No. 991. Freitag, den 21 December 1877.
Kicßener HtWiger
AMige- und Amtsblutt für iieit Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlöhn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Deutschland.
Aokitischer Pöeit.
werden sich daher vorzusehen haben, nicht selbst das Opfer einer Speculation zu werden."
Aus Hessen, 17. December. Man erinnert sich, daß die zweite Kammer bei der letzten Budget-Berathung an die Regierung das Ersuchen richtete, die Staatsschulden-Tilgungskaffe mit der Hauptstaatskaste zu vereinigen, und hierbei dit für letztere Behörde in den Voranschlag eingestellte Summe für l 1878 nur unter der Beschränkung bewilligte, daß Ausgaben nur nach vorheriger Verständigung mit den Ständen erfolgen sollten. Mit Bezug hierauf war ui letzterer Zeit von der Regierung eine Vorlage erfolgt, in welcher Fallen- ' lassen der fraglichen Beschränkung beantragt wurde, weil die bezüglich beider i Kaffen augenblicklich noch schwebenden Ermittelungen erst das Material für i Prüfung der Vereinigungsfrage abgeben müßten, sohin die Staatsschulden-Til- । gungskafle jedenfalls noch für 1878 zu erhalten sei. Dem Vernehmen nach bat sich der Finanzausschuß zweiter Kammer über diese Vorlage schlüssig gemacht, er beantragt aber das Fallenlaffen der obigen Beschränkung nicht für das volle kommende Jahr, sondern nur für 6 Monate, indem dadurch eine rechtzeitige Vorlage bezüglich der erstrebten Vereinigung im nächsten Jahre erlangt werden soll. (N. Frkstr. Pr.)
Darmstadt, 17. December. Ueber die bekannte Novelle zum Unter flützungswohnsitz-Gesetz wurde seiner Zeit viel geredet und geschrieben. Namentlich war auch — gleichwie in Baden dies geschehen war — ein Hessischer Etädtetag in Aussicht genommen, auf welchem diese Novelle behandelt und womöglich gemeinsame Schritte gegen dieselben verabredet und verfolgt werden sollten- Durch die Krankheit unseres Bürgermeisters war diese Angelegenheit in's Stocken gerathen. Die Novelle ist vom Horizont nicht nur nicht verschwunden, sondern cs geht die Absicht, dieselbe wüklich dem Reichstage vorzulegen. Es wäre deshalb wohl an der Zeit, auch jetzt noch gemeinschaftliche Schritte zu thun und der Hessische Städtetag würde jedenfalls das Geeignetste sein, um m dieser Weise Front gegen die drohende Novelle zu machen. Jedenfalls darf in dieser Sache Nichts versäumt werden. Noch ist Aussicht, daß die Novelle im Reichstage nicht Anklang finde. Allein es muß gearbeitet werden und es wäre sogar angezeigt, sich nicht auf den Hessischen Städtetag zu be- schränken, sondern auch die Städte anderer Länder zu ähnlichen Schritten aufzufordern. (Hess- Landesztg.)
Darmstadt, 18. December. Ueber die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen in Betreff der Errichtung von Güterstationen bei den Haltestellen Ranstadt und Mittel-Gründau der Oberhessischen Eisenbahnen, sowie der Herstellung einer Wafferleitung im Bahnhof Gießen der Oberhessischen Eisenbahnen hat der Abg. Dr. Schröder Namens des Finanzausschuffes der zweiten Kammer Bericht erstattet. Danach beantragt der Ausschuß, die Kammer wolle der Verwendung von 47,250 Mk. .zur Herstellung von Zusuhrwcgen und Errichtung von Güterstationen bei den oben genannten Haltestellen, sowie der Verwendung von 6200 Mk. zur Herstellung von Wasserleitungen im Bahnhof Gießen der Oberhessischen Eisenbahnen ihre Zustimmung ertheilen.
