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d)icf;ener WWger Anzcize- uni Amtsblatt sm icn Kreis Kießeii. _■ - & — - '- " - 1 ■■ ' ■- Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit^vringerlohn.
Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark so Pf.
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Die römische Frage.
D. V. C. Die Jesuiten haben Europa unvermuthet mit einer neuen „Frage" beschenkt. Seitdem Pius IX. in seiner Allocution die Bischöfe aufgefordert, darauf hinzuarbeiten, daß ihm die angeblich verlorene Freiheit und Unabhängigkeit wiedergegeben werde, gibt sich überall, wo man dem Winke des „Unfehlbaren" gehorcht, eine außerordentlich lebhafte Bewegung kund. J3n Frankreich, Spanien, Belgien, Holland, England und Oesterreich werden Seitens der Bischöfe und der katholischen Bevölkerung Petitionen an die Regierungen und Parlamente gerichtet, in denen die Gläubigen darauf dringen, daß man sich des „armen gefangenen heil- Vaters" annebmen wöge. Am energischsten wird die Agitation in Frankreich betrieben. „Durch! vorwärts für die Unabhängigkeit des heil. Vaters!" so lautet die Losung des klerikalen „Univers." Natürlich ist darunter nichts anderes verstanden, als die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes, die Zerstörung des Königreichs Italien!
Mit Absicht ist gerade der jetzige Augenblick für die Lösung der römischen Frage gewählt. In dem Augenblick, wo die große orientalische Frage in das Stadium der Entscheidung getreten ist, hofft man einen Weltbrand entzünden und bei dem dann entstehenden allgemeinen Wirrwar den früheren Zustand der Dinge wiederherstellen zu können. Kein Geringerer als der Cardinal Manning hat's am Ostersonntage von der Kanzel herab verkündet: „Die Orient-Frage wird die Lösung empfangen, die ihr die Vorsehung bestimmt hat, nämlich die Unabhängigkeit des heil. Stuhles; die Menschen werden ihr umsonst eine andere zu geben versuchen." Ueber den scheinbar etwas räthselhaften Zusammenhang der römischen mit der orientalischen Frage gibt uns ein französisches Blatt Aufschluß, indem es darauf hinweist, die Curie habe Polen ausersehen, um ihre Hebel anzusetzen: ein Ausstand in Polen würbe nach der Meinung des Vaticans Rußland verhindern, nach Konstantinopel zu marschiren, und zugleich eine Allianz zwischen Rußland, Deutschland und Italien veranlassen; gegen diese würde sich aber nothwendig ein Gegenbündniß zwischen den übrigen Mächten , Frankreich an der Spitze, und dem heil. Stuhle bilden, und der Kamps beider Parteien mit einander müßte dann mit der Zertrümmerung des Königreichs Italien die Wiederherstellung des Kirchenstaates herbeiführen.
