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Berlin, 14. Mai. Hödel fuhr bei dem gestrigen Verhör fort, zu leugnen. Nach Schkeuditz und Leipzig erging die Weisung, mehrere Personen zu vernehmen, event. zu verhaften, welche dringend verdächtig sind, mit Hödel in Verbindung gestanden zu haben.
— Der „Berl. Actionär" veröffentlicht einen Erlaß des Handelsministers vom 4. Mai, welcher die Staatsbahnen auf das Eingehendste anweist, bei Submissionen den Unternehmern mit aller Billigkeit und Bereitwilligkeit ent- gegenzukommen.
Berlin, 14. Mat. Der „Prov.-Corresp." zufolge erwiderte der Kaiser bei dem am Sonntage in Gegenwart des Kronprinzen stattgehabten Empfange des Staatsministeriums auf die Glückwunsch-Ansprache des ältesten Ministers, des Justizministers Leonhardt: Es sei das dritte Mal, daß auf ihn geschaffen worden; so erschütternd und betrübend das sei, so finde er doch Trost in der Theilnahme der Bevölkerung, welche sich vom ersten Augenblicke an so lebhaft kundgegeben und die ihm sehr wohl gethan habe. Man dürfe solche Dinge in keiner Weise zu leicht nehmen; er habe in der Zeit, als er Mitglied des Staatsministeriums gewesen, stets auf die Gefahren hingewiesen, welche sich aus der Geltendmachung der damaligen staatsfeindlichen Richtungen ergeben müßten. Seine Befürchtungen seien durch das Jahr 1848 leider bestätigt worden. Jetzt wiederum und in erhöhtem Maße sei es Aufgabe der Regierung, dahin zu wirken, daß revolutionäre Elemente nicht die Oberhand gewinnen. Jeder Minister müsse dazu das Seinige thun. Insbesondere komme es darauf an, daß dem Volke die Religion nicht verloren gehe. Dies zu verhüten, sei die hauptsächlichste Ausgabe. — Die „Prov.-Corresp." meint, die Reichstags- Session werde keinesfalls vor dem 25. ißai geschloffen werden können.
New-Aork, 14. Mai. Nachrichten aus Canada zufolge trafen die dortigen Behörden gegen jeden Versuch eines Einfalles von Feniern militärische Maßnahmen.
Konstantinopel, 14. Mai. Das Uebereinkommen wegen eines Vor- s.chuffes von 700,000 Pfund ist gestern unterzeichnet worden. Die Regierung zahlt 12 pCt. Zinsen und 2 pCt. Commission. Garantirt wird der Vorschuß durch die Zolletnnahmen auf 15 Monate. — Der russische Botschafter Labanoff ist angekommen. — Graf Zichy dinirt heute bei dem Sultan.
Nierstein, 14. Mai. Bürgermeister Vohwinkel wurde heute Nacht beraubt und ermordet.
Wien, 14. Mai. Die „Polit. Corresp." meldet aus Ragusa: Das österreichische Consulat in Mostar wurde telegraphisch verständigt, daß österreichische Unterthanen in Folge des Einfalles bosnischer Insurgenten in Vergovac sich nach Ljubuschki flüchteten und den Schutz des Consuls anriefen. Unter der Bevölkerung jener Gegend herrscht eine wahre Panik. Der türkische Muteffarif beorderte, von dem Consulat benachrichtigt, sofort eine Abtheilung türkischer Truppen nach Ljubaschki. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Konstantinopel vom 14. Mai: Die Ruffen warfen in der Umgebung von San Stefano neue mit Krupp'schen Geschützen armirte Verschanzungen auf. Der heute in San Stefano unter dem Vorsitze des Generals Totleben abgehaltene Kriegsrath be
schloß die Räumung Schumlas energisch zu betreiben. Das russische Hauptquartier nimmt den Rückzug über Tschataldja hinaus keineswegs in Aussicht. Mit den Insurgenten im Rhodopegebirge, welche durch Albanesen namhaft verstärkt wurden, fanden neue Kämpfe statt. Die Thätigkeit der Pacistcirungs- Commission ist bis jetzt ohne Resultat geblieben. Der Gesundheitszustand in Phtlippopel und Adrtanopel hat sich neuerdings verschlimmert.
