Freitag, den 27. September
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1878
Kießener Mnzeiger
ZiM- mü AmiÄlÄ flr in Kreis Gieße«
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags
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1878
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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ften Publikum Annoncen in ]s empfohlen. Annoncen be- v?ie auch oskunft bereit-
5. Ordensverleihungen.
6- Dienstnachrichten.
9. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die evang. Pfarrstelle zu Bobm- hausen II. Dotationsmäßiger Gehalt 2137 Jt.; die evang. Pfarrstelle zu Holzheim. Dotationsmäßiger Gehalt 1839 eX Dem Herrn Grafen von Solms- Laubach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die Stelle eines Landeszuchthausarztes zu Marienschloß mit einem Gehalt von 1700 «X nebst freier Wohnung und freiem Holz; eine mit einem Lehrer kath. Confession zu besetzende Stelle an den städtischen Volksschulen zu Mainz mit einem Anfangsgehalt von 1285 eX 71 die kath. Schulstelle zu Wimpfen a. B. mit einem Gehalt von 942 eX 86 ; die zweite evang. Schulstelle zu Neckar-Steinach mit einem
Gehalr von 900 <x; die Gemeinde-Schulstelle zu Wetterfeld mit einem Gehalt von 771 «X. 43 H. Das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Solms- Laubach zu; die zweite Gemetnde-Schulstelle zu Ranstadt mit einem Gehalt von 685 «X. 71 H; die Gemetnde-Schulstelle zu Blödesheim mit einem Gehalt von 771 eX 43
Berlin, 23. Septbr. Gestern wurde in dem Reichskanzler-Palais die Verlobung der Gräfin Marte v. Bisnnrck, der einzigen Tochter des Fürsten Bismarck, mit dem Grafen Kuno v. Rantzau vollzogen. Graf Rantzau, Lega- tionssecretär bet der königlichen Gesandtschaft zu München und Premier-Lieutenant in der Reserve des 3. Garde Ulanen-Regtments, ist nach dem Gothaischen Kalender am 10. März 1843 geboren und jüngerer Bruder des Grafen Christian Rantzau, Fideicommiß-Erbherr auf Oppendorff in Holstein.
Berlin, 24. Septbr. Das „Berl. Tagebl." beginnt heute mit den actenmäßigen Auszügen aus dem Proceß Nobtltng. Aus demselben geht hervor, daß gleich am 2. Juni Nobiling vor dem Crtminalgericht vernommen wurde. Seine Auslassungen waren klar und zeigten ihn als einen Mann von Bildung und Erziehung., In diesem Verhör bekannte Nobiling, daß er mit Ueberlegung die Thc.t vollführr habe. Er äußerte darüber, sowie über das Motiv zur That nach einer von einem der Inquirenten gemachten Aufzeichnung Folgendes: „Ich bin im Ganzen Socialdemokrat, habe den Gedanken schon früher, seit October 1877, seitdem ich hier bin, gehabt: Es wäre besser, wenn der Kaiser sortkäme.
Im 4. starkenb. Wahlbezirk Waldmichelbach Bürgermeister Heidenreich zu Affolterbach.
Darmstadt, 23. Septbr. Das Großherzogltche Regierungsblatt (Beil. Nr. 24) enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglicher Ober-Forst- und Domänen-Direction, den Holzpreistarif pro 1879, 1880 und 1881 in den Großherzogltchen Doma- nialw.aldungen betreffend.
2. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, die Nichterhebung einer confessionellen Umlage in der Gemeinde Frei-Laubersheim für 1878 betreffend.
DkdacUonSbureaur Gartenstraße B 165. fcrtiebitiotifcbureattt Schulstraße B. 1.
Der Empfang -es Kaisers.
i Berlin, 25. September.
Der begeisterte Empfang des Kaisers in Kaffel ist nicht der sonst übliche Tribut der Liebe des Volkes, die ihm zu Thril wird; es haben außerordentliche Umstände dazu beigetragen, die Begrüßung des Kaisers diesmal zu einer allgemeinen und demonstrativen Kundgebung zu machen. Nicht nur die Behörden und die Gemeindevorstände, sondern das Volk jubelt seinem Fürsten zu, als wolle es ihm nochmals die Erinnerung an trübe Ereignisse verscheuchen. 8s war am Ende des Juli, als das Banner am Kaiserschloß zu Berlin etn- Wgen wurde und Kaffer Wilhelm fast still und unbemerkt die Hauptstadt verließ. Er ging schweigend, wie es die Verhältniffe leider geboten. Er ging, um in fernen Bädern in fremdem Lande die Wunden zu heilen, die ihm im «lgenen Lande geschlagen waren, und die ihm um deshalb nicht blos äußerlich steten, sondern schmerzhaft das innerste Herz durchzucken mußten.
