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3.3.1878 Erstes Blatt
 
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1878.

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Erstes Blutt. Sonntag, den 3. März

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Driiter in Einklang

Ver^gptt^on/ 2. März. Das Marine-Budget weist einen Zuwachs von 85,000 L. gegen das vorjährige auf, von welchem Betrage 42,000 8. auf den Transport von Truppen und anderen Armeedienst kommen. Es wird veavstcy- tigt, vier neue Panzerschiffe erster Elaste zu bauen.

Bukarest, 1 März. Der diplomatische Agent Rumäniens in Wien, Balaceanu, hat sich auf seinen Posten zurückbegeben. Zum diplomatischen Agenten in Berlin ist Georg Liteanu an Stelle von Degre ernannt worden.

Commission bleibt unthätig. .ÄUAVlk

Matte, 1. März. Unter den hiesigen Besitzern türkischer Staatspapiere herrscht große Aufregung; dieselben erklären, da die Türkei notorisch> zah ung - unfählq sei, so habe Rußland nicht das Recht, eine Krlegsentschädlgung zu fordern, welche in Wahrheit auf Kosten der türkischen Staatsglaubiger erhoben werden würde; es werden entsprechende Vorstellungen an die Conferenz vor-

Meldung liegt nicht vor. wr . ..

Stuttgart, 1. März. Oberhofprediger a. D-, Pralat v. Gruneisen, auch als kunsthistorischer Schriftsteller bekannt, ist gestorben.

Königsberg, L März. Das Eis des Haffes ist abgegangen und somit die Schifffahrt frei- , , ,, ~

Berlin, 1. März. DieNvrdd. Allg. Ztg." bestätigt d.e Zettungs- Meldung, daß Minister Camphausen Sr. Majestät den Kaiser formell um Amtsenthebung gebeten habe; die Uebergabe des Demissionsgesuches sel am Mittwoch erfolgt; eine Entschließung darauf scheine bisher noch nicht gefaßt

^Wien, i. März. DiePolit. Corresp." bringt folgende Meldungen: Aus Serajewo. Eine Deputation muhamedanischer Begs und bosnischer Katho­liken ist nach Wien abgereist. Aus London. Die von türkischer Sette erho­benen Schwierigkeiten bet den Friedensverhandlungen dauern fort. Dor tür­kische Vorschlag wegen Vertagung des formellen Friedensschluffes bts zum Zusammentreten der Conserenz wurde russischerseits kategorisch zurückgewiesen. Aus Cetttnje. Rußland verlangt für Montenegro u. A. die Abtretung des zwischen Piva, dem Lim und der Drina gelegenen Territoriums, so daß Mon­tenegro bei Visegrad unmittelbar an Serbien angrenzen würde. Em «ertcyt desselben Organs aus Cattaro stellt die Eventualität eines Abbruches der in Vtrbazar gepflogenen türkisch-montenegrinischen Verhandlungen über die Fest­stellung der Demarcations-Linie in Aussicht. 2 .

Belgrad, 1- März. Der Fürst ist wieder hier eingetroffen; der Generalstab und das Obercommando verblieben in Risch.

Rom, 1 März. Um etwaigen Demonstrationen vorzubeugen, beschloß der Papst, am Sonntag nach der Krönung tn der sixtinischen ^üpelle keine kirchliche Feier in der Basilika des Vaticans abzuhalten. Der Papst wird Delegirte entsenden, um den Souveränen seine Thronbesteigung anzuzeigen.

London, 1. März. Im Oberhause theilte Derby auf Befragen Gran- ville's mit er habe Grund zu glauben, daß morgen der Frieden unterzeichnet werden würde; von vielen Seiten seien ihm Gerüchte zugegangen, und er hoffe, dieselben seien wahr, wonach Rußland auf die Abtretung der türkischen Flotte

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Nedaeiionsbrrreaur Gartenstraße B. 165. r-xpedttionsburcaur Schulstraße B. 18

es erfordert werde. (Beifall.)