In der That nicht übel ausgedacht! Wir zweifeln zwar, ob das angegebene Mittel wirklich zu der gewünschten Parteigruppirung führen, glauben vielmehr, daß eine Revolutionirung Polens Oesterreich offen in die Arme Rußlands treiben würde. Doch dem sei, wie ihm wolle, das steht jedenfalls fest, daß der heil. Vater gegenwärtig Böses wider die „schismatiiche" Macht des Nordens im Schilde führt. Hat er doch so eben noch einer französischen Pil- acrschaar versichert, auf jener Macht laste wegen der seit Jahren von ihr be- nicbenen unmenschlichen Verfolgungen der Katholiken schwer die Hand der göttlichen Gerechtigkeit — der „Stellvertreter Gottes auf Erden" fühlt sich ja als das Werkzeug, welches die Urtheile der Vorsehung „unfehlbar" zu erkennen und auszuführen berufen ist. Die Verhandlungen, welche kürzlich in der belgischen Deputirten-Kammer über die Petition der Bischöfe an den König stattsanden, haben es auch schon verrathen, auf welchem Wege man zur Erreichung des Zieles vorzugehen denkt; ein Congreß der katholischen Mächte soll die römische Frage in Berathung ziehen, und wenn man auf demselben darüber einig würde, daß dem Papst seine frühere Herrschaft wiedergegeben werden müffe, würde sich ja wohl bald die eine oder andere Macht bereit finden, im Namen Europas die Execution an dem kirchenschänberischen Italien zu vollziehen 1
Glücklicher Weise ist von der Fassung dieses Planes bis zu seiner Ausführung ein großer Schritt. Frankreich hat durch den Mund seines Minister- Präsidenten so eben laut erklärt, daß es die gesetzwidrigen Agitationen seiner Bischöfe nicht länger dulden und sich mit dem befreundeten italienischen Nachbar keineswegs verfeinden will; Oesterreich wünscht Nichts mehr als in Rübe ge- lnssm zu werden; von den übrigen Mächten kann keine Rede sein; selbst das nltramontane belgische Ministerium versichert, daß es von dem P ane der Cune Nichts wissen wolle. Für den Fall aber, daß Frankreich wirklich Lust haben sollte, mit dem Segen des heil. Vaters ausgestattet, den Rachekrieg gegen Deutschland zu führen, hat ja schon der General-Feldmarschall Moltke durch seine neuliche Rede im Reichstage keinen Zweifel darüber gelaßen, daß wir zur Vertheidigung gegen seine Angriffe bereit sind.
Die Jesuiten mögen freilich nicht so unrecht haben, wenn sie sich aus eine baldige Lösung der „römischen Frage" vorbereiten. Um diese wird es sich allerdings auch unseres Erachtens in einer nicht allzu fernen Zukunft handeln, nur in einem etwas andern Sinne als die Ultramontanen es sich heute denken, und vielleicht auch um eine noch gründlichere Lösung, als sie ihnen vorschwebt. Wenn Pius IX. das Zeitliche segnet, wird nicht sowohl die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes, als seine geistliche Macht, ja die ganze stenz des Papstthums überhaupt in seiner bisherigen Gestalt, in Frage kommen Und ebenso sicher wie Deutschland wider den Papst, wird dann Frankreich au dessen Seite stehen. Aber gerade die Erinnerung an 1870/71, wo die Jesuiten im Bunde mit Eugenien traurigen Angedenkens ebenso leidenschaftlich zum Kriege gegen Deutschland Hetzen, wie jetzt, scheucht auch alle Sorgen von uns hinweg. Hat damals doch schon Cardinal Antonelli, erschreckt durch den unerwarteten
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Verlauf der Dinge, gerufen: Gott selbst ist protestantisch geworden! Wozu soll der da oben wieder römisch-katholisch werden, nachdem sein „Stellvertreter" sich durch die Beilegung der göttlichen Unfehlbarkeit auf seinen Thron gesetzt hat? ____________
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Deutschland.
Berlin, 8. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Am nächsten Donnerstag kehrt der Kriegs-Minister aus Elsaß Lothringen zurück. Voraussichtlich dürften dann die Ausgleichungs-Maßregeln zur militärischen Sickerung des Reichslandes angeorduet werden. Es muß jedoch nachdrücklich bemerkt werden, daß alle Mittheilungen der Blätter über die nähere Beschaffenheit dieser Maßregeln entweder ganz unrichtig sind oder wenig Richtiges mit ganz Falschem vermischen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet ferner: Die Behauptung mehrerer Blätter, die Vorlage in Betreff eines Ausgleichs in der Zollfrage sei erfolgt, um dem Kaiser eine Genugthuung zu bereiten, während das Staats-Ministerium in dieser Angelegenheit mehr oder weniger neutral sich verhalten habe, beruht auf einer totalen Verkennung des Verhältniffes zwischen dem Kaiser und dem Staats-Ministerium. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine lange Liste von Personen, denen der Kaiser anläßlich seines Besuchs in den Reichslanden Orden verliehen hat; darunter das Großkomthur-Kreuz des Hohenzollern-Ordens an den Ober-Präsidenten v. Möller, den Kronen Orden zweiter Classe mit dem Stern an den Bischof Räß, den Kronen-Orden zweiter Claffe an den Ober-Rabbiner Aron und die geistlichen Jnspectoren der protestantischen Kirche, Büchsenichütz und Ungern. Dasselbe Blatt publicirl ferner die Ernennung des Ober-Regierungsraths von Reitzenstein zum Bezirks-Präsidenten von Lothringen.
