Ich wollte eine mehr ermuthigende als ablehnende Antwort ertheilen; zur Zett kann Ich nur rathen, den Antrag SchneeganS abzulehnen".
Hierauf wurde die Debatte geschloffen. Das Haus lehnte den Antrag o. Francken fteiw ab, ebenso den Hänel'schen; für letzteren stimmten Fortschrittspartei, Centrum und Socialdemokraten. Der Antrag des Centrums, im S 1 der Vorlage die Worte „auf Antrag des Reichskanzlers" zu stretchen, wurde in namentlicher Abstimmung mit 201 gegen 79 Stimmen verworfen, die SS 1 und 2 der Vorlage unverändert angenommen. Die Debatte über S 3 wurde um 5yt Uhr auf morgen vertagt.
Berlin, 9. März. Der Reichstag setzte heute die zweite Lesung der Stelloer- tretungsvorlage fort. Der zu S 2 beantragte Zusatzantrag Bühlers wurde einstimmig, der Zusatzantrag Wtndthorst's (Meppen) mit großer Majorität abgelehnt. Weitere Anträge von Windthorst, Reichensperger und Hänel wurden zurückgezogen. S 3- wonach dem Reichskanzler Vorbehalten ist, jede Amtshandlung auch wädrend der Dauer der Stellvertretung selbst oorzunehmen, wird von Treitzschke und Schmidt befürwortet, von Reichensperger bekämpft- Der württembergische Minister von Mtttnacht tritt für diese Bestimmung der Vorlage ein, die weder überflüssig noch schädlich sei und der ganzen Tendenz der Vorlage entspreche. Dem Reichskanzler müsse die fragliche Befug- niß zustehcn, wenn er für nothwendig erachte, während der Stellvertretung einzugreifen. Die Verantwortlichkeit der Stellvertreter werde von diesem Paragraphen nicht berührt und bestehe in der vom Reichskanzler bet der ersten Lesung charaktertsirten Weise. Sie falle dagegen natürlich fort für solche Handlungen, welche der Reichskanzler selbst wät) renb der Stellvertretung vorgenommen habe. Wenn man aus den Stellvertretern nichts weiter mache als was sie seien, könne man gegen den Paragraphen Nichts etnzumenden haben. Man habe Einwendungen bezüglich der Selbständigkeit des Stellvertreters erhoben. In diesen Dingen komme es aber auf die Person, den Charakter und die Befähigung der Stellvertreter an, wie der Abg. v. Bennigsen dies kürzlich treffend aus' geführt habe. Es sei nicht anzunehmen, daß der Reichskanzler ohne Noth und rücksichtslos interventre. Dem Reichskanzler müsse zumeist daran liegen, vertrauenswürdige und befähigte Personen zu Stellvertretern zu bestellen, oder solle er verurtheilt sein, ruhig zuzusehen, wenn der Stellvertreter unrichtige Bahnen einschlage? Hierzu komme ferner die Rücksicht auf den Verkehr der Einzelregierungen mit de» Reichskanzler. Die Einzelregierungen könnten nicht wünschen, den Reichskanzler hierbei verschwinden oder in den Hintergrund treten zu sehen.
Fürst Bismarck erklärt: die für den Reichskanzler geforderte Befugnitz sei unentbehrlich. Gewähre man dieselbe nicht, so werde man auf U«wegen zu dem gewünschten Ziele zu gelangen suchen. Ohne diese Berechtigung werde man schwerlich einen Reichskanzler finden- Ohne sie würde der Zustand eintreten, welcher dem Abg. Lasker als Ideal vorzuschweben scheine, der Zustand der Zerfahrenheit und Anarchie in den einzelnen Ressorts, wobei jeder thun und lassen könne, was er wolle. Die preußischen Mtnistertalzuftände kämen diesem Ideale ziemlich nahe und bestünde der von Lasker gewollte Zustand, so müßten Lippe und Mühler noch heute Minister sein, denn er (Redner) würde ihnen niemals haben bretnreben können. Werbe dem Reichskanzler^ bie gebachte Befugntß nicht ertheilt, so könnten währenb ber Stellvertretung leicht Zustänbe eintreten, die mit ber Politik des leitenden Ministers in dem schneidendsten Widerspruch ständen und den letzteren zum Rücktritt zwingen müßten. — Windthorst (Meppen) erklärt sich gegen den S 3- — Lasker verwahrt sich gegen die Aeußerungen des Reichskanzlers, soweit dieselben auf seine Person sich bezogen hätten- Das Land und das ganze Haus würden ihm bezeugen, daß er stets das Gegentheil dessen verfolgt, was ber Reichskanzler ihm unterstellt habe. Uebrtgens wahre er sich die volle Freiheit der Kritik und ber Rede.
