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außer dem amtlichen Stempel ein besonderes Kennzeichen tragen oder verschlossen (zugeklebt, zugestegelt rc.) sind, hat der Wahlvorsteher zurückzuweisen. Art. 4. Im § 16 des Wahlgesetzes sind hinter den Worten:die Kosten" einzuschalken die Wortefür die Strmmzettelcouverts." Art. 5 § 12 des Wahlgesetzes erhält folgenden Zusatz:Die Wahl findet an einem Sonntage statt." Art. 6 § 29 des Wahlreglements rst ausgehoben. An seine Stelle tritt folgende Be­stimmung :Die engere Wahl findet am zweiten Sonntage nach der Ermittelung des Wahlresultats statt. Ferner beantragen die Abgg. Blos und Most, den Reichskanzler aufzusordern, dem Reichstage in nächster Session den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, welches den Umfang und die Zahl der Reichstags- Wahlkreise nach den Ergebnissen der letzten amtlichen Volkszählung regelt. Ferner beantragen die Abgg. Blos und Most, einem Gesetze betreffend die Abänderung des Reichsstrafgesetzes die Zustimmung zu geben. Einziger Artikel. Nach dem § 107 des Reichsstrafgesetzbuches ist als § 107a nachfolgende Be­stimmung einzuschalten:Wer einem Deutschen Geschenke oder andere Vortheile anbietet, verspricht oder gewährt oder Nachtheile androht, um ihn bei öffent lichen Angelegenheiten zur Abgabe seiner Wahlstimme in einem besonderen Sinne zu veranlaffen, wird mit Gefängniß nicht unter einem Monat bestraft."

Berlin, 16. März. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung das Forstdiebstahlsgesetz mit unbedeutenden Aenderungen wesentlich nach den Beschlüffen der zweiten Lesung an und genehmigte ebenso in dritter Lesung die evangelische Kirchenverfaffung für Schleswig Holstein und Wiesbaden. Außer­dem erledigte das Haus Petitionen.

Berlin, 16. März. Der Kaiser befahl den Fürsten Bismarck auf 3 Uhr Nachmittags zum Vortrag und demnächst den Botschafter am Wiener Hofe, Grafen Stolberg. Letzterer verweilte gestern Nachmittag längere Zeit bei dem Fürsten Bismarck.

Das Herrenhaus nahm die noch übrigen Artikel des Gerichtsver- fasiungsgesetzes unverändert nach den Beschlüffen des Abgeordnetenhauses an, den § 95, die zukünftige Stellung der jetzigen Mitglieder der Obertribunals- Staatsanwaltschaft betr., in einer von den Commissions-Anträgen wesentlich abweichenden Faffung, nachdem Justizminister Leonhardt lebhaft für den bezüg­lichen Beschluß des Abgeordnetenhauses eingetreten war. Das ganze Gesetz wurde in namentlicher Abstimmung mit 85 gegen 5 Stimmen genehmigt.

Hesterreich.

Wien, 15. März, Abends. Der Budgetausschuß der österreichischen Delegation hat bei der Verhandlung über den 60-Milltonen-Credit mit 11 gegen 9 Stimmen folgenden Antrag Schaup's angenommen: Falls die Ent­wicklung der orientalischen Ereigniffe behufs Wahrung wesentlicher Jntereffen der Monarchie die Entfaltung der Wehrkraft unabweislich mache, werde das gemeinsame Ministerium ermächtigt, im Einverständniffe mit den Regierungen der beiden Reichshälften die erforderlichen Ausgaben bis zum Betrage von 60 Millionen zu bestreiten. Sturm (gegen die sofortige Bewilligung) kündigte ein Minoritäts-Votum an, welchem sich auch Herbst anschließt.

Wien, 15. März. Die vereinigten Sub-Commissionen der ungarischen Delegation genehmigten den Falk'schen Mottvenbericht über die Vorlage betr. den 60-Millionen-Credit mit unwesentlichen Abänderungen. Sieben Delegirte, darunter Baron Bauhidy und Gras Apponyi, erklärten, wiewohl sie den Be­schlußantrag annähmen, sich der Motivirung deffelben nicht anschließen zu können und ihre diesbezüglichen Ansichten in der Plenarsitzung darlegen zu wollen. Bei der Debatte wiederholte Andraffy, daß der Credit keine andere Bestimmung habe, als im gehörigen Augenblicke die Kraft der Monarchie ohne jeden Zeit­verlust geltend machen zu können. Die Verhandlung über die Credttvorlage in der Plenarsitzung erfolgt wahrscheinlich am Dienstag.

Schweiz.

Bern, 15. März, Abends. Die Negierung hat ein Bataillon behufs des Sicherheitsdienstes aufgeboten, da angeblich am Jahrestage des Commune- aufstandes eine Demonstration beabsichtigt sein soll.

Irankreich.