Berlin, 18. December. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Bei der dritten Berathung des Cultus-Etats spricht v. Schorlemer-Alst gegen die Ausführungen des Cultusministers bei der zweiten Lesung und versichert, die ultra- montane Partei werde den Culturkampf bis zum Aeußersten sortsetzen. Virchow beleuchtet den Standpunkt der Fortschritts-Partei zum Culturkampf. Der Cul- tusminister rechtfertigt den Standpunkt der Regierung und will namentlich nicht zugebeu, daß die Mai Gesetze ungeschickt und tendenziös von den Beamten gehandhabt, werden. An der weiteren allgemeinen Debatte betheiligten sich noch Bethusy-Huc und Windthorst (Meppen). Der Antrag Windthorst's, auch jüdische Geistliche wegen des Ausfalls an Stolgebühren zu entschädigen, welchem der Cultusmiuister zustimmte, wurde angenommen, im Uebrigen der Etat nach einer wenig wesentlichen Debatte genehmigt; ebenso das Etats-Gesetz in dritter Lesung. Morgen steht das Gesetz über die Gerichts-Sitze, der Vertrag mit Waldeck und mehrere kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung. — Das Herrenhaus nahm zwei kleinere Vorlagen an und berteth dann das Forstpolizei- Gesetz. Im Laufe der Debatte wies Minister Friedenthal aus das Bedürfniß und die Zweckmäßigkeit des Entwurfs hin, bekämpfte die Behauptung, daß die Strafvorschristen zu hart und im Widerspruch mit der Reichs-Strafgesetzgebung seien, und erklärte sich mit den zahlreichen abändernden Anträgen der Commission einverstanden. Der Entwurf wurde fast durchweg nach den Commissions- Anträgen, mit einigen unerheblichen Amendements, angenommen.
Berlin, 18. December. Die „Post" schreibt: „Beim Herannahen des Reichstages, der sich mit Beschaffung von Einnahmequellen zu beschäftigen haben wird, sind wieder Gerüchte über die Einführung oder Erhöhung gewiffer Steuern oder Zölle in Umlauf gesetzt worden, Gerüchte, in denen Wünsche und oft gemachte Vorschläge mit angeblichen Absichten der Reichsregierung durcheinander laufen. Namentlich wird behauptet, daß der Bundesrath eine Abgabe von 14 Thalern von dem Centner Tabak beschließen wolle. Die so zuversichtlich und mit so bestimmten Angaben auftretende Nachricht hat, wie wir hören, die Speculatioy veranlaßt, sich auf den Artikel zu werfen. Aus unterrichteter Seite ist von einer solchen Vorlage an den Bundesrath oder von einer dahin gehenden Absicht der Regierung nichts bekannt; die Spekulanten
Konstantinopel, 16. December. Dieser Tage hat die Pforte durch Tscherkessen, welchen eö gelungen, die russischen Linien unbemerkt zu passiren, ein Schreiben von Oöman Pascha erhalten. Osman klagt die ganze Regierung, das Palais biS hinauf zum Sultan, des Verraths an. Er erinnert daran, daß er Mitte October das Kriegsconseil befragt habe, ob man ihm die Linie Orkhanie-Plewna für die Zukunft offen halten könne, da er sich sonst auf Or- khanie zurückziehen und dort die Balkanpäffe vertheidigen wolle. Das Conseil gab ihm Ordre zu bleiben. Osman macht jetzt das Conseil für seine Lage und sür die Cerniruug Plewnas verantwortlich, da man es trotz seines Drängens versäumt habe, rechtzeitig eine Reserve-Armee in Sofia zu bilden. Osman titulirt in seinem Briese die ganze Regierung als Verräther, Ignoranten und Intriganten und erklärt, das er mit ihr nichts weiter zu thun haben wolle. Er werde in P lew na so lauge als möglich aushalten, aber nur, um die militärische Ehre zu retten und das Loos seiner Soldaten zu beffern. Dies Schreiben soll auch dem Sultan zur Kenntniß gekommen sein, und um die Verantwortlichkeit von sich abzuwälzen, klagt die Clique in Dildiz Kiosk nun Osman Pascha geheimer Verbindungen mit den Russen an. Die Elenden ent- blöden sich nicht, den besten Mann des ganzen Türkenreichs zu verleumden und zu beschimpfen, wenn sie davon Vortheil erwarten."
