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Ufo. 94. Erstes Blatt. Sonntag, den 21. April 1878.

KiDeW "Anzeiger

AnM- «Ä Amtsblatt für dkl Kreis Gieße«.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

die Interpellation Furculescos fortgesetzt. Der Minister des Auswärtigen er­klärte, die Regierung habe gegen die russische Occupation protesttrt und den rumänischen Agenten Catargt beauftragt, diese Thatsache der britischen Regierung mttzutheilen. Die Kammer votirte eine Tagesordnung, in der sie ihre Be­friedigung über die Erklärung des Ministers ausdrückte.

Wien, 19. April. DiePolit. Corresp." bringt folgende Meldungen: aus Konstantinopel vom 18.: Layard beräth mit Admiral Hornby über die Maßregeln, welche zu ergreifen wären, falls die Rusien den oberen Bosporus besetzten. Die Concentrirung russischer Truppen in der Nähe von Konstantinopel dauert fort. Ein nach London abgereister türkischer Delegirter soll mit einer Mission der Pforte an England betraut sein. Die Berufung Sadyk Pascha's zum Premierminister ist keineswegs im Sinne einer Allianz mit Rußland an­zusehen. Seitens der Pforte wurde die Beschleunigung der Räumung von Schumla und Datum zugesagt. Aus Bukarest vom 19.: Die Rusten beabsichtigen, Galaß zu befestigen. Der Commandant der rumänischen National­garde wurde vom Kriegsmintster angewiesen, täglich ein ganzes Bataillon zum Dienst beizuftellen, was als Anzeigen des bevorstehenden gänzlichen Abzuges des rumänischeu Militärs nach der kleinen Wallachei angesehen wird.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

2W Die nächste Nummer desAnzeigers" erscheint Donnerstag den 25. April.

Präfekten von Palermo ernannt. i

London, 19. April. DieTimes" meldet aus Petersburg von gestern: i In amtlichen Kreisen glaubt man an den Erfolg von Deutschlands Vermitt- lung und den baldigen Zusammentritt des Congreffes. Demselben wird wahr- ] schetnltch eine Vorkonferenz der Botschafter in Berlin vorangehen, kraft deren ; Entscheidung die Mäche eingeladen würden, den Congreß zu beschicken behufs , der Erwägung, wie in ?olge der Ereignisse, welche den Vertrag von San Stefano schufen, die Verträge von 1856 und 1871 geändert werden sollten. Zuversichtlich werde erwartet, daß eine derartige Formel in London und Peters­burg befriedigen werde. DieTimes" glaubt, dieser Vorschlag des Fürsten Bismarck scheine Schwierigkeiten zu begegnen, da die Mächte durch die Annahme der Einladung zugestehen würden, daß sie genannte Verträge so lange als gültig betrachten, bis dtejelben durch dieselbe Autorität geändert worden seien, durch welche sie hergestellt wurden. Das nämliche Blatt meldet: Die russische Regierung hat in Sunderland 100,000 Tonnen Kohlen bestellt, welche unver­züglich auf Schnelldampfern nach den Ostseehäfen verschifft werden sollen.

Petersburg, 19. April. Das JournalNeue Zett" schreibt: Ruß­land werde den definitiven Frieden mit Freuden begrüßen, falls derselbe ehren­voll sei und die Ordnung im Orient befestige. DieNeue Zeit" hofft, die englische Flotte werde zurückberufen werden. Das Amtsblatt publicirt die Nummern von 36 Reserve-Bataillonen, welche 3 Divisionen, und von 24 Batterien, welche o Brigaden bilden. Aus Vorstellung des Minif^rs des Innern befahl der Kaiser, denNordischen Boten" wegen seiner schädlichen Richtung für immer £u unterdrücken. Der Schah von Persien soll an 2. Mai inkognito in der Grenzstadt Djulfa eintreffen, wo Fürst Mentschrkos ihn begrüßen wird. Bei dem Confltct mit den Volksmaffen in Moskau

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Vermischtes.

