Freitag, den 12. Juli
Kl». SS«.
1878.
Aizkizk- M AmtsM str!>ei |rri$ Sich».
Rer>actionSbin»eairr Gartenstraße B. 165.
Gxpeditionsbureairr , Schulstraße B. 18.
1 KW "'MIMMaW—
«»scheint täglich mit Autnahm« deS MoEgS
Preis viertel-jährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. '
Amtlicher Tßeil. Bekanntmachung,
In Gemäßheit des §. 9 des Gesetzes vom-13. Februar 1875 über die Naturalleistung für die bewaffnete Macht im Frieden, werden hiermit nachstehende Durchschnittspreise vom Monat Juni veröffentlicht:
Hafer 17 Heu 5,50 JL, Stroh 4,73 «X, per 100 Kilogramm.
Gießen, den 11. Juli 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. B o e k m a n n.
politisch
Feutschkand.
Darwfiadt, 9. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 18) enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Gesammtministeriums, die Bestellung der Wahlcommissäre für die Wahlen der Abgeordneten zum deutschen Reichstage betreffend.
2. Öeffentliche^Anerkennung einer edlen That. Am Abend des 7. Mai l. I. fiel das dreijährige Söhnchen des Georg Keller zu Hochheim, im Kreise Worms, in den an dem Garten seiner Eltern vorbeifließenden, durch heftige Regengüsse angeschwollenen Pfrimbach. Die in der Nähe befindliche Katharina Herbold, 19 Jahre alt, Tochter des Georg Herbold zu Hochheim, stürzte sich muthig und entschlossen in den tiefen und reißenden Bach und brachte das Kind mit großer Anstrengung wieder glücklich an das Ufer, wobei sie, von der Strömung umgerissen, in Lebensgefahr gerieth und selbst nur durch die thätige Hülfe des Zimmermanns Philipp Bähr zu Hochheim, welcher ebenfalls in das Wasser gesprungen war, aus demselben gerettet wurde.
Se. König!. Hoheit der Großherzog haben der Katharina Herbold für diese muthvolle mit eigener Lebensgefahr verbundene That, neben Bewilligung einer Geldprämie, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Rettung von Menschenleben" Allergnädigst zu verleihen geruht.
3. Nachträgliche Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Comnnmal- Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim.
4. Ordensverleihungen.
5. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
6. Dienstnachrichten.
7. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die evang. Pfarrstelle zu Langen. Dotationsmäßtger Gehalt 3942 ; eine mit einem kathol. Lehrer zu
besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Büdesheim mit einem jährl. Gehalt von 942 eX 85 H; die Gemeinde-Schulstelle zu Himbach mit einem jährl. Gehalt von 771 «X 43 H. Das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Asenburg und Büdingen in Meerholz zu; die Gemeinde-Schulstelle zu Höckersdorf mit einem jährl. Gehalt von 685 «X 71
— Das Großh. Regierungsblatt Nr. 11 enthält: Bekanntmachung Groß herzoglichen Gesammtministeriums, die Bestimmungen über Befähigung von Bahnpolizeibeamten und Locomotivsührern betreffend.
Mainz, 9. Juli. Von Setten eines höheren Officiers fand dieser Tage eine Jnspection unserer neuerbauten Festungswerke statt. Die Jnspection soll aus Anregung des Kriegsmtnistertums erfolgt sein, da sich bet den nunmehr fast vollendeten Werken bedeutende Mängel herausgestellt hätten. Fast sämmtliche neue Stadithore zeigen sehr bedenkliche Risse und Sprünge, so daß bereits viele Reparaturen vorgenommen werden mußten; auch die Festungswälle erfreuen sich nicht der Anerkennung der Militärbehörde; eine Anzahl derselben, und zwar solche, die bereits fertig waren, sind jüngst unter großem Getöse in die Festungs -Gräben gestürzt; die Verwüstungen kann man heute noch vor dem sog. Mombacher Thore wahrnehmen. Diese Momente sollen das Kriegsmintste veranlaßt haben, sich durch eine Jnspection über den Zustand der hiesigen Festungsbauten zu informiren. (grfftr. Journ.)
Berlin, 9. Juli. Fürst Bismarck wird sogleich nach Schluß des Con- gresses eine'Badereise antreten und voraussichtlich nach Kissingen gehen. Ende der riächst^n Woche begiebt sich der älteste Sohn des Fürsten, Graf Herbert Bismarck, nach Lauenburg, um sich in dem dortigen Wahlkreise als Candtdat für den Reichstag vorzustellen. Die Absicht, auch den jüngsten Sohn des, Fürsten jetzt candidiren zu lassen, scheint aufgegeben zu sein.
— Die Wahl des Staatsmintsters a. D., Delbrück, im zweiten Weimari- schen Wah!kreise ist bekanntlich gesichert. Wie wir hören, war auch an den früheren Finanzminister Camphausen eine Anfrage wegen Uebernahme eines Mandats beabsichtigt, jedoch wieder aufgegeben worden, nachdem man erfahren, daß Htrr Camphausen fest entschlossen sei, kein Mandat anzunehmen.