Versailles, 15. März. Die Deputirtenkammer hat den Gesetzentwurf, betr. den Rückkauf der Neben-Eisenbahnen durch den Staat, angenommen. Der Senat genehmigte die beiden ersten Artikel des Gesetzes über den Belage­rungszustand in der Faffung, wie sie von der Deputirtenkammer beschlossen waren, unter Verwerfung aller von der Rechten gestellten Amendements.

Versailles, 16. März. Die Kammer hat mit 231 gegen 100 Stim­men die Mittel zum Ankauf der secundären Eisenbahnen bewilligt. Nach dem betr. Gesetzentwürfe sollen 3proc. amortisirbare, je nach dem Bedürfnisse zu emittirende Renten bis zu 500 Millionen creirt werden.

ßngland.

London, 15. März. Unterhaussitzung. Der erste Lord der Admira­lität, Smith, bringt das Marine-Budget mit der Erklärung ein, dasselbe bastre auf normalen Zuständen, da er nicht glaube, daß es seine Pflicht sei, für die hoffentlich fortdauernden Friedenszeiten eine bedeutende Erhöhung des Budgets zu beantragen. Die vorhandenen Marine-Streitkräfte genügen, um England zu schützen und seine Interessen zu wahren. Es seien reichlich Mannschaften vorhanden, jedes Schiff zu bemannen, dessen Indienststellung möglich sei. Die Flotte sei jeder Eventualität gewachsen. Der Minister legt seine bereits be­kannten Ansichten in Betreff der zu bauenden Schiffe dar und spricht die Hoff' nung aus, daß die jetzt zu bauenden 28 Torpedo-Boote im Laufe des Sommers vollendet sein würden. England gebrauche deren weniger als andere Länder, weil viele Dampfer dazu verwendbar seien. Den Wünschen der Katholiken entsprechend, werde jeder Flotte von 5 oder 6 Schiffen ein Caplan beigegeben werden. Der Minister beantragt die Genehmigung von 46,000 Officieren und Mannschaften, einschließlich 14,000 Marinesoldaten. Das Haus genehmigte alle Positionen des Marine-Etats, ausgenommen diejenigen für Dockyards und Marinestores, über welche die Debatte vertagt wurde.

London, 16. März. DerTimes" wird aus San Stefano gemeldet: Die russische Garde ist beordert, sich zur Rückkehr in dte Heimath einzuschiffen, sobald der Friedensvertrag ratificirt sein wird.

Nußland.

Petersburg, 16. März. Die Occupation und Delimitation der Bulgarei wird in englischen und österreichischen Organen als eine Angelegen­heit behandelt, welche durch geringere Ehrsucht

Einfluß von Seiten Rußlands zu einer minder schwierigen Frage für den Eon' * greß gemacht werden könnte. Dieser Anschauung gegenüber wird hier in infor- mirten Kreisen auf die faktischen Zustäube in Bulgarien verwiesen. Die Ele­mente dort sind so locker, daß man befürchten muß, die russische Evacuation würde nur ein Chaos, und zwar ein blutiges zur Folge haben. Für Rußland ist eine Occupation kein Vortheil, sondern eine Last. Es gibt aber Lasten, deren sich eine Macht nur auf convenabie Weise entledigen kann.

Der Kaiser empfing heute Reuf Pvscha. Fürst Gorschakoff erwiderte bereits gestern den Besuch Reuf Pascha's. Der Austausch der Ratificationen des Friedensvertrages wird wahrscheinlich morgen erfolgen.

Petersburg, 16. März. Was neuerdings über Verhandlungen der päpstlichen Curie mit der russischen Regierung über die Verhälkniffe der polni­schen Katholiken oder die Lage der römischen Kirche in Polen verlautet, ist im wirklichen Sachverhalte nicht begründet. Die römisch-katholische Frage ist An­gelegenheit des Reiches, obschon die Polen immer versuchten, derselben einen specifisch polnischen Anstrich zu geben. Gegenwärtig ist keine bedeutende Aende- rung deS Status quo eingetreten. Richtig ist, daß auf das an den Kaiser ge­richtete sehr verbindliche Äntrittsschreiben deS Papstes ein ebenso verbindliches Antwortschreiben des Kaisers erfolgte.

Bezüglich der von Griechenland prätendirten Theilnahme am Congreffe wird an maßgebender Stelle betont: Griechenland könne nicht integrale Partei des Congresses gleich den Großmächten werden, es stehe aber nichts im Wege, daß Griechenland seine Interessen durch Delegirte beim Congreffe repräsen- ttren laffe.

Türkei.

Konstantinopel, 16. März. Es verlautet, daß die russischen Garde­truppen sich am 21. d. zur Rückkehr einschiffen sollen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telrgr. Eorrespondeaz-Bureau.

Wien, 16. März. DiePolit. Corresp." meldet aus Athen: In Folge der Ausschreitungen der irregulären türkischen Truppen flüchteten sich 32 christlichen Familien in Trustena auf griechisches Gebiet. Dieselbe Corre- spondenz berichtet aus Bukarest: Rumänien bereitet die Auslieferung der tür­kischen Gefangenen vor und verhandelt ferner mit den russischen Behörden wegen der für die Benutzung der Post, Telegraphen und Eisenbahnen schuldigen Summen, sowie wegen Entschädigung der rumänischen Grundbesitzer.

