Einzelbild herunterladen

greßdelegirten tn seinen Mauern gesehen hat, werden wohl mit goldenen Buch­staben in den Geschäftsbüchern des Hotels verzeichnet werden. Die Herren, deren Zahl, einschließlich der 16 Attaches und der Bureau-Beamten des Lords Salisbury, gegen 50 erreichte, bewohnten 63 Zimmer. Ihre Gesammtrechnung betrug circa 40,000 Mk., also täglich gegen 1120 Mk. Lord Beaconsfield selbst hatte im Kaiserhos eine ganze Flucht von Zimmern inne; er mußte fich daselbst mit einer Summe von mehr als 28 000 Mk. auslösen. Außerdem hatte der Lord die Inrechnungstellung einer füzlichen Gratification an die Dte- nerschast befohlen, die er bei seiner Abreise noch mit einemTrinkgeld" von 1000 Mk. bedachte. Wiederholt drückte er bei seiner Abreise dem Director des Kaiserhoses seine Befriedigung über die ausgezeichnete Verpflegung aus. Und, wie bekannt, ist er in letzterem Punkte Kenner; denn obwohl in seinen sonstigen Bedürfnissen höchst anspruchslos, hält er bei Tafel nur das Auser­wählteste für gut genug. Aus seinem Frühstückstische durften nie zwei gebratene Hühnchen fehlen, von denen er nur die mittleren Bruststücke auf Sandwichs (Butterbrod) genoß. Ferner gehörte zu seinen Lieblingsspeisen Champagner- Gel6e, welches täglich mehrere Male frisch bereitet werden nillßte. Vicht weniger als die Diplomaten haben auch die Vertreter der Presse tief in die Tasche greifen müssen. So hat dem Correspondenten derTimes" sein hiesiger Aufenthalt einen Aufwand von genau 17,200 Frcs. verursacht. Von einer Summe von 18,000 Frcs., welche er zu seiner Verfügung hatte, blieben ihm nach Zahlung des Retourreise-Bahnbillets genau 800 Frcs. übrig. Von dieser Gesammtausgabe fallen nahezu 9000 Mk. oder 11,050 Frcs. auf die Telegra­phengebühren. Nicht mit eingerechnet ist natürlich hieibei das Gehalt oder die Remuneration, welche der Correspondent selbst für seine hiesige Mission bezog. Viel mäßiger, aber immer noch bedeutend stellen sich die Ausgaben anderer Special- Correspondenten. Der Vertreter desTemps" z. B. hat 3600 Frcs. (nahezu 3000 Mk.) für Telegramme ausgegeben, seine Gesammtausgaben erreichen ziem­lich 6000 Frcs.

Kassel, 17. Juli. DieHess. M-Ztg." meldet: Das 11. Armee- Corps wird nun doch sein Kaiser-Manöver haben. Dasselbe^wird jedoch 14 Tage später stattfinden, als ursprünglich geplant wurde. Se. Maj. der Kaiser und König hat ausdrücklich den Wunsch geäußert, diesem Manöver per­sönlich, wenn auch nur vom Wagen aus, beizuwohnen. Die Hauptmanövertage fallen auf die Tage vom 23. bis 26. September.

Telegraphische Kepeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.

