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Dienstag, den 23 Januar

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Er'-cheint iLgLich mit Ausnahme deS Montags, ^xprdition: Schul st raße, Lit. B. Nr 18.

Pfeis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljähvkich 3 Mark 50 Pf.

politisch

Deutschland.

Darmstadt, 19. Januar. Der Zusammentritt der zweiten Kammer ist setzt definitiv auf den 30. d. Mts. festgesetzt. Der Legitimations-Aus­schuß beantragt einstimmig, die Wahl Keller's (an Stelle des früheren Abg. Dr. Stüber) für gültig zu erklären.

Darmstadt, 20. Januar. Nach dem soeben ausgegebenen Bericht des vierten Ausschusses, erstattet vom Abg. Welcker, wird der zweiten Kammer, aus Veranlassung des Gesuchs des Vorstandes der orthodox-jüdischen Religions- Gesellschaft zu Darmstadt wegen definitiv rechtlicher Trennung der orthodox- jüdischen Religions-Gesellschaften von den israelitischen Gemeinden im Großher- zogthum Hessen und speciell in Darmstadt, ein Ersuchen an die Staats-Regie­rung um eine Gesetz-Vorlage empfohlen, nach welcher der Austritt der Israeliten ans der Svnagogen-Gemeinde ermöglicht und geregelt wird.

Berlin, 18. Januar. Nach der deutschen Reichs.Statistik haben im Jahre 1875 170 Schiffe an deutschen Küsten Unfälle erlitten, und zwar 70 an der Ostsee-Küste und 100 an der Nordsee-Küste. Von den 152 zur spe- crelleren Kenntniß gelangten Unfällen entfallen auf Stranden 108 (70 pCt.), Kentern 3 (2 pCt.), Sinken 13 (8,6 pCt.), Kollisionen 18 (11,8 pCt.), andere Unfälle 10 (6,6 pCt.). Von 25 Schiffen ist die Zahl der Besatzungsmann­schaft nicht bekannt; auf die übrigen 145 Schiffe waren 1229 Personen an

er Hheik.

Die Beisetzung der Leiche der Frau Prinzessin Karl wird mit Rück­sicht auf die Jahreszeit nicht im Dom, sondern in der Schloß-Capelle stattfindcn. In der Nacht vom Sonntag auf Montag soll die Leiche nach dem Schloß übergeführt und dort am Montag von 12 bis 4 Uhr im geschlossenen Parade- Sarge aufgestellt werden. Am Dienstag 11 Uhr wird der Trauer-Gottesdienst gehalten und erfolgt sodann in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch die Uebersührung nach Charlottenburg, von wo aus demnächst gemäß dem kund­gegebenen Willen der Verewigten, in aller Stille die Beisetzung in der Kirche zu Nikolskoje bei Potsdam vorgenommen wird. Prinz Karl wird sich am Mittwoch in Begleitung der landgräflich hessischen Familie nach Wiesbaden und von da nach Italien begeben. Großfürst Wladimir trifft morgen früh 6 Uhr hier ein und steigt im russischen Botschafter-Hotel ab.

Elberfeld, 20. Januar. DieElberf. Ztg." meldet: Gestern Abend wiederholten sich dle Excesse in mehreren Straßen; die Polizei schritt mit blanker Waffe ein, zwölf Verhaftungen wurden vorgenommen, Hasselmann ist nicht nach Hanau abgereist, sondern befand sich gestern noch hier.

Solingen, 20. Januar. Bei der engeren Wahl zum Reichstage hat der socialdemokratisch^ Candidat Rittingbausen gesiegt.

Dresden, 20. Januar. Der hiesige Stadtrath veröffentlicht heute die Abgrenzung der Wahlbezirke für die am 26. Januar erfolgende engere Wahl zwischen Bebel und Mayhoff.

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Oesterreich.

