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hältnissen Europas die Republik allein Frankreich bewahren könne. Sei da em Schwanken gestattet? Das Manifest weist ferner den Vorwurf des Radi­kalismus und der Demagogie zurück und fordert die Wähler auf, ihren Willen entschieden und unwiderleglich kund zu thun. Sobald sie gesprochen, müße ihrem Worte gehorcht werden.

Die Verhandlung des Procesies gegen Garnbelta in der Appeüations- Jnstanz findet am 10. October statt.

Paris, 5. October. Prinz Jerome Napoleon übersendete dem Justiz­minister ein Protest wegen des Verhalten- der Polizei-Behölde in Ajaccio gele­gentlich der bei seiner Ankunft in Ajaccio veranstalteten republikanischen Manifestation.

Nußland.

Petersburg, 5. October. Gegenüber den Auslastungen derDaily News" über eine Mediation auf Basis der Beschlüste der Konstantinopeler Cvnfercnz bemerkt dieAgence Rüste" :Daily News" vergesse die Umstände, durch welche gegenwärtig diese Basis unmöglich gemacht würde. Wenn man auch den nationalen Stolz Rußlands außer Acht lasse, so sei doch ersichtlich, daß die Verachtung, welche die Türken vor Europa hegen, die Pforte bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge hindere, jetzt die Bedingungen an^unehmen, welche sie auf dcr Conferenz abgelehnt habe. Endlich sei zu erwägen, daß die Beziehungen zwischen Mohamedanern und Christen damals zwar schwierig, aber doch unter gewissen Bedingungen möglich gewesen seien. Fortan würden solche vollständig unmöglich werden.

Der orientalische Krieg.

Konstantinopel, 4. October. Die Absetzung Mehemed Ali's wird als ein Sieg der alttürkischen Partei betrachtet.

Wien, 4. October. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest von heute: Theile der türkischen Besatzung von Silistria halten die in dem Donau- Arm Borcea gelegene Insel Chiciu besetzt, woselbst sie Befestigungen anlegen. Dagegen haben die Russen über einen Theil des Borcea-Sees eine Brücke mit befestigtem Brückenkopf errichtet, um die türkische Stellung auf Chiciu zu be­schießen. Außerdem sind zahlreiche russische Truppen nach Kalarasch dirigirt, auch ist in den angrenzende'? Districten die Bereitschaft der rumänischen Milizen angeorduet, um einer eventuellen Landung der Türken üjon Silistria aus zu begegnen. In den letzten Tagen zogen hier 20,000 Russen auf dem Marsche nach Bulgarien durch.

Konstantinopel, 4. October. Im Pulvermagazin Makrikeni hat eine Explosion ftattgefunden, bei welcher mehrere Personen um's Leben kamen; der dadurch verursachte Schaden wird auf 10,000 Pfd. türk, geschätzt. Die Munitions-Vorräthe sind intakt. Man hofft bereits in 14 Tagen die Arbeiten wieder ausnehmen zu können.

Konstantinopel, 4. October. Ein Telegramm Mukhtar Pascha'- an die Pfvi.te besagt: Am 2. Octbr., bet Tagesanbruch, haben bedeutende russische Streitkräfte den linken Flügel der Türken bet Jahnilartepe angegriffen, ebenso die vorgeschobene Position des türkischen Centrums bei Kigiltepe. Es entspann sich ein heftiges 13 Stunden dauerndes Gefecht. Sämmtliche russischen Angriffe wrirden mit großem Verlust abgeschlagen. Eine vom Arpatschai-Fluß anrückende russische Division ward ebenfalls zurückgeworfen. Nachdem so die Russen auf der ganzeu Linie geschlagen waren, wurden sie von den Türken bis gegen den genannten Fluß verfolgt. Eine große Masse Waffen, sowie Munitions-Vorräthe fielen den Türken in die Hände. Die Russen ließen über 5000 Todte auf dem Schlachtfelde.

Moskau, 5. October. Der linke Flügel der Armee Mukhtar Pascha'- unternahn, in Vereinigung mit der Besatzung von Kars, am 4. Octbr., Mit­tags, einen äußerst heftigen Angriff aus den rechten Flügel der Russen, der jedoch mit schweren Verlusten für die Türken zurückgewieien ward. Auch eine Wiederholung desselben, Nachmittags gegen 4 Uhr, blieb ohne Erfolg. Die Russen behaupteten ihre Positionen.