Loudon, 19. Juni, früh. Der Sitzung des Oberhauses wohnten die Prinzessin von Wales und andere Mitglieder des königlichen Hauses bei. Die Tribünen waren dicht besetzt. Beaconsfield und Salisbury wurden bet ihrem Erscheinen von den Conservativen mit großem Beifall begrüßt. Beaconsfield depontrte die Protocolle der Congreß-Sitzungen und vertheidigte in längerer Rede die Politik der Regierung, den Berliner Vertrag Und die Convention von Konstantinopel vom 4. Juni, wodurch die Bedrohung der Unabhängigkeit Europas und die Schädigung der Interessen Englands, welche der Vertrag von San Stefano bedroht habe, abgewendet werden sollen. Der Congreß habe der Türket zwei Drittel des Gebietes wiedergegeben, welches durch den Vertrag von San Stefano genommen werden sollte. Der Congreß habe der Türket die Balkan-Linie wiedergegeben. Sofia und Varna anlangend, habe Mehemed Ali ersteres als strategische Position für werthlos erklärt. Varna der Türket zu erhalten, sei unmöglich gewesen; dieselbe habe dafür den Hafen von Burgas behalten, der viel wichtiger sei. Die Besetzung Bosniens durch Oesterreich sei beschlossen worden, um die Türkei von der Last zu befreien, in dieser entlegenen Provinz durch 50,000 Mann die Ordnung ausrechterhalten zu müssen, was gegenwärtig die Türkei ruintrt hätte. Oesterreich sei daher berufen worden, Bosnien zu besetzen, bis daselbst eine feste Grundlage für künftige Ruhe und Ordnung gelegt sei. England habe nicht in die Theilung der Türkei gewilligt, sondern sei bestrebt gewesen, solche zu verhindern. Sämmtliche Mächte, Ruß­land miteinbegriffen, seien zu der Ueberzeugung gelangt, daß die beste Chance für Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung die Erhaltung des Sultans sei. Beaconsfield ging sodann auf die hinsichtlich Griechenlands vom Con­greß befolgte Politik ein und erklärte, die Interessen Griechenlands seien keines­wegs vernachlässigt, doch hätten die Forderungen Griechenlands, das viele Sympathie besitze, nicht befriedigt werden können; dasselbe habe die Zukunft vor sich und müsse Geduld lernen. Große Resultate betreffs Neugestaltung der Karte Europas seien erreicht, ohne daß ein Tropfen englischen Blutes ver­gossen worden wäre. Die gemachten Ausgaben hätten Englands Stärke bewiesen. Wäre der Krieg entbrannt, für den England wohlvorbereitet gewesen, so wären dke Ausgaben viel größer geworden.

Die bezüglich Astens vom Congresse erzielten Resultate vertheidigte Beacons­field in warmen Worten und bemerkte dabei: England habe große Interessen in Asien, die es vertheidigen müßte. Dies habe zu der Konstantinopeler Con­vention vom 4. Juni geführt, deren Zweck nicht nur ein militärischer sei, sondern hauptsächlich der Herstellung von Ruhe und Ordnung dienen solle, damit Retch- thnm und Unternehmungsgeist sich entwickle und Europa sich an den Hülfsquellen Kleinasiens betheiltgen könne. Die Convention habe auch nicht das Mißtrauen Frankreichs erweckt, dessen freundschaftliche Beziehungen zu England in stetiger Zunahme begriffen seien. Die Interessen Frankreichs in Egypten seien mehr Gefühlssache (sentimental), während die Interessen Englands substantielle seien. England habe Rußland Halt zugerufen. In Asten sei genug Raum für Eng­land und Rußland. England habe keine unnöthige Verantwortlichkeit durch Cyperns Occupation übernommen, vielmehr solle dieselbe zur Erhaltung des türkischen Reiches und Sicherung des Friedens dienen. Viele Details könnten erst mttgetbeilt werden, wenn der Berliner Vertrag ratificirt sei. Die Rede Beaconsfields wurde an vielen Stellen mit großem Beifall ausgenommen.

Nach Lord Beaconsfield ergriff Granville das Wort und erklärte, er wolle mit einer eingehenderen Kritik der Politik der Regierung warten, bis er die Sitzungsprotokolle eingesehen habe. Die große Gefahr, welche in der Miß­verwaltung der Türket gelegen und der Druck der Letzteren auf ihre christlichen Unterthanen hätten zu einer europäischen Vereinbarung geführt, um dieser Ge­fahr zu begegnen. Er bedauere, daß Griechenland dabei unberücksichtigt geblieben sei und müsse bezweifeln, daß sich die Türkei wieder erholen werde. Der Besitz Cyperns werde zur Vertheidigung des Suez-Canals nicht beitragen. Die Kosten der Occupation Cyperns seien bedeutend und bürdeten dem Lande eine große Verantwortung auf, die durch die Vortheile, welche der Besitz Cyperns bieten werde, gewiß nicht ausgewogen werden würde.

Lord Derby unterzieht die Politik der Regierung ebenfalls einer Kritik und theilte mit, der Grund seines Rücktritts sei die ohne Vorwiffen des Par- ! laments unternommene Entsendung indischer Truppen gewesen, welche den Z veck )atte, sich Cyperns und eines Punktes an der syrischen Küste, event. auch ohne Zustimmung der Pforte zu bemächtigen.

