der
heutige» Tage: Die von dem russischen Botschafter der hiesigen Regierung gestern überbrachten Mittheilungen des Fürsten Gortschkoff seien nur vertraulicher, nicht officieller Natur, weshalb deren Veröffentlichung unterbleibe. Soviel verlaute indeß über den Charakter dieser Mittheilungen, daß es seit deren Ueberretchung für die volle Verständigung Rußlands und Oesterreichs keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mehr gebe.
Konstantinopel,'16. April. Achmed Pascha ist nach Theffalien abgereist, um an Stelle von Hobart Pascha das Commando des Flottengeschwaders -u übernehmen. Alle egypttschen Truppen sind heute nach Alexandrien eingeschifft. Der ehemalige Großvezir Mehemed Ruschdi ist zum Mitgliede des Mtnisterrathes ernannt worden. — Prinz Hassan von Egypten und der egyp- ttfche Marineminister sind heute nach Alexandrien abgereist.
Wien, 17. April. Die „Presse" schreibt: Die Nachricht der „Times" von der Existenz einer österreichischen Antwort auf die Ctrcularnote Salis- bury's wird hier osficiös bestätigt. Dieselbe wurde gestern oder heute durch den Grafen Beust in London überreicht. In der Antwort gelange Graf An- draffy, auf Salisbury's Argumentation eingehend, zu dem Schluffe, daß der Kongreß auch für England der beste Weg zur friedlichen Wahrung von deffen Jntereffen sei.
Nach der „Preffe" hätten sich die Chancen für den Congreß in der neuesten Zeit sehr befestigt und werde hier schon in den nächsten Tagen der Zusammentritt der Vorconserenz erwartet. — Die Mittheilung der „Times" über die Antwort Rußlands auf die Vorstellungen des Wiener Cabinets sei nicht correct. Die Antwort sei nicht offictell ertheilt worden. Rußland habe sich vielmehr nur vertraulich in einem für die Verständigung über die Bemerkungen Andraffy's günstigen Sinne geäußert.
Unabhängig von den Verhandlungen mit der Pforte wurden der Statthalter von Dalmatien und der Banus von Croatien beauftragt, direct mit den Fiüchtlingen wegen deren baldiger Rückkehr nach Bosnien und der Herzegowina zu verhandeln.
Petersburg, 17. April. Wie die „Agence ruffe" mttthetlt, schienen die Pourparlers zwischen den Cabineten von London, Petersburg und Berlin eine befriedigende Wendung zu nehmen. — Die Zeitungsnachricht, daß Rußland dem Zusammentritt einer Präliminar-Conferenz widerstrebe, sei unrichtig. Rußland habe im Gegentheil seiner Zett dem Vorschläge einer solchen Vor- conferenz, als das Berliner Cabinet denselben machte, zugestimmt. ES sei kein Grund, demselben heute nicht beizustimmen, zumal in dem Falle, daß England sich demselben nicht mehr widersetze. — Was die Nachricht anlange, daß Ena- < land mit Griechenland eine Allianz abgeschloffen habe, so sei dieselbe durch die
Bosnien und der Herzegowina führe. Diese Verhandlungen seien bis jetzt resultatlos, da die Pforte die Verantwortung nicht übernehmen zu können scheint, daß die Rückkehr ohne Störung der Ordnung sich vollziehen werde. — Die „Preffe" meldet: Die rumänische Regierung unterbreitete den Kammern einen Gesetzentwurf, wonach die Freihäfen Galatz, Braila und JSmalia nicht sofort im Sinne des allgemeinen rumänischen Zollgesetzes, sondern erst am 1. Januar 1880 aufgehoben werden sollen.
