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Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

und Getreide - Transport - Fahrzeuge bis Orsowa zurück. Die Personen- und Güter-Dampfer gehen nunmehr nur bis Turnseverin.

Wien, 30. April. Aus Rumänien wird ein Getreide-Aussuhr-Verbot als bevorstehend gemeldet. In Gtnrgewo fand ein Juden-Gemetzel statt, bei welchem 8 Juden erschlagen und 11 verwundet wurden. 40,000 Tscherkessen sind von der Türkei nach der Donau-Armee instradirt worden. In Ungarn wird für die türkischen Verwundeten Geld gesammelt. Das Hochwasser dauert an.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Berlin, 28. April. Sitzung des Reichstags. Auf der Tagesordnung steht die Berathung des Antrages Varnbühler's auf eine Enquete über die Pro­ductions- und Absatz-Verhältnisse der Industrie und Landwirthschaft. Varn- bühler begründet seinen Antrag und hebt hervor, daß ein ersprießliches Vorgehen in der Handels-Politik ohne genaue Kenntniß der das Gewerbsleben beeinflussen- btn thatsächlicben Momente nicht möglich sei. Der Präsident des Reichskanz­leramts, Hofmann, erklärt, die Regierung sei um einen Tarifvertrag mit Oesterreich bemüht. Das Nichtperfectwerden eines solchen würde für die deutsche Jirdnstrie sehr nachtheilig sein. Die Regierung könne auf den zweiten Theil des Varnbühler'schen Antrages nicht eingehen, weil die Verhandlungen mit Lesterreich dadurch gestört würden, was gerade jetzt, wo der Zoll-Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn noch nicht stattgesunden habe, gefährlich wäre. Äeun nun die Regierung den zweiten Theil des Antrages nicht unterstützen könne, so folge dies auch für den ersten. Eine so allgemeine Enquete, wie der Antrag fordere, werde keinen praktischen Erfolg haben und nur Beunruhigung erzeugen. Auch habe der deutsche Handeletag bereits zur Klärung der Situa­tion viel beigetragen. Die deutsche Regierung hätte sich aus eigener Initiative über die Lage der deutschen Industrie insormirt. Die Reichsregierung sei sicb der von ihr einzuschlagenden Politik wohl bewußt, sie wisie auch, daß man so- wohl mit Oesterreich wie mit Frankreich zu einem Handels-Vertrag gelangen miisse. Ueber die an die deutschen Commissäre zu den Verhandlungen in Wien en heilten Instructionen läßt sich selbstverständlich hier Nichts sprechen. Jeden falls dürfe der Reichstag sich versichert halten, daß das Interesse Deutschlands bei diesen Verhandlungen in jeder Richtung bestens würde gewahrt werden. (Beifall.) Der Abg. Buhl erklärt als Mitunterzeichner des Varubühler'schen Antrages, Letzterer werde mit Rücksicht auf die entgegeiikommende Erklärung der Regierung zurückgezogen. (Bewegung.) Rickert nimmt den Antrag wieder auf. Braun spricht gegen, Kardorff für den Antrag. Präsident Hofmann be­stätigt seine vorangegangenen Erklärungen und bestreitet, daß die Regierung zu dem Darubühler^schen Anträge sich entgegenkommend verhalte. Rickert zieht darauf den Antrag zurück. Das See-Unfalls-Gesetz wurde hierauf nach den Anrträgen der Commission in zweiter Lesung en bloc, das elsaß-lothringische Weiusteuer Gesetz unverändert angenommen. Es folgte sodann die zweite Lesung des elsaß-lothringischen Etats. Simonis plaidirt für Reducirung der Orts- Zulagen der Beamten auf das in Deutschland bestehende Maß. Schneegans und Genossen beantragen, den Reichskanzler zu einer Vorlage über Abänderung bet? Brantweinsteuer-Gesetzes aufzufordern. Der Antrag Simonis wird abge- lebut, die weitere Berathung auf morgen vertagt.