Berlin, 17. März. Auch die Nat.-Ztg." meldet, daß der Papst Sr. Maj dem Kaiser in einem Antrittsschreiben die Besteigung des päpstlichen Stuhles mitgetheilt habe. Eine authentische Bestätigung der Nachricht fehlt noch. DieNat.-Ztg." gibt ihre übrigens gut beglaubigte Mittheilung unter aller Reserve.

Athen, 16. März. Der ehemalige Präsident der nordamerikanischen Union, General Grant, ist von Athen abgereist, um sich nach Neapel zu begeben. Vor seiner Abfahrt wurde ihm noch eine enthusiastische Ovation dargebracht; aus die hierbei voa Delyannis gehaltene Ansprache erwiderte der General: Er werde immer große Achtung für das griechische Volk und den König fühlen, und sei mehr als je davon überzeugt, daß Griechenland eine hervorragende Stellung unter den Nationen einzunehmen vermöge.

Bukarest, 16. März. Den Kammern ist ein Gesetzentwurf vorgelegt über Errichtung eines neuen Ministeriums, welches die Verwaltung der Domä­nen und der Landwirthschast zu übernehmen hätte; das Ministerium der öffent­lichen Arbeiten soll in ein Ministerium für Straßen und Communicationen umgewandelt werden, welchem die Leitung der Eisenbahnen, Posten und Tele­graphen obliegt. Die Senatoren und Deputirten hielten gestern eine außer­parlamentarische Sitzung, in welcher Seitens der Regierung die Schwierigkeiten der Lage Rumäniens im Fall eines europäischen Krieges dargelegt wurden.

Petersburg, 17. März. Das JournalGolos" erfährt, daß der Petersburger Magistrat aus Befehl des Ministers des Innern zur Aufstellung von Listen solcher Personen geschritten sei, welche sich dazu eigneten, Stellungen als Officiere in der Miliz zu bekleiden, falls diese aufgeboten wird.

Rom, 16. März. Graf Paar, der österreichische Botschafter beim päpstlichen Stuhle, überreichte dem Papste seine neuen Beglaubigungsschreiben.

Wien, 16. März, Abends. Der Kaiser stattete gestern dem Prinzen Peter von Oldenburg einen längeren Besuch ab; für morgen sind Letzterer und I der Prinz Alexander von Heffen zur Hoftasel geladen.

Lokal-Notiz.

Gießen, 18. März. Wir lassen nachftebend die T age «ordnung für die Stadt- oerordneten-Sitzung am Donnerstag den 21. März 1878, -tachnrittags 4 Uhr, im alten Realschulgebäude folgen:

1. Die Vorschule zur Realschule.

2. Die Abtritte in dem Schulbause in der Neustadt betreffend.

3. Die Qctroierhebestätte am Seltersthor.

4. Vergleich zwischen der Stadt Gießen und Schneidmüller Andreas Euler.

5. Bedarf an Samen für die städtischen Wiesen.

6. Die Reichensand-Bahnhofsstraße.

7. Herstellungtzarbeiten in dem städtischen Hause auf dem Asterweg.

8. Straßenanlagen im Gartfeld und in der Schwarzlach.

9. Den Hamm-Weg betreffend.

10. Gesuch des Heinrich Schomber um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung.

11. Desgleichen des Kaufmanns Johanne« Fischer.

12. Gesuch des DieustmannS Karl Heil II. um Bauerlaubniß.

13. Desgleichen des Schreiners Friedrich Blumöhr.

14. Desgleichen des Schreiner« Adolph Hoß.

15. Desgleichen der Louis Wenzel Wittwe.

16. Dergleichen der Gewerbe-Bank.

17. Desgleichen de« I. B. Singer.

18. Den Voranschlag der Stadt Gießen für da« Jahr 1878 betreffend.

Vermischte-.

Darmstadt. In der in voriger Woche abgehaltenen Prüfung für einjährig Freiwillige bestanden von 19 Erominanden 9.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 16. März. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut be fahren. Heu kostete je nach Qualität per Centn er JL 23.50, Stroh per Ctr. je 22.40. Butter im Großen das Pfund 1. Qual. 9095 H, 2. Qual. 80 H, im Detail 1. Qual JL 1.1015, 2. Qual. JL 1.05. Eier, das Hundert JL 5.106.50, Kartoffeln JL 7 per 100 Kilo. Fleischpreise: Qchsenfleisch per Pfd. 7075 Kuh- u. Rindfleisch 55 615 64 H, Kalbfleisch 60-75 Hammelfleisch 5468 Schweinefleisch 70-75 Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 2732 jl, ganze Erbsen 24-28 JL, Bohnen 24-25 JL.

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