Lord Salisbury vertheidigte die Regierung und erklärte die Behauptung Derby's für unrichtig. Lord Derby erhärtet die Wahrheit seiner Behauptung. Lord Salisbury erwiderte, man werfe Derby nicht Mangel an Wahrheitsliebe vor, sondern nur Mangel an Gedächtniß. Der Zwischenfall war damit erle­digt und fand hierauf die Vertagung der Sitzung statt.

Berlin, 19. Juli. DiePost" bezeichnet die von ihr gebrachte Nach­richt, daß Se. Maj. der Kaiser den Wunsch hege, den Reichstag persönlich zu eröffnen, als unrichtig, und schreibt tn Bezug hierauf: Wenn es auch nicht unmöglich sei, daß das Befinden Sr. Majestät zu dem tn Aussicht genommenen Zeitpunkt sich wesentlich gebessert haben dürfte, so sei doch die Eröffnung des nächsten Reichstags vom Throne aus überhaupt nicht beabsichtigt. Der Poff" zufol^ die Versuche, in Italien und Frankreich Aufregung zu erzeugen, wesentlich mit dem Bestreben der consortesken resp. der ultramontanen Partei zusammen, die liberalen Cabinete in beiden Ländern zu stürzen. Die liberalen Blätter, welche den Lärm vergrößern, dienen (so urtheilt diePost"), ohne es zu wollen, wie schon häufig, ultramontanen Zwecken.

London, 19. Juli. Sechs Panzerschiffe und drei Kanonenboote wur­den beordert, sich unter dem Commando des Admirals Hay in den Gewässern von Cypern zu contentrirdn. Ein Telegramm aus Malta meldet, daß Wolseley mit 7000 Mann nach Cypern abgesegelt ist.

Wien, 19. Juli. Laut Meldung hiesiger Blätter dauern die Verhand­lungen wegen der Occupation Bosniens sowohl hier wie in Konstantinopel noch fort. Bisher sei kein Termin für den Einmarsch der österreichischen Truppen festgesetzt; doch habe man der Pforte erklärt, daß über einen bestimmten Ter­min hinaus ein weiterer Aufschub der Occupation unzulässig wäre.

Nom, 19. Juli. Die im letzten Conststortum ernannten apostolischen Delegirten erhielten die Instruction, sich sofort auf ihre Posten zu begeben, um ihre Anerkennung seitens der Regierung zu erlangen und ihre Bischofssitze ein­zurichten. Zwischen dem Vatikan und der Türket wurde eine die bestehenden Differenzen beseitigende Convention vereinbart. Die Versetzung der apostoli­schen Nuntien ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Mittelweg zu dem herzustellenden Einvernehmen soll der Nuntius in Folge der weit vorgeschrittenen Verhandlungen die Jurisdiction über die preußischen Kirchen und Bischöfe er­halten. Nach Meldungen verschiedener Journale werden in einigen Städten Meetings derItalia irridente" veranstaltet. Ein von dieser vorgeschrittenen Partei in Rom organisirtes Meeting findet wahrscheinlich am Sonntag statt.

London, 19. Juli, Abends. Im Unterhause kündigte Hartington an, er werde demnächst den Antrag auf eine Resolution, betr. die orientalische Frage, einbringen. Montague interpellirte die Regierung über die Beschießung eines britischen Bootes in der Nähe der russischen Linien bei Gallipoli. Mrrine- minister Smith erwiderte, Totleben habe von der Beschießung eines britischen Bootes nichts gewußt und sein ernstes Bedauern darüber ausgedrückt, auch er­schöpfende Untersuchung versprochen; derselbe sei überzeugt, daß den höheren Officieren des betr. Districtes von dem Ereigniß nichts bekannt sei.

Paris, 19. Juli, Abends. Nachrichten aus Anzin zufolge hatten einige bisher feiernde Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen; die Situation erscheine wesentlich gebessert.

Vermischtes.

(Was ist eine Kleiderschleppe?) 1) Ein Schnetderoersuch zur Menschen- Verlängerung in horizontaler Richtung; 2) ^taub-Besen bei trockener W-tlecuiz; 3) Scheuerlappen bet nassem Wetter; 4) Speichelleckerin; 5) Fußabtreter für Bös­willige und Unvorsichtige; 6) Krummbeinoorhang; 7) Lunzenoerqtfteria bet trock rem Wetter; 8) Verdeckungs-Apparat für schmutzige und löcherige Strümpfe und Siribe und endlich 9) kann dieselbe nach vollbrachtem Tagewerk immer noch als Bceh- mittel dienen.