Die gestrige Erklärung Derby's im engt Parlament bezüglich des Rund­schreibens Gortschakows wird in politischen Kreisen als sehr bedeutsam ange­sehen. Man glaubt, die englische Antwort werde ähnlich gefaßt sein und jeden­falls die Prätention Rußlands, als ob es Krieg im Namen Europas führe, deutlich zurückweisen. Man nimmt an, daß auch unter den Antworten der anderen neutralen Regierungen wenigstens nicht alle eine unbedingte Zustimmung

Frankreich.

Paris, 29. April. Privat-Mittheilungen aus London wollen, wie die Agence Havas" erfährt, davon wisten, daß die englische Regierung sich ent» chieden habe, eine Flotte nach Alexandrien zn senden.

Rußland.

Petersburg, 28. April. Der Kaiser, welcher am Mittwoch Kischeneff verlassen hat und am Freitag in Moskau eintraf, reist heute von dort ab unb wird morgen hier erwartet. Die Stadt Moskau hat eine zweite Million Rubel zu Kriegszwecken dargeboten; auch andere Städte bringen reiche Geld­beträge auf.

Der orientalische Krieg.

«Odessa, 27. April. Die hydrographische Abtheilung des Ober-Com- mandas der Häfen und der Flotte des Schwarzen Meeres bringt zur öffent­lichen Kenntniß, daß in der Kertsch -Jenikalischen Meerenge in der südlichen Krümmung derselben bei der Spitze der Tuslin'schen Landzunge ein Seefahrts­zeichen zur Sicherheit der Schiffer errichtet ist. Jedes Schiff, welches beab­sichtigt, in die Meerenge ein- oder auszulausen, hat sich bei einer der an beiden Seiten der Meerenge postirten Brandwachen bei Tage zu melden und hier die Ankunft eines Officiers abzuwarten, welcher die Aufgabe hat, das Schiff über die gefährliche Stelle in der Nähe der schwarzen Bake zu führen; bei Nacht ist sowohl Ein- wie Ausfahrt unbedingt untersagt. Dieser Tage ist ein russisches Kriegsschiff, eine sog. Popowka, kreisrundes Panzerschiff, bisher in Nikolajew stationirt, hier vor Anker gegangen. Dieselbe dürfte zum Schutz des hiesigen Hafens bestimmt sein. Die hölzerne Staketen-Bahn, welche den directen Verkehr der Waggons mit den Schiffen bei Getreide-Verladungen ver­mittelt und an 5 Millionen gekostet, wird abgebrochen, da man fürchtet, daß dieselbe bei einem Bombardement in Braud gerathe.

Paris, 28. April. Laut officieller Nachrichten aus Konstantinopel wird der Sultan nächstens den Oberbefehl über die Armee übernehmen. Derselben Quelle zufolge bestätigt sich die Meldung von einem Siege der Türken in Asien. Der Geist der türkischen Truppen ist sehr gut und die Gerüchte über starke Ausreißereien in der asiatischen Armee werden als grundlos bezeichnet. Der russische Oberbefehlshaber hat sich geweigert, einen Korrespondenten desMo­niteur Universel" seinem Hauptquartiere folgen zu lassen, obgleich der Herzog Decazes diesen Berichterstatter empfohlen hatte. Die türkische Flotte, welche Poti bombardirte, wird, wie es heißt, alsbald Stellung vor Odessa nehmen. General Fadejew ist in Cettinje mit einer Mission des Großfürsten Nicolaus an den Fürsten von Montenegro eingetroffeu. Laut Nachrichten aus Jaffy vom 27. April sind dort die Lebensmittelpresie schon um die Hälfte gestiegen; das Regenwetter hat in Rumänien wieder begonnen; für den Artillerie-Train, der im Schlamme feststeckt, wurden Maffen von Zugochsen requirirt. Aus Asien wird gemeldet, daß die türkische Flotte nach Beschießung Potis das Fort St Nicolaus bei Poti beschoffen hat. Mehrere neue Depeschen, die in Paris eintrafen, bestätigen, daß die Ruffen bei Datum geschlagen worden seien.