Wolff kündigt eine Anfrage für morgen an: ob im Hinblick auf die am 17 Januar 1871 von den Conserenzmächten unterzeichnete Erklärung, daß keine Macht sich von dem Pariser Vertrage ohne Zustimmung der anderen Kontra­henten emaucipiren könne, Rußland und di- Türket die Mittheilung erhalten hätten, daß kein Vertrag, welcher den Abmachungen von 1856 und 1871 zu- widcrlause, als gültig anerkannt werde.

Oberhaus. Dorchester klagt über Derby's Art, Interpellationen zu be­antworten und fragt, ob die Regierung über die Position der türkischen Panzer- flotte unterrichtet sei. Derby weist Dorchester's Beschwerde als ungerechtfertigt zurück und ist bereit, die gestellte Frag- in einem g-wiflen Grade zu beant­worten. Die Regierung glaubt, genaue Informationen über den größeren Theil der türkischen Flotte zu besitzen, halte aber deren Mittheilung nicht für wun- schenswerth, weil es nicht Sache der Regierung sei, Fragen über die Bewe­gungen fremder Flotten zu beantworten und weil die Regierung noch nicht über die Unterzeichnung des Frieders unterrichtet sei. Tas gegenwärtige Verhältniß sei suspendirte Feindseligkeit, Waffenstillstand, kein Frieden. All- hoffen den Krieg beendet, aber immerhin bestehe die Möglichkeit der Erneuerung des Krieges und wäre es der Sache der Türken, die Dorchester befürworte, nicht dienlich, ganz Europa und somit auch den etwaigen Feinden der Türket die genauen Positionen der türkischen Flotte mitzutheilen.

Amerika.

Washington, 28. Februar. Die Kammer der Repräsentanten nahm ungeachtet des Vetos des Präsidenten die Silberbill von Neuem mit 196 gegen 73 Stimmen an. Nach der Annahme der Stlberbill seitens der Repräsentanten ging dieselbe in den Senat, der sie mit 46 gegen 19 Stimmen ebenfalls annahm. Die Bill wird somit Gesetz.

ßngland.

London, 28. Febr. Im Fortgänge der Sitzung des Unterhauses er­widerte Northcote auf eine Anfrage Harttngton's: Napier und Wolseley seien nicht zu Chefs der Expedition ernannt, sondern nur dazu ausersehen, falls die Expedition nölhig werden sollte. Die Wahl der Genannten sei vor 10 oder 12 Tagen erfolgt. Napier sei aus Gibraltar hterherberufey, damit derselbe mit den Militärbehörden berathschlagen könne und zum Handeln bereit sei, wenn

ständigung. ,, , ,

Karlsruhe, 1. März. General Cialdini est hier eingetroffen, um dem Großherzog die Thronbesteigung des Königs Humbert zu notificiren.

des Ministers.

London, 1. März, Abends. Im Unterhause wies Schatzkanzler North­cote zur Erwiderung der gestrigen Anfrage Wolffs aus den veröffentlichten Schriftwechsel hin, wonach Rußland die anderen Mächte bereits von Englands Ansicht, daß die Zustimmung der Mächte zu den Europa berührenden Verlrags- stipulationen nothwendig, informirt worden seien; der Schriftwechsel umsaffe auch die Antwort Gortschakoffs, welche Englands Ansicht beipflichte.

Auf Befragen Gourley's theilte Unterstaatssecretär Bourke mit: Rußland habe sich behufs Beseitigung der Hindernisse an der Sulina-Mündung mit der Donau-Commission in Verbindung gesetzt; weche Fortschritte tn der Ausführung bereits gemacht worden, sei der Regierung nicht bekannt.

