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r^>. V8. Erstes Blatt. Sonntag, den 28. April 1878.
Kichener Myeiger
AHkize- und Amtsblatt für den Kreis Gießen.
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Hamburg, 26. April. Nachrichten aus Friedrichsruhe zufolge nimmt die Krankheit des Fürsten Bismarck den normalen Verlauf; zwar sind noch starke Schmerzen vorhanden, doch ist von Gefahr keine Rede. Die Rückkehr Bismorck'S nach Berlin tgjrb indeß verschoben werden müssen.
Dresden, 26. Apctl. Ihre Maj. die Kaiserin ist hier eingetroffen und am Bahnhofe vom König, der Königin und den Prinzen empfangen und demnächst nach dem königl. Schloß geleitet worden, woselbst Dejeuner stattfand. Um 1 Uhr wohnte Ihre Maj. mit der Königin der Sitzung des heute eröffneten Verbandstages der deutschen Frauen-Hülfsvercine bei. Um 6 Uhr ist Diner bei den königlichen Majestäten auf der Villa zu Strehlen. Um 7 Uhr reist die Kaiserin nach Berlin zurück.
Kopenhagen, 26. April. Laut einer Meldung des „Dagens Nyneter" hatte Feldmarschall Moltke am Donnerstag eine Privataudienz beim Könige.
Petersburg, 26. April Der „Ruff. Invalide" meldet, daß General Heimann am Typhus gestorben ifc — Aus Odessa wird gemeldet: General Tottleben reift Donnerstag Abend stach San Stefano ab.
London, 26. April. Dem „Standard" zufolge hat die Regierung 10,000 Uniformen für die Flotten-Reserve bestellt. — Der „Times" wird aus Petersburg vom 25. d. gemeldet, daß, nachdem England die erste als Congreß- basis proponirte Formel beanstandet habe, jetzt eine neue Formel ausfindig gemach: sei, nach welcher die Mächte die bestehenden Verträge in ihrrr Be-
i- cf er, Aslnweg. ziehung zum Vertrage von San Stefano in Erwägung ziehen sollen; man
reizt. Man könne heute nicht daran zweifeln, daß Rußland die breiteste Basis für das Congreßprogramm acceptire. Daß Rußland nicht daran denke, irgend eine Discusion abzulehnen, beweise das jüngste Promemoria Gortschakoffe, welches alle Bestimmungen des Friedensvertrages berühre. Wenn der Congreß zusammentrete, so werde er sich mit allen durch die Ereigniße im Orient geschaffenen Fragen befassen können. Heute scheine es, daß Salisbury die Opportunität eines Ideenaustausches vor dem Zusammentritt des Congreffes über die Möglichkeit einer Verständigung anerkenne. Das Petersburger Cabinet theile diese Auffassung, zu der es die Cabinete von London und Wien selbst angeregt hab; es sei wünschenswerth, daß diese neue Tendenz aufrichtig sei.
Konstantinopel, 26. April. Wie verlautet, sollen 15000 Lazen in der Umgebung von Datum beabsichtigen, sich dem Einzuge der Russen in Datum zu widersetzen, und einen Protest an die Mächte gegen die Annexion an Rußland vorbereiten. Die Russen drängen neuerdings auf die Räumung von Schumla und Varna. Staatsrath Hitrowo wurde zum russischen Gouverneur von Macedonien ernannt.
London, 27. April. „Reuters Bureau" meldet: Wie verlautet, soll unverzüglich eine starke Flotte, aus Panzerschiffen und anderen Kriegsdampftrn bestehend, mit der Bestimmung für die Ostsee ausgerüstet werden. Die Escadre würde etwa 20 Kriegsfahrzeuge umfassen.
Der Oberbefehlshaber, Herzog v. Cambridge, hat an die Reservisten einen Tagesbefehl erlassen, in welchem er im Namen der Königin seine lebhafte Anerkennung über die Bereitwilligkeit ausspricht, mit der sie der Berufung entsprochen hätten.
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glaube, diese Formel werde für annehmbarer gehalten werden. Oesterreich dagegen soll die Lösung auf der Basis anstreben, daß jede Macht sich für den vergrößerten Einfluß Rußlands in geeigneter Weise schadlos halte.
— Ein in Exeterhall stattgehabtes Meeting nahm eine Resolution zu Gunsten, der Bildung einer Freiwilligen-Armee für den activen Dienst an.