Wir sahen den Kaiser gehen, dcffen ganzes Leben so innig mit dem Leben les deutschen Volkes verflochten ist, daß uns bei seinem Scheiden das Gefühl einer politischen Beklemmung überschlich. Wir sahen den Helden und den Greis zehen, der nach treuer, aufopfernder Arbeit eines langen Lebens wohl den An- hruch auf einen friedvollen Abschluß deffelben erheben durfte, und ein tiefes Meid beherrschte uns. Wrr sahen das Oberhaupt einer Volksfamilie schei- toi, wie es menschlicher und liebevoller nicht gedacht werden kann und unsere ?iebe und Verehrung folgten ihm und begleiteten ihn auf allen seinen Wegen, cht ohne eine Beimischung von Neid darüber, daß wir sie still im Herzen liagen mußten, während ihn, wo immer er sich zeigt, lauter Jubel um- irausen darf.
Das Schicksal hat den Fehler, den es gemacht, erkannt und Verbeffert; He alten stählernen Nerven haben kräftigen Widerstand geleistet, das Blut in lrn Adern des greisen Kaisers hat noch so jugendlich frisch pulsirt, daß die yrilung sich vollziehen konnte, und heute sitzt er bereits wieder hoch zu Roß, Nb läßt mit Kennerblick einen Theil seines Heeres Revue passiren. Wir iaiiken der gnädigen Hand, die ihn bewahrt und gerettet hat. Die Heffen >atten das Glück, dem Kaiser zuerst die begeisterte Huldigung zu bringen, welche außerordentlichen Verhältniffe verlangten. Es ist in diesem Enthusiasmus ^chts Gemachtes; echt und voll entströmt er dem natürlichen Gefühl des Volkes.
wird in den Rheinlanden sich steigern und sicher bei der Rückkehr des Wrs nach Berlin seinen Höhepunkt erreichen. Schon rüstet man sich hierzu 1 der Katserstadt und alle Organe werden an diesem National- und Jubelfeste Weil nehmen. Wie auch die gesetzgeberischen Arbeiten verlaufen, die Bürgerest wünscht, daß ihr, weil sie und die Behörden es leider nicht verhindern bnnhn, das Leben Sr. Majestät vor brutalen Angriffen zu schützen, nunmehr ^migstkns die Gelegenheit gegeben wird, ihrem Abscheu vor den stattgefundenen Erbrechen und ihrer Liebe zu bftn uns wieder geschenkten Kaiser einen unzwei- «mtigen Ausdruck zu geben. In den Dank für eine gütige Vorsehung, welche ^Anschläge der Ruchlosen einem greisen und verehrungswürdigen Haupt gegen- °er vernichtet hat, mischt sich der Jubelruf über die rasche und glückliche Ge- ^illng des Kaisers und ein „Willkommen", wie es herzlicher kaum jemals von M gefammtcn Volke ausgerufen worden ist.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Offenbach, die Nichterhebung der Hälfte der in der israelitischen Religions-Gemeinde zu Weiskirchen für das Jahr 1878 vorgesehenen Umlagen betreffend.
4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, die Erhebung einer nachträglichen Umlage in der Gemeinde Pfaffen-Schwabenheim pro betreffend.
7. Cbaraktererthetlungen.
8. Ruhestandsversetzungen. Se. König!. Hoheit der Großherzog allergnädiast geruht: am 20. Aug. den Oberdomänen-Calculator Phil, auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, am 3. den Landeszuchthausarzt Dr. Valentin Fritzel zu Martenschloß aus sein_____
suchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand zu versetzen.
Feutfchtand.
Darmstadt, 24. Septbr. Zu Abgeordneten der zweiten Kammer wur- bn weiter gewählt:
3- oberh. Wahlbezirk Butzbach Oberförster Dtttmar zu Butzbach.
Im 9. starkenb. Wahlbezirk Lampertheim Hofgerichts - Advocat Metz zu Ewstadt.
Betreff: Die Verwerthung der Sterbfallszählkarten für die Ermittelung des Gesundheitszustandes.
Das Großherzogltche Kreis-Gesundheitsamt Gießen
an die Grostberzoglicben Standesämter Beltershain, Beuern, Ettingshausen, Haufen, Hungen, Klein- Linden, Mainzlar, Odenhausen, Rodheim a. d. Horloff, Röthges, Saasen, Stockhausen, Willingen, Wieseck.
Wir erinnern Sie an die sofortige Einsendung der Sterbfallszählkarten und Todeszeugniffe aus den beiden letzten Monaten. Dr. Glasor.
Bekanntmachung.
£ie am 1. October 1878 fälligen Holz- und Heugrasgelder aus der Großherzoglichen Oberförsterei Grünberg sind bei Meidung der Mahnung bis zum 25. k. Mts. an den Zahltagen Freitag und Samstag zu berichtigen. Wir ersuchen die bete. Troßherzoglichen Bürgermeistereien dies baldigst öffentlich bekannt machen zu lassen.
Grün berg, am 25. September 1878.
Großherzogliche Districtseinnehmerei Grimberg.
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