Wien, 19. Januar. Auf der Südbahn-Strecke zwischen Steinbrücken und Römerbad hat in der Nacht eine starke Erd Abrutschung stattgesunden, wodurch der San-Fluß verschüttet ward und eine Stauung desselben eintrat. Weitere Unfälle siuo nicht zu beklagen. Der Verkehr nach Triest ist bis auf Weiteres nur über die Eisenbahn Linie Klagenfurt-Villach-Tarvis möglich.

Wien, 19. Januar. Im großen Rath zu Konstantinopel fehlten gestern der griechische Patriarch, ferner der Patriarch der nichtunirten Armenier und der bulgarische Exarch. Der ablehnende Beschluß des großen Raths wurde sofort den Botschafts-Dragomanen mitgetheilt. Darauf hat eine Versammlung der Delegirten stattgefunden; deren Abreise erfolgt wahrscheinlich erst Mittwoch. Die Türken rechnen auf eine Fortsetzung der Verhandlungen nach der Con- ferenz. Der Sultan hat seine Brüder zu einem Familien-Rath auf den Sam­stag einberufen. Der türkische Botschafter in Wien bleibt jedenfalls auf seinem Posten. In Kischemff wurde gestern ein großer Kriegs-Rath ein­berufen. Viertausend Feld - Gensd'armen sind daselbst eingetroffen.

DieWiener Ztg." veröffentlicht die Ernennung des Gesandten im Haag, Frhrn. v. Haymerle, unter Verleihung der Würde eines Geheimrathes zum Botschafter beim König von Italien.

Wien, 19. Januar. DiePolit. Corresp." meldet aus Nisch vom 10. d. Mts., daß die Pforte Anstalten trifft, die Morawa-Armee vor Ende des Monats auf 40,000 Mann zu bringen, um Serbien zu raschem Friedens­schluß zu bewegen. Das Obercommando soll Muschir Osman Pascha über­tragen werden.

Alrankreich.

Paris, 20. Januar. DieLibertö" glaubt, daß die Unterhandlungen in Konstantinopel fortgesetzt und die Bevollmächtigten am Sonntag nicht ab­reisen würden. Den Kern der Verhandlungen werde die von der Conferenz beantragte Ueberwachungs-Commission bilden.

England.

London, 20. Januar. DieTimes" empfiehlt Rußland, sich mit dem moralischen Ergebnisse der Conferenz zu begnügen, statt Krieg zn führen. Ruß­land habe zwar keine Garantien erlangt, besitze aber solche durch seine eigene Stärke. Das klügste und würdevollste Verfahren würde sein, wenn Rußland, indem es anerkennt, daß die Situation sich seit dem Herbste, ja selbst seit der Moskauer Rede geändert habe, mit den anderen Mächten abwartete, wie die Pforte ihren Versprechungen nachkommt.

Italien.

Rom, 19. Januar. In der ZeitungJtalie" wird die Nachricht französischer Blätter, die italienische Regierung habe die Erhebung der Regent­schaft Tunis zu einem unabhängigen Fürstenthum vorgeschlagen, für absolut erfunden erklärt.

Rom, 19. Januar. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Ita­lien richteten ein Beileidschreiben an den Prinzen Karl von Preußen. Major Mamioni ist von Serbien, wo er als Mitglied der Demarcations-Commission verweilte, zurückgekehrt und reist demnächst auf seinen Posten bei der diesseiti­gen Botschaft in Wien ab. Die Deputirten-Kammer setzte die General- Debatte über den Gesetz-Entwurf, die Mißbräuche des Clerus betr., fort.