Petersburg, 5. October. Amtlich wird aus Karajal vom 4. d. ge­meldet : Am 2. October machten die Russen einen Angriff gegen die Positionen der linken Flanke Mukhtar Pascha'- auf den Anhöhen von Groß- und Klein- Jagni und bemächtigten sich nach zwei Stunden dauerndem Kampfe des Berges Groß-Jagni. Die türkischen Truppen, welche diesen Punkt vertheidigten, wur­den theils vernichtet, theils gefangen. Der Berg Klein-Jagni erwies sich aber als dermaßen stark befestigt, daß ein Sturm auf denselben, als noch zu früh­zeitig erachtet wurde. Nachdem sodann die Truppen der Garnison von Kars, welche in der Stärke von 13 Bataillonen zur Unterstützung Mukhtar's aus­rückten, zurückgeworfen waren, kämpften die Rnffen während der Nacht in den besetzten Positionen. Ihr Verlust an diesem Tage betrug: 9 Officiere tobt, 60 verwundet, 1000 Mannschaften tobt, 2000 verwundet. Die Türken ver­loren 200 Gefangene und erlitten außerdem nicht minder große Verluste als ihre Gegner. Am 3. d. griffen bedeutende türkische Streitkräfte die linke russische Flanke an, wurden jedoch alsbald glänzend zurückgewiesen und bis zu den vorderen Linien ihres Lagers gedrängt. Die Verfolgung derselben waro erst bei Eintritt der Dunkelheit eingestellt. Der russische Verlust an diesem Tage betrug 3 Officiere tobt, 11 begleichen verwundet, 40 Mannschaften tobt, 250 verwundet. Die Türken hatten enorme Verluste. Heute, am 4. b-, zieht sich die rechte Flanke der Russen von ben am 2. besetzten Anhöhen zurück, ba sich Schwierigkeiten bei ber Wasser-Versorgung zeigen.

Wie»ß, 5. October. DasNeue Wiener Tageblatt" melbet aus Rust- 'chuk vom 4. d.: Gestern haben türkische Abtheilungen unter Fuad und Assaf, nach lleberschreitung des Lom-Fluffes unweit Stroko, die Positionen der Russen angegriffen. Diese haben sich nach 6 Stunden dauerndem Kampfe auf Damo- Mlla zurückgezogen. Die Türken lagern auf den neu eingenommenen Positionen unweit de- linken Ufers des Lom. Russischerseits war der größte Theil des 12 orps engagirt. Der Commandant von Osman-Bazar meldet, daß eine türkische Ubtheilung mit 6 Geschützen von Kosowa bis Dzuwarkir vordrang und eine russische Brigade zurückwieS. Suleiman Pascha ist heute früh in Rasgrad eingetroffeu und nach Caceljemo weiter gereist. Mehemed Ali hat Nachts das Hauptquartier verlassen. Fazli Pascha übernimmt den Befehl eines Armee-Corps unter Suleiman. Das Bombardement von Rustschuk wird un­unterbrochen fortgesetzt. Die russischen Batterien in Slobosia sind zum Schwei­gen gebracht.

Petersburg, 5. Oktober. Amtliche Depesche von, Kriegsschauplatz. Plewna, 3. Octbr. Die russische Arme- von Rustschuk ist nach dem Rüchuge

Mehemed Ali's im Vorrücken begriffen. Die Türken treffen bei Silistria Vor­bereitungen zum Douau-Uebergang; von den Russen werden Gegenmrßregeln ergriffen. Im Balkan herrscht Ruhe. Bei Schipka fanden am 2. b. kleine Scharmützel statt, wobei ein russischer General leicht verwunbet warb. Am 1. d. rückte eine türkische Colonne von 5 Bataillonen Infanterie unb 4 Esca- drons Kavallerie zum Zwecke des Fouragirens aus Plewna gegen den Wio- gluß aus und gelangte zum Dorfe Doing Metropal. Russische Kavallerie unter General Tscheruosudoff, durch Artillerie-Feuer unterstückt, zwing, nach Ausführung mehrerer Attaken Seitens der Dragoner, Kosaken und Rumänen, die Türken, nach Plewna zurückzumarschiren. Durch die russische reitende Ar­tillerie wurde das Dorf in Brand geschossen, und ein Munitioaskarren in die Luft gesprengt, was zur Beschleunigung des türkisch?n Rückzuges beitrug. Auf russischer Seite wurden 2 Officiere verwunbet, 40 Mannschaften getüdtet ober verwundet. Am 2. d., Abends, wurden die russischen und rumänischen Posi­tionen von den Türken heftiger beschossen; von ben Russen blieben 2 Mann tobt, 1 Mann würbe verwunbet, bie Rumänen verloren einen Tobten. Heute würbe bas Feuer fortgesetzt. In einer türkischen Reboute flog ein Pulver- Magazin in die Luft. Türkischerseits wurde das Feuer fast gar nicht erwidert. Die Russen sendeten heute einen Parlamentär ab, um hinsichtlich der Beerbt- gung der Todten unb Auflesung ber Verwunbeten Abrebe zu treffen; bie Tür­ken erklärten sich zustimmend.