Konstantinopel, 17. April. Der Sultan hat den österreichischungarischen Botschafter, Graf Zichy, zum Diner eingeladen. Letzterer reist morgen in Urlaub nach Oesterreich. — Die österreichische Botschaft dementirt die Nachricht verschiedener Journale, daß Oesterreich-Ungarn eine freundschaftliche Besetzung Bosniens und der Herzegowina verlangt habe. — Die Ruffen gewährten der Türket eine achttägige Frist zur Räumung von Schumla und Batum. — Der neuernannte Minister ohne Portefeuille, Mehemed Ruschdi, wird als ein Freund des Premierministers, Vefik Pascha, und als Anhänger Englands angesehen.
Wien, 17. April. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest: Ein Theil des russischen Corps Zimmermann trifft aus der Dobrudscha ein zur Verstärkung des russischen Lagers auf dem Plateau Furtscheni, welches der Schlüffelpunkt aller Verbindungslinien zwischen der Wallachet und Rußland ist. Die Ruffen verschanzen dieses Lager und häufen darin Lebensmittel und Mum- tionsvorräthe an. In Galatz ist die russische Garnison verstärkt. Bei Sulina sind Steinschiffe posttrt, um event. wieder die Donaumündungen zu sperren. Die Brücke von Barboscht erhält schwere Belagerungsgeschütze. Die rumänische Armee concentrirt sich gegen Turnseverin und Trigovistt. Die beurlaubten rumänischen Milizen sollen wieder etnberufen werden. Es heißt, der Fürst werde sich nach Schloß Sinai begeben, welches nahe dem Concentrtrungspunkte der Armee liegt. Nach der neuesten Meldung protesttrte Rumänien direct in Petersburg gegen den Frieden von San Stefano; die dort überreichte Note ist anders gefaßt als die früher an die rumänischen Agenten im Ausland erlassene Depesche.
Petersburg, 17. April. Der „Regierungsbote" meldet aus Moskau vom 15. d.: Heute rief die Ankunft von 15 aus der Universität Kiew wegen Ruhestörung verbannten Studenten in den Straßen Unordnungen hervor. Junge Leute begleiteten haufenweise den Wagen, in welchem die 15 Studenten vom Bahnhofe aus transportirt wurden. Das Volk, durch Aeußerungen aufgereizt, es seien Männer, die für die Wahrheit leiden, stürzte sich in's Gedränge, wobei es zu Thätlichkeiten kam. Einige junge Leute wurden arretirt und damit die Ruhe wieder hergestellt. Die 15 Studenten wurden bis zur weiteren Exilirung in's Gefängniß gebracht.
London, 17. April. Die Admiralität sandte gestern 40 Schleppdampfer nach Malta zum Schutze der Panzerflotte gegen Torpedo-Angriffe. — Das Thurmschiff „Monarch" wurde in's Mittelmeer beordert.
Berlin, 17. April. Die „Prov.-Corresp." bespricht in einem längeren: Artikel, überschrieben „die Finanzreform und die Reichsidee", die veränderte Stellung der national-liberalen Preffe zu der vom Reichskanzler angestrebten : umfassenden Ftnanzreform; der Artikel hat folgenden Schluß: Die gesummte Haltung der national-liberalen Presse im letzten Jahre hat den Beweis gegeben, ' daß sie eine umfassende tiefgreifende Steuerreform sowohl vom Standpunkte der allgemeinen Reichspolitik und um der Reichstdee willen, als auch im wtrth- schaftlichen Interesse der Bundesstaaten und Communalverbände als nothwendig : erkannt hatte. Ihr jetziges Verhalten steht in offenkundigem Widerspruch mit den seit Jahr und Tag anerkannten und verkündeten wirthschaftltchen Aufgaben. ' — Bezüglich bei politischen Lage schreibt die „Prov.-Corresp.": In der : europäischen Lage ist eine wesentliche Veränderung noch nicht etngetreten, obwohl die vorherige scharfe Spannung friedlichere» Stimmungen zu weichen scheint.