Fürst Bismarck ermiebert, er wolle Lasker beide nicht verkümmern. Zum Beweis, daß seine Beußerung begründet sei, berufe er sich auf die Aeußerungen Laskers bet ber ersten Lesung. Bamberger spricht noch für bte Vorlage. Hieraus wurden die SS 3 und 4 unverändert angenommen. In ber Sitzung am Montag finbet die brüte Lesung ber Stellvertretungsvorlage statt-
Berlin, 9. März. Der „Reichs-Anz." meldet: Mit der gedämmten geschäftlichen Leitung der Betbeiligung deutscher Künstler an der Pariser Ausstellung ist mit Allerhöchster Genehmigung vom Reichskanzler der Director der königl. Academie der bildenden Künste, v. Werner, betraut worden.
Dresden, 9. März. Einem Telegramm des „Dresd. Journals" aus Wien zufolge lautet das Expose des Grafen Andraffy an die Delegationen sehr friedlich und versöhnlich. Daffelbe rechtfertige die Politik Rußlands und erwarte mit Sicherheit Berücksichtigung der europischen Jntereffen aus dem Congreffe.
Hesterreich.
Wien, 9. März. Die Vorlage der Creditforderung von 60 Mill- st- an die Delegationen weist auf die Möglichkeit hin, daß außerordentliche Maßregeln zur Wahrung des Jntereffes der Monarchie getroffen werden muffen. Der Credit soll zur Deckung der in diesem Falle entstehenden außerordentlichen Auslagen dienen. Es soll dadurch nicht die Completirung der Ausrüstung der Armee bewirkt werden, sondern die gemeinsame Regierung die Mittel erhalten, um auf ihre Verantwortung rechtzeitig Maßregeln zu treffen, die geeignet sind, bei rascher Verwerthung der durch die Armee-Organisation gebotenen Vortheile die Monarchie vor jeder Gefahr und Ueberraschung zu sichern.
— Die Delegationsvorlage wegen Bewilligung zur Bestreitung der gemeinsamen Auslagen des zweiten Quartals 1878 besagt: Nachdem sich die Indemnität auf den Zeitraum eines halben Jahres erstreckt, sieht sich das Ministerium in die Nothwendigkeit versetzt, auch um die Bewilligung von 3 Mill. fl. auf Rechnung des außerordentlichen Heeres-Erforderniffes für 1878, daun von 726,700 fl. auf Rechnung des außerordentlichen Marine-Erfordernisses zu ersuchen, weil sich in diesen Erfordernissen Bedürfnisse befinden, deren Sicherstellung unter allen Verhältnissen ohne Beeinträchtigung der Schlagfertigkeit der Armee nicht aufgeschoben werden kann.
Wien, 9. März. In beiden Deligationen widmeten die Präsidenten dem verstorbenen Erzherzoge Franz Carl einen warmen Nachruf. Die Delegirten bezeugten ihr Beileid durch Erheben von den Sitzen.
