Mo. 140. Donnerstag, den 21. Juni 1811.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn,
s'rpcdition r Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Amtlicher Theis. Bekanntmachung.
Betreffend: Das Ober-Grsatz-Geschäft für 1877.
Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1877 wird im Kreise Gießen
Frcitaa den 13. und Samstag den 14. Juli, in dein alten Nachhause zu Gießen,
jedesmal Vormittags präcis 8 Uhr,
Montag den 16. Juli, im Flick'schen Saale (Gasthaus zum Rappen) zu Grüubeig,
Vormittags präcis 9 Uhr, und
Dienstag den 24. Juli, in dem Rathhause zu Lich,
Vormittags präcis lO1^ Uhr, stattfinden.
Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commissiou im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade zu stellen:
in Gießen und Grünberg,
a. die von der Ersatz-Commission als dauernd unbrauchbar erkannten Militärpflichtigen;
b. die zur Ersatz-Reserve II. Klasse und zur Ersatz-Reserve I. Klasse designirten Militärpflichtigen;
c. die von den Truppentheilen zur Dispcsition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten;
d. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen;
e. die von der Ersatzcommision als brauchbar und einstellungSsähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich der vorweg einzustellenden und vorzumerkenden Militärflichtigen früherer Jahrgänge,
in Lieh, die vorstehend unter b bis e bezeichneten Militärpflichtigen. (Die unter a bezeichneten brauchen nicht zu erscheinen).
Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen f. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 8 Tagen anzuzeigen. Die Militärpflichtigen sind außerdem anzuweisen, ihre Loofungsscheine mit zur Stelle zu bringen.
Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist Der Grund hiervon Gerichtlich mitzutheilen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist. ,
Die Großherzoglichen Bürgermeister haben an dem Tage, an welchem Militärpflichtige ihrer Gemeinde zur Vorstellung kommen, selbst anwesend zu sein und fich darum zu bemühen, daß die Letzteren rechtzeitig zur Stelle flnd.
Gießen, den 19. Juni 1877.
Der Civtlvorsitzende der Ersatzcommission Gießen.
_____________Dr. Hoffmann, Reg.-Rath.__________________________
Gießen, den 18. Juni 1877.
Betreffend: Statistik des Volksschulwesens.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir erinnern die noch rückständigen Schnlvorstände an die unverzügliche Erledigung unserer Auflage in rubrkirtem Betreff. Amtsblatt vom 16. Februar d. I. Zugleich bemerken wir, daß in den Tabellen alle Schulen des Kreises, mit Ausnahme derer in Gießen, gemäß Art. 4 des Volksschulge- sktzeS als „gemeinsame"/ nicht als confessionelle einzutragen sind.
Einzelne Schulvorstände haben nur einen Theil der erhaltenen Formulare zurückgesendet, dieselben sind alle ohne Ausnahme an uns umgehend nach-
politisch
Deutschland.
Darmstadt, 17. Juni. Die erste Kammer der Stände wird morgen früh zu einer Sitzung zusammentreten, um aus Veranlassung des Regierungs- Antritts Ludwigs IV. eine an den neuen Landesherrn zu richtende Adreffe zu berathen. Zn gleichem Zwecke ist heute auch die zweite Kammer für übermorgen telegraphisch zusammenberufen worden. Sonstige Gegenstände außer der Adreffe stehen nicht zur Berathung, und beide Häuser werden wohl nur eine Sitzung abhalten. In Kürze erwartet man eine Vorlage wegen Feststellung der Civil-Liste für den Großherzog, die dann allerdings ein baldiges Wieder- znsammentreten der Stände erfordern wird.
— Gegenüber vielfach verbreiteten Gerüchten können die „Neuen Heff. Dolksbl." aus guter Quelle berichten, daß Großherzog Ludwig III. ein über sein Privat-Vermögen bestimmendes Testament nicht hinterlassen hat, wonach also bei der dessallsigen Erbfolge lediglich die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen zur Anwendung kämen. — In der Stadt tst das Gerücht verbreitet, der flüchtige KriegSrath Wiegand sei in Frankreich verhaftet worden.
Darmstadt, 18. Juni. Der Kronprinz des deutschen Reiches ist heute Nachmittag mit dem Großherzog von Baden nach Karlsruhe abgereist.
Berlin, 18. Juni. Die Besetzung der Stellen von ordentlichen Mitgliedern des Reichs-Patent-Amts ist der „Nat.-Ztg." zufolge nunmehr zum Abschluß gebracht, und besteht letzteres sonach aus dem Ministerial-Director Jacobi als Vorsitzendem, sowie den ordentlichen Mitgliedern, Geheimräthen Nieberding, Müller und Hagens. Als außerordentliche Mitglieder sind bereits Werner, Siemens und der Professor der Chemie, Hofmann, gewonnen-
—- Bei der heutigen Ersatzwahl zum Reichstage im fünften Berliner Wahlkreise erhielt Zimmermann (Fortschrittspartei) 6246 Stimmen und siegte somit gegenüber Kappell (Socialdemokrat), auf den 3217 Stimmen fielen.
er Theil.
Berlin, 18. Juni. Serbiens Neutralität bleibt angeblich gewahrt, jedoch soll dadurch die Möglichkeit eines russischen Durchmarsches nicht ausge- schloffen sein. — Eine Entscheidung des Cultus-Ministers ist ergangen, welche den Ausschluß von Israeliten aus christlichen Schul-Vorständen wegen der Con- fession allein für die Zukunft aufhebt.
— Der „Reichs-Anz." publicirt den vom Fürsten Bismarck gegeugezeich- neten kaiserlichen Erlaß, betr. die Aufnahme der Reichs-Anleihe im Betrage von 77,731,321 Mk. Die Verzinsung erfolgt mit 4 pCt. am 1. April und 1. October. Die Schuldverschreibungen lauten auf 200, 500, 1000, 2000 und 5000 Mk.
Stadt am Hof, 18. Juni. Der seitherige Landtags-Abgeordnete Walter (klerikal), der sich in Folge einer Beförderung zum Bezirksgerichtsrath einer erneuten Wahl unterziehen mußte, ist wiedergewählt worden.
Hesterreich.
Wien. Auf eine längere Dauer des Krieges läßt es wohl schließen, daß Rußland sich mit einer Anleihe von 307i/2 Mill. Reichsmark an den europäischen Geldmarkt gewandt hat, während die Türkei, der dieses Mittel nicht mehr offen steht, sich mit einer inneren Anleihe begnügen muß. Ebenso lasten manche Anzeichen auf den von Rußland augenscheinlich gewünschten Eintritt von Serbien und Griechenland in den Kampf schließen. Das erstere rüstet mit überstürzender Eile, und Griechenland, welches sich durch sein Coalitions-Mini- sterium zur Action vorbereitet hat, unterstützt ziemlich offen die aufrührerischen Bewegungen in Thestalien, Epirus und aus Kreta.
ZVien, 18. Juni. Ein Petersburger Brief der „Polit. Corresp." berichtet, daß, nachdem Graf Schuwaloff das britische Cabinet durch eine mündliche Erklärung vollständig befriedigt hat, er dem Wunsche des britischen Cabi- nets gemäß von seiner Regierung ermächtigt wurde, die Erklärung, daß Rußland