Köln, 17. April, Abends. Die „Köln. Ztg." meldet aus Wien vom
Handel und Verkehr.
t , F^ukfurt 17. April. Der heutige Heu- und Stroh - Markt war gut be- ^bren.Heu kostete je nach Qualität per Gentner Jü 2.50—3.30, Stroh per Eentr. JL2 — btä 2.50 Butter tm Großen das Pfund 1. Qual. JL 1.15-20 2 I w im
®etfltl 1. Qual. «4L 1-40—50, 2. Qual. v4L 1.30—35, Eier das Hundert JL 4.60 —6. Kartoffeln 6.80—7' per 100 Kilo. Fletschpreise: Qchsenfleisch per Pfd. 70—75 H
c^s 64 H, Kalbfleisch 60-70 , Hammelfleisch 55-68 H, Schweine- 28-33 OM-^24-28.*
Limburg, 1? April. (Fruchtbericht.) Rother Weizen JL 21—, Weißer Wetzen Sliter f °tn 13 G"ste 12.-, Hafer JL 7.70. (DurchschnittS-Prets pro
Frischbäcker in Gießen.
Sr°nebcr8' Öfter.
Ske®ile"*nb@i1ee61etn. 3Wit0et^Ut von bcm Agenten deS Norddeutschen Lloyd ™ rr wy 0rk, 13- April. (Per transatlantischen Telegraph.) Das PostdampfsLiss Mos^Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am q H6?asmrtD°n april,Don Southampton abgegangen war, ist heute
0 llhl Morgens wohlbehalten hier angekommen.
Tbatsache widerlegt, daß England Griechenland zu wissen gethan habe, daß es rechn^^be""^ 9Cgen tic Türkei nicht auf die Unterstützung Englands zu Stockholm, 17. April. Das hiesige Telegraphenbureau ist bevoll- machtlgt, die Nachricht über Schritte Englands, um von Schweden die Erlaub- "iß zur Errichtung eines Stations- und Oebotplatzes für die britische Flotte auf der Insel Farö zu erhalten, für absolut grundlos zu erklären: derartige oder ähnliche schritte seien niemals gethan worden.
Vermischtes.
mrtri8 (SnuboJf In Parts.) Das Haus Rudolf Moffe hat am 18. April in h;01 ace 40 ruo Notrc'Dame-de3-Victoires eine Filiale seiner Annoncen
Flof "c. ... . M ttheilt, wird dieses Bureau^allm
über dortige Verhaltniss! mit Auskünften und Rith j°ver zett unentgeltlich zur Verfügung stehen. Dieses anerkennenswerthe, liberale Entaeaen- willkommenlein bcn DieIen Besuchern der Pariser W-ltausstellun/sehr
Münstermaifeld (Rheinprov.) 12. April. Gestern wurde einem diesiaen i^rhrmann sein dretundzwanzigstes Kind geboren; derselbe lebt in zoeiter Ehe und schenkte ihm seine erste Frau sechs Kinder, während ihm seine jetzige zweite Frau gestern das siebenzehnte Kind gebar. Gewiß ein reicher Segen. ® a 8
, 77 Himmel sei uns gnädig! Nach Berichten aus Parts steht eine Kleider- JÄXrfMrt »™erb*n. natüctl^n 9»l8e h-d-" dürfte, b«8 bi« - Srinoltnen
Literarische».