Konstantinopel, 5. October. Das letzte, von gestern Abend datirte Telegramm Mukhtar Pascha's bringt folgende Meldung: Die Russen, von allen Seiten zurückgewiesen, haben nach einem Verlust von 5000 Mann Karadja-Dagh verlassen und sich gegen Karajal zurückgezogen, wohin sie von den Türken verfolgt werden. Die telegraphische Verbindung Mukhtar's mit Kars ist wieder bergestellt. General Fazli Pascha traf in Schumla em.

Konstantinopel, 5. October. Abends. Suleiman Pascha übernahm gestern das Commando der Donau-Armee. Im Balkan ist Schnee gefallen. Schefket-Pascha befestigt Orkhanie zur Sicherung der Verbindung zwischen Plewna und Sofia.

Lokal-Ntotiz.

Gießen, 8. Oft. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung für die Sta>t- oerordneten-Sitzung am Donnerstag den 11. Oktober 1877, Nachmittag« 4 Uhr, im alten Nealschulgcbäude, folgen:

1 Die Veruwltungs Rechnung für das Jahr 1876.

2. Die Benutzung der Straßen mit schwerem Fuhrwerk.

3. Die Bletchstraße betreffend.

4 Das Feuerlöschwesen.

5. Gesuch um Erlaß respective Befreiung vorn Schulgeld.

6. Gesuch der Chrtfttan Etfs Wtttwe um Bewilligung einer Vergütung für ihre an die Stadt zurückgegebenen Trieb- und Wtesenviertel.

7. Gesuch des Kaufmanns Kalkhof um Bauerlaubniß.

8. Gesuch des Schreinermeisters Werner um Bauerlaubniß.

Vermischtes.

Darmstadt, 4. Oct. Dieser Tage wurde ein Pferd nach Straubing gebracht, das an einem Wettrennen theilnehmen sollte, also von edler Sl ice war, und in dem Stalle desGasthauses zum Engel- eingestellt wurde. Nach Mitternacht rtß es sic- los, verfügte sich ins Hotel und ging über 6 Stiegen in den 4. Stock. Durch das da­durch entstandene Gepolter wurden die Insassen des 4. Stocks in ihrem Schlafe auf­geschreckt, sprangen aus den Betten und begaben sich auf den Gang Das Pferd, da- ourch scheu gemacht, stieg wieder hinunter bls auf den 1. Stock- Hier wollte es Über eine Gallerte in den Hof sehen, bekam aber das Uebergewicht und stürzte hinunter, wobei es das Genick brach.

Frankfurt, 4. Oct. Mittels Einbruchs ist in voriger Nacht der Uhrmacher- Laden des Hrn. H., Gck des neuen Marktes und der Fahrgasse vis-a-vis vom o. Roth» schild'schen Comptoir, bis auf wenige Stücke geleeit worden.

In der chemischen Fabrik bei Mombach platzte am 3. ein Kessel mit Schwefel­säure und wurde dabei ein Arbeiter durch die entströmende heiße Flüssigkeit derart ver­letzt, daß der Tod bald herauf erfolgte.

Darmstadt, 5. Oct Großes Aussehen erregt ein heute Nacht in dem Uhren- lafler der Wtttwe Diehl in der oberen Elisabeihenstraße ausgesührter frecher Einbruch. Wir haben es hier anscheinend mit einer Bande zu thun, welche bekanntlich seither unsere Nachbarstädte in gleicher Weise bereit« ausraubte. Der untere Theil des Schau­ladens ist mit Vorsatzläden geschützt, dagegen das sog. Oberlicht nicht, und benützten die Gsuner diesen Umstand zum Einsteigen, mittelst einer aus dem Palaisgarten her- beigeschafften Leiter.