Bord, von denen 691 bei den Unfällen außer Gefahr geblieben, 59 ums Leben gekommen und 479 aus der Lebensgefahr gerettet worden sind. Gänzlich ver­loren gingen von den Schiffen 79, theilweise Beschädigungen erlitten 54 Schiffe, 24 blieben unbeschädigt und von 13 ist über den Ausgang des Unfalls für das Schiff nichts bekannt worden. Beladen waren 118 Schiffe, von den Ladungen derselben gingen 36 gänzlich verloren, 26 wurden zum Theil gerettet und 15 Ladungen wurden theilweise beschädigt oder verloren; in den übrigen Fällen blieben dieselben unbeschädigt oder wurden ganz gerettet. Unter den verun­glückten Schiffen waren 137 Segelschiffe (davon 96 deutsche) und 33 Dampf­schiffe (davon 14 deutsche). Deutsche Schiffe verunglückten überhaupt zusammen 110, solche fremder Nationalität 56 und von 4 Schiffen konnte die Flagge nicht ermittelt werden. Ihren Heimathshäfen nach gehörten von den verun­glückten deutschen Schiffen 8 der Provinz Preußen und 22 Pommern au; 7 waren tn Mecklenburg-Schwerin heimathsberechtigt, 1 in Lübeck, 8 im Ostseegebiet und 10 im Nordseegebiet der Provinz Schleswig-Holstein, 8 in Hamburg, 14 im östlichen Theil der Provinz Hannover, 6 in Bremen, 5 im G oßherzogthum Oldenburg und 19 im westlichen Theil der Provinz Hannover. Von 2 verunglückten deutschen Schiffen hat der Heimathshafen nicht ermittelt werden können. Unter den Schiffen fremder Flagge, welche Unfälle erlitten, waren 7 russische, 2 schwedische, 5 norwegische, 6 dänische, 4 niederländische, 29 großbritannische und 3 französische.

Berlin, 19. Januar. Abgeordnetenhaus. Erste Berathung des Budgets. Sechs Redner sind gegen, fünf für dasselbe eingeschrieben. Im Laufe der De­batte erklärte der Finanzminister Camphausen, er könne die Zukunft der Indu­strie durchaus nicht ungünstiger beurtheilen als wie im Vorjahre. An den Banken in London, Paris, Brüssel, Amsterdam und Berlin sei ein niedriger Discontsatz, überall sei unbeschäftigtes Capital vorhanden, das deutlich beweise, daß die Unternehmungslust nur durch die Besorgnisse der orientalischen Frage gedrückt werde. Mit der Beseitigung dieser Besorgniffe werde jedoch die Unter­nehmungslust wieder erwachen, hoffentlich nicht aber wieder zum Schwindel, sondern zur Entwickelung einer soliden Industrie führen. Dem geäußerten Wunsche auf ein Aushören des Cultur-Kampfes könne er sich anschließen, jedoch nur unter der Bedingung, daß das Recht des Staates nicht mißachtet werde. Nach einer S^jtünbiflen Berathung wurde die erste Berathung geschlossen und die Verweisung der Etats und Bildung von Gruppen zur Vorberathung der einzelnen Etats-Theile beschlossen. Morgen 12 Uhr: erste Berathung aller Übrigen Vorlagen, auch der Zeughaus-Vorlage.

Redacteur Dr. Rudolf Meyer ist heute in seiner Wohnung verhaftet und in das Hausvoigtei Gefäugniß abgeführt worden; derselbe ist beschuldigt, durch mehrere in derSocialpolitischen Correspondenz" erschienene Artikel den Fürsten Bismarck beleidigt zu haben. Auf morgen ist Audienz-Termin in der Sache anberaumt. Seit Donnerstag Nachmittag ist hier der Ausbruch der Rinderpest constatirt; die erforderlichen Maßregeln behufs Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche sind bereits Seitens der Veterinär-Polizei angeordnet.

Berlin, 19. Januar. Hiesigen Abendblättern zufolge hätte Professor G-eift seine Entlassung als Mitglied des Ober-Verwaltungs-Gerichts beantragt, weil ihn die eingetretene Erweiterung m der Geschäftstätigkeit dieses Gerichtes bei seiner Lehrthätigkcit und seiner parlamentarischen Wirksamkeit hindere.

Berlin, 20. Januar. Petersburger Nachrichten melden eine Ver- jchlimmernng des Zustandes des Großfürsten Nikolai. In Kischenew sind Be- sürchtungen um dessen Leben verbreitet.

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