Brüssel, 14. Mai. In der Deputirtenkammer wies Fröre auf die Vielfältigen Agitationen des Klerus hin und bezeichnete die Situation als eine sehr ernste; es bedürfe der Mithülfe Aller, um die versaffungsmäßigen Freiheiten zu schützen.
Nom, 14. Mai. Das nächste Consistorium wird erst Ende Juni abgehalten werden. Der Papst wird bei diesem Anlaffe die Nuntien in Wien, Paris, Madrid und Liffabon nach Pom berufen zu Cgrhiyälen ernennen.
Konstantinopel, 14. Mai, Abends. Die Verhandlungen wegen Räu- mung^der Festungen Seitens der Türken und gleichzeitigen Rückzuges der Rusten von San Stefano sind, wie dem „Telegr.-Corresp.-Bureau" in Wien gemeld^f wird, gescheitert, da der Rückzugsplan des General Totleben in Petersburg nicht genehmigt wurde.
London, 14. Mai. Der Lordmayor und die Gemeindevertretung von London übermittelten dem deutschen Kajser telegraphische Glückwünsche. — Lord Ruffel ist schwer erkrankt, sein Zustand äußerst hesorgnißerregend. — „Dgily News" erfahren, die von Hartington beantragte Resolution, b?tr. die Verwendung der indischen Truppen in Europa, werde am 20. Mat discutirt werden. — „Advertiser" meldet, das 1. Armee-Corps sei beordert, sich zur Einschiffung am 28. Mai bereit zu halten.
Lokal-Notiz.
Gießen, 15. Mai. Die am 8. Mat im Cafs Ebel abgehaltene Generalversammlung des hiesigen Volksbildungsoeretns war nur von wenigen Mitgliedern besucht, was sich allerdings aus der an jenem Abend eingetretenen ungünstigen Witterung leicht erklären läßt.
lieber die Thätigkeit des Vereins und deren Erfolg im letzten Vereinsjahre konnte der Vorsitzende recht Erfreuliches berichten. Der Leseabend wurde von vielen Schülern der Fortbildungsschule besucht und die ansehnlich vermehrte Bibliothek fleißig zu Hause benutzt. Die für den Sommer eingerichtete freiwillige Fortbildungsschule wird vorerst nur von 8 Schülern besucht, doch ist zu hoffen, daß noch verschiedene junge Leute nach Pfingsten eintreten werden.
Die Generalversammlung erklärte sich sodann mit der in der letzten Ausschußsitzung bewilligten Gelduntnsiützung für den hiesigen Frauenverein einverstanden und ertheilte dem Rechner auf Grund der von 3 Ausschußmitgliedern- vorgevommenen Rechnungsprüfung Decharge. Hierauf wurde die Ergänzungswahl des Ausschusses vor- fltnommeif. Die ausfallenden Mitglieder wurden wiedergewählt, und zwar Fabrikant Haustein zum Vorsitzenden, Weinbändler Meyer zum Rechner, Reallehrer Alb ach zum Schriftführer, Buchdrucker Keller und Lehrer Ebeling zu Ausschußmitgliedern. Da der seitherige stellvertretende Vorsitzende, Dtrector Stein, von hier weggezogen ist, so wurde an seine Stelle Professor Br atuscheck gewählt. Die Erhebung der jährlichen Beiträge soll nächsten Herbst geschehen, und zwar soll der statutenmäßig festgesetzte Beitrag von 1 fl. als Minimum beibehalten werden. Möge dem Verein auch ferner die Unterstützung aller derer zu Theil werden, die für die Weiterbildung unseres Volkes und besonders unserer Jugend ein Herz haben.
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wird die Hälfte des PrämtengewinneS der Gemeinschaft der Betheiligten überwiesen; letztere aber sind au ch im un g lü cklichst en F alle nur zu einer Prämiennachzahlung bis zu 20 pCt. (ein Fünftel) der Normal prämie verpflichtet, für alle größeren Verlufte haftet die Gesellschaft allein. Im Jahre 1877 konnten dieser Gemeinschaft 19 pCt- von der (nur 80 H pro 100 tm Durchschnitt betragenden) Prämie auf Reservekonto gutgeschrLeben werden
Abrechnungen sind bei den unterzeichneten Vertretern einzusehen, welche auch bereit sind, durch weitere Auskunft die Empfehlung dev Gesellschaft stach allen Richtungen hin weiter zu begründen.
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