Stuttgart, 9. Mai. Gestern Abend starb hier der Major a. D-, v. Schiller, Enkel Schiller's, dessen Mannesstamm damit erlischt.
Arankreich.
Paris, 8. Mai. Der „Moniteur" schreibt: Die von Marquis Gon- taut-Biron dem deutschen Kaiser dargebrachten Huldigungen sind ein neuer Beweis der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich.
England
London, 7. Mai. Im Unterhause erwiderte der Schatzkanzler Northcote auf eine Anfrage Hubbard's: Layard sei bezüglich der bei der Bank von England als Sicherheit für die Verzinsung der türkischen Anleihe von 1854 hinterlegten Gelder neuerdings bei der Pforte vorstellig geworden. Der Staats- Secretär der Colonien, Earl Carnarvon, theilte mit, daß eine amtliche Meldung über die geschehene Einverleibung des Transvaal-Staates noch nichts vorliege; er halte es jedoch für wahrscheinlich, daß der britische Commiffär Shep- tone nach Erschöpfung aller Mittel behufs einer anderweitigen Auskunft endlich zur Vornahme der Einverleibung gezwungen gewesen sei. Bei der darauf folgenden Berathung der von Gladstone vorgeschlagenen Resolutionen erklärte dieser: er nehme das von Trevelyan zu der zweiten Resolution eingebrachte Amendement an; daffelbe besagt: „Das Haus ist der Ansicht, daß die Pforte durch das Verhalten gegen ihre Unterthanen und durch die Verweigerung von Garantien für eine bessere Verwaltung jeden Anspruch auf materielle oder moralische Unterstützung Seitens der britischen Krone verloren hat. „Auf die dritte und. vierte Resolution erklärte Gladstone selbst verzichten zu wollen. Der Führer der Opposition, Lord Hartington, äußerte: wie er glaube, werde seine Partei nunmehr allgemein die Resolutionen unterstützen können. Der Schatzkanzler erklärte sich mit der Berathung der Resolutionen aus der jetzt hergestellten neuen Basis einverstanden.
London, 8. Mai. Im Unterhause erklärte Kriegs-Minister Hardy, es existirten keine speciellen Listen der Truppen, welche für den Dienst im Aus- lande bereit seien. Unter-Staatssecretär Bourke erwiderte auf eine Anfrage Hubbard's, die Regierung könne der Pforte das Recht, Blokade-Reglements zu veröffentlichen, nicht absprechen. — Die Pforte hat den englischen Sckiffen einige Tage Frist zum Auslaufen aus den in Blokade-Zustand erklärten Häfen bewilligt.
London, 8. Mai. Unterhaus. Im weiteren Verlaufe der Debatte führte Gladstone aus, fein Capitel der englischen Geschichte sei so beklageus- werth, wie dasjenige der letzten 8 Monate. Die Antwort Derby's auf das Rundschreiben Gortschakoffis gebe die Gefühle und Ansichten des Landes nicht wieder, wage sogar einen Vorwurf gegen Rußland daraus herzuleiten, daß dieses sich zum Organ feierlicher Entschließungen gemacht habe. Die Pforte habe seit dem Krimkriege nichts zur Verbefferung der Lage des Landes gethan; letztere sei im Gegentheil sogar viel schlechter geworden. Die Interessen Englands schwebten in großer Gefahr. Man könne nicht sicher sein, ob die orientalische Frage nicht durch Rußland oder Oesterreich eine gesonderte Lösung erfahre. Gladstone schloß mit einem beredten Hinweis auf die heilige Sache der unterdrückten Christen. Wolff beantragte die Ablehnung der Resolutionen Glad- stone's, die nur der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten bezweckten. Groß (?)


