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Freitag, den 23. August

1878

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Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS.

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Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

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Politische Rundschau.

Die Stichwahlen sind beendet. Ihre Ergebnisse haben nur wenig dazu beigetragen, die vom Reichskanzler ersehnte große conservativ-liberale Majo­rität stärker gefestet und homogener gestaltet in die Erscheinung treten zu lasten. Nur mit Hilfe des Centrums oder mit derjenigen der Nattonalltberalen wird es der Relchsregterung möglich sein, in parlamentarischer Weife ebenmäßig die Geschäfte fortzu führen.

Das Soctaltstengesetz soll, nachdem es im Bundesrath durchberathen worden, sofort dem Reichstage zugehen, so daß die Mitglieder schon einige Zett vor dem Zusammentritt des Reichstags in den Besitz des Gesetzes mit den Motiven gelangen werden. Bekanntlich ist im Reichstage wiederholt der Wunsch ausgesprochen, daß den Mitgliedern so frühzeitig als möglich die Drucksachen des Bundesraths zukommen, da das für die Berathungen des Reichstags im höchsten Grade förderlich sei.

Aus fortschrittlichen Kreisen thetlt man mit, daß die Fraction sich der Ueberweisung des Socialistengesetzes an eine Commission nicht widersetzen, aber bereits in der ersten Berathung mit großem Nachdruck betonen wird, daß juristisch und politisch die Vorlage unannehmbar sei und ohne durchgreifende grundsätzliche Umarbeitung, die in erster Linie auf Beseitigung des neuen Reichsamts für Vereinswesen und Prefle gerichtet sein würde, keine ernstliche Jnbetrachtnahme verdiene. Die Regierungen werden den Antrag auf Ueberweisung an eine Commission unterstützen.

Wegen der Ermordung des Chefs der russischen 3. Abtheilung, General Mesenzoff sind sowohl in Petersburg wie in Moskau umfastende Verhaftungen vor sich gegangen. In russischen Kreisen wird auf das Bestimmteste der Versuchung Raum gegeben, daß Mesenzoff ein Opfer der sogenannten Actio ns Partei" ist, die jetzt von der Regierung verleugnet und durch Ausweisung ihres hervorragendsten Führers, Aksakoff, sich auf das Bitterste gekränkt fühlt. Wie es heißt, hat die Petersburger Polizei bei ihren bisherigen Ermittelungen die Entdeckung gemacht, daß auch gegen andere hochstehende Persönlichkeiten, die derActionspartei" feindlich gegenüberstehen, Mord- anschläge vorbereitet waren.

Zwischen der Pforte und Montenegro sind wiederum ernste Miß- Helligkeiten ausgebrochen. Der Fürst von Montenegro hatte am 16. d. durch ben russischen Botschafter in Konstantinopel eine Note überreichen lasten, in welcher er die Hohe Pforte aufforderte, die Räumung derjenigen Territorien, welche im Berliner Vertrage dem Fürstenthume zugesprochen sind, veranlassen zu wollen und zwar spätestens bis zum 1. September. In einem sofort zusammengetretenen Ministerrath faßte man den Entschluß, das Verlangen Montenegros abzuschlagen. Nach Uebermittelung dieser Antwort wendete Fürst Nikita sich an Oesterreich mit dem Anerbieten seiner activen Unterstützung Oesterreichs in Bosnien und zeigte zugleich der Pforte an, daß er die Besetzungseines Gebietes" am 1. September bewerkstelligen werde.

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des Conferenz-Bezirks Großen-Buseck : Donnerstag den 29. August, Vvrm. 10 Uhr, in Großen-Buseck. Gießen, den 21. August 1878.

Büchner, Kreisschulinspector.

Dr. Dumont eine Officialklage gegen den socialdemokratisch gesinnten Kohlen- Händler Zirfaß angestrengt. Zirfaß hat sich als Verfaster der schon früher erwähnten Schmähschrift bekannt, welche unter dem Titel:Zur Situation", am Tage vor der Wahl vielfach hier verbreitet wurde und sich hauptsächlich , gegen die Person des Bürgermeisters richtete. In Folge besten hatte sich eine , unerquickliche Polemik zwischen Zirfaß und bei Rebaction desMainzer Anz." entronnen, welche mit der Klage desAngeigers" gegen die Redaction des Neuen Mainzer Anzeigers" wegen Aufnahme der Zirfaß'fchen Artikel endete. DasMainzer Tageblatt" ist ebenfalls in eine Untersuchung verwickelt (mit ihm noch dieNeue Frkftr. Preste" und dieHest. Landes-Ztg." in Darmstadt), ebenfalls wegen Beleidigung eines in Darmstadt wohnenden Socialisten. Der Beleidigungsproceß derMainzer Zeitung" wurde bereits erwähnt. Der Neue Mainzer Anzeiger" wird sich demnächst wegen dreier Preßproceste in appellatorio ebenfalls vor dem Großh. Obergericht zu verantworten haben. Damit die ultramontane Preste auch nicht fehle, hat sich dasMainzer Journ." wegen verschiedener Schriftstücke, die an dastelbe gelangt sind und von denen das Journal behauptet, sie seien gefälscht, an die Staatsbehörde behufs Unter­suchung gewendet. (Fr. Journ.)