Graf Andraffy unterbreitete 4 Vorlagen. Erstens betreffs der Indemnität über die gemeinsamen Auslagen im II. Quartal 1878; zweitens wegen Bewilligung eines Nachtrags -Credites für das Ministerium des Aeußeren und des Kriegsministeriums; drittens wegen Bewilligung eines außerordentlichen Credits von 60 Millionen; viertens wegen Subventionirung der Flüchtlinge ans Bosnien und der Herzegowina. Die österreichische Delegation wies alle Vorlagen an die Budget - Commission. Die ungarische Delegation wies die ersten Vorlagen den vereinigten Subcommissionen, die letzte der Subcommission für äußere Angelegenheiten zu. In Betreff des 60-Milltonen-Credits ersuchte Zsedenyi den Grafen Andraffy um eine Erklärung über den Zweck des Credits in öffentlicher Sitzung. Andraffy ersuchte, die vorliegende Frage, da es sich nicht nur um eigene, sondern auch um europäische Interessen handle und wir gegenwärtig am Vorabend des Congresses stehen, in der Subcommission zu verhandeln, was zum Beschlüsse erhoben wird. Banhedy interpellirt über die Friedensbedingungen. Andraffy erklärt, er werde auch hierüber in der Sub- commission ausführlich sprechen, bemerkt aber schon jetzt, daß er officiell keine Kenntniß von den Friedensbedingungen habe. Nachmittag findet eine Sitzung des Subcomitäs statt.
— Nach Darlegung des Exposes seitens des Grasen Andraffy beschloß der Budgetausschuß der österr. Delegation, in der nächsten Sitzung am Montag Vormittag den Minister des Aeußeru behufs Information und Aufklärung zu
interpelliren. Abg. Schaun verzichtete auf die weitere Erörterung der Frage, ob die Stenographen zugezogen werden sollen, nachdem Graf Andraffy bemerkt hatte, daß er in solchem Falle in seinen Auseinandersetzungen größere Zurückhaltung beobachten müßte. Der Antrag, daß zu der nächsten Ausichußsitzung auch andere Delegationsmitglieder beigezogen werden sollten, wurde abgelehnt.
— Die „Presse" meldet: Es sind bisher keinerlei authentische Mitlhei- langen über die Friedensstipulationen hierher gelangt. Das Petersburger Cabmet hat hier angezeigt, daß es sofort von dem Fnedensmstrument volle Kenntniß geben werde, sobald daffelbe von Jgnatieff dem Kaiser übergeben sein werde. — In den Delegationen wird außer dem Credit von 60 Millionen auch die Forderung eines neuerlichen Nachtrags-Credites von 7 Mill. fl. für die bosnischen Flüchtlinge eingebracht werden.
Triest, 9. März. Auf dem Lloyddampfer „Sphinx", von Kavala kommend, mit 2500 Tscherkessen an Bord, brach ein Braud aus und ist der Dampfer hierauf am Cap Elisa gestrandet. 500 Personen kamen um, die anderen wurden gerettet.
Irankreich.
Versailles, 8. März. In der Deputirtenkammer machte Baudry d'Asson (Legitimist) den Minister Dufaure auf einen Artikel des Journals „R6veil" aufmerksam, welcher die Katholiken der Verschwörung und der Begünstigung eines Krieges mit dem Auslande beschuldigt. Dufaure erkannte die Maßlosigkeit des Artikels an; indeß glaube er nicht gegen denselben einschreiten zu muffen; die Verletzten sollten selbst die Initiative zur gerichtlichen Verfolgung ergreifen.
ßngkaud.
London, 8. März. Im Oberhause antwortete Lord Derby auf Anfrage Delawars, er könne noch nicht sagen, wann er die Friedensbedingungen vorlegen könne. Auf die Frage Granville's antwortete derselbe, die Conferenz oder der Congreß finde in Berlin statt. Die Regierung verhandle jetzt mit den anderen Mächten, hauptsächlich Oesterreich, über die Grundlagen für die Conferenz. England habe bereits in der bekannten Depesche erklärt, es könne keine Veränderungen in den durch europäische Verträge getroffenen Arrangements anerkennen, bis sie die Zustimmung der übrigen Mächte erhalten hätten. Die Regierung habe die Ansicht ausgedrückt, daß nicht einfach ein Theil, sondern der ganze Vertrag zwischen Rußland und der Türkei dem Congreffe unterbreitet werden sollte. Auf Anfrage Dunravens erklärte Derby: Persien habe versichert, daß es kein Abkommen mit Rußland in Betreff der Abtretung eines Distrikts an der Küste des Caspischen Meeres getroffen habe. — Die Bill betr. die gerichtliche Competenz auf der breimeiligen Zone wird unverändert und ohne Debatte erledigt.
London, 9. März, früh. Im Fortgänge der Unterhaussitzung erklärte Northcote, die Regierung werde das Budget in der ersten Woche des April vorlegen.