Paris, 28. April. Die russische Armee in Asien besteht soeben aus 110,000 Mann Infanterie, 25,000 Mann Kavallerie nebst 350 Kanonen; dazu kommen noch 30,000Freiwillige." Eine größere Armee kann in Jenen Gegenden der schlechten Wege halber nicht verwandt werden. Der Großfürst Michael ging am 15. April von Tiflis zur Armee ab. Die türkische Armee soll nur aus 80,000 Mann regelmäßiger Truppen bestehen, hat aber eine be­deutende Anzahl unregelmäßiger zur Verfügung, und glaubt auf die ganze musel­männische Bevölkerung Armeniens zählen zu können. Die russischen Militär­behörden hatten der Bukarester Regierung versprochen, daß sie in Rumänien alle Requisitionen durch Vermittlung der rumänischen Beamten machen würden.

Bukarest, 28. April. Minister Cogalniceanu hat der Deputirten- Kammer Mittheilung von einer am 16. April zwischen Rußland und Rumänien abgeschloffeneu Convention gemacht. Darnach sichert der Fürst von Rumänien der russischen Armee freien Durchzug und der befreundeten Waffenmacht gebüh­rende Behandlung zu. Der Kaiser von Rußland übernimmt dagegen die Ver­pflichtung, die Rechte und die Integrität Rumäniens den Verträgen gemäß zu achten.

Bukarest, 29. April. Die Deputirten-Kammer hat mit 79 gegen 25 Stimmen die mit Rußland abgeschloffene Convention angenommen, nachdem

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zu den russischen Ansprüchen enthalten werden.

Die Russen halten immer noch Giurgewo besetzt; sonst ist vom Kriegs- Schauplatz nichts von Bedeutung en melden, es wäre denn, daß Tschernajeff in Kischeneff eingetroffen ist und sicht beim Oberbefehlshaber gemeldet hat. Die panslavistische Richtung herrscht in Rußland jetzt offen vor. DerNordd Mg. Ztg." wird gemeldet, daß in Bosnien der Ausstand noch fortdauert, wenngleich er wenig Lebenszeichen von sich gibt. Man gibt die Anzahl der !freilich zerstreuten Empörer auf 3000 an. Von Serbien will man in Bosnien nichts mehr wissen, sondern wünscht, sich an Montenegro auzuschließen.

Kissingen, 29. April. Nach Vortrag mehrerer Gesang- und Jnstru- Mental-Musikstücke wurde heute Vormittag nach 11 Uhr das Denkmal des Fürsten Bismarck unter den lebhaftesten Hochrufen einer sehr zahlreichen Volks­menge enthüllt. Die Uebergabe des Denkmals an den Bade-Commissär wnrde vom begeisterten Hochs auf den König Ludwig begleitet.

Karlsruhe, 29. April. Die auf heute angekündigte, große Parade der Garnisonen von Karlsruhe, Durlach und Ettlingen nahm präcise 12 Uhr ihren Anfang. Die Truppen waren im Parade-Anzug vom linken Schloßflügel au- ge fangen längs dem Marstalle und dem vorderen Zirkel aufgestellt. Nachdem lei Kaiser, der Großherzog und der Kronprinz in Begleitung der Generalität unb vieler Ofsiciere die Front abgeschritten waren, fand der Vorbeimarsch un­mittelbar vor dem Gebäude der Schloßwache statt, woselbst auch die Kaiserin, die Großherzogin, Prinzessin Wilhelm und die Großherzoglichen Kinder zu Wagen dem Schauspiel berwohnten. Das Ganze verlief in bester Ordnung unb' war vom Wetter begünstigt.

Hellerreich.

Wien, 29. April. DerPreffe" zufolge hat die Donau-Dampfschiff- fchrts-Gesellschaft auf Befehl des Ober-Commnndeurs der russischen Armee den Ve-rkehr auf der unteren Donau eingestellt und zieht demnach alle ihre Schiffe

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