Hof, 9. April. DeS gestrigen Abends Feierstunde, die 6. Stunde, von der man im regelmätzigen Gang der Dinge nur gewohnt ist, daß sie Ruhe in die ganze Geschäfts­welt bringt, hat unsere Stadt in die höchste Aufregung versetzt. Die chone große Baumwollspinnerei stand, wie mit Zauberschlag, auf ein Mal in Hellen flammen uno ist dieselbe im Verlaufe weniger Stunden total niedergebrannt. Nur die Nebengebäude wurden, Dank der rastlosen, aufopfernden Thätigkeit der Feuerwehr und sonstiger helfenden rettenden Hände vor dem Untergange bewahrt. Von einer Rettung des Hauptgebäudes konnte keine Rede sein, da das Feuer mit rasender Vehemenz um sich griff. Punkt 6 Uhr mußte dem beobachtenden Auge der Rauch auffallen, welcher nicht ganz in der Mitte des Hauptgebäudes unter dem Dache heroorbrach. Man kann sagen von Secunde zu Sekunde mehrte sich derselbe und schon nach wenigen Minuten schlug die Helle Flamme empor. Um V27 Uhr schon stand eine^Hälfte^detzi Gebäudes, die^nörd­liche, vollauf in Flammen. Nur eine Zwischenmauer in der Mitte des Gebäudes setzte auf kurze Reit dem nüthenden Element einen Damm. Allein es sollte nicht sehr lange dauern: denn um 3/47 Uhr stand auch die südliche Hälfte in Brand. Wahrend sich nun das Feuer rasch über diesen Theil verbreitete und von den oberen Stockwerken durch Rusammenfallen des Daches in die unteren Stockwerke drang, stand um Uhr das ganze Gebäude in Flammen und Lohe um Lohe stieg schaurig zum Himmel empor Man merkte kaum etwas von der einbrechenden Nacht. Weit umher im Umkreise dürste das Feuer bemerkt worden sein. Noch um 10 Uhr Abends schlugen die Flammen lichterloh empor und zahllose Feuergarben züngelten zum Himmel hinauf und brachten die anstoßenden oder benachbarten Gebäude in große Gefahr. Die unterdeß zahlreich herbeigeeilten Feuerwehren thaten ihre Schuldigkeit mehr, als in hohem Matze. Ganz besonders gefährdet war das zahlreich bewohnte Haus der Arbeiter (Albeiter­wohnung), welches auch unter großem Jammer der Bewohner äur Vorsicht geräumt wurde. Das Schreien der Kinder und Weinen der Mütter war^erschütternd. Dazu kommt noch der Verlust der Arbeit, welche trotz der schlechten allgemeinen Gesckafts- oerhältnisse von Seite der Direktion soweit aufrecht erhalten wurde, daß die Arbeiter, ca. 700, den nöthigen Lebensunterhalt verdienen konnten. Damit ist es aber fitzt aus und vielleicht 2000 Menschen sind brodlos. Für diese kann, wohl nicht allein die Stadtgemeindeverwaltung sorgen; hier bedarf es weiterer Hilfe, und Kreis- und Staats­regierung werden es hieran nicht fehlen lassen. Immerhin ist es noch ein Glück, daß der Brand zur Jetztzeit und nicht im Winter erfolgte; denn jetzt kann doch wenigstens ein Theil der Arbeiter hinaus. Den Schaden können wir momentan noch nickt schätzen, fügen aber an, daß das Etablissement um 2,200,000 Mark in der Landes-Affecurrenz versichert war. Die letzte Brandsteuer betrug 19,000 Mark. Mobiliar- und Lagervor- räthe sind in der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank versickert. Es waren 60,000 Spindeln im Betriebe. Erbaut wurde das Etablissement 1854 und 1856 in Betrieb gesetzt. Jeden Tag wurden 2 Lowry Kohlen aus Sachsen verbraucht. Ver­unglückt ist Gott sei Dank bei dem Brande Niemand, obwohl Verschiedene mit Lebens­gefahr rettende Hand anlegten. Von auswärtigen Feuerwehren waren zur Hilfe erschienen: Moschendorf, Oberkotzau, Gattendorf, Joditz, Döhlau u. A-, welche alle mit Ausdauer arbeiteten. Heute Morgen sah man nur noch wenig Rauch aus der Ruine emporfteigen. Die mehrmaligen Detonationen, welche während des Brandes hörbar waren, erfolgten durch Explosionen der Gasleitung. Mit großem Erfolge arbeitete während des ganzen Brandes die Dampfpumpe im nördlichen Kesselhaus neben vrr Arbeiterwohnung. Ihr ist die Rettung der im vorigen Jahre neu angeschafften auS Augsburg bezogenen Dampfmaschine, des KeffelhauseS, Kohlenschuppens und ArbetterhauseS zu verdanken,

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r Gießen, 20. April. Neber das im Som nur d. I. abzuhaltende San gerieft sind wir in der Lage, unseren Lesern einige weitere Mittheilungen zu machen. Zunächst sei erwähnt, daß jetzt für dasselbe der 30. Juni und 1. Juli definitiv festgestellt sind; sodann, doß ein dem großen Comitä von der Bau- und Decorations-Commission vor- pelegter Plan einer zur Aufnahme von 450 Personen ausreichenden Sängerbühne, nebst Kostenvoranschlag genehmigt wurde. Weiter wird es wohl die Einwohnerschaft interesstren zu erfahren, daß außer den zur Aufführung kommenden Einzelchören der verschiedenen beim Feste mitwirkenden Gesangvereine drei Gesammtchöre gesungen werden, welcke der akademische Musikdirektor, Herr Felchner, leiten wird.