Berlin, 18. August. DiePost" schreibt unseres Erachtens sehr richtig:Das Rechtsbewußtsein des deutschen Volkes hat eine Genugthuung erhalten dadurch, daß das Urtheil des Staatsgerichtshofes über den Meuchü- mörder Hödel vollstreckt worden ist. So verschwommen war schon dieses Gefühl, daß unmittelbar nach dem Richterspruch es als gai z selbstverständlich ausgesprochen werden konnte, der Verurtheilte werde sein Leben in einem Zucht« Hause beschließen, und daß man gar nicht daran dachte, wie fürchterlichen Er­scheinungen gegenüber, welche wir in den letzten Monaten erlebt haben, die lange schlummernde Schärfe des Gesetzes einmal wieder in voller Kraft ange­wandt werden könnte. Man braucht sich nicht gerade für die Abschreckungs- Theorie zu begeistern, um es zu billigen, um es sogar als ein Glück zu begrüßen, daß endlich einmal mit der falschen, schwächlichen Humanitäts-Theorie gebrochen worden ist, welche solchen Verbrechern zu Gute kam, die ihrerseits fein, n An­stand nahmen, das Leben ihrer Mitmenschen abzukürzen. So untergeordnet auch das Schicksal eines Scheusals ist, als welches sich der Hingerichtete Hövel bis zum letzten Augenblick erwiesen hat daß dem Urtheck des Staatsgerichts­hofes freier Lauf gegeben worden ist, wird eine Beruhigung für alle diejenigen sein, welche in den gegenwärtigen Gefahren auf die Regierung Hinblicken, in bet Hoffnung unb in dem Vertrauen, baß biefelbe mit fester Hand bie Zügel führt, und in der Erkenntniß dieser Gefahren in wahrer Liebe zu dem Volke, für die Wohlfahrt des großen Gemeinwesens nicht davor zurückschreckt, da, wo es sein muß, auch dem Andrängen eines falschen und unheilvollen Humanitäts­begriffes entschieden entgegenzutreten."

Berlin, 19. August. Der von der Tabaksenquete-Commission für die Bezirkscommtssionen entworfene Fragebogen über den Handel mit Tabaksfabrt- katen lautet folgendermaßen:

1) Kommt in dem Bezirke der Commission der Großhandel mit Tabaks­fabrikaten in erheblichem Umfange vor? 2) Erfolgt der Detailverkauf der

Tabaksfabrikate an die Consumenten hauptsächlich durch Personen, welche den­selben als Hauptgeschäft betreiben, oder durch Personen, welche nur nebenbei

Keutschland.

~ ,£$ August. Es wimmelt wieder von Preßproceffen in unserer

>L>tadt. Die Staatsbehörde hat wegen Beleidigung des Bürgermeisters

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Betreffend: Die Einsendung der Tage- und Handbuchs-Auszüge.

Das Großherzoqliche Kreisamt Gießen

an die Gemeinde-Ginnehmer und Kirchenrechner.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Einsendung der nach Abgabe der Rechnungen für 1877 bezw. 1875/77 zu fertigenden Handbuchs-Auszüge im Rückstände sind, werden an Vorlage derselben mit Frist von 8 Tagen erinnert.

Dr. Bookman n.

B e kanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern dem in Berlin zusammen­getretenen Eomitä zur Erwerbung von edlen Zuchtpferden in England gestattet hat, die Loose einer im October l. I. in Berlin unter der Benennung:Middle-Park-Lotterie zu veranstaltenden Ausspielung von Zuchtpferden und Gegenständen der Landwirthschaft und des Stallgebrauchs innerhalb des Großherzogthums abzusetzen, unter der Voraussetzung, daß nicht mehr als 150,000 Loose ä 3 JL zur Ausgabe gelangen und wenigstens 60% des erzielten Brutto-Erlöses zum Ankauf von Gewinnen verwendet werden.

Gießen, den 20. August 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

________________ Dr. Boekmann.

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