Die eben nicht sehr große Scheibe wurde mittelst Lehm verklebt und bann ein» gebrückt, dieselbe ist von mäßiger Größe und formte nur für einen schmalen Körper zum Durchschlüpfen Raum bieten. Im Innern ist, wie Stearintropfen beweisen, gründ­lich umhergelmchtet und vorzugsweise goldene, aber auch einige silberne Uhrei nebst Talmi- und Broncefetten mitgenommen. Hsffentlich gelingt es unserer rührigen Cri- minalpolizei die Thäter zu ermitteln.

. .Aus Königsberg in Pr. berichtet die K. H. Z.: Die I. Criminal-Deputat on

des föntgl. Stadtgerichts Hierselbst hatte sich in ihrer Sitzung am 13. d mit einer auf ®runb des $ 202 des R-Str. G-B. erhobenen Auflage wegen Herausforderung zum Zweikampf auf Leden und Tod zu beschäftigen. Ein Reserve Olficier war im Jahre 1873 in einem öffentlichen Local in Wesel durch einen ihm ganz unbefannien Menschen beschimpft worden. Ein anderer Reseroeosficier bortfelbft, der davon erfuhr, zttgte >-en Vorfall der Militärbehörde an, und das in Folge desselben gegen den beleidigten Offi- cler eingeleitete Verfahren endete mit einem fchttckten Abschied. N rchde n die« geschehen, ließ der Verabschieb7te von hier aus an den Osficier tu Wesel eine Heraussorderung auf Pistolen auf Leben und Tod ergehen, auf welch- ber Geforderte jedoch nicht ein­ging, trotzdem er mehrfach dazu durch den Eartellträger aufgeforxrt wurde Nach länger al« einem Jahre, als der Geforderte noch immer sich nicht erflart hatte, zog der Herausforderer mittels Schreibens an den Geforderten die Herausforderung zurück, und zwar wegen unehrenwerthen verhaltend des Letzteren in dieser Angelegenheit. Nun­mehr fam die Sache zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft und zur Anflage. Nach ge­pflogener Verhandlung wurde der Antrag gestellt, ben Angeklagten zu zwei Monaten Festungshaft zu verurtheilen. Der Gerichtshof aber folgte den Ausführungen de« Ver- tdeidigers, Rechtsanwalt Alscher, daß dem Angeklagten die Wohlthat des S 204 de« R. Str.-G -B. zu statten komme, welcher bestimmt, baß die Strafe fortfällt, wa>enn bie Parteien den Zwe-kampf vor dem Beginne freiwillig aufgegeben haben." Der Ge- nchtshof sprach den Angeklagten frei mit ber Motioirung, baß jener Paragraph de« Gesetze- auch in dem Falle z«r Anwendung kommen müsse, wenn eine ber Parteien freiwillig von dem Zweikampfe vor Beginn desselben zurücktrete.

v"lin. Herr vr. Strousberg richtet folgende Bitte an die deutsche Presse: Mit nachstehenden Zeilen wende ich mich an die gesummte deutsche Presse, mit der Bitte, Mich ferner nicht zum Gegenstand ihrer unausgesetzten Beobachtung zu machen. Don meinem Laben befreit, genieße ich vorläufig nur, was jedem Menschen gebührt bie »"theil; üi jeher anberen Beziehung außerhalb meiner Häuslichkeit braucht mich Nie- manb zu beneiden unb mein Wirken ist vorläufig ohne jedes Interesse. Ich wünsche ruvlg und den verhaliniffen entsprechend tbatig zu fein, möchte nicht unnötiger Weise tn die Oeffenttichken treten, enthalte mich bebhalb selbst jeher Aeußerung über ba«, "" außerhalb Preußen widerfahren, und bitte, mich vorläufig als gänzlich für untnterefiant unb für bas Publikum unbebeutenb zu betrachten. Meine erste Tdattgkett, ein Arrangement mit meinen Gläubigern anzubahnen, bedarf der Hilfe der Presie nicht, denn jeder meiner Grebitoren muß unb kann hier zur Kenntniß der tbot- sachltchen Verhaltntffe gelangen unb habet ist ihnen die Hilfe des EoncursverwalterS und de« Richters jedenfalls nützlicher unb verläßlicher, als bie Mittheilungen oft sehr mangelhaft unterrichteter Blätter. Mich schäbigen bie ewigen Notizen aber positiv.