Darmstadt, 18. Juli. Bei der unlänast stattgehabten Fahnenweihe des Kriegervcreins in der benachbarten Gemeinde M. ereignete es sich, daß nach Absingen des BundesliedesBrüder reicht die Hand zum Bunde" zwischen tzwet dem Feste anwohnenden Vereinen eine furchtbare Schlägerei entstand, wobei es blutige Kopfe in Menge gab.

Darmstadt, 18. Juli. Wir wollen nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß mit dem 12. d. Mts. die kaiserliche Verordnung wegen vorläufiger Einführung der Paß- pfiichtigkeit in Berlin in Kraft getreten ist. Reisende nach Berlin mögen also nicht versäumen, sich mit Paßkarte oder einem Passe zu versehen.

In Hollstadt bei Neustadt a. S. erdrosselten zwei Söhne ihren 60 Jahre alten Vater und hängten ihn bann im Garten an einem Kirschbaume auf, damit angenommen werden sollte, er habe sich selbst entleibt. Diese ruchlose That wurde jedoch entdeckt, die Leiche nach zwei Tagen wieder dem Grabe entnommen und der Mord konstatirt. Die Thäter sind gefänglich ein» gezogen. Der Grund der That war: Der Vater hatte sein Vermögen bis auf etwa 15,000 Gulden seinen Söhnen abgetreten und lebte ihnen zu lange.

DerFrankfurter Anzeiger" schreibt unterm 15. Juli aus Frankfurt a. Blain: Am Samstag kam ein Kellner tn den Zoologischen Garten und verlangte dem tiorom oorgeworfen zu werden. Da man den Menschen nicht von seinem Vorhaben abbrtngen konnte, holte man die Polizei, die sich desselben annahm. In seinen Taschen fand sih ein Brief an seine Eltern, worin er ihnen mittheilt, daß er mit der Well abgeschlossen, heute dem Löwen oorgeworfen werde. Der junge Mensch war irrsinnig geworden.

Sprendlingen, 17.Juli. Am vergangenen Sonntag sollte hier eine von aus­wärtigen Socialdemokraten etnberufene Wahlversammlung stattfinden. Dieselbe nahm jedoch ctpen eigenthümlichen Verlauf. Nach Eröffnung der Versammlung verhinderten nämlich die Sprendlinger jede wettere Dtscussiön durch immer erneutes Absingen der Wacht am Rhein, bis die Versammlung durch den Bürgermeister geschlossen werden muhte-

Frankfurt. 18. Jult. Die hiesige Stadt verbrennt heute ein feines und sehr theueres Gas, dasselbe kostet die Gesellschaft, welche es Herstellen ließ, über !</- Million Gulden. Das Gas ist nämlich auS den laut Beschluß der General-Versammlung zurück- gekauften Actien und Jnterimsscheinen der deutschen Credttbank fabrictrt. Die betreffen« den Papiere wurden heute Morgen in Gegenwart einer Commission den betreffenden Retorten der englischen GaSfabrtk übergeben. Diese Scheiterhaufen werden sich tn Folge der Reducirung des ActtencapitalS und der oorgeschrtebenen Vernichtung der Actten mehrfach wiederholen.

Handel ünb^Berkehr^

Gießen, 20. Jult. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd JC. 1.10 bis 80 Hühnereier, per Stück 56 H, Enteneier, per Stück 6 H, Käse, per Stück 49 H, Käsematte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 16 H, Linsen, 1 Liter 23 H, Tauben, das Paar 75 H, Hühner, per Stück Jt.90, Hahnen, per St. JL.70, Enten, per Stück JL 1.50, Kartoffeln, alte, 100 Kilo 5.50, neue Jt 7.50. Ochsenfleisch 7072 H per Pfd., Kuh- u. Rindfleisch 5860 Schweinefleisch 64 H, Kalbfleisch 5660 Hammelfleisch 6570 H. __

Gingesandt.

Gießen, 19. Jult. Die gegenwärtig hier concertirenbe Sängergesellschaft des Mimikers Christ aus Dresden erhält in Folge ihrer ausgewählten humoristischen Darstellungen und Vorträge einen lebhaften Zuspruch. Dem Vernehmen nach sollen noch 2 Concerte stattfinden.