Frankfurt a. M., 10. Juli. Heute Abend, 5 Min. nach 6 Uhr, brach in dem Stadtheater, in welchem gegenwärtig die „Meininger" Vorstellungen geben, Feuer aus und zwar unter dem Dache. Das Publikum, welches bereits zahlreich im Hause versammelt war, konnte ohne Unfall das Freie gewinnen. Den angestrengtesten Bemühungen der Feuerwehr gelang es, das Feuer auf den Dachstuhl des Gebäudes zu beschränken, so daß um
। er Hheil.
71/2 Uhr jede Gefahr eines wetteren Umsichgreifens des Brandes beseitigt war. Die Vorstellungen dürften auf alle Fälle für einige Zeit unterbrochen jein.
— Der Theater-Brand, der heute Abend in der Stadt eine große Aufregung hervorrief, war bereits gegen 7 Uhr in der Hauptsache durch das energische Eingreifen der Feuerwehr erstickt. Die Flammen, welche schon um 6 Uhr 10 Minuten aus dem Dachstuhl herausschlugen und um 6y2 Uhr ringsum eine enorme Hitze verbreiteten, wurden rasch auf den westlichen Theil desselben beschränkt, der denn auch gänzlich zur Ruine ward. Die Fa?ade des Theater^Gebäudes ist durchaus unberührt und erhalten geblieben. Im. Imkern ist natürlich Astes zerstört; die Wasselströme durchweichten das ganze Haus, der Haupt-Vorhang ist durch dieselben vernichtet. Gegen 7 Uhr stürzte der Kronleuchter in's Parterre herunter. Soweit bis jetzt bekannt, ist Niemand aus dem Publikum verwundet; nur einige -ohnmächtige Frauen gab es. Dadurch, daß man den Besuchern der Gallerte, die bereits fast ganz besetzt war, mittheilte, das Feuer sei bereits gelöscht, hatten auch diese sich in aller Gemüths- ruhe entfernt Die Entstehung des Feuers ist ermittelt: ein Zuleitungsrohr an dem Hanptrphr über dem Kronleuchter war schon längere Zeit defekt (es war dies nicht unbekannt) und das entweichende Gas hatte sich dort entzündet. Die Garderoben sind zum großen Theil gerettet, das Theaterarchiv wurde in das Holdffche Restaurant geschafft, wo wir Haufen der schönsten und — ältesten Dramen in Manuscript und Druck aufeinandergeworfen sahen. Heute Abend sollte die Grillparzer'sche „Ahnelffrau" von den Meiningern gegeben werden. Das Theater ist versichert. Als.^Augenzeugen können wir noch mittheilen, daß das Publikum des Parterres sich äußerst besonnen verhielt, als ihm durch einen Herrn mitgetheilt wurde, es mö.ge sich entfernen. Der Vorhang ging sofort in die Höhe und auf der Bühne wurden einige Feuerwehrleute sichtbar, die indeß nicht beruhigen konnten. Zwei Minuten darauf erloschen die Gasflammen des ganzen Hauses und erst dann stürzte Alles mit wahnsinnigem Geschrei nach den Ausgängen.
Hesteneich.
Wien, 8. Juli. Die „Deutsche Ztg." meldet: Auf Antrag des Grafen Andrassy wurden die auf die Donau bezüglichen Artikel XII und XIII des Vertrages von San Stefano präcise festgestellt. Es wurde bestimmt, daß keine Festungen am Ufer bestehen dürfen, daß Kriegsschiffe nicht einlaufen dürfen und daß die internationale Donaucommission die Reglements für die ganze Schifffahrt auf der unteren Donau sestzuflellen habe. Letztere wird unabhängig von den Staaten, die an dem Donau-Delta Theil haben, fungiren. Die Ausführung aller Arbeiten am eisernen Thor stehl nur Oesterreich zu.
Pesth, 9. Juli. Aus Agram wird gemeldet: „Abgeordnete richten eine Dankadresse an die Krone wegen der bevorstehenden Besetzung Bosniens. Ein Grenzer, der die Grenze Überschritt, ist geköpft worden."
England.
London, 9. Juni. Die hiesigen deutschen Socialdemokraten ernannten ein Agitations-Comit^ von 6 Mitgliedern, welche jeden Sonntag den englischen Arbeiterclubs das Streben und die Zwecke der deutschen Socialdemokraten aus- einandersetzen und sie für den Anschluß an deren Bestrebungen gewinnen sollen.
— Unterhaus. Bourke theilte auf eine Anfrage mit, daß die Ratification der Convention vom 4. Juni vor einiger Zeit abgegangen sei. Der Botschafter Layard habe am 8. Juli berichtet, daß Alles geregelt sei. Baring habe Konstantinopel bereits verlassen, um den Firman in Betreff der Ueberlassung Cyperns dorthin zu überbringen. Die Regierung habe noch keine officielle-Mittheilung erhalten, daß die Convention den übrigen Mächten bereits formell notificirt worden.
— Abends. In der Sitzung des Oberhauses stellte Granville die Anfrage, ob die englisch - türkische Convention den auswärtigen Mächten in nicht- osficieller Weise mitgetheilt sei. Der Präsident des Geheimrathes, Richmond, erklärte daraus, er könne die Frage nicht beantworten, ohne sich zuvor nochmals darüber zu informiren.
telegraphische Depeschen
Wagrrer'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 10. Juli. Bulletin von 10 Uhr Vorm. In dem Befinden Sr. Maj. des Kaisers ist seit gestern keine Veränderung eingetreten.
(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.