London, 9. März. Heute Mittag trat in der Amtswohnung Lord Beaconsfield's das Cabinet zu einem Special-Conseil zusammen.
Malta, 8. März. Vier englische Panzerschiffe verbleiben hier zur Empfangnahme weiterer Befehle. Das Transportschiff „Euphrates" geht mit 1068 Mann nach England, „Serapis" nach Ostindien. Vier weitere große Schiffe sind nach den Dardanellen abgesegelt und ein Schiff nach Kreta.
Italien.
Rom, 8. März. Die Majorität der Deputirtenkammer vermochte sich über die Wahl ihres Präsidenten noch nicht zu einigen. — Die „Agenzia Stefan!" meldet: Der französische Botschafter bet der Curie, Baude, bat in Folge der Ernennung Francht's zum Staatssecretär um seine Abberufung. In einem Rundschreiben forderte Franchi die päpstlichen Nuntien zu eingehenden Mittheilungen auf über die Beziehungen zu den Regierungen, bei welchen sie beglaubigt sind, und wünschte gleichzeitig darüber Auskunft zu erhalten, wie die Regierungen einen Wechsel der Politik des Vatikans in festem, aber doch jedenfalls weniger aggressivem Sinne ansehen würden. — Bezüglich der Meldungen über die Beglückwünschung des Papstes durch den König und die Antwort des Papstes darauf theilt die „Agenzia Stefani" mit: der König beauftragte einen hohen italienischen Prälaten, den Papst in seinem Nimm zu beglückwünschen, worauf der Papst dem König durch dieselbe Mittelsperson dankte.
Rom, 9. März. Wie die „Agenzia Stefani" erfährt, soll in Folge ber gestrigen Abstimmung ber Kammer bei ber Präsidentenwahl das Ministerin n heute den König um seine Entlaffung gebeten, ber König sich die Entscheidung Vorbehalten haben.
Rom, 9. März. Der „Agenzia Stefani" zufolge hat der Papst in einem Schreiben an den Kaiser von Rußland die Hoffnung auf Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Rußland bezüglich der Kirche Polens ausgesprochen. Einen ähnlichen Schritt beabsichtigt, derselben Agentur zufolge, ber Papst bei bem beutschen Kaiser zu thun unb sogar einen Specialgesandten nach Berlin zu senden, doch machten bie Intransigenten noch Schwierigkeiten. Die Schweizerqarben würden wahrscheinlich ganz entlassen werden, weil sie in den letzten Tagen sich mehr Aufsässigkeiten hätten zu Schulden kommen lassen, indem sie die bei ber Thronbesteigung eines neuen Papstes üblichen Geschenke tumultuarisch verlangten.
AußlavÜ.
Petersburg, 8. März. Unmittelbar nach Eintreffen ber Nachricht von ber Unterzeichnung bes Friebens gab Kaiser Alexanber von biesem Ereig- niß seinem Oheim, bem Kaiser Wilhelm, telegraphisch Nachricht. Dies war die erste Mittheilung, bie von hier aus über ben Frieden fortging. Als einer der Delegirten Rußlands, welche ben Fürsten Gortschakoff zur Conferenz begleiten bürften, wirb mehrfach ber Fürst Alexis Labanow, früherer ®efanbter in Konstantinopel, jetzt Gehülfe bes Ministers des Innern, genannt. — Die Agence Russe" erklärt die Nachricht, ber bulgarische Tribut solle als Unter« pfanb für bie russische Krlegsentschäbigung bienen, für unrichtig. Es sei Überhaupt keinerlei Unterpsanb für bte Kriegsentschäbigung auSbebungen.
Petersburg, 9. März. Nach ben letzten Nachrichten aus Konstantinopel soll General Jgnatieff erst morgen von bort mit Reuf Pascha zum Austausch ber Ratificationen nach Petersburg abreisen. Mit ber Wahl Reuf Pascha's zum außerorbentlichen Abgesanbten, welche auf ben speciellen Wunsch
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3) Serbien wird un i-wornlk.
4) Die Mohamrdan kubische Lommission soll i tbumS, in drei Zabren i W) tnWbcn.
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