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Mo 179» Erstes Blatt. Sonntag, den 4. August 1878.
Kichener "Anzeiger
Aifeigk- mi) AmtsdM fit in greis Kichn.
KedactionSbuteaur Gartenstraße B. 165.
rkrper»itie»nLbueemtr Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Amtlicher Theis. Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in dem I. Wahlkreis des Großherzogthums
Herr Adalbert Freiherr von Nordeck zur Rabenau in Jriedelhausen mit 7792 von 10637 gültig abgegebenen Stimmen zum Abgeordneten des Deutschen Reichstags erwählt worden ist.
Gießen, den 3. August 1878.
Der Wahl-Commifsär: Dr. Boekmann, Provinzialdirector.
politischer Hheil.
alle solche dienstliche Vorkommntffe im Betriebe des Post- und Telegraphen-
Deutschland.
Berlin. Die Wahrung des Amtsgeheimnisses ist den Beamten der Reichspost- und Telegraphenverwaltung neuerdings in der allgemeinen Anweisung zur besonderen Pflicht gemacht worden. Nach dem gegebenen Beamtengesetze hat der Beamte über die vermöge seines Amtes ihm bekannt gewordenen Angelegenheiten, deren Geheimhaltung ihrer Natur nach erforderlich oder von seinem Vorgesetzten vorgeschrieben ist, Verschwiegenheit zu beobachten, auch nachdem das Amtsverhältniß gelöst ist. Dazu ist nun hinzugesetzt, daß zu denjenigen Angelegenheiten, deren Geheimhaltung ihrer Natur nach erforderlich ist, sowohl
setzen die Verschanzungsarbeiten energisch fort. Der griechische Gesandte Kon- duriotis betreibt bei der Pforte die Ernennung der türkischen Mitglieder der Commission zur Grenzbertchttgung, ebenso drängt der persische Botschafter wegen formeller Abtretung Khoturs an Persien.
Konstantinopel, 1. August. Der griechische Patriarch liegt im Sterben. — Die Nachricht, daß die Einberufung der Reserven sistirt sei, ist unrichtig. — Die Uebergabe von Batum und Varna an die Ruffen ist bisher nicht erfolgt.
Nom, 2. August. Dem Journal „Avenire" zufolge beglückwünschte der deutsche Botschafter v. Keudell den Minister Zanardellt im Namen des
Majestäten Gegenstand fortwährender Ovationen-
Wien, 2. August. Die „Wiener Abendpost" meldet: Die 18. Trup- pendivtsion überschritt gestern bei Vergoraz und Jmoskl die Grenze der Herzegowina und rückte mit der Hauptcolonne gegen Ljubuskt vor. In letzterem Orte scheinen anarchische Zustände zu herrschen.
— Das hiesige „Telegr.-Corresp.-Bureau" läßt sich aus Rom melden: In katholischen Kreisen wird versichert, zwischen dem Nuntius Masella und dem Fürsten Bismarck sei ein Einvernehmen bezüglich eines Modus vivendi bezüglich Deutschlands und des Vaticans erzielt worden.
Wien, 2. August. Das hiesige „Telegr. Corr.-B." meldet aus Banja- luka vom 1. d.: Unmittelbar nach dem Einmarsch unserer Truppen begaben sich die angesehensten Begs zum Erzherzog Johann Salvator, mit der Bitte, ihre Ergebenheit zur Kenntniß des Kaisers zu bringen, und erklärten sich bereit, diese Gesinnung durch Bemühungen um ein freundliches Verhalten der Bevölkerung zu documentiren. Dieselben sprachen ferner ihre Ueberzeugung aus, daß sie nur durch festen Anschluß an die kaiserliche Negierung die Bürgschaft für Wahrung ihrer Religion und Sitten gewinnen würden und gaben der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß das Land nunmehr einer glücklichen Zukunft entgegengehe.
Prag, 2. August. Heute Vormittag empfing der Kronprinz Rudolph die Geistlichkeit unter Führung des Cardinal-Erzbischofs Schwarzenberg, fast den ge- sammten Adel ohne Unterschied der Parteistellung, den Landmarschall und den Landesausschuß.
— Die „Presse" meldet aus Dervent vom 30. Juli: Der Empfang der österreichischen Truppen Seitens der Spitzen der Behörden war ein sehr freundlicher. Vielfach kamen von der Bevölkerung Anerbieten zur Aufnahme kranker Soldaten. Der Kaimakam Suleiman Effendt wurde in seinem Amte bestätigt. Türkische Soldaten von der Grenzwache lieferten ihre Waffen ab.
London, 2. August, Abends. Im Unterhause erklärte Unterstaatssecretär Bourke auf eine Anfrage Mac Kennest betreffs der türkischen Schulden und der Ordnung der türkischen Finanzen beabsichtige England nicht der Entscheidung der vom Songreffe vorgesehenen internationalen Commission vorzugreifen. Auf Befragen Fawcett's bemerkte Schatzkanzler Northcote: in Hinblick auf die vorgerückte Session des Parlaments könne er nicht versprechen, daß die mit der Pforte für die asiatische Türkei zu vereinbarenden Reformen und die von der Pforte zu gewährenden dessallsigen Garantien nock zur Kenntniß des Parlaments gelangten. Fawcett kündigte daraus einen Antuag an, wodurch die Vorlegung der fraglichen Vereinbarungen gefordert wird.