Petersburg, 1. März. Der Aeußerung des JournalsStandard" gegenüber, daß, wenn Rußland keine Concessionen mache, das Schwert ent- cheiden müsse, äußert dieAgence russe": die britische Regierung habe erhärt, einen Krieg nur um englischer Jntereffen willen unternehmen zu wollen, Ruß­land habe nun aber die englischen Jntereffen respektirt.Standard" muffe demnach schlecht unterrichtet sein oder die britische Regierung würde ihren for­mellen Erklärungen zuwider handeln. Was die Concessionen Rußlands betrcffe, so sei den Cabineten bekannt, daß Rußland entschloffen sei, die wesentlichen Resultate des Krieges intact zu erhalten, aber auch jederzeit genetzt, Mittel zu acceptiren, wodurch die Unverletzlichkeit des Krtegsergebnisses mit den Jntereffen Dritter in Einklang gebracht werden könne. Drohungen mit militärischen Vorbereitungen seien aber ein wenig geeignetes Mittel zu friedlicher Ver-

London, 1. März.Daily Telegraph" läßt sich melden: Die bri­tische Regierung informirte den Fürsten Gortschakoff, sie werde ihren Botschafter Lord Loftus abberufen, wenn die Russen mit oder ohne Zustimmung der Pforte in Konstantinopel einrücken sollten. Eine anderweitige Bestätigung dieser

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondeuz-Bureau.

Petersburg, 1. März. Eine Depesche desGolos" aus Jaffy vom 28. Febr. meldet: Unter den im Laufe des Januar und Februar durch Jaffy transportirten Verwundeten hat sich die Zahl der Typhuskranken starr vermehrt und ist aus 19 pCt. gestiegen, während dieselbe früher nur 5 pCt. war. Sämmtliche Waggons auf der Eisenbahnlinie Fratesty-Jaffy smd mficttt, Desinsection ist nur in geringem Maße angewendet und schafft kerne Avhulse. Auf der ganzen Linie Simnitza-Fratesti verwesen maffenhaft unbegrabene Leichen. Es ist unbedingt nothwendig, daß die aus Bulgarien und Rumelten zuruck-

kehrenden russischen Truppen nicht über Simnitza-Fratestl-Jaffy, sondern über das schwarze Meer transportirt werden. Die m Jaffy befindliche Sanitats-

bereitet. Der Prinz von Wales ist hier etngetroffen. Der Kronprinz von Oesterreich wird morgen früh nach Berlin abreisen.

Versailles, 1. März. Im Senat beantragte der Kriegsmintster die Vertagung der Discussion über das Generalstabsgesetz; alsdann werde er eine Vorlage einbringen, welche das gestern vom Senat angenommene Princip zu- laffe und es der Regierung anheimgebe, die Details zu regeln, wie solches in Italien Geltung habe. Der Senat erklärte seine Zustimmung zu dem Antrag

Deutschland.

Darmstadt, 28. Februar. Die morganatische Vermählung Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Heffen und bei Rhein mit Fräulein Caroline Willich genannt von Pöllnitz wurde heute Vor­mittag vollzogen. Die bürgerliche Eheschließung erfolgte zu Beffungen vor dem als Standesbeamten des Großherzoglichen Hauses sungirenden Minister Freiherrn von Starck. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben unter dem 28. Februar 1878 der in morganatischer Ehe verbundenen Gemahlin Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Heffen und bei Rhein rc. Caroline geborenen Fräulein Wlllich genannt von Pöllnitz, Namen und Wappen einer Freifrau zu Nidda beizulegen und dabei zu bestimmen geruht, daß die aus der erwähnten ehelichen Verbindung hervorgehenden Kinder denselben sreiherrlichen Namen mit dem angegebenen Wappen führen sollen.

Hesterreich.

Pesth, 28. Februar. Im Unterhause stellte Simonyi eine Inter­pellation, betreffend die Hinrichtung österreichisch-ungarischer Unterthanen in der Türkei durch die Russen. Ministerpräsident v. Tisza erklärte: er werde die Interpellation später beantworten; seitens des Ministeriums des Auswärttgen würden Erhebungen veranstaltet werden, um die Richtigkeit der bezüglichen Angaben zu ermitteln.