Zm Verlage der Gebrüder Kröner in Stuttgart, dieser Geburtsstätte s>, vieler durch echt künstlerische Ausstattung und trefflichen Inhalt hervorragenden G'isteS- probuct«. ist foeben e(n neues Pe-Kiw-rk im Erscheine, begdffen b«S”"5 “gart® der Anlage alle bisherigen zu üairtreffen bestimmt ist. Es führt den Titel- Unser Vaterland, in Wort und Bild geschildert von einem Verein der bedeutendsten Schriftsteller und Künstler Deutschlands", und verfolgt den Zweck, ebensowohl geistig an rcflenbc Unterhaltung wie gediegene Belehrung zu bieten, den Geschmack uad Schönheitssinn zu beleben, das Vaterlandsgefühl zu heben und zu kräftigen. Es wird also wie wenige andere Werke geeignet sein, eine Rolle im deutschen Hause, in der deutsch n Familie einzunehmen, wozu es noch der außergewöhnlich billige Preis von nur 75 V b-'°nd°rs besähigi. Das Werk soll in Serie, auägegeben merben' beeen erf^
,0anje ber "^allchen Alpen" — Tirol uno Voralberg, das bayerisch- Gebirge, Salzkammergu Steiermark und Kärnten - behandeln wird, während die
8 «lm Laufe der Zeit ganz Deutschland und Deutsch-Oesterreich zum Gegenstand ihrer Schilderungen machen werden. Alle 14 Tage erscheint eine Lieferung deren dic erste Serie circa 50 enthalten wird, welche wieder in drei Abschnitte zerfallen. Tirol und Voralberg (20 Lfg.), Steiermark und Kärnten (15 Lfg.), das bayerische Gebiroe tmpf^IenbUr0 ” ®(r ,5nncn ba§ schöne Unternehmen Jedermann bestens
„ Lokal-Notiz.
e den Kapitalzinsen der Zubiläums-Stipendien-
Sttstung zu Ehren der 25jährigen Regierung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs , \ ^nachst drei Stipendien von je JL 525 an drei junge Leute
«nShffMmn nnnf ® t™11 »m brct Provinzen als Beisteuer zu den Kosten ihrer
?annbmif hr.t L.a6°hCr^^ dildungsanstalt zur Vertheilung. Das Stipendium hprrfi^r.*HC .flu8flc^c^nt "e^den; es können jedoch nur Angehörige solcher Gemeinden berückuchtigt werden, welche Beiträge zu dieser ©ttftuna apfeifthnh«»n Hiernach qualtficirh Studirende werden eingeladen, ihre Gesuche, mit Zeugniffen belegt, burch die Bürgermeisterei ihrer Heimathzemeinde an die Büraermeisteiei her H°up'ft°dt ihrer Pr°°in,. dis längstens den 27. 8,™“. “g" gelangen °n7°fsm
Gießen, 18. April. Verschiedene Bubenstreiche sind heute Nacht wieder oollsübrt worden. In der Gartenstraße wurde eine eiserne Stackekenwand sammt Steinen um ftrAftr s11- ^n?cr neu^n Realschule diverse Fenster eingeworfen, 4 Laternen in der Alicen- Itra&e demolirt, an einem Neubau in der Ludwigsstraße dem Glaser Arbeit neieh»n und °n einem Wasser haus der Ober Hess. Bahn ar'geDemolirungln vergabt Hoffem- ltch gelingt es die Schlingel ausftndtg zu machen damit wieder einmal ein Erempel ftatuirt wird. Diese Zerstörungen zeigen auf der anderen Seite, wie dringen/notb- wendig eine Vermehrung der Polizei für unsere ausgedehnte Stadt ist "damit das E oentbum der Bewohner nicht zerstört wird. 11 *oam,r oa9
Kirchliche Anzeigen evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
I. heil. Osterfeierlag.
Sonntag den 21. April.
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Pfarrvicar Schöner.
n. heil. Osterfeiertag.
Montag den 22. April.
Morgens: Pfarrer Schlosser. Nachmittags: Mitprediger Dr. Buchh old.
(Lollecte für die Stadtarmen).
Die Pfarrgefchäfte für die Woche vom 21. dis 27. April besorgt Pfarrvicar Schöner.
Bebufs Verminderung von Schreibereien und Jncassokosten er suchen wir die geehrten Inserenten dringend, kleinere Jn- erate bei der Aufgabe gefälligst fcaar bezahlen zu «ollen.
Expedition deS Gießener Anzeigers.
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