Bet Fortsetzung der Debatte über Hartington's Resolution äußerte sich Elcho in längerer Ausführung sehr entschieden gegen die Opposition. Letztere wurde von Forster vertreten, der namentlich die englisch-türkische Convention bekämpfte. Redner befragte den Schatzkanzler, ob betreffs der Türket nicht ein geheimer Vertrag mit irgend einer Macht bestehe; die gestrige Antwort des Ministers sei zweideutig gewesen.
London, 3. August, früh. Das Unterhaus verwarf Hartington's Resolution mit 338 gegen 195 Stimmen; die Regierung hatte also eine Majorität von 143 Stimmen. Plunket's Amendement wurde darauf ohne Abstimmung angenommen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. ß-orrespondenr-v«rea».
Washington, 1. August. Die Schuld der Vereinigten Staaten hat im Juli um 2,060,000 Doll, abgenommen. In der Staatskaffe befinden sich 207,007,000 Doll, in Gold und 1,108,000 Doll, in Papiergeld.
Wien, 2. August. Meldungen der „Polit. Corresp.": Konstantinopel. Türkischerseits bezeichnet man als Grund der Emeute in Serajewo die Weigerung der dortigen Autorität, den angeblichen Wunsch der Bevölkerung nach Bewaffnung zu erfüllen. Der russische Botschafter Labanoff drängt bet der Pforte auf die Räumung von Varna. Die russischen Truppen vor Konstantinopel
! deutschen Kaisers anläßlich des enthuastischen Empfanges, welcher dem Königswesens gehören aus deren weiterer Miltheilung für die Verwaltung oder für -pcare in den von ihm besuchten Städten bereitet wird. In Mailand sind die
einzelne Personen Nachtheile entstehen können, als auch Thatsachen dieser Art, welche sich auf den Postversendungs- und Depeschenverkehr beziehen. Der Beamte muß über die ankommenden und abgehenden Postsendungen und Telegramme die strengste Verschwiegenheit beobachten und mit wem Jemand Briefe oder Telegramme wechsele, keinem Anderen offenbaren. „Als Angelegenheiten, deren Geheimhaltung dem Beamten von seinem Vorgesetzten vorgeschrieben ist, haben für den Post- und Telegraphenbeamten alle amtlichen Verfügungen und dienstlichen Anordnungen zu gelten, deren Veröffentlichung oder wettere mündliche oder schriftliche Mittheilung an andere Personen einschließlich anderer Beamten der eigenen Verwaltung, vom Vorgesetzten nicht ausdrücklich angeordnet oder gestattet worden ist."
Berlin, 1. August. Das Gerücht, die Staatsanwaltschaft sei gegen das fortschrittliche Central-Wahl-Comitö, als Unterzeichner des Flugblattes „200 Millionen neuer Steuern", eingeschritten, bestätigt sich nicht. Die „Voff. Ztg." erklärt daffelbe vielmehr nur für einen Schreckschuß den fortschrittlichen Wählern gegenüber. — Hierher gelangter amtlicher Mittheilung zufolge hat die dänische Staatsregierung den in Schleswig-Holstein befindlichen Invaliden des früheren dänischen Heeres und der dänischen Flotte, welche durch den Wiener Frieden auf die preußische Staatskasse übernommen worden sind, die Jnvaliden-Pensionen erhöht; die Regierung in Schleswig ist mit den vorbereitenden Verhandlungen von hier aus beauftragt.
Berlin, 2. August. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge sind die vielfach circulirenden Nachrichten, wonach die Bestätigung von Hödel's Verurtheilung zum Tode durch den Kronprinzen bereits vollzogen sei, nicht richtig. Bis zu der am Montag Mittag erfolgten Abreise des Kronprinzen habe das Urtheil höchsten Orts noch nicht vorgelegen, doch dürfte der bezügliche Bericht des Staatsministeriums nunmehr in Homburg eingegangen sein. — Daffelbe Blatt bezeichnet die Behauptung, daß die Einbringung des auf die Socialdemokratie bezüglichen Gesetzes in den Bundesrath verzögert sei, um das Ergebniß der Wahlen abzuwarten, als erfunden. Der Gesetzentwurf sei nach Genehmigung desselben durch das Staatsmtnisterium und den Kronprinzen den Bundesregierungen vertraulich zugegangen und nur hierdurch die formelle Vorlegung verschoben. Die Ausschußberathung darüber beginne den 10. oder 12. August.
Düsseldorf, 31. Juli. Drei Extrazüge standen gestern auf hiesigem Bergisch-Märkischen Bahnhofe für militärische Zwecke in Bereitschaft. Es wurden bei Anlaß der Wahlen in Elberfeld und Solingen große Krawalle befürchtet. (D. A.)