Wien, 26. April. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest von heute: Minister Bratiano soll ein Rundschreiben an die rumänischen Verwaltungsbehörden gerichtet haben, worin er dieselben benachrichtigt, daß die russischrumänische Convention vom 16. April 1877 in Kraft geblieben sei; demnach werden die Behörden angewiesen, bei Beförderung von russischen Truppen hülf- reich zu sein, dagegen bei verlängertem Aufenthalte derselben ihren Beistand zu verweigern, übrigens alle Conflicte mit den Russen zu vermeiden. — Das letzte rumänische Regiment hat gestern Bukarest verlassen, um nach Turnseverin zu marschiren. Nach dem bevorstehenden Abmarsche der allein zurückgebliebenen Gensd^armen wird die Nationalgarde den Sicherheitsdienst in der Hauptstadt
Das Ministerium des Aeußern erhielt von dem britischen Consul in
wahrnehmen. — Aus Konstantinopel berichtet dieselbe Correspondenz: Augenblicklich concenlriren sich starke russische Truppenmassen bei Silver und Rodosto.
morden find.
London, 26. April, Abends. Der Herzog von Edinburgh, der bisher ben „Sultan" commandirte, erhielt das Commando des „Black Prince." — Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Bombay: Täglich treffen neue Truppen ein. Die erste Abtheilung des Expeditions-Corps geht am 29. April, die zweite am 1. Mai nach Malta ab, ohne in Aden anzuhalten; zum Transport inb 15 Segelschiffe und 12 Dampfer bestimmt, ein Kriegsschiff gibt das Geleit. Ueberall in Indien herrscht großer Enthusiasmus. Eingeborne Truppeu
taten Erhebungen soll hervorgeheu, daß 8 türkische, außerhalb der Demarkationslinie in der türkischen Zone liegende Dörfer von Bulgaren angegriffen
melden sich freiwillig zum Kriegsdienst.
t London, 27. April. Die amtliche „Gazette" theilt mit, däßMrey und
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Zwischen den Rhodope-Jnsurgenten und den Russen soll am 22. d. ein blutiges
50111 plieriipf-' öefecht stattgesunden haben. Für die gemischte türkisch-russische Untersuchungs-
Kommission über den Aufstand sind als tüiftfefie Kommissare Samib Vascka
Md Lebensrnitteln verboten und das russische Gouvernement auf alle über das Schwarze Meer in Bourgas eingeführten Verzehrungs-Gegenstände einen Zoll von 8 pCt. gelegt habe.
Petersburg, 26. April. Das „Journal de St. Petersbourg" gibt sich der Hoffnung hin, daß die Mittheilungen der „Agence Havas" und der „Daily News" über den Stand der Verhandlungen der Mächte schon einer (^vergangenen Phase angehören. Heute sei es nicht wahrscheinlich, daß England js, binen Widerstand in derselben Wortfrage erneuern werde. Wenn man auf- richtig Versöhnung wünsche, so suche man das, was nähert, und nicht das, was
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Vassa Effendi designirt. In Datum verweigerten 1500 Mohamedaner die XjUMfW Auslieferung der Waffen.
abgeiaHren Konstantinopel, 26. April. Die Insurgenten treiben die Bulgaren
vor sich her und nähern sich Philippopel. Selbst in Adrianopel herrscht Be° « tbenderrer, sorgniß. Die dortige Garnison marschirt gegen die Insurgenten. — Einige russische Soldaten sind in Adrianopel ermordet worden. — Aus amtlich ange-
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"t. Ueberall in Indien herrscht großer Enthusiasmus. Eingeborne Truppeu r" melden sich freiwillig zum Kriegsdienst.
M-W ' London, 27. April. Die amtliche „Gazette" theilt mit, dnßMrey und KÄSsRidley, welche bei der Wahl in Süd-Northumberland die gleiche Anzahl Stim- men erhielten, beide einen Sitz im Parlamente erhalten sollen.
Das Ministerium des Aeußern erhielt von dem britischen Consul in Wourgas eine Depesche, wonach Großfürst Nikolaus die Ausfuhr von Getreide - - -.....• ~...... " ,r u °
Vermischtes.
— (Eine Ermunterung.) Ein engliches Wochenblatt, „Brief", bringt folgende Anekdote vom Marschall Mac Mahon: In der Militärschule von St. Cyr ist ein schwarz-- Zögling Einer br Gouverneure der Anstalt bat den Marschall, als dieser zuletzt die Schule besichtigte, dem armen Kerl, der wegen seiner Hautfarbe die Zielscheibe des Spottes seiner Mitschüler war, doch einige freundliche Worte zu sagen. Bei der Parade ließ nun der Marschall den jungen Mann oortreten und redete ihn an: „Sie sind also der Neger, nicht wahr?" „Ja, Herr Präsident", antwortete der arme Schwarze. — „Nun wohl", sagte der Marschall als officieller Phraseur: „Ich wünsche Ihnen Glück dazu, fahren Sie so fort!"