Konstantinopel, 18. December. Ein von der Regierung veröffentlichtes Telegramm aus Ntjch vom 17. d. meldet: Serbische Vorposten erschie- neu am 17. d. aus den Höhen von Comert unweit Velck. Denselben wurden aus Leskofscha die zur Verteidigung der Befestigungen herangezogenen türkischen HülsS-Miliztruppen entgegengesandt. Drei türkische Recognoscirungs- Äbtheilungen drangen bis zu den serbischen Befestigungen bei dem Dorfe Tscha- monslu vor. Nach einem leichten Kampfe zogen sich die Türken in ihre früheren Positionen zurück. Ihr Verlust ist unbedeutend. Die Civtl-Behörden von Konrehoulu haben den Ort bei Annäherung der Serben verlaffen. — Ein Telegramm aus Novibazar vom 17. d. meldet: Die türkischen Vorposten zogen sich vor den serbischen Vorposten zurück. — Suleiman Pascha telegraphirt: Die Russen haben Tofrakan vergeblich bombardirt. Bei Jlof und Sakuduili hat ein leichter Zusammenstoß stattgefunden. Recognoscirungen ergaben, daß Tscholoklar unweit Tirnowa von einem russischen Detachement nach kurzem Kampfe besetzt wurde. Die türkischen Recogi oscirungs-Truppen sind ohne Verluste in das Lager zurückgekehrt. — Ein Telegramm «L-chakir Pascha's vom 17. d. meldet: Die Umgegend von Slatitza ist vom Feinde gesäubert. Die Ruffen rückten nach Potok vor, wurden aber nach Tschorlak zurückgeschlagen. Bei Tscherbemkoi fand ein leichtes Gefecht statt.
Spanien.
Madrid, 17. Decemder. Das diplomatische Corps beglückwünschte heute den König aus Anlaß seiner in Aussicht genommenen Heirath.
Türkei.
Italien.
Rom. Alle Bischöfe der Welt sind angewiesen, besondere Gebete für die vollständige Genesung und das Wohl des Papstes anzuordnen. Das Con- istorium ist auf kurze Zeit vertagt.
Rom, 18. December. Die italienische Regierung ist über die Maßregeln zum Sckutze des Conclaves und der Cardinäle für den Fall des Totes des Papstes schlüssig und hat dieselben auf diplomatischem Wege dem Staatskanzler Simeoni mitgetheilt. Sie wurden von demselben zustimmend entgegengenommen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr» Correfpondenz-Bureau.
München, 19. December. Abgeordnetenkammer. Die Interpellation Vaillants, betr. den Ausbau des pfälzischen Bahnuetzes beantwortet Ministerpräsident v. Pfretzschner dahin: die Frage sei eine offene; es würden noch Erhebungen gepflogen. Jedenfalls werde aber der gegenwärtige Landtag noch eine darauf bezügliche Vorlage erhalten und sei kein Grund zur Besorgniß für die pfälzische Bevölkerung vorhanden.
Wien, 19. December. Die „Tagespreise" meldet: England ist nicht gerade gegen eventuelle türkisch-russische Separatverhandlungen, jedoch bttnußigt, aus der Materie derselben eine englische Jntereffenfrage zu machen, ^'"e ge- wiffe Species von Fragen dürfe nach Englands Austastung nicht Machen nutz- land und der Türket allein, sondern nur im vollsten Einverständntffe auer Mächte gelöst werden. .. ™
Rom, 19. December. Die amtliche Zeitung veröffentlicht die Ver längerung der Handels- und Schiffsverträge Italiens mit Oesterreich, England, Belgien und der Schweiz bis zum 31. März 1878. , .
Paris, 19. December. Das „Journal officiell veröffentlicht em Decret, wodurch die Generalräthe auf den 21. d. M-Einberufen un e » .
Decret, wodurch 83 Präfecten ernannt werden. Die Demission et fl