Schließlich wollen wir noch zur allgemeinen Kenntniß bringen, daß in der Kürze die Wohnungs-Commission sich erlauben wird, eine Liste zum Einzeichnen von frei­willigen Beitragen, sowie zur Notirung der Familien, welche während der Festtage auswärtige Gäste in ihre Wohnung aufzunehmen bereit fein werden, circuliren zu lassen, und wünschen wir, daß dem Unternehmen eine recht freundliche Unterstützung zu Theil werden möge.

Gießen, 20. April. Im Laufe dieser Woche fand keine Sitzung der Stadtver­ordneten S taff.___________________ . -

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S UVtftt» Eorrespondcnz-Bureau«

Paris, 19. April. DieAgence Hapas" meldet aus Athen von heute: Durch Vermlttlung Englands ist zwischen den türkischen Truppen und den Auf­ständischen in Thessalien eine Waffestruhe M^inbart worden.

London, 19. April. >Reuttr's Bureau" meldet aus Calcutta vom 18. d.: Brigade-General Roß ist ^um CommanitziWrden der nach Malta be­stimmten Expeditions-Truppen ernannt und wird speciell die erste Brigade der­selben commandiren; die zweite Brigade wird von Macpherson befehligt, die Kavallerie vom Major Watson, die Sappeurs von Prendergast.

Brüssel, 18. April. Im Gegensätze zu Londoner Nachrichten über eine bevorstehende Vorconferenz erfährt derNord", die Phase der Verhand­lungen über die auf den Congreß bezüglichen Vorlagen scheine noch nicht abge­schlossen zu sein. Der gute Wille Rußlands in dieser Beziehung sei nicht zweifelhaft. Man fürchte aber, England wolle die ungewtffe Situation durch FormuUrung von Vorbehalten und aus Abneigung gegen eine deutsche Vermitt­lung in die Länge ziehen.

London, 18. April. Wie das JournalEcho" wisien will, hätten die Mächte dem Vorschläge Bismarck's zugestimmt, wonach die Botschafter in Berlin zu einer CouferMz zusammentreten, um den modus procedendi auf dem Con­greß, forme Mr Zeitpunkt für die Eröffnung desselben festzusteüen und andere Vorfragen.zuerledigen. Die Regierungen seien eingeladen, ihren Botschaftern Instructionen zu ertheilen. WieEcho" weiter wisse« will, würden auf dem (Songreffe zum Zwecke der Vergleichung mit dem Friedensvertrage- von San Stefano die Verträge von 1856 und 1871 vorgelegt werden.

Abends. In einem Supplement des Amtsblattes wirt/eine ProUw mation der Königin veröffentlicht, welche die Ausfuhr von Torpedos, Torpedo- Schiffen und Apparaten zum Werfen brennbarer Stoffe verbietet.

Konstantinopel, 18. April, Abends. In Folge des Mintsterwechsels wird Said Pascha, Director der Ctvilliste und Vertrauensmann des Sultans, sowie Gegner Vefik Paschas in's Cabinet eintreten.

Rom, 18. April. Wegen der an einigen Punkten Südrußlands und der Türkei herrschenden Typhus- und Blättern-Epidemie wird durch Teeret die Einfuhr von Hadern und ungereinigter Wäsche aus dem Schwarzen und Asow'- schen Meere, sowie aus den türkischen Häfen verboten. Corti wurde zum

wurden 12 Personen verwundet.

Konstantinopel. 19. April. Di-Pforte bat die Zusage der baldigen Räumung der Festungen Schumla, Varna und Datum in einer Note erklär, worin ausgeführt wird, daß ein großer Theil der Garnisonen bereits zuru^ gezogen sei; ein definitiver Termin für die Räumung türkischerseits wäre u - rigens im Friedensvertrage nicht festgesetzt, die gegenwärtigen Occupanonsver- hältniffe sowohl bezüglich der russischen als auch der türkischen Truppen standen in Urbereinstimmung mit den Bestimmungen des Waffenstillstandes; die Pforte werde in Gemäßheit des Friedensvertrages successive einen Platz nach dem andern überliefern.

Bukarest, 19. April. Mit Griechenland und der Schweiz sind Handels-, vertrüge abgeschlossen. In der Deputtrtenkammer wurde die Depatte über '

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>-neaohnuiig von 7 16. Jul! zu vermiethm. h, HnuuntkMkhwer.

le Wohnung an eine irmkifotn.

Weidensassc 98. 1 nmcr zu vem'ethm. , Dreibäusereosse 45.

AnzeigNl.

i Kochen und sonstigen ren, sucht Stelle 1 nadchen; Näheres l blatnlt, baf) an l. I in der BW

n Nuß" in Steinberg, Ludwig von Mir en Aeußerungen voll- unb ungerechtfertigt

r 17. W 1878. ^acobHinkstr^, hhute mb fcponnlrt bet itzevkor«, Ml idchm für MSaM. Leugnissrn versehen ist, K Mst » lt SchirmerL51^