(Aus Altenburg) wird folgender Kalauer erzählt: Vor einigen Tagen ist hier ein Brief mit eigenthümlicher Adreffe angekommen; sie lautete:
„Herrn
Ganz leise kräht der Hahn
Altenburg."
Die Entzifferung war schwer, aber sicher:
„Herrn Kanzleisekretär Hahn."
Köln, 22. April. Wir hatten gestern Abend Gelegenheit, im Victoriasaal die tiroler Sängergesellschaft von Ludwig Rainer aus Achensee zu hören. Sie haben etwas Eigenartiges, diese Concerte der tiroler Sängergesellschaften, welche nicht allein wohl- thuend auf das Ohr wirken, sondern mehr noch das Herz und das Gemüth ergreifen. Da mißt man weniger die Stimmen nach der Kraft und Fülle, der Höhen- und Tiefenlage und der Feinheit der Schule, da nimmt man den Gesammteindruck der Chöre und lauscht dem Wohlklang der Soli, gehoben durch die anziehenden Melodieen, die herzigen Klänge der Alpen. Das ist Natur, vermittelt und tdealisirt dürch die Kunst, getragen von frischen, ftöhlichen Menschenstimmen. So nahm auch das gestrige Publicum die Leistungen der in ihrem Nattonalcostüm austretenden Sänger auf, es lebte das reizende Stückchen tiroler Volksleben mit, das in den lieblichen Weisen, bald wie aufjubelnde Freude, wie stille Liebe und fröhlicher Scherz, bald wie klagendes Heimweh an ihm vorüberzog. Darum auch nach jeder Nummer stürmischer Beifall und Verlangen noch Wiederholung. (Köln. Ztg.i
Sehiffebertcht. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeuttchen Llovd E. W. Dietz in Gießen.
Southampton, 24. April. Das PostdampfschiffHermann, Capt. A. de Limon, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 13. April von Newyork abgegangen !”arrjyeute 10 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Landung 11 Uhr Vormittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Hermann überbringt 118 Passagiere und volle Ladung.
Handel und Verkehr.
Gießen, 27. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. JC. 1.10, Hühnereier, per Stück 5 Gänseeier per St. 10 H, Enteneier, per St. 6 ,Ä, Käse, per Stück 5—9 Käjemotte, per Stück 3^, Erbsen, 1 Liter 20 H, Linsen, 1 Luer 22 Tauben, das Paar 90 Hübner, per Stück 1.40, Hahnen, per St. Jt 1.80, Enten, p. Stück 3.60, Kartoffeln, 100 Kilo 7 Ochsenfleiscb
70 H per Pfd., Kuh- u. Rindfleisch 56-60 Schweinefleisch 64 H, Kalbfleisch 54 bis 56 H.
Frankfurt, 25. April. (Ledermesse.) Die nun zu Ende gehende Ostern »ste war für die Sohlleder - Fabrikanten nicht günstig. Der schon lange schleppende Geschäftsgang veranlaßte viele Großhändler, von Vorauskäufen abzustehen, um erst 'a> Resultat der Messe abzuwarten, so daß manche Fabrikanten, die dies nicht gewr bnt sind, ihre Waare in die Halle oder auf Commissions-Lager brachten. Ein großer 2 heil der zugcführten, Sohlen-Leder bestand aus ganz untergeordneten trocknen W-ldhäuren, für welche^hier gar kein Markt ist, es dauerte daher einigeZeit, bis die Situation sich so weit klärte, daß die Werth - Differenzest ihren ziffermäßigen Ausdruck fanden, und dann wurde das Geschäft rasch abgewickelt. Wirklich gute feingegerbte starke Wild- Leder, die hier vorzugsweise gesucht werden, find immer noch sehr knapp und der Preisabschlag hierfür ist nur ca. 5pCt.; die untergeordneten leichten Sohlleder mußten aber 10 pCt. und noch billiger abgegeben werden, um damit zu räumen; solche haben meist ihren Weg noch Norddeutsckland gefunden. Vache-Leder, Zeug-Leder, sowie deutsche und ostindische Rind-Leder waren zwar auch durch die ungünstige Stimmung


