht auf Heilung sich zu eröffnen begann. Verloren ist deßhalb die Cur keineswegs. Eine wesentliche Einschränkung des Uedels, eine Kräftigung des ganzen Organismus war in allen Fällen sichtbar, so daß bei einer Wiederholung der Cur im nächsten Sommer auch in den hartnäckigsten Fällen vollkommene Heilung zu erwarten steht. Für den von dem Arzte beklagten Uebelstanv wird erst dann Abhülfe geschaffen werden können, wenn die Anstalt sich bedeutend erweitert haben wird. Dazu bevürfen wir aber jahrelanger treuer Unterstützung unserer Freunde. Wir haben in dieser Hinsicht im Blick auf die große und thatkräftige Theil­nahme, welche unser Unternehmen weit und breit gefunden hat, die beste Hoffnung. Wir haben alle Ursache, herzlich zu danken für die reichen Gaben, die uns gespendet worven sind. Sie ermöglichen uns einen so günstigen finanziellen Abschluß, daß wir ohne Sorge vem kommenden Frühling entgegensetzen können. Besonder- bewährt haben sich, wie überall, die beiden Schwestern aus dem Diaconistenhause zu Darmstadt, welche Pflege und Haushalt in dieser Zeit besorgt haben. Diese Reinlichkeit, diese Ordnung , diese ruhige Freundlichkeit der Behandlung, welche Wohlthat ist es allein für die armen Kinder, ein Paar Wochen unter solchen Einflüsten zu stehen. Mit diesen Eigenschaften verbinden die Schwestern eine ganz außerordentliche Fertigkeit und Sicherheit nicht nur in der Krankenpflege, sondern auch im Haushalt und in der Buch­führung, die eine fast kaufmännische Exaktheit zeigt. Sie haben demgemäß den Haushalt trotz der vortrefflichen Verpflegung der Kinder beispiellos billig geführt. Mit solchen Kräften läßt sich freilich etwas unternehmen. Im nächsten Jahre wird die Anstalt wohl wieder in den alten Räumen, aber mit vermehrter Zahl der Betten eingerichtet werden.

Gießen, 2. Oktober. Auf dem gestrigen Jahrmärkte annectirte ein schon älterer Mann an zwei Mefferständen mehrere Messer, wurde aber dabei ertappt und nach Nr. Sicher verbracht.

V e r m i s ch t eS.

Muley Abbas, der Oheim des Sultans von Marokko, Muley Haffan, ist ver­

giftet worden und zwar unter folgenden Umständen. Muley Abbas, der Sohn des verstorbenen

SultanS Sidi Abdurr Haman, war 55 Jahre alt und erfreute sich als Wohlthäter einer großen

Beliebtheit und Popularität in Marokko. Seine jährlichen Einkünfte beliefen sich fast auf

10 Millionen Fr cs. In Fez befaß er zwei große, von prächtigen Gärten